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  Einen Ziervogel draußen zu finden oder zu erleben, dass ein fremder Ziervogel plötzlich durch das geöffnete Fenster ins Haus fliegt, sorgt im ersten Moment sowohl bei dem Tier als auch beim Finder sehr wahrscheinlich für Aufregung. Geschehen kann dies sowohl bei Vogelhaltern als auch bei Menschen, die keinen Vogel besitzen. Vor allem Vogelhalter könnten in dieser Situation eine falsche Entscheidung treffen, die das Leben ihrer eigenen Vögel gefährden könnte. Um dies zu vermeiden, sollte man einen kühlen Kopf bewahren und den Neuling nach Möglichkeit nicht mit den eigenen Vögeln in Kontakt kommen lassen. Der Fundvogel könnte sich draußen eine Menge Krankheiten zugezogen haben, die Sie besser nicht durch ihn in Ihren Vogelbestand einschleppen lassen sollten. Aus dem Grund sollten gefundene oder zugeflogene Vögel grundsätzlich in einem sepraraten Käfig und am besten räumlich getrennt vom eigenen Vogelbestand untergebracht werden.

Draußen finden Wellensittiche und andere Ziervögel oft nur wenig Fressbares und haben deshalb großen Hunger. Als erstes sollten Sie dem Fundtier deshalb Futter und Wasser anbieten. Aber Achtung! Häufig sind die Vögel sehr stark ausgehungert. Bietet man ihnen zu viel Futter an, überfressen sie sich, was im schlimmsten Fall zu einem tödlichen Kreislaufkollaps führen kann. Reichen Sie dem gefundenen Vogel als anfangs erst einmal nur etwa einen halben Teelöffel Futter und lassen Sie das Tier diese Nahrungsmenge fressen. Danach sollte eine Pause von ein bis zwei Stunden gemacht werden und erneut eine solche kleine Menge Futter gereicht werden. Anschließend ist wieder zu pausieren und man kann dann etwas größere Futtermengen anbieten, weil der erste große Hunger gestillt ist und nicht mehr die Gefahr besteht, dass sich das Tier überfrisst und dadurch in Gefahr bringt.

Während sich das Tier satt frisst, sollten Sie es aufmerksam beobachten. Hat es Verletzungen? Ist das Gefieder um die Kloake herum verklebt? Kann man gar Parasiten im Gefieder erkennen? Riecht der Vogel merkwürdig? Bitte merken Sie sich jede auffällige Kleinigkeit und notieren Sie sie. Achten Sie als außerdem darauf, wie der Kot des Vogels aussieht. Schreiben Sie auch dies auf. Das Tier so genau zu beobachten, ist wichtig: Weil der Vogel fremd ist und Sie nicht kennt, wird er seine eventuell vorhandenen Gebrechen so gut wie möglich vor Ihnen verbergen wollen. Jeder kleine Hinweis auf eine Erkrankung kann deshalb lebensrettend sein.

Kontrolluntersuchung beim Tierarzt
Bringen Sie den Fundvogel möglichst schnell zur Kontrolluntersuchung zu einem vogelkundigen Tierarzt und nehmen Sie Ihren Notizzettel unbedingt mit. Nur ein Tiermediziner kann ganz genau feststellen, ob der Vogel gesund ist. Ein erfahrener, verantwortungsbewusster Tierarzt wird Ihnen dazu raten, den gefundenen Vogel in Quarantäne zu halten. Auch wenn der Sittich noch so sehr nach Ihren Vögeln rufen sollte, lassen Sie sich davon nicht erweichen. Leider infizieren sich viele Ziervögel, die durch die mitteleuropäische Natur irren, draußen beispielsweise mit Trichomonaden oder Spulwürmern. Bei beidem handelt es sich um Parasiten, die nur allzu leicht auf andere Ziervögel übertragbar sind. Deshalb sollte für Sie die Grundregel gelten: Erst wenn alle Testergebnisse vorliegen und der Tierarzt grünes Licht gibt, darf ein Fundvögel mit Ihren eigenen Vögeln in Kontakt kommen.

Den Besitzer des Vogels finden
Vermutlich wird irgendwo der Besitzer des zugeflogenen Tieres traurig nach seinem Liebling suchen. Wellensittiche können an einem Tag sehr große Entfernungen zurücklegen. Es bringt daher wenig, nur in der näheren Umgebung, beispielsweise im im nächstgelegenen Supermarkt, Zettel mit der Aufschrift "Wellensittich zugeflogen" auszuhängen.

Kontaktieren Sie das städtische Fundbüro und melden Sie, dass Sie einen Vogel gefunden haben. Werfen Sie einen Blick in die Tageszeitung und suchen Sie nach Annoncen, in denen entflogene Vögel gesucht werden. Vielleicht möchten Sie ja darüber hinaus selbst inserieren, um den eigentlichen Besitzer des Sittichs zu finden. Außerdem sollten Sie schnellstmöglich die umliegenden Tierheime verständigen und den Vogel dort als Fundtier melden. Dies ist wichtig, denn viele Besitzer entflogener Vögel fragen in Tierheimen nach, ob ihr verloren gegangener Schützling dort eventuell abgegeben oder gemeldet worden ist.

ZZF-Suchdienst-FormularMit dem Kontaktieren von Tierheimen oder einer Zeitungsanzeige sind Ihre Möglichkeiten noch nicht erschöpft. Der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e. V. (ZZF) hat in Deutschland einen Suchdienst für Vögel Externer Link auf die Beine gestellt, bei dem man entflogene und zugeflogene Vögel melden kann. In Zoogeschäften, die dem ZZF angehören, erhalten Sie eine Karte, die Sie ausgefüllt an die ZZF-Ringstelle schicken können. Außerdem können Sie sich dort telefonisch unter 06103/9107-24 sowie per E-Mail (ringstelle@zzf.de) melden. An zentraler Stelle verwaltet man dort die Daten ent- und zugeflogener Vögel, wobei die Ringnummer die wichtigste Angabe ist. Das Schöne ist: Dieser Service ist kostenlos, vom Briefporto einmal abgesehen.

Bitte denken Sie daran, dass durchaus einer Ihrer eigenen Sittiche irgendwann entwischen könnte. Halten Sie für diese hoffentlich nie eintretende Situation immer die Ringnummer bereit, um sie sofort an die ZZF-Ringstelle schicken zu können.

Es besteht auf einigen Internetseiten die Möglichkeit, eine meist kostenlose Online-Annonce aufzugeben, nachdem man ein Fundtier aufgenommen hat. Eine gute Anlaufstelle ist zum Beispiel Tiersuchdienst.org Externer Link. Auch in der Onlineausgabe Ihrer regionalen Tageszeitung oder einer ähnlichen Publikation sollten Sie eine Anzeige schalten beziehungsweise nach einer Anzeige Ausschau halten, denn eventuell hat der Finder Ihres Vogels dort inseriert.

Ferner sollten Sie in den Vogel- und Sittichforen im Internet nachschauen, ob jemand den von Ihnen gefundenen Vogel als vermisst gemeldet hat:

Achtung:
Falls Sie innerhalb von 14 Tagen den Besitzer des Vogels nicht ausfindig machen können, sind Sie nicht mehr verpflichtet, aktiv weiter zu suchen. Natürlich bleibt es Ihnen überlassen, trotzdem weiter die Augen auf zu halten. Erst nach einem halben Jahr geht der Vogel laut dem deutschen Gesetz in Ihren Besitz über. Sollte sich in der Zwischenzeit der ursprüngliche Besitzer bei Ihnen melden, müssen Sie den Vogel an ihn zurückgeben. Sie können dann versuchen, ihm Tierarztkosten und Aufwendungen für die Pflege des Tieres in Rechnung zu stellen, falls dies erforderlich sein sollte. Einen Nachweis über die Kosten sollten Sie jedoch erbringen können. Lassen Sie sich deshalb beim Tierarzt Rechnungen ausstellen, auf denen vermerkt ist, dass es sich bei dem behandelten Tier um den Fundvogel handelt.
 
 
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