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  Fröschlein ist fast nackt Mitunter führt der Verlust großer Teile des Gefieders zur Flugunfähigkeit. Vor allem unter Wellensittichen ist dafür relativ oft eine bestimmte Viruserkrankung verantwortlich, es können jedoch auch andere Vogelarten hiervon betroffen sein. Man bezeichnet die Tiere, die wegen der sogenannten Französischen Mauser ihr Flugvermögen verloren haben, oft als Renner oder Hopser. Normalerweise ist die Mauser ein natürlicher Vorgang, bei dem die Vögel in mehr oder minder regelmäßigen Abständen ihr Gefieder erneuern. Leiden Vögel hingegen an der Französischen Mauser, verlieren sie meist unmittelbar nach dem Verlassen des Nestes ihre Schwung- und Schwanzfedern, also das Großgefieder. Nur in seltenen Fällen wachsen die Federn später nach, der Großteil der betroffenen Vögel hat sein Leben lang ein unvollständiges Gefieder und kann dementsprechend nicht fliegen.

Normale Französische Mauser Erstmals wurde die Französische Mauser gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Zuchtbeständen im südfranzösischen Raum beobachtet. Lange Zeit tappte man im Dunkeln über die Ursachen für den Ausbruch der Erkrankung innerhalb eines bestimmten Vogelschwarms. Zunächst nahm man an, dass die Krankheit erblich bedingt sei oder aber den Elterntieren zu viele Bruten zugemutet würdem. Je mehr sich die wissenschaftliche Forschung mit dem Phänomen "Französische Mauser" auseinander setzte, umso klarer wurden die Zusammenhänge. In Wahrheit ist ein Virus für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich und insbesondere Jungtiere stecken sich leicht an, sodass vor allem sie Symptome zeigen und ihr Großgefieder verlieren.

Extreme Französische Mauser Anfang 2001 übernahm die mit mir befreundete Vogelhalterin Stefanie Kranjc aus einer Hobbyzucht das an der Französischen Mauser erkrankte Wellensittich-Männchen Fröschlein, da der bisherige Besitzer den kleinen Kerl aus Zeitmangel nicht mehr behalten konnte. Ihre Erfahrungen mit Fröschlein sollen an dieser Stelle als Fallbeispiel für eine extreme Ausprägung der Krankheit und die damit verbundene Behinderung des betroffenen Vogels dienen.

Wichtig:
Um es gleich vorweg zu sagen: Fröschlein litt unter einer extremen Form der Französischen Mauser. Ihm fehlten nicht nur die Schwung- und Schwanzfedern, sondern gleich das gesamte Federkleid. Wie Fröschleins Vorbesitzer berichtete, hatte der Vogel als Nestling durchaus ein Gefieder, das er jedoch während der Jugendmauser bis auf wenige Federn verlor - inklusive der ansonsten unter dem Körpergefieder versteckt liegenden Dunen. Genau genommen war Fröschlein ein medizinisches Wunder, denn normalerweise überleben Vögel eine so stark ausgeprägte Form der Französischen Mauser nicht.

Flöhchen und Fröschlein Trotz seiner Nacktheit und der Flugunfähigkeit war Fröschlein immer ein fröhlicher Geselle, der das normale Verhaltensrepertoire eines gesunden Wellensittichhahns zeigte. Bis Ende 2001 war er fest mit der ebenfalls behinderten Wellensittichhenne Flöhchen verpaart, siehe Abbildung rechts. Er liebte seine Gefährtin leidenschaftlich, kraulte und fütterte sie, wie es eben in einer "Wellensittich-Ehe" so üblich ist. Leider verstarb Fröschleins Freundin sehr plötzlich. Ohne jegliches Krankheitsanzeichen oder eine Vorwarnung lag sie eines Morgens tot im Käfig. Er selbst lebte noch einige Zeit, die er keineswegs allein verbrachte, denn meine Freundin hält einen großen Vogelschwarm, in dem weitere gehandicapte Vögel wohnten.

Durch den Mangel an Federn und wegen seiner Flugunfähigkeit konnte Fröschlein jedoch nicht wie seine übrigen Schwarmgefährten am Leben in der Voliere teilnehmen. Federn verleihen den Vögeln nicht nur ihre Fähigkeit zu fliegen, sondern bieten ihrem fragilen Körper und der dünnen Haut darüber hinaus einen zusätzlichen Schutz vor Verletzungen. Jeder Absturz wäre für Fröschlein aufgrund des fehlenden Federpolsters gefährlich gewesen, da seine dünne Haut einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt war. Deshalb lebte Fröschlein nach Flöhchens Tod gemeinsam mit einem behinderten Wellensittich-Weibchen namens Cindy, das ebenfalls an der Französischen Mauser litt, in einem speziell für die beiden gehandicapten Tiere eingerichteten Käfig. Dieser Käfig war im Vogelzimmer untergebracht, sodass die Vögel Kontakt zu ihren Artgenossen hatten.

Die spezielle Käfigeinrichtung
Nackter Hochseilartist Da Fröschlein äußerst kletterfreudig war, wies sein Käfig ausschließlich waagerechte Verstrebungen auf. Somit konnte er im Käfig soviel herumklettern, wie er mochte. Zu diesem Zweck hat meine Freundin ferner mehrere Naturholzäste als Sitzstangen im Käfig angebracht. Als Schutz vor schmerzhaften Abstürzen wurde zudem zwischen Käfigoberteil und Kunststoffwanne eine Spanholzplatte als Zwischenboden in den Käfig gelegt. Dieser Zwischenboden war mit einer feste Kunststofffolie ("Knackfolie") und weichen Tüchern gepolstert. Darüber wurde Küchenkrepppapier als Schmutzfang ausgelegt. So blieb jeder Absturz der im Käfig untergebrachten behinderten, flugunfähigen Vögel ohne ernsthafte Konsequenzen. Außerdem ließ sich der Käfig sich leicht sauber halten.

Sonstige Hinweise
Fröschlein von hinten Wie es auch bei nicht behinderten Vögeln immer der Fall sein sollte, müssen flugunfähige Vögel mit einer ausgewogenen Kost ernährt werden. Wichtig ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen, die man den Tieren über Frischkost in Form von Obst und Gemüse angedeihen lassen kann. Da Vögel wie Fröschlein kein wärmendes Federkleid tragen, muss der Tierhalter ganz besonders darauf achten, dass sie sich nicht erkälten. Aufgrund des fehlenden Federkleids können die Vögel rausch auskühlen, wenn die Umgebungstemperatur zu niedrig ist.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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