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  Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier

Der greise Vogelmann Kiki Die meisten in Deutschland gehaltenen Wellensittiche werden nicht älter als acht Jahre, wenn man statistischen Erhebungen Glauben schenken darf. Erreicht ein Sittich ein Alter von zwölf Jahren, so gilt dies schon als große Ausnahme. Ein kleines Wunder ist für mich mein Wellensittichmännchen Kiki. Am 21.04.2002 wurde er 17 Jahre alt und bis zu seinem Tode am 24. Juni 2002 fühlte er sich stets wohl und war mit sich und seinem Leben sehr zufrieden.

Seine Flugfähigkeit hat der greise Vogel im Winter 2000 eingebüßt. Zwar war Kiki ein lebensfroher Sittich, aber man merkte ihm das hohe Alter in seinen letzten Lebensjahren zuweilen durchaus an. Er bewegte sich langsamer als in den Jahren zuvor, schlief häufiger, hatte Schwierigkeiten beim Mausern und wies während seines letzten Lebensjahrs altersbedingten Muskelschwund auf. Seine Brustmuskulatur hatte sich stark zurückgebildet, weshalb er nicht mehr dazu in der Lage war, sich in die Luft zu erheben - seine Flügel trugen ihn nicht mehr. Er hatte zudem einen unbeweglichen Zeh sowie einen defekten Schnabel, aber all das konnte den rüstigen Vogelmann nicht unterkriegen.

Kiki auf dem niedrigen Kletterbaum Immer wieder überraschte mich der gefiederte alte Herr mit seiner besonnenen Art. Als er von Tag zu Tag schlechter fliegen konnte, hörte er irgendwann auf, es zu versuchen, nachdem er sich mehrmals bei einer Bruchlandung wehgetan hatte. Andere meiner flugunfähigen Vögel haben sich in dieser Hinsicht weniger klug verhalten und ständig neue Bruchlandungen riskiert. Stattdessen "erzog" mich Kiki; er lernte es, mir mit Blicken und Gesten (Bewegungen) mitzuteilen, wohin er gern getragen werden wollte. Natürlich erfüllte ich ihm gern seine Wünsche und brachte den zahmen Vogel dort hin, wohin es ihn zog.

Ich setzte Kiki jedoch niemals an Stellen, die höher als 30 cm über dem Boden gelegen waren, da er unkontrolliert stürzte und hart aufschlug, wenn er doch einmal zu fliegen versuchte. Zwar probierte er es normalerweise gar nicht erst, aber es kam trotzdem gelegentlich vor, dass einer der anderen Sittiche ihn verjagen wollte oder gerempelt hat, was zu Stürzen geführt hat.

Merlin besucht Kiki Meist saß Kiki auf einem Kletterbaum, der für alle flugunfähigen Vögel erreichbar ist und auf dem Fußboden meines Vogelzimmers steht. Kiki teilte sich seinen Lieblingsplatz gern mit den anderen flugunfähigen Sittichen aus meinem Vogelschwarm. Oft kamen die anderen, nicht behinderten Artgenossen ihre Freunde auf dem niedrigen Kletterbaum oder auf dem Käfig, der auf dem Fußboden steht, besuchen. Vor allem in der Mittagszeit konnte ich meine Vögel häufig dabei beobachten, wie sie dicht beieinander allesamt eine Siesta auf dem niedrigen Kletterbaum halten - auch die Flugfähigen.

Dies widerspricht vollkommen der gängigen Meinung, dass sich Wellensittiche nie freiwillig über einen längeren Zeitraum in Bodennähe aufhalten. Für wild lebende Wellensittiche mag dies zwar zutreffen, aber domestizierte, also an die sichere Vogelstube gewöhnte Vögel, empfinden es meiner Erfahrung nach nicht als unangenehm, sich in Bodennähe aufzuhalten, so lange sie dabei von Artgenossen umgeben sind.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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