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  Erfahrungsbericht von Stefanie Kranjc

Fly mit struppigem Gefieder Neben Unfällen gibt es noch andere Gründe, die die Amputation von Gliedmaßen unumgänglich machen. Beispielhaft ist der Fall meines Vogelmädchens Fly. Sie wurde im Mai 2001 zusammen mit ihrem Partnervogel Jerry in erbärmlichem Zustand im Essener Tierheim Externer Link abgegeben. Beide Vögel litten unter extrem starkem Grabmilbenbefall, der sich von den Augen über den Schnabel bis hin zu den Beinen und der Kloake zog. Fly, die Wellensittichhenne, hatte zudem ein Loch im rechten Bein und eine verwachsene Nasenhaut. Alle genannten Anzeichen wiesen eindeutig auf einen Befall mit Grabmilbenbefall hin, der über längere Zeit unbehandelt geblieben war.

Die beiden Vögel wurden zuerst mit Paraffinöl DAB gegen die Grabmilben behandelt. Ein Tierarzt untersuchte Flys Bein gründlich. Leider blieb als einzige Möglichkeit die Amputation, da das Loch zu tief für eine herkömmliche Abheilung war. Fly war zu diesem Zeitpunkt erst wenige Monate alt. Daher war die Operation vom tiermedizinischen und tierschutzrechtlichen Standpunkt aus zu vertreten, denn ihre Aussicht auf Erfolg war gut und die Chance, dass Fly lernen würde, mit ihrem Handicap zu leben und klarzukommen, fiel entsprechend hoch aus.

Nach der Operation holte ich Fly aus der Klinik ab und nahm sie gleich mit nach Hause. Ihr Gefieder war im Bauchbereich noch ein wenig blutig und sie selbst etwas unbeholfen, da es für sie ungewohnt war, sich auf einem Bein zu halten. Nachdem sie die ersten zwei Tage isoliert in einem Krankenkäfig gesessen hatte, dessen Boden weich gepolstert war, konnte sie als nächstes in den Behindertenkäfig zu Flöhchen und Fröschlein ziehen.

Fly macht ein Nickerchen Fly wurde immer geschickter darin, sich auf den Sitzästen im Käfig zu halten. Da sie flugfähig ist, kann ich sie dabei beobachten, dass sie sich mit ausgebreiteten Flügeln, flatternd auf den Ästen im Käfig ausbalanciert, was sie unmittelbar nach der Operation bereits getan hat. Der nächste Schritt nach dem Einzug in den Behindertenkäfig war, ihr Freiflug zu ermöglichen. Schnell gewöhnte sie sich an die Ausmaße des Vogelzimmers und wurde bald zur gewandten Fliegerin. Zu diesem Zeitpunkt durfte sie dann in die Voliere meiner übrigen Vögel umziehen. Sie schafft es mit äußerstem Geschick, sich darin zurechtzufinden und zeigt häufig wendige Flugmanöver. In der Voliere ist ebenfalls eine Liegeplattform angebracht, die Fly jedoch seit einiger Zeit immer seltener aufsucht. Auf dem Dach eines kleinen Käfigs liegt sie gelegentlich gern, um ein Nickerchen zu halten (siehe Abbildung in diesem Absatz).

Wellensittich Fly Vögel mit amputierten Gliedmaßen haben durchaus Lebensqualität und schaffen es nach kurzer Gewöhnung, sich trotz der Behinderung in ihrem Lebensraum zurechtzufinden. Wichtig ist nur, die verbliebenen Gliedmaßen, die nach einer Amputation mehr als von der Natur vorgesehen beansprucht werden, zu pflegen. Um Fly beispielsweise vor Ballengeschwüren zu schützen, creme ich ihren Fuß und den Ständer regelmäßig mit einer speziellen Salbe ein. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass Fly es gelernt hat, mit ihrer Behinderung zu leben und sich augenscheinlich trotz dieses Handicaps wohl fühlt.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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