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Raclette-SetWenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen unangenehm niedrige Gefilde erreichen und der Grill bis zum nächsten Sommer in die hinterste Kellerecke verbannt worden ist, beginnt die Zeit der "Tischbruzzler". Kochgerätschaften wie zum Beispiel Raclette-Pfännchen haben bei den meisten Menschen im Winter Hochsaison. Zum Einsatz kommen die kleinen Pfännchen, wenn in geselliger Runde gemütlich und ein wenig ausgefallener gespeist werden soll.

Dass dieses für den Menschen kurzweilige und leckere Vergnügen für Wellensittiche und andere Ziervögel sowie für etliche Kleintierarten eine tödliche Gefahr darstellen kann, ist leider nur den wenigsten Tierbesitzern bewusst. Immer wieder erreichen mich im Winterhalbjahr und vor allem an Neujahrstagen E-Mails sehr verzweifelter Vogelhalter, in denen in etwa dasselbe steht: Es ist ein gemütliches Raclette-Essen veranstaltet worden und plötzlich sind die Vögel innerhalb weniger Minuten gestorben - oftmals ganze Kleinschwärme mit bis zu zehn Mitgliedern.

Gift in der Atemluft
Die Ursache für das massenhafte Dahinscheiden jener Ziervögel sind im Fall von Raclette-Partys sehr häufig die sehr gefährlichen Ausdünstungen der Antihaftbeschichtungen in den kleinen Pfännchen sowie zusätzlich die Ausdünstungen verbrannten Fetts. Die Beschichtung der Pfännchen wird von den meisten Menschen nach einem Produkt der Firma DuPont Externer Link benannt. Ich darf dessen Namen im direkten Zusammenhang mit einer Vergiftungsgefahr für Ziervögel nicht nennen, weil "eine Erwähnung des Markennamens in einem negativen Zusammenhang nicht statthaft ist", erklärte mir ein Rechtsvertreter des Unternehmens. Eine freie Berichterstattung mit öffentlicher Namensnennung ist mir somit verboten worden, was ich sehr bedaure und was meiner Ansicht nach der in Deutschland geltenden Pressefreiheit widerspricht.

Diese Markenbezeichnung, deren Name hier nicht genannt werden darf, ist als Umschreibung für einen Kunststoff in die Alltagssprache eingegangen. Genau genommen ist dieser Markenname die Handelsbezeichnung des Stoffes, den ausschließlich die Firma DuPont herstellt; es gibt noch weitere Handelsnamen, unter anderem Gore-Tex bei Textilien.

Die Beschichtung ist das Problem Der Kunststoff, aus dem alle Antihaftbeschichtungen bestehen, heißt in der wissenschaftlich korrekten Form Polytetrafluorethylen, die Abkürzung lautet PTFE. Es handelt sich bei diesem Kunststoff um ein fluoriertes Polymer, also eine mit Fluor versetzte chemische Verbindung, die aus Molekülketten beziehungsweise stark verzweigten Molekülen besteht. Die bekannteste Anwendung dieses Kunststoffs ist die bereits weiter oben erwähnte Antihaftbeschichtung in Pfannen und auf der Innenseite anderer Kochgeräte. Nahezu alle Raclette-Pfännchen sind mit Polytetrafluorethylen beschichtet, damit das Gebratene nicht haften bleibt. Dies gilt übrigens auch für Bratpfannen, Sandwichmaker, Waffeleisen und viele andere Küchengeräte.

Pfannen und Kochgeräte werden beim Gebrauch naturgemäß sehr heiß, und genau darin liegt das Problem. Unter großer Hitzeeinwirkung zersetzt sich Polytetrafluorethylen (PTFE) in seine chemischen Einzelteile. Bis eine komplette Beschichtung durch die Hitzeeinwirkung zerstört ist, vergehen sehr viele Jahre, sodass man sich um die Wirksamkeit der Beschichtung auch bei häufigem Gebrauch der Kochgeräte keine Sorgen zu machen braucht. Problematisch sind jedoch die Ausdünstungen (Dämpfe), die durch die chemische Zersetzung aufgrund der Hitzeeinwirkung entstehen.

Jene Dämpfe sind in hohen Konzentrationen für den Menschen schädlich, sie können zu schweren Vergiftungen führen. Bei einem normalen Gebrauch der Kochgeräte ist die freigesetzte Menge dieser Gase für den Menschen unbedenklich. Leider gilt dies nicht für kleine Tiere, für sie sind die geringen Mengen des giftigen Gases sehr gefährlich. Vor allem Vögel sind aufgrund ihrer geringen Körpergröße und Anatomie extrem anfällig für derlei Gasvergiftungen.

Warum sind Vögel besonders gefährdet?
Während ein erwachsener Mensch in ausgeruhtem Zustand zwischen 16 und 20 Atemzüge pro Minute tätigt, atmen Wellensittiche in derselben Zeit zwischen 75 und 96 Mal ein und aus. Die Atemluft gelangt bei ihnen nicht nur in die Lungen, wie es beim Menschen der Fall ist. Vögel verfügen neben den Lungen über ein weitläufiges System sogenannter Luftsäcke, die wie die Lunge mit Schleimhäuten ausgekleidet sind. Somit findet sich im Körper eines Wellensittichs eine vergleichsweise große Schleimhautfläche, über die die mit der Atemluft eingeatmeten, giftigen chemischen Verbindungen in den Organismus gelangen können.

Aufgrund ihrer raschen Atmung und der großen Schleimhautfläche atmen Wellensittiche und andere Ziervögel, die sich in der Nähe erhitzter Raclette-Pfännchen aufhalten, permanent die für sie giftige chemische Verbindung ein. Weil ihr Körper sehr klein ist, wird er binnen kurzer Zeit mit dem Gift regelrecht überflutet. Die toxische Wirkung setzt schnell ein und die zerstörerische Wirkung der Gifte im Körper schreitet rasch voran.

Symptome einer PTFE-Gasvergiftung
Erste Anzeichen einer typischen PTFE-Gasvergiftung sind Taumeln und Orientierungslosigkeit, manche Vögel atmen zudem schwer. Meist stürzen die Tiere innerhalb weniger Minuten mit schweren Muskelkrämpfen - in manchen Fällen unter lautem Geschrei - von den Sitzstangen. Sie liegen schwer atmend, taumelnd und krampfend am Boden, der Todeskampf dauert dann maximal noch einige Minuten. Eine Rettung ist in diesem Stadium der Vergiftung nur noch in den seltensten Fällen möglich.

Gegenmaßnahmen
Die Chancen, ein betroffenes Tier zu retten, sind nur dann einigermaßen hoch, wenn die nötigen Gegenmaßnahmen so früh wie möglich eingeleitet werden. Wichtig ist es deshalb, eine mögliche Vergiftung sehr früh zu erkennen, also am besten im Anfangsstadium, wenn der betroffene Vogel Vogel noch auf der Stange sitzt und taumelt. Das Tier sollte umgehend aus der Wohnung geschafft und nach draußen gebracht werden. Man kann den Vogel in seinem Käfig entweder in einen Garten, vor die Haustür oder auf den Balkon bringen. Zumindest aber sollte man den Käfig mit dem vergifteten Vogel an ein weit geöffnetes Fenster stellen. Die reine, giftfreie Luft ist überlebenswichtig für den vergifteten Vogel.

Falls sich der Giftunfall im Winter ereignet hat, sollte das Tier durch eine Decke vor allzu großer Kälte geschützt werden. Oder aber man stellt den Käfig so ans geöffnete Fenster, dass man ihn zeitgleich wärmen kann, zum Beispiel mit einem Infrarot-Dunkelstrahler oder einer medizinischen Rotlichtlampe.

Das Haus oder die Wohnung sollten kräftig durchgelüftet werden. Nach etwa zehn bis 20 Minuten ist die Luft im Haus meist wieder giftfrei, der Vogel kann dann wieder ins Haus geholt werden.

Falls mehrere gleichzeitig Tiere betroffen sind, die in einer Voliere leben, kann diese unter Umständen nicht schnell genug nach draußen geschafft werden. Es ist dann umgehend für Durchzug in der Wohnung zu sorgen, damit die gifthaltige Luft abzieht.

Nehmen Sie nach dem Durchführen dieser Erste-Hilfe-Maßnahmen umgehend Kontakt zu einem Tierarzt oder tierärztlichen Notdienst auf, um weitere Behandlungsschritte zu besprechen. Falls von Ihnen kontaktierte Praxis oder Klinik mit einem Sauerstoffzelt ausgerüstet ist, kann es sinnvoll sein, die vergifteten Tiere sofort dorthin zu bringen, damit sie möglichst viel Sauerstoff erhalten.

Achtung:
Allein mit frischer Luft kann man einen an einer PTFE-Vergiftung leidenden Ziervogel in den meisten Fällen nicht retten. Viele Tiere sterben trotzdem in den folgenden Stunden, andere erleiden irreparable organische Schäden und bleiben für den Rest ihres Lebens körperlich behindert. Es muss daher grundsätzlich in jedem Fall und so schnell wie möglich ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Leider ist auch das Sauerstoffzelt ist kein Garant für das Überleben eines vergifteten Vogels. Seine Chancen steigen in einem Sauerstoffzelt durch die hohe Konzentration des wichtigen Stoffes in der Atemluft allerdings enorm.

PTFE-Vergiftungen vorbeugen
Raclette-Zutaten Es dürfte angesichts der fatalen Folgen einer PTFE-Vergiftung offensichtlich sein, dass Vorbeugung das beste Mittel ist. Wer also eine Raclette-Party veranstalten möchte und seine Vögel vor einer Vergiftung bewahren will, der sollte die Tiere in einem separaten Zimmer unterbringen, die Tür schließen und das Fenster im Zimmer der Vögel zumindest einen Spalt breit öffnen. So ist eine Frischluftversorgung gewährleistet und die Vögel sind räumlich von der Quelle der giftigen Ausdünstungen getrennt. Der Raum, in dem die Raclette-Party stattfindet, sollte möglichst weit von dem Raum entfernt sein, in dem sich die Vögel aufhalten. Außerdem sollte regelmäßig gelüftet werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, sämtliche Türen, die zwischen dem "Raclette-Raum" und dem Aufenthaltsort der Vögel liegen, ebenfalls zu schließen. Wer all diese Vorsichtsmaßnahmen ergreift, sollte ohne Sorgen um seine Tiere einen geselligen Abend mit leckerem Essen genießen können.

Antihaftbeschichtungen können Benzol freisetzen
Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung im Jahr 2013 hat sich gezeigt, dass durch starkes Erhitzen aus Antihaftbeschichtungen große Mengen Benzol in die Raumluft entweichen können. Dies ist in der Untersuchung zwar nur bei einem Pfannenmodell geschehen, aber Vogelhalter sollten dennoch Vorsicht walten lassen, denn der Giftstoff ist nicht nur für Vögel gefährlich, sondern auch für uns Menschen. Das Online-Portal Scinexx hat am 26.08.2013 über das Thema berichtet Externer Link.

Danksagung: Vielen Dank an Silvia Hempel Externer Link für die Bereitstellung des Bildmaterials in diesem Kapitel.

 
 
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