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  Erfahrungsbericht von Sabine Wegener

Emilio, der Featherduster Emilio ist am 14.02.2005 geschlüpft. Am 02.04.2005 kam er in unsere Obhut. Ich habe ihn gleich gewogen. Sein Eingangsgewicht betrug 77 Gramm. Dieses Gewicht hat er nicht halten können, er wurde zusehends leichter. Deshalb habe ich ihm ab 03.04.2005 mit Quiko-Aufzuchtfutter in Schwarztee (ganz schwach ziehen lassen!) aus einer kleinen Spritze gefüttert. Dabei ist es wichtig, dass man die Spritze tief genug in den Kropfbereich des Vogels steckt, um nicht die Luftröhre des Vogels zu "erwischen". Das Zufüttern wird von manchen Vögeln nicht geduldet, Emilio protestierte zwar, ließ es aber über sich ergehen.

Featherduster Daisy Ich bin auch am zweiten oder dritten Tag dazu übergegangen, ihm vorsichtig die zu langen Federn um Schnabel und Füße sowie rund um die Augen zu beschneiden. Es ist Vorsicht geboten, da bei zu übermäßigem Kürzen der Federn ein zu starker Wärmeverlust beim Vogel eintritt. Häufig haben Featherduster kein Dunengefieder. Glücklicherweise war das bei Emilio anders und er hatte Dunengefieder. Man sollte außerdem wissen, dass beim Abschneiden einer Feder eines gesunden Vogels die Feder trocken wird und dann ausfällt. Ich hatte instinktiv bei meinem ersten Featherduster namens Daisy, siehe Foto in diesem Absatz, die Federn beschnitten, ohne von dieser beschriebenen Tatsache zu wissen. Emilio war übrigens bereits mein Featherduster Nr. 7.

Featherduster Annie Glücklicherweise verhält sich das bei Featherduster-Vögeln anders. Die Federn wachsen einfach weiter. Wie ich zudem feststellen konnte, verliert die Farbe an Intensität, sie verblasst leicht. Auch das typische Wellenmuster am Kopf, das junge Wellensittiche aufweisen, behält der Featherduster ein Leben lang. Die Wellen sehen aber eher gezackt aus als wellig. Es gibt also kein "Erwachsenen-Stadium" des Featherdusters, was auch die Wachshaut des Vogels anzeigt. Sie bleibt zeitlebens bei männlichen Featherdustern zartviolett, bei den Hennen ein bisschen heller, fast weiß. Sie kann auch ein wenig bräunlich bis bläulich schimmern. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt das Weibchen Annie. Deutlich ist zu erkennen, wie hell ihre Wachshaut zeitlebens gewesen ist.

Emilio nach dem 'Frisörtermin' Ich vermute, dass die Tiere nie geschlechtsreif werden, sie sind ja auch nicht fortpflanzungsfähig. Die Federn wachsen bei Featherdustern während des gesamten Lebens unaufhörlich nach. Ich habe Emilio ca. alle zweieinhalb bis drei Wochen die Federn geschnitten. Die Freischneidung der Bereiche rund um die Augen und den Schnabel ist besonders wichtig, da der Vogel fressen können muss und bei "zugewachsenen" Augen nichts sieht und darüber hinaus zu Entzündung der Augenpartien neigt, weil die zu langen Federn die Haut und Schleimhaut reizen.

Emilio mit frei geschnittenen Augen Emilio war der einzige Featherduster, der trotz intensivster Bemühungen unter verklebten Augen litt. Eine Entzündung war nicht immer die Ursache. Seine Augen wurden in Abständen (wenn die Augen wirklich entzündet waren) antibiotisch behandelt und ansonsten täglich (manchmal auch mehrmals) homöopathisch mit Augentropfen. Ich musste seine verklebten Augen mit einem Kosmetik-Pad und lauwarmem Wasser öffnen, sobald sie verklebt waren. Das gefiel ihm nicht, aber er beruhigte sich rasch.

Emilio während der Mauser Emilio hatte eine "Mauser" durchlebt. Er verlor erst seine Bauchfedern, dann seine Rückenfedern und dann ein Teil der Kopffedern. Die Flügelfedern (Schwungfedern) blieben erhalten, wuchsen aber erst einmal nicht weiter. Gut, dass in der Zeit gerade die Sommerhitze kam. So brauchte ich Emilio nicht extra warm zu halten. Am 27.08.2005 ging es los mit der "Mauser" (da war Emilio schon nackt) und am 12.09.2005 war er wieder voll befiedert. Bis zu seinem nächsten "Frisörtermin" dauerte es deshalb noch eine Weile. Dieser fand erst wieder am 03.10.2005 statt.

Featherduster haben eine ganz eigentümliche Stimme. Sie geben Lautäußerungen von sich, die normale Wellensittiche nicht im Repertoire haben. Ihre Pfiffe klingen eher schrill bis quietschend. Emilio konnte aber auch ein weitestgehend normales Tschilpen des Wellis hervorbringen. Sind die Featherduster noch bei den Eltern im Nest, werden sie nur von der Mutter oder von der von Anfang an für die Küken verantwortliche Amme gefüttert. Würde man versuchen, ein Featherduster-Küken nach einigen Tagen einer anderen Henne unterzulegen, würde diese das Junge aufgrund der abweichenden Lautäußerung nicht füttern. Selbst der Vater füttert seine Featherduster-Jungen außerhalb des Nistkastens nicht. So war es bei Emilios Geschwistern, auch Featherduster, die zu früh den Nistkasten verlassen haben. Selbst das mehrmalige Zurücksetzen der Jungen in den Nistkasten durch den Züchter brachte keinen Erfolg. In diesem Fall hat Emilio nur überlebt, da er ein "Nesthocker" war.

Wie ich festgestellt habe, ist die Ernährung der Featherduster auch abweichend zu derjenigen gesunder Wellensittiche. Ein Featherduster frisst gern (manchmal auch ausschließlich) Glanz- beziehungsweise Spitzkornsaat, die auch Kanariensaat genannt wird. Diese Körner sind in den gängigen Wellensittichfuttermischungen enthalten und werden von den Featherdustern "aussortiert". Bei Daisy, unserem ersten Featherduster, habe ich dieses beobachtet. Sie räumte den gesamten Fressnapf aus, war damit eine ganze Weile beschäftigt, konnte die verbrauchte Energie aber kaum über das Futter decken, da sie sich beim Sortieren so verausgabte. Als ich bemerkte, dass sie es auf die energiereichen Glanzsaatkörner abgesehen hatte, habe ich das Futter vorsortiert. Eine wirklich mühsame Arbeit. Aber ich konnte erst am nächsten Tag in unserer Getreidemühle die entsprechende Einzelsaat kaufen.

Emilio hat außerdem gern rote Hirse gefressen und auch meine Möhren-Mischung (geraspelte Möhren, geschälte Hirse, rote Hirse, Nackthafer inklusive entfettetem Sojamehl und Spurenelementen + Vitaminen). Besonders der ebenfalls sehr nährstoffreiche Nackthafer hatte es ihm angetan. Er mochte es auch gern, wenn die Möhren ein wenig feuchter waren.

So kommen wir zu einem weiterem Punkt der Ernährung: der Wasseraufnahme. Featherduster trinken erheblich mehr als die gesunden Wellis. Ich konnte Emilio dabei beobachten, wie er sich allmorgendlich erst einmal fast in den Trinknapf hinein fallen ließ. Eines Tages hatte er es wirklich geschafft. Er saß am 21.01.2006 in seinem Trinknapf wie in einem Badezuber. Da haben wir uns erst einmal erschreckt. Das Wasser war verkotet und Emilio hatte es mit seiner Körpertemperatur aufgeheizt.

Featherduster fühlen sich immer warm an, da sie aufgrund des ständigen Federwachstums mehr Energie benötigen als gesunde Wellis. Deshalb sollten sie warm untergebracht und vor Zug geschützt werden, weil sich die Vögel sonst erkälten. Sie sind anfälliger für Erkältungskrankheiten oder Auskühlung als gesunde Wellensittiche. Emilios Ausflug in den Trinknapf endete glücklicherweise ohne Schnupfen oder bleibende Schäden. Er ließ sich ohne Gegenwehr in ein Küchentuch einwickeln und trocken hauchen. Es dauerte eine Weile und zum Schluss gab es noch Wärme aus einem Elsteinstrahler (Infrarotlampe). Sie tat ihm so gut, dass er bald wieder zu fressen begann.

Dustin Emilio hatte eine besondere Beziehung zu Dustin (siehe Foto rechts), einem Wellensittich, der durch eine Genstörung aufgrund von Inzucht nicht genug Federn bilden kann und zeitlebens wie ein halbstarkes Welli-Küken ausschaut. Dustin war es, der Emilio zeigte, wie man frisst. Das müssen Wellensittiche nämlich erst einmal lernen. Da Emilios Mutter das Futter immer über den Schnabel verfütterte, konnte Emilio noch nicht fressen. Dustin war aber mein toller Helfer. Dustin frisst den ganzen Tag, um seinen Energiehaushalt aufzufrischen, weil er zu wenige Federn hat. So konnte es Emilio lehren und ich brauchte ihn nicht zeitlebens zu füttern.

Zwischen Dustin und Emilio gab es eine harmonische Beziehung, die fast zärtlich war. Dustin hat immer ganz aufgeregt mit seinen Flügelchen geflattert, wenn Emilios Federn geschnitten wurde oder eine Behandlung zu lange dauerte. Er sorgte sich um Emilio. Erst wenn Emilio zu schreien aufhörte, beruhigte sich auch Dustin. Morgens gab es ein Ritual. Der ewig hungrige Dustin versuchte erst einmal ein paar Körnchen zu erhaschen und ist dann zu Emilio gegangen, der des Nachts in einem "Kuschelbett" (eigentlich für Meerschweinchen) lag, und hat ihm seinen Schnabel hingehalten. Dann begann Dustin damit, seinen Freund Emilio zu füttern. Emilio ließ das auch geschehen und sank nach der Fütterung wieder auf den gepolsterten Rand des Kuschelbettes.

Emilio, der 'Technik-Freak' Ansonsten haben Dustin und Emilio keine "dicke" Freundschaft gepflegt. Häufig war Dustin in der ersten Etage des Käfigs und Emilio im Erdgeschoss. In der Regel hatten sämtliche meiner Featherduster keinen besonders engen Bezug zu anderen Wellis. Die anderen haben im Gegenzug gelegentlich den Kontakt gesucht. Ich habe auch Balz-Attacken gerade von männlichen Wellis zu weiblichen Featherdustern gesehen, was ich rührend fand. Die Weibchen haben diese zwar immer genossen, wurden aber nie selbst aktiv. Meine gesunden Wellis haben die Featherduster jedoch nie als Außenseiter betrachtet oder sogar gehackt bziehungsweise gejagt, weil ich viele Handicap-Wellis habe. Da fühlen sich alle wie eine große Familie ... Als echter "Technik-Freak" hatte Emilio eine ganz besondere Beziehung zu unserem Staubsauger, mit dem er sogar kuschelte, siehe Foto in diesem Absatz.

Emilio Emilio starb am 01.02.2006. Er war also schon recht "alt" geworden. Seine genaue Todesursache ist nicht bekannt, da er vorher keine massiven Probleme hatte. Sein Köpfchen wies eine blutige Kruste auf und eine Kralle fehlte. Es war minimal Blut im Käfig. Somit schließe ich den Tod durch Verbluten aus. Ich vermute, dass er mal wieder verklebte Augen hatte und den Weg nicht fand. Er hat sich wohl so verausgabt, dass sein Herzchen aufgehört hat zu schlagen ... Schade nur, dass ich im Wohnzimmer davon nichts mitbekam. Ich war an jenem Tag wegen gesundheitlicher Probleme zu Hause, habe Emilio trotzdem nicht helfen können ...

Emilio, Du warst etwas ganz Besonderes und wirst ewig einen Platz in unserem Herzen haben. Wir vermissen Dich so sehr ...

Emilio, das 'Kuschelmonster'

Alle unsere Featherduster im chronologischen Überblick:

Annie und Yannik 1) Daisy (21.03.2001 - 12.07.2001)*
2) Annie (25.03.2003 - 05.01.2004)
3) Leonie (12.06.2003 - 09.08.2003)
4) Madita (02.07.2003 - 09.08.2003)
5) Yannik (10.07.2003 - 27.09.2003)
6) Dominik (02.02.2004 -13.04.2004)
7) Emilio (14.02.2005 - 01.02.2006)

* Hier sind die Schlupf- und Todestage angegeben.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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