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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Jeder neue Vogel, der in einen Vogelschwarm einzieht oder mit einem einzelnen anderen Vogel vergesellschaftet werden soll, könnte versteckte Krankheitserreger mitbringen. Ganz unabhängig davon, ob das Tier gesund wirkt oder nicht, sollte deshalb es nicht gleich mit den bereits im Haushalt lebenden Vögeln in direkten Kontakt gelangen. Eine mindestens zweiwöchige, besser vierwöchige Quarantäne ist unbedingt zu empfehlen.

Kurz nach dem Einzug sollte man den Vogel darüber hinaus zu einem fachkundigen, auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt (siehe Adressliste Externer Link) bringen und eine Eingangsuntersuchung durchführen lassen. Im Rahmen einer solchen Untersuchung werden eventuell vorhandene Krankheitserreger häufig erkannt, bevor sie bei dem Tier zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen oder gar den anderen im Haushalt lebenden Vögeln gefährlich werden können.

Zu bedenken ist hierbei insbesondere, dass Vögel durch den mit dem Umzug verbundenen Umgebungswechsel unter Stress leiden, der ihr Immunsystem schwächen kann. Häufig vermehren sich deshalb ganz normale Umgebungskeime, also gewöhnliche, in der natürlichen Umwelt vorkommende Krankheitserreger, über alle Maßen im Vogel. Das, was ihn unter normalen Umständen nicht krank werden lässt, weil sein Immunsystem stark genug ist, kann ihn in einer Stresssituation spontan und ohne weitere äußere Einwirkung erkranken lassen. Weiter unten finden Sie in diesem Kapitel außerdem einen Expertentipp zum Thema von der Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock.

Was ist Bestandteil des Eingangs-Checks?
Während der Eingangsuntersuchung sollte der Tierarzt das Gefieder des Vogels sehr gründlich auf äußere Parasiten wie zum Beispiel Federmilben untersuchen. Auch die Schnabel- und Nasenregion sowie die Haut an den Beinen und in der Kloakengegend sollte er in Augenschein nehmen, um eventuell vorhandene Grabmilben zu entdecken.

Darüber hinaus könnten innere Parasiten den Vogel besiedeln, die mit dem bloßen Auge normalerweise nicht zu sehen sind. Zu den häufigsten inneren Parasiten, die bei Wellensittichen und anderen Ziervögeln auftreten, gehören Trichomonaden und Spulwürmer. Trichomonaden halten sich normalerweise im Kropf eines Vogels aufhalten. Um sie nachzuweisen, muss der Tierarzt einen Abstrich aus dem Kropf entnehmen und diesen direkt vor Ort unter einem Mikroskop betrachten. Trichomonaden sind für gewöhnlich sofort zu erkennen.

Dasselbe gilt für Spulwürmer beziehungsweise deren Eier, sie können vom Arzt mit Hilfe einer Kotprobe unter dem Mikroskop nachgewiesen werden. Es empfiehlt sich in diesem Zusammenhang, eine Sammelkotprobe des Vogels untersuchen zu lassen. Das bedeutet, der Halter sollte Kot seines Tieres sammeln, der zu verschiedenen Tageszeiten abgesetzt wurde, denn nicht mit jedem Kothäufchen werden Wurmeier ausgeschieden. Der Kot sollte keinen Sand enthalten, weshalb man am besten Klarsichtfolie unter dem Schlafplatz des Vogels auslegt und so über Nacht Kot sammelt, der nicht mit Vogelsand verunreinigt ist.

Kropf- und Kloakenabstriche können unter dem Mikroskop zudem grob auf Bakterien und Pilze untersucht werden. Die Art lässt sich dadurch meist nicht bestimmen, aber immerhin lässt sich sagen, ob grundsätzlich Bakterien oder Pilze vorliegen. So lassen sich zum Beispiel Megabakterien in vielen Fällen auf diese Weise aufspüren, obwohl sie leider nicht in jedem Abstrich zu finden sind, selbst wenn sie den Vogel besiedeln.

Fallen dem Tierarzt unter dem Mikroskop Bakterien oder Pilze auf, wird meist zur genauen Bestimmung eine Probe an ein Labor geschickt, falls der Verdacht auf eine Infektion besteht. Solche Proben werden im Labor auf Nährböden angezüchtet, sodass sich die Krankheitserreger vermehren und leichter identifiziert werden können. Meist wird gleichzeitig überprüft, welches Medikament besonders wirksam ist. Diese Untersuchungsmethode bezeichnet man als Erstellung eines Antibiogramms, wenn es sich um Bakterien handelt, die den Vogel besiedeln. Entsprechend kann auch ein Antimykogramm erstellt werden, falls Pilze für eine Erkrankung verantwortlich sind.

Ergänzend zu den genannten Untersuchungsdetails sollte der Tierarzt den Vogel natürlich insgesamt genau betrachten, abtasten und gegebenenfalls abhören, wenn beispielsweise ein Verdacht auf eine Atemwegsinfektion besteht.

Wie viel kostet eine Eingangsuntersuchung?
Pauschal lässt sich nicht sagen, wie teuer eine Eingangsuntersuchung ist. Tierärzte rechnen in Deutschland nach einer Gebührenordnung ab, die ihnen einen gewissen Spielraum bietet. Zudem spielt es eine Rolle, ob ein Arzt in seiner eigenen Praxis oder Tierklinik weiterführende Untersuchungen von Abstrichen durchführen kann oder ob er ein Labor damit beauftragen muss. Letzteres verursacht in aller Regel höhere Kosten, als wenn ein Vogel-Facharzt die Untersuchungen selbst vor Ort durchführt. Das ist allerdings meist nur dann möglich, wenn der Arzt in einer entsprechend ausgerüsteten Klinik oder Spezialpraxis arbeitet.

Für eine umfassende Eingangsuntersuchung ohne Laboruntersuchung sollte ein angehender Tierhalter jedoch mindestens 50 Euro einplanen - mitunter können Zusatzuntersuchungen notwendig sein, sodass im Einzelfall deutlich höher sein kann. Dies sollte bei der Anschaffung eines Wellensittichs unbedingt bedacht werden. Zum Vergleich: Für einen Eingangscheck eines Großpapageis müssen Vogelhalter oftmals etwa 400 bis 450 Euro bezahlen.

Das rät die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock

Dr. Martina SchmoockSie haben einen neuen Vogel gekauft und er soll mit Ihrer Gruppe vergesellschaftet werden? Sie möchten nicht, dass der Vogel Krankheiten in Ihren gesunden Bestand einschleppt? Super, Sie sind ein verantwortungsbewusster Besitzer.

Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Haustierarzt. Setzen Sie den Vogel vier bis sechs Stunden vor dem Tierarztbesuch in einen Käfig mit etwas Hirse und Wasser. Legen Sie auf den Käfigboden einen Gefrierbeutel oder ein paar Blatt Küchenrolle. Direkt bevor Sie losfahren, entfernen Sie den Wasserbehälter.

  • Lassen Sie den Vogel auf äußere Parasiten wie Räudemilben und Federlinge untersuchen.
     
  • Lassen Sie einen Kropfabstrich machen und die Probe auf Trichomonaden testen.
     
  • Lassen Sie den Kot untersuchen, insbesondere auf Megabakterien und auf Spulwürmer.
     
  • Und wenn Sie es wirklich gut machen wollen, lassen Sie Federproben einschicken und auf PBFD und Polyomavirus testen und lassen Sie einen Abstrich nehmen, um die Papageienkrankheit auszuschließen.
     
  • Das klingt aufwendig? Das ist es, ja, aber nur so kann garantiert werden, dass tödlich verlaufende Krankheiten sich nicht verbreiten und dass ein gesunder Bestand auch gesund bleibt.

    Dr. Martina Schmoock im Internet: Martinasvogelperspektive.de Externer Link

     
     
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