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  Wellensittich mit gelähmtem Fuß Meist kommt es bei Wellensittichen und anderen Vögeln durch einen Unfall oder durch eine schwere Erkrankung zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Beweglichkeit ihrer Füße. Knochenbrüche sowie Verletzungen der Bänder in einzelnen Zehen als Ursache für permanente Unbeweglichkeit stelle ich im entsprechenden Kapitel vor. Hier finden Sie ein Fallbeispiel für gänzlich gelähmte Füße und die damit verbundenen Schwierigkeiten anhand meines Wellensittichs Wega, den die Abbildung in diesem Absatz zeigt. Auch einige Vorsichtsmaßnahmen werden genannt, die man treffen sollte, um einem betroffenen Tier das Leben zu erleichtern und es vor schweren Unfällen zu schützen.

Einst war das Vogelweibchen gesund und munter, bis sein damaliger Lebensgefährte im Frühsommer 2001 schwer erkrankte und ich ihn für einige Wochen aus dem Vogelzimmer herausnehmen musste. Wega, die schon immer ein scheues, zurückhaltendes und kaum zutrauliches Tier war, rief unablässig nach ihrem Partner und war sichtlich verstört aufgrund seines plötzlichen Verschwindens. Auch nach einigen Tagen hatte sich ihre Gemütslage noch nicht gebessert, noch immer war sie aufgeregt und nervös, da sie verzweifelt nach ihrem Gefährten suchte. Diese starke psychische Anspannung war Gift für Wegas Gesundheit. Ihr Körper war dem lang anhaltenden Stress nicht gewachsen. Mitten in einer Nacht erlitt Wega eine schlaganfall-ähnliche Erkrankung, der höchstwahrscheinlich in direktem Zusammenhang mit der enormen Anspannung des Vogels stand.

Gelähmter Fuß Anders als bei ihrem Artgenossen Jupiter, der einige Zeit zuvor durch eine Infektionskrankheit, die sein Nervensystem befallen hat, seine Flugfähigkeit verloren hatte, setzte die Erkrankung bei Wega schnell und ohne Vorwarnung ein. Obwohl sie am Abend zuvor noch vollkommen in Ordnung gewesen war, konnte sie bereits in der Nacht ihr rechtes Bein und Teile ihrer rechten Körperhälfte nicht mehr bewegen. Ich brachte Wega auf dem schnellsten Wege zum Tierarzt, der die Krankheit diagnostizierte und ihr ein Medikament verabreichte, um den beschädigten Nerven eine rasche Regeneration zu ermöglichen.

Die Lähmung an sich behandelte mein Tierarzt, indem er meinem Vogel einen bei derlei Krankheitsbildern üblichen Vitamin-B-Komplex spritzte. Ferner bekam sie ein Mittel, das die Beweglichkeit wiederherstellen sollte und ich erhielt den Auftrag, "Krankengymnastik" mit Wega durchzuführen, damit ihre Gelenke in den Tagen und Wochen nach dem Einsetzen der Erkrankung nicht versteifen und sich die Muskeln und Bänder nicht verkürzen.

Innerhalb einer Woche erhielt Wega mehrere Spritzen dieser Art, und sie zeigten glücklicherweise bald ihre Wirkung, wenn auch nicht mit so durchschlagendem Erfolg wie von mir erhofft. Zwar konnte Wega nach Abschluss der Behandlung dank der Medikamente und der von mir durchgeführten Krankengymnastik ihr Bein wieder bewegen und auch der Rest ihrer rechten Körperhälfte war wieder voll beweglich. Die Zehen des rechten Fußes verblieben jedoch in der sogenannten "Kusshandstellung", denn sie waren nach wie vor gelähmt und sind es bis zu Wegas Lebensende geblieben. Weil das Weibchen die Zehen nicht mehr bewegen konnte, war der rechte Fuß zum Laufen und Klettern nahezu unbrauchbar geworden, was in mancherlei Hinsicht eine enorme Einschränkung der Mobilität für den Vogel bedeutete.

Stehen auf einem lahmen Fuß
Die gesunden Füße eines Wellensittichs Als Wega genügend Kraft gesammelt hatte und wieder zu ihren Artgenossen ins Vogelzimmer durfte, hatte sie deutliche Schwierigkeiten beim Klettern und Laufen. Normalerweise stehen Wellensittiche mit ihren Füßen so auf einem ebenen oder gekrümmten Untergrund, das die beiden mittleren Zehen nach vorn und die beiden äußeren nach hinten weisen. In der Mitte des Fußes ist auf dessen Unterseite derjenige Punkt, auf dem in der anatomisch korrekten Position der Großteil des Gewichts der Vögel lastet. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt die Füße eines gesunden Wellensittichs, der auf einer dünnen Stange steht, die als Sitzplatz an einem Fressnapf befestigt ist.

Ein kranker Wellensittichfuß Wegas Fuß ermöglicht es dem Weibchen nach dem Beginn der Krankheit nicht mehr, sich in der arttypischen Weise hinzustellen. In der Abbildung rechts erkennt man deutlich, dass der im Bild rechts gezeigte Fuß für Wega beim Stehen relativ nutzlos war. Sie konnte sich nur noch darauf abstützen, aber richtigen Halt bot ihr der Fuß nicht, weil ein Umgreifen der Stangen nicht mehr möglich war.

Anatomie eines Vogelfußes Aufgrund ihrer starren Zehenstellung konnte sich Wega beim Laufen, Stehen und Klettern nur noch auf den Knochen stützen, der "Lauf" genannt wird. Die Abbildung rechts zeigt diesen Knochen, der bei Vögeln nach oben hin an den Unterschenkelknochen grenzt. Wegas Körpergewicht lag deshalb meist auf dem Gelenk, das den Lauf und den Unterschenkelknochen miteinander verbindet. Ich betrachtete es regelmäßig aus der Nähe, um sofort eine Hautsalbe auftragen zu können, die mir mein Tierarzt gegen wunde Stellen und Hautverletzungen bei meinen Vögeln mitgegeben hatte, sofern mir dies nötig zu sein schien. Die dünne Haut am Gelenk ist von Natur ausausgesprochen empfindlich und nicht für derartige Dauerbelastungen vorgesehen, wie sie im Falle eines gelähmten Fußes auftreten. Zum Glück habe ich Wega nur selten mit jener Salbe behandeln müssen.

Klettern, Laufen, Landen, Schlafen
Weil Wega ihre Zehen nicht zum Greifen benutzen konnte, stellten waagerechte Gitterstäbe beim Klettern große Anforderungen an ihr Geschick. Mit dem gesunden Fuß griff sie wie für Wellensittiche typisch um mindestens eine Gitterverstrebung und fand durch ihren festen Griff guten Halt. Das Bein mit dem gelähmten Fuß legte sie so auf die Gitterstäbe, dass ihr Lauf sie trug. Wie wackelig dies war, merkte man, wenn sie mit dem gesunden Fuß das Gitter losließ, um woanders neuen Halt zu finden. Stieß beispielsweise ein anderer Sittich die kletternde Wega in einem solchen Moment an, geriet sie stark ins Wanken und musste ihren Schnabel zur Hilfe nehmen, um nicht zu stürzen. Senkrecht verlaufende Stäbe, die meist an den Seiten von Vogelkäfigen angebracht sind, konnte sie seit dem Auftreten ihrer Behinderung nicht mehr kletternd bewältigen, da sie mit nur einem gesunden Fuß daran keinerlei Halt fand.

Wegas Laufstil hatte sich also seit dem Beginn der Krankheit zwangsläufig verändert. Sie lief viel langsamer als zuvor und war leichter aus dem Gleichgewicht zu bringen. Beim "Gehen" rollte sie sich über ihren Lauf ab, was einen hinkenden Eindruck beim Betrachter erweckte. Seit Wega das Problem mit ihrem Fuß hatte und noch fliegen konnte, sahen ihre Landungen alles andere als elegant aus. Viel mehr wackelte sie vergleichsweise unbeholfen, wenn es darum ging, auf einem schwankenden Untergrund wie einer Schaukel aus Naturästen zu landen. Käfigoberteile stellten aufgrund der Abstände zwischen den einzelnen Gitterstäben ebenfalls kein leichtes Terrain zum sanften Aufsetzen für das Weibchen dar. Ebene Flächen bereiteten ihr die geringsten Schwierigkeiten, dort landete sie meist sanft und punktgenau. Im Frühling 2002 verlor sie jedoch aufgrund einer schweren Krankheit leider auch noch ihre Flugfähigkeit.

Wegas beliebteste Ruheposition Amüsant anzusehen war Wegas beliebteste Schlaf- und Ruheposition. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt das Wellensittich-Weibchen, wie es auf einem Stück Kork liegt, das ich zwischen die Gitterstäbe eines Käfigs geklemmt habe. Bäuchlings liegend, entlastete Wega ihr gesundes Bein, auf dem sie die meiste Zeit des Tages stand. Dabei wirkte sie rundherum zufrieden.

Ihren Behinderungen zum Trotz stand Wega dennoch mit beiden Beinen voll im Leben. Sie war schon immer ein eher zurückhaltender, schüchterner Sittich, was jedoch nicht heißen soll, dass sie sich schlecht fühlte. Je mehr Vögel um sie herum lebten, desto mehr blühte Wega auf. Anfang Dezember 2001 hat sie sogar Ambitionen gezeigt, einen Nistkasten zu beziehen. Da sie zu jener Zeit keinen festen Gefährten hatte, der mit ihr eine Familie hätte gründen können, wurde aus der Sache aber nichts - und ich wollte ohnehin nicht züchten.

Was bei der Haltung zu beachten ist
Wer einen Vogel pflegt, dessen Fuß gelähmt ist, sollte vorsichtshalber den Ring entfernen lassen, falls er am durch die Lähmung betroffenen Bein befestigt ist. Der Vogel bleibt ohnehin gelegentlich mit dem steifen Fuß hängen, deshalb sollte man kein Risiko eingehen und den Ring, der in einem solchen Fall unter Umständen eine ernsthafte Gefährdung für den Vogel darstellen kann, vom Tierarzt mit einer Spezialzange durchtrennen lassen.

Ihr Tierarzt vermerkt den Grund für das Entfernen des Rings, und sie müssen die Ringfragmente auf alle Fälle zusammen mit einem Beleg Ihres Tierarztes mit nach Hause nehmen. Diese beiden Dokumente sind im übertragenen Sinne der Personalausweis Ihres Vogels, deshalb dürfen Sie sie niemals wegwerfen! Der Verkauf unberingter Vögel ist in Deutschland verboten. Weshalb die Ringpflicht besteht, können Sie in einem meiner Texte in der Rubrik "Wellensittichzucht" nachlesen.

Bitte entfernen Sie alle Gegenstände aus der Reichweite Ihres Vogels, an denen er mit seinem lahmen Fuß hängen bleiben kann. Eine Liste gängiger Gefahrenquellen, die einem Wellensittich beim Freiflug zum Verhängnis werden könnten, finden Sie hier.

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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