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  Erfahrungsbericht von Gaby Schulemann-Maier

Icarus hatte einen Rückenschaden Im November 2000 nahm eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Essener Tierheims erstmals Kontakt mit mir auf. Sie hoffte, ich würde zwei der dort auf einen neuen Besitzer wartenden Vögel bei mir aufnehmen. Eines der Tiere galt als schwer vermittelbar, da es flugunfähig und durch sein struppiges Gefieder recht unansehnlich war. Kurze Zeit später zogen die beiden Sittiche bei mir ein, dem schwer gehandicapten Weibchen gab ich den Namen Icarus.

Schiefe Wirbelsäule beim Wellensittich Die Bedingungen, unter denen das Tier von seinem Vorbesitzer einst gehalten worden war, scheinen gelinde gesagt übel gewesen zu sein. Der Vogel hatte massive Haltungsschäden, da sein einstiger Käfig anscheinend erheblich zu klein gewesen ist. Hinzu kam eine Verkrümmung der Wirbelsäule, die laut Aussage des behandelnden Tierarztes von einer unausgewogenen und nährstoffarmen Ernährung herrührte.

Der Vorbesitzer hat dem Vogel allem Anschein nach außer dem Standardkörnerfutter keine gesunde Frischkost angedeihen lassen. Aufgrund eines permanenten Mangels an Vitamin D entwickelte sich bei Icarus deshalb mit der Zeit ein Knochenschaden namens Osteomalazie. Die Knochen enthalten aufgrund einer überaus schlechten Ernährungssituation zu wenig Mineralsalze und weichen daher stark auf, was zu Verformungen des Skeletts führt. Normalerweise sind eher die Beine betroffen, bei diesem Vogel wurde jedoch die Wirbelsäule geschädigt. Diese Erkrankung ist übrigens zumindest grob mit der beim Menschen auftretenden Osteoporose vergleichbar. In der Abbildung oben rechts kann man deutlich erkennen, wie schief der Rücken des Vogels war, wenn er "gerade" auf dem Käfig saß.

Bei Icarus hat der schiefe Rücken dazu geführt, dass sie nicht mehr fliegen konnte, seit sie unter der Fehlstellung der Wirbelsäule zu leiden begonnen hatte. Sobald sie zu flattern begann, geriet sie ins Trudeln und fiel auf den Rücken. Beim Laufen, was bei ihr eher wie ein Hoppeln aussah, verfing sie sich mit ihren Füßen zuweilen in ihren leicht herabhängenden Flügeln, wenn sie es gerade besonders eilig hatte. Durch eine ausgewogene Ernährung, viel Frischkost und dem damit verbundenen hohen Vitamingehalt sowie einem auf Icarus' Bedürfnisse abgestimmten Kletterbaum versuchte ich dem Vogel das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

Rudi besucht IcarusBis zu ihrem Tode - sie starb plötzlich, ohne akut erkrankt zu sein - fühlte sie sich im Vogelzimmer allem Anschein nach ausgesprochen wohl, da sie stets in Gesellschaft ihrer ebenfalls behinderten, gefiederten Freunde auf dem kleinen Kletterbaum in Bodennähe saß. Gelegentlich ist sie dort unten von den gesunden Schwarmmitgliedern, darunter auch Rudi, den sie geradezu anhimmelte, besucht worden (siehe Abbildung rechts).

Linktipp: Einige Erfahrungsberichte und Tipps für Halter gehandicapter Wellensittiche bietet Jasmin Störk auf ihrer Webseite Externer Link.

 
 
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