Buchrezension: Abschied vom geliebten Tier - Ein Ratgeber für den Umgang mit Trauer

Buch-Cover Tierärzte haben meist in zweierlei Hinsicht mit der Trauer um verstorbene Haustiere zu tun. Einerseits sind sie selbst meist Tierhalter, die irgendwann ihr geliebtes Tier verlieren. Auf der anderen Seite gehört es zu ihrem Beruf, todkranke Tiere von ihren Leiden zu erlösen, wodurch sie gleichzeitig mit der Trauer der Patientenbesitzer konfrontiert werden. Aus diesem Grunde erscheint das Buch der Tierärztin Dr. Carmen Stäbler besonders authentisch, denn die Autorin kennt beide Seiten - die des trauernden Tierbesitzers und die der Tierärztin, die in der täglichen Berufsausübung mit trauernden Menschen zu tun hat. Auf 208 Seiten präsentiert sie Informationen und Erfahrungsberichte, die tiefe Einblicke in den Trauerprozess an sich und in die Gefühlswelt einiger Tierhalter geben.

Den Einstieg in das komplexe Thema der Trauer um ein geliebtes Tier bildet eine Erläuterung der Entstehung des Bandes zwischen Mensch und Tier. Wird dieses Band durch den Tod des Tieres zerstört, setzen bei den meisten Tierhaltern Schmerz und Schuldgefühle ein. Beides gehört zum normalen Trauerprozess, wie die Autorin im Kapitel "Den Trauerprozess verstehen" erläutert.

Wie es der Zufall wollte, durchlebte ich gerade selbst jene Phasen und Gefühlsschwankungen, die die Autorin beschreibt, weil kurz zuvor einer meiner Wellensittiche gestorben war. Nachdem ich den Vogel viele Jahre in meiner Obhut hatte und eine enge Beziehung zu ihm pflegte, weil er sehr zahm war, schmerzte der Abschied enorm. Aber beim Lesen der psychologischen Hintergründe zum Trauerprozess wurde mir rasch klar, dass ich eine "gesunde Trauer" durchlief - ein beruhigender Aspekt. Denn nicht loslassen zu können, kann einen trauernden Tierhalter in seinem Alltag in massive Probleme stürzen, zumal das soziale Umfeld meist mit Befremden auf die Trauer um ein Tier reagiert.

Auch über die Merkmale solcher extremen Trauerverläufe berichtet die Autorin und sie gibt Hilfestellungen, um sich aus dem Klammergriff quälender Emotionen, zermürbender Selbstvorwürfe und bohrender Verlustschmerzen befreien zu können. Sie erklärt die wichtigsten Traueraufgaben, die dabei helfen sollen, über den Tod des geliebten Tieres besser hinweg zu kommen. Ziel der Trauerarbeit ist es, wieder normal am Leben teilhaben zu können, an die schönen Momente mit dem Tier zu denken und nicht mehr völlig lethargisch zu sein. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Ratschläge der Autorin, wie man mit der Trauer anderer Tierhalter umgehen sollte.

Immer wieder gibt Stäbler den wirklich guten Rat, sich in der Trauer an Gleichgesinnte zu wenden. Sie rät dazu, beispielsweise Foren im Internet aufzusuchen, um sich mit anderen Trauernden auszutauschen und seine eigene Geschichte niederzuschreiben - denn allein schon das kann ausgesprochen befreiend wirken. In diesem Zusammenhang präsentiert sie in ihrem Buch auch die Geschichten von 15 Tierhaltern, die ihre Erfahrungen nach dem Verlust ihrer Hunde, Katzen, Vögel und anderer tierischer Lieblinge niedergeschrieben haben. Es sind nicht zuletzt diese sehr persönlichen Geschichten, die das Buch insbesondere für sensible Tierliebhaber lesenswert machen.

Ohne jeden Zweifel werden etliche Leute nicht verstehen, weshalb eine Autorin ein Buch schreibt, in dem es um den Abschied von Haustieren geht, denn für sie geht es nach wie vor "nur" um den Tod von Tieren. Diese Menschen sind nicht die Zielgruppe, an die sich das Werk der Tierärztin richtet. Es werden viel mehr jene Menschen angesprochen, für die Tiere die besseren Menschen sind - und für sie dürfte das Buch eine gute Stütze sein, nicht nur wenn sie mit der Trauer um ein geliebtes Tier konfrontiert sind.

Abschied vom geliebten Tier - Ein Ratgeber für den Umgang mit Trauer
Herausgegeben von Dr. med. vet. Carmen Stäbler
Erscheinungsjahr 2004
Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 3-8334-1615-7
Preis 20,00 Euro