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  Home > Rettungsaktion: 43 Wellis in Not > Neues vom 29.10.2005
     
  Liebe Vogelfreunde,

es ist vollbracht! Gestern waren die 41 Vögel beim Tierarzt und ihnen wurden die Proben entnommen, um endlich die Untersuchungen auf Circoviren (PBFD) und Polyomaviren (Französische Mauser) durchführen zu lassen. Außerdem wurden Kloakenabstriche entnommen, weil überprüft werden soll, welcher Vogel derzeit an einer Infektion mit Straphylokokken und/oder Streptokokken leidet. Immerhin sind ja am 4. Oktober 2005 zwei ihrer Freunde, die Vogelmänner Harry und Benny, aufgrund ebendieser Krankheitserreger aus dem Leben geschieden.

Zusammen mit der ersten Vorsitzenden des VWFD Externer Link war ich in der Tierarztpraxis, in der wir gemeinsam mit dem vogelkundlichen Arzt und einer seiner Helferinnen zu viert Hand in Hand arbeiteten, um den Vögeln möglichst schnell durch die schmerzhafte und anstrengende Prozedur zu helfen. Ihnen wurde natürlich auch Blut abgenommen, was für sie alles andere als angenehm war. Manche Tiere waren nach der Blutabnahme sehr verstört, andere steckten diesen fiesen Nadelstich hingegen zum Glück recht gut weg.

Alles in allem waren die Vögel nach gut zwei Stunden allesamt ziemlich fertig. Ich übrigens auch! Mir war nämlich die undankbare Aufgabe zuteil geworden, die Vögel aus den Käfigen zu fangen, weil außer mir niemand sonst dazu in der Lage ist, wirklich alle Vögel voneinander unterscheiden zu können. Das ist für die Zuordnung der Untersuchungsergebnisse jedoch absolut wichtig.

Wie nicht anders zu erwarten war, haben es mir die Vögel ausgesprochen übel genommen, dass ich sie eingefangen habe. Obwohl ich eine geübte Vogelfängerin bin, wurde ich mehrmals heftig gebissen. Am Ende klebte nicht nur Wellensittichblut an meinen Händen ... Na ja, wäre ich an der Stelle der Vögel gewesen, hätte ich auch kräftig zugebissen!

Bernhard (Vogel 2) kann nicht mehr ... Nachdem wir die Vögel wieder in den Quarantäneraum gebracht und ihre Käfige gereinigt hatten, kehrte Ruhe bei den Tieren ein. Einige fielen sofort in einen tiefen Schlaf, andere schlugen sich erst einmal mit der Kolbenhirse und den Knabberstangen, die wir ihnen serviert hatten, den Kropf voll. Offenbar gibt es auch unter Wellensittichen das berüchtigte "Frustfressen" ... ;-)

Als wir den Quarantäneraum verließen, wirkten die Vögel zwar schon wieder erheblich munterer als unmittelbar nach der Prozedur in der Arztpraxis. Trotzdem hatte ich eine furchtbare Nacht. Mich plagten Albträume, in denen es um verblutende Vögel oder Wellensittiche ging, die beim Einfangen an einem Herzschlag gestorben sind. Ich möchte lieber nicht wissen, wie schrecklich die Träume der armen Wellensittiche gewesen sein mögen. Wenn man ihnen doch bloß erklären könnte, dass diese Untersuchungen notwendig waren, um bald jeden von ihnen in ein neues Zuhause vermitteln zu können!

Heute Morgen hatte ich den inneren Zwang, so schnell wie nur irgend möglich zu den Vögeln zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Liebe Leser, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr es mich deshalb auf die Palme gebracht hat, dass die Straßenbahn ausgefallen ist und ich erst einmal 20 Minuten festsaß. Als ich nach gefühlten drei Stunden, die in Wahrheit aber nur etwa 50 Minuten entsprachen, endlich im Quarantäneraum eintraf, waren alle Vögel lebendig, wenn auch nicht durch die Bank munter. Einigen Vögeln sah man an, dass sie die gestrigen Strapatzen noch nicht ganz verarbeitet hatten. Ich glaube aber, die Zeit wird alle seelischen und körperlichen Wunden heilen.

Übrigens hatte die Untersuchungsaktion für zwei Wellensittiche sofort sehr positive Folgen: Vogel 12 und Vogel 42, der kleine Sam, haben in den vergangenen Wochen ein so schönes, intaktes Gefieder bekommen, das ihnen dazu verholfen hat, vor uns in den Käfigen gewandt flatternd Reißaus zu nehmen. Das heißt, die Untersuchung hat sie als Flieger enttarnt! Wir haben uns darüber natürlich sehr gefreut und wir gehen davon aus, dass einige weitere Vögel bald fliegen ebenfalls können werden, wenn ihnen ihre Federn weiterhin so gut nachwachsen.

Vogel 12    Vogel 42 (Sam)
Enttarnt: Die Vögel Nummer 12 (links) und Nummer 42
gehören zu den Fliegern!

Na ja, und Armors Pfeil hat auch schon wieder getroffen! Zwischen Vogel 18 und Vogel 19 hat es seit meinem letzten Besuch im Quarantäneraum kräftig gefunkt. Bemerkt habe ich es aber erst gestern, und prompt hatte ich am Abend zuvor einer Vogelfreundin aus Norddeutschland die Vögel 19 und 5 reserviert, weil sie ihnen ein Zuhause geben möchte. Ich war natürlich erst einmal wie vor den Kopf geschlagen. Da hatte ich Vogel 19 gerade jemandem zugesagt, und da hat das Schicksal zugeschlagen. Mit leichtem Magengrummeln kontaktierte ich gestern Abend die Vogelfreundin und erzählte ihr davon, dass ihr Wunsch-Vogelmännchen eine andere Dame als die von ihr ausgewählte geheiratet hat.

Vogel 19 (Maiky)    Vogel 18 (Ayla)
Frisch verliebt: Maiky (links) und Ayla

"Ach, wo die Liebe hinfällt. ;-)
Dann sollte man die beiden auch nicht mehr trennen."
Das waren ihre Worte, als sie mir mitteilte, dass sie die Reservierung für Vogel 5 aufhebt und selbstverständlich das frisch verliebte Paar aufnehmen wird. Das hat mich überglücklich gemacht, zumal die Vogelfreundin die beiden sogar dann aufnehmen möchte, wenn sie - was wir alle nicht hoffen - an PBFD leiden. Danke, liebe Freya! Du bist ein Engel! Freya hat für ihre beiden Vögel nun auch schon Namen ausgesucht, die beiden heißen seit gestern Ayla und Maiky.

Das war es mal wieder. Nun heißt es Warten. Auf die Ergebnisse. Und ich bin wirklich ziemlich ungeduldig. Genau genommen noch ungeduldiger als beim heutigen Warten auf die Straßenbahn. ;-)

Essen, 29. Oktober 2005

 
 
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