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  Erfahrungsbericht von Stefanie Kranjc

Flöhchen Mitte 2000 wurde im Essener Tierheim Externer Link ein Wellensittich untergebracht, der aus schlechter Tierhaltung stammte. Das arme Vogelmädchen hatte nur noch eine Zehe nebst Kralle, die zudem missgestaltet war. Ihr anderer Fuß hatte ihr offensichtlich vor einiger Zeit amputiert werden müssen; wir vermuteten infolge einer Quetschung, was bei Wellensittichen leider eine recht häufige Verletzung bei schlecht abgesichertem Freiflug ist.

Zudem hatte die Kleine eine Behinderung an den Flügeln, die ihr die Möglichkeit nahm zu fliegen. Die bedauernswerte Vogeldame musste sich enorm anstrengen, um sich auf einer der Sitzstangen in ihrem Käfig halten zu können. Insgesamt war das Gefieder des Vögelchens struppig und das Tier wirkte verwahrlost. Unsere Tierheim-Tierärztin überlegte schon, den Sittich von seinem Leiden zu erlösen. Doch ich wollte dem Vogelweibchen zumindest eine Chance gewähren und nahm es mit zu mir nach Hause.

Flöhchen, so nannte ich die Kleine, war neben ihren körperlichen Behinderungen desgleichen verhaltensgestört. Sie hatte panische Angst vor meinen übrigen Wellensittichen und schrie entsetzt auf, wenn sich ihr jemand näherte. Ihre verbliebene Zehe war von Ballengeschwüren wund und das Stümpfchen ihres amputierten Beins entzündet.

Flöhchen beim Ausruhen Zunächst unternahm ich einige Änderungen an der Innenausstattung ihres Käfigs. Als erstes wurde eine Spanholzplatte als Zwischenboden zwischen Käfigober- und Unterteil gezogen, dick mit weichen Tüchern gepolstert und mit Küchenkrepp gegen Schmutz geschützt. So waren Flöhchens unvermeidlichen Abstürze für sie weniger schmerzhaft, da sie nun nicht mehr so tief und zudem erheblich weicher fiel. Ein weiterer Vorteil war, dass sie viel einfacher vom Zwischenboden, der direkt am Käfiggitter liegt, wieder auf ihren Sitzplatz klettern konnte. Zusätzlich brachte ich im oberen Bereich des Käfigs ein Stück Spanholz in Dreiecksform als Liegeplattform für sie an. Diese Ruhemöglichkeit nahm Flöhchen nach anfänglicher Skepsis gerne in Gebrauch. Immer wieder lag sie zwischendurch darauf und schonte ihr verbliebenes Füßchen.

Als nächstes galt es, Flöhchens Allgemeinbefinden zu verbessern. Mit viel frischem Obst und Gemüse, das sie zunächst ignorierte, zusätzlichen Vitamintropfen im Trinkwasser und einem Mineralstoffzusatz, den ich über das Körnerfutter streute, begann ich sie an eine gesunde Ernährung zu gewöhnen. Flöhchens wunden Stumpf und die Sohlengeschwüre behandelte ich regelmäßig mit einer homöopathischen Heilsalbe.

Flöhchen und Fröschlein Nach und nach besserte sich Flöhchens Allgemeinbefinden, körperlich wie auch seelisch. Als ich rund drei Monate nach ihrem Einzug einen weiteren behinderten Vogeljungen aufnahm, über den im Kapitel "Französische Mauser" berichtet wird, und zu ihr in den Käfig setzte, verpaarte sie sich mit ihm und lernte von ihm das arttypische Verhalten eines Wellensittichs. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt das glückliche Paar beim leidenschaftlichen Kuscheln. Bedauerlicherweise verstarb Flöhchen zum Ende des Jahres 2001 urplötzlich und ohne zuvor irgendwelche Krankheitssymptome gezeigt zu haben.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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