Birds Online
     
  Home > Rettungsaktion: 43 Wellis in Not > Brunhilde erzählt aus ihrem neuen Leben
     
  Brunhilde mit roter Kolbenhirse Hallo Leute! Eigentlich habe ich gerade überhaupt keine Zeit, meine Geschichte zu erzählen, weil ich hier im Vogelzimmer die anderen Wellis aufmischen muss. Aber meine neue Futtergeberin ist ziemlich raffiniert. Sie hat mich mit roter Kolbenhirse bestochen. Und wer kann dazu schon Nein sagen ...?
Wo soll ich am besten anfangen?

Einwurf der Futtergeberin: Am Anfang, liebe Brunhilde. Das ist immer die beste Lösung. ;-)

Na gut, dann fange ich halt am Anfang an. Aaaaaalso. Ich bin einst aus einem winzigen Ei geschlüpft. Wann das genau war, weiß ich nicht, weil ich keine Kalender lesen kann. Dann habe ich ein paar Tage lang nichts sehen können, weil meine Augenlider noch geschlossen waren. Mama war da und meine Geschwister, die mich immer gerempelt haben und irgendwie war es im Nest ...

Einwurf der Futtergeberin: Brunhilde, das war alles sicher total spannend, aber so sehr am Anfang solltest du dann doch nicht mit Deiner Erzählung beginnen.

Brunhilde Na gut, sorry, ich war mal wieder zu übereifrig. Das bin ich übrigens öfters. *grins*
Also fange ich nicht beim Anfanganfang an, sondern am Anfang meiner Geschichte. Und der geht so: Mit etwa 200 anderen Wellensittichen habe ich bei einem älteren Herrn in der Wohnung gelebt. Wir konnten dort zwar immer machen, was wir wollten, aber wir waren so viele, dass er den Überblick verloren hat. Der hat nicht einmal gemerkt, dass mein Bein aufgerissen war, obwohl ich geblutet habe. Ganz schön frustrierend. Ein bisschen Mitleid hätte mir wirklich gut getan ...

Dann kam der Tag, an dem er viele von uns abgeben musste, weil sich seine Nachbarn über den Chor unserer zarten Singstimmchen beschwert hatten. Der Mann hat am Ende nur ganz wenige Vögel behalten. Die meisten meiner ehemaligen Gefährten hat er bei Züchtern abgegeben, mit denen er befreundet ist. 43 von uns - zu dieser Gruppe gehörte auch ich - waren unansehnliche, struppige "Ladenhüter". Wir waren zu hässlich oder zu krank, um bei den anderen Züchtern willkommen zu sein, hieß es.

Trotzdem mussten wir ausziehen und der Amtstierarzt sprach unerbittlich davon, uns alle umzubringen, wenn sich nicht bald ein Zuhause für uns finden würde. Überlegt Euch das mal, die wollten mich ins Jenseits befördern, weil meine Steuerfedern zerzaust sind und ich deshalb angeblich kein Zuhause finden könnte. So in etwa habe ich mir das zusammengereimt, einen anderen Grund kann es nicht gegeben haben. Aber ich bin weder hässlich, noch krank! Dass die mich einfach so ausradieren wollten, ist doch wirklich ungeheuerlich, oder?

Brunhilde Es kam alles anders, zum Glück gibt's Tierschützer mit Herz, die es nicht zugelassen haben, dass man uns ermordet. Wir wurden von ihnen abgeholt, von einem netten Tierarzt versorgt und anschließend liebevoll gepflegt (endlich hat sich mal jemand um mich und mein verletztes Bein gekümmert). Wir waren in einem Quarantäneraum in Käfigen untergebracht. Ich fand es doof, im Käfig bleiben zu müssen. Deshalb habe ich damit angefangen, mir Ausbruchspläne zu überlegen. Beim Überlegen blieb es nicht, ich habe sie auch in die Tat umgesetzt. Höhöhö, die Leute, die sich um uns gekümmert haben, mussten mich ganz schön oft einfangen. :-)

Brunhilde benagt Kork Eine der Frauen, die uns damals abgeholt und zum Tierarzt gebracht hatten, hat uns in dem Quarantäneraum alle paar Tage besucht. Das war echt nett von ihr. Komisch war: Sie hat mich immer genau angeguckt und dann eines Tages mitgenommen. Einfach so. Ich war erst einmal total geschockt. Schwupps, war ich weg von meinen Freunden und was das Schlimmste war: Ich war tagelang ganz allein! Na, ahnt Ihr es schon? Richtig - noch mal Quarantäne und wieder in einen Käfig eingesperrt...

Aber soll ich Euch was sagen? Auch aus dem bin ich entkommen, ich bin nämlich eine sehr geschickte Profi-Ausbrecherin. Kein Käfig ist sicher vor mir. Außer meine Futtergeber sind so gemein, Vorhängeschlösser daran zu befestigen. Wie können diese Leute nur so unfair mir gegenüber sein, das ist gegen die Spielregeln!

Merlin, der Kreischer Egal, das ist alles ja jetzt längst Schnee von gestern. Nach der Quarantäne und einer weiteren Untersuchung beim Tierarzt wurde ich für gesund befunden und durfte ins Vogelzimmer einziehen. Dort leben ganz viele andere Wellis und zwei Katharinasittiche. Der grüne ist echt voll der Kreischer! WIE KANN EIN VOGEL BLOSS SO LAUT SEIN?!? Manchmal würde ich ihm am liebsten eine runterhauen, weil der andauernd so laut rumkreischt.

Einwurf der Futtergeberin: Bruni, ich habe dir doch erklärt, dass der Merlin nur deshalb so kreischt, weil er sieben Jahre lang von seinem Vorbesitzer gequält worden ist.

Ja, ja, ist ja schon gut. Ich möchte mit ihm wirklich nicht tauschen, seine Vergangenheit ist schrecklich. Aber manchmal stört es trotzdem ein klitzekleines bisschen, wenn er so laut ist. Du sagst doch selbst oft in scherzhaftem Ton, dass er in die Suppe kommt, wenn er weiter so rumbrüllt.

Einwurf der Futtergeberin: Äh, Brunhilde, Du solltest doch Deine Geschichte erzählen und hier nicht all meine kleinen Geheimnisse ausplaudern ...

Brunhilde und die dicke Maia Meine Geschichte. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, ich bin ins Vogelzimmer gezogen. Hier ist immer viel zu tun und die anderen Vögel sind total nett. Meine Futtergeberin lacht manchmal über mich, weil ich mit dem Kopf wackle wie eine Taube, wenn ich über den Boden renne. Die anderen Vögel stört das nicht weiter und mich auch nicht. Was ist denn eigentlich eine Taube? Sind Tauben so schön wie ich? Egal, ich bin halt so und wackle beim Rennen mit dem Kopf. Jeder braucht schließlich sein ganz persönliches Erkennungszeichen.

Brunhilde liebt Karotten Seit ich im Vogelzimmer lebe, kann ich den ganzen Tag tun und lassen, was ich will. Wir sind alle immer draußen und gehen nur zum Schlafen in die Käfige. Es gibt viele Kletterbäume, Korkrinde zum Benagen (das mache ich besonders gern) und sehr leckeres Essen. Karotten sind für mich in Sachen Frischkost das Größte! Ach ja, und das sollte ich auch noch erwähnen. Ich war total von den Socken, als ich hier schon einige Wochen lebte und plötzlich zwei alte Bekannte im Schwarm auftauchten: Isobella und Lucy. Sie hatten zusammen mit mir bei dem alten Mann gelebt und waren auch im Quarantäneraum mit von der Partie gewesen. Lucy starb leider, sie war ohnehin nur deshalb hier, weil sie gesund gepflegt werden sollte. Aber Isobella darf bleiben, was ich klasse finde, weil ich sie gern mag.

Jetzt wisst Ihr aber genug über mich und mein neues Leben. Ich hab zu tun und muss nun dringend wieder im Vogelzimmer nach dem Rechten sehen. Sonst stellen die anderen Vögel ohne mich Unsinn an und das geht ja mal gar nicht!

Tschööö,
Eure Brunhilde

 

 

 

 

 

 

Autorin des Textes: Gaby Schulemann-Maier, 15.2.2006

Nachtrag: Am Morgen des 19. Oktober 2006 hat sich Brunhildes Gesundheitszustand so sehr verschlechtert, dass mir keine andere Möglichkeit blieb, als sie einschläfern zu lassen. Sie litt an einer unheilbaren Erkrankung des Drüsenmagens.

 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.