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  Erfahrungsbericht von Stefanie Kranjc, 27.01.2002

Cindy mit ihren verkrüppelten Zehen Cindy, eines meiner behinderten Vögelchen, das ich schon im entfernte Augenlider im Bereich "Augenprobleme" vorgestellt habe, hat neben ihrem schlimmen Auge und der Erkrankung an der Französischen Mauser eine Fehlstellung beider Füße. Die Abbildung rechts zeigt das Vogelweibchen, wie es auf einem eigens für sie gebastelten Fußschoner (siehe unten und gepolsterte Sitzstangen) sitzt.

Die Gefahr bei Deformationen im Bereich der Zehen und Krallen ist eine einseitige Belastung der Vogelfüße und die dadurch möglicherweise entstehenden Ballengeschwüre. Gesunde Vögel sollten in ihrem Käfig als Sitzstangen Naturholzäste variierenden Durchmessers zur Verfügung haben. Dadurch bleibt den Vögeln nichts anderes übrig, als ihre Füße beim Umfassen der Äste in unterschiedlicher Krümmung zu halten. Diese durchblutungsfördernde "Fußgymnastik" kommt in freier Wildbahn permanent vor und beugt bei domestizierten Vögeln einseitiger Belastung vor. Dadurch hilft sie ferner, schmerzhafte Druckstellen zu vermeiden.

Bei Vögeln mit deformierten Zehen besteht diese Möglichkeit oft nicht, die Füße artgerecht zu trainieren. Durch die Behinderung können sich die Vögel häufig nicht auf Ästen unterschiedlicher Dicke halten. Daher ist es sehr wichtig, die Krallen und Zehen dieser Vögel besonders zu pflegen, um Druckstellen am Vogelfuß, die Sohlengeschwüre nach sich ziehen, zu vermeiden oder rechtzeitig zu behandeln.

Als Cindy vor einigen Wochen bei mir einzog, hatte sie bereits unter beiden Füßen die zuvor angesprochenen Geschwüre, die für Vögel äußert schmerzhaft sind. Trotz sofortiger Behandlung mit einer homöopathischen Heilsalbe und diversen anderen Hilfsmethoden (siehe unten), konnte ich leider eine als Folgeerscheinung auftretende Gelenkentzündung bei ihr nicht verhindern. Dabei dringen durch die Sohlengeschwüre Bakterien in den Vogelfuß ein und verursachen eine Entzündung des gesamten Fußgelenks. Bedauerlicherweise sind diese Entzündungen häufig sehr schwer zu behandeln und führen mitunter zum Tode des betroffenen Vogels.

Um Cindys Füße so weit wie möglich zu schonen, ist in ihrem Käfig eine dick gepolsterte Liegeplattform angebracht, auf die sie sich zur Entlastung ihrer empfindlichen Zehen häufig zurückzieht. Sämtliche Sitzstangen sind mit Polstermaterial umwickelt. Dabei ist es wichtig, dass die zur Polsterung verwendeten Materialien keine Fäden ziehen, in denen die Vögel mit ihren Krallen hängen bleiben könnten. Bewährt hat sich eine Polsterung aus herkömmlicher Haushaltswatte, die ich mit Mullbinde an der Sitzstange befestigt habe. Über die Mullbinde habe ich ein neues, einmal gewaschenes Mikrofasertuch gewickelt und dieses an den Seiten zur Befestigung mit Isolierband fixiert.

Zur Behandlung der Gelenkentzündung bekommt Cindy ein Antibiotikum oral verabreicht. Theoretisch wäre dies über das Trinkwasser möglich. Da durch diese Methode jedoch nicht zu kontrollieren ist, ob und wie viel Antibiotikumslösung sie zu sich genommen hat, gebe ich ihr die Mischung über eine Spritze direkt in den Schnabel und nicht etwa über das Trinkwasser ein. Das Eingeben in den Schnabel ist für Vögel ausgesprochen stressig. Doch Cindy hat trotz aller Behandlungen, die ich ihr in der kurzen Zeit, in der sie bei mir lebt, bereits habe angedeihen lassen müssen, ihr Vertrauen in mich nicht verloren. Auch wenn sie das regelmäßige Einfangen und den festen Griff während der Medikamentengabe nicht mag, so hält sie jedoch tapfer durch und wird anschließend von mir mit diversen Krauleinheiten belohnt.

Es gibt neben der oralen Antibiotikagabe ferner die Möglichkeit der Antibiotikainjektion. Welche Art der Antibiotikagabe im Einzelfall sinnvoll ist, muss der Tierarzt entscheiden.

Noch ist Cindys Gelenkentzündung nicht ausgeheilt, und es ist zurzeit nicht sicher, wie ihre Chancen auf Gesundung stehen. Die Sohlengeschwüre sind mittlerweile fast völlig abgeheilt, doch die Gelenkschwellung hält noch an und bereitet ihr Schmerzen. Sollte sich ihr Zustand nicht binnen einer Woche bessern, ist es notwendig abzuwägen, wie viel Lebensqualität Cindy noch hat. Ein Leben unter permanenten Schmerzen und ohne Aussicht auf Besserung, möchte ich Cindy auf keinen Fall zumuten. Obwohl mir die Entscheidung schwer fallen und dieser Schritt wehtun würde, würde ich Cindy in diesem Fall vom Tierarzt erlösen lassen.

Nachtrag: Am 03.02.2002 ging es Cindy aufgrund ihrer schweren Gelenkentzündung bedauerlicherweise so schlecht, dass sie euthanasiert werden musste. Stefanie hat den Kampf um Cindys Leben verloren, leider war der tapferen Vogeldame ein glückliches Leben nicht vergönnt.

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