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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Um bei einem Vogel, der plötzlich erkrankt, zumindest erste Hilfe zu leisten oder dem Tier Linderung verschaffen zu können, bis man den gefiederten Patienten einem Tierarzt vorstellen kann, sollte ein Vogelhalter bestimmte Dinge immer griffbereit haben. Welche Präparate und Hilfsmittel in eine gut sortierte Vogelhalter-Hausapotheke gehören, erfahren Sie in diesem Kapitel. Und weiter unten erfahren Sie, was die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock zu diesem Thema rät.

  • Hilfsmittel zum Einfangen: Je nachdem, ob Ihre Vögel zahm sind oder nicht, werden Sie eventuell einen Kescher, ein sauberes Handtuch oder einen Handschuh benötigen, um ein erkranktes Tier einzufangen. Falls Sie im Zoofachhandel keine Vogelkescher finden können, bietet sich eine Bestellung bei einem Online-Shop an. Bird-box.de Externer Link führt beispielsweise Kescher, die in der Rubrik "Zuchtzubehör/Kescher" zu finden sind. Lassen Sie sich den richtigen Umgang mit einem Kescher jedoch unbedingt von einem erfahrenen Vogelhalter erklären, damit Sie Ihre Tiere beim Einfangen nicht verletzen.


  • Kranken- und Transportkäfig: Halten Sie einen kleinen Krankenkäfig und Näpfe für Futter und Wasser bereit. Diesen Käfig legen Sie bitte nur dann mit Sand oder Papier aus, sofern es für den Tierarzt nicht notwendig ist, den Kot des kranken Vogels zu untersuchen. Bei einer Untersuchung auf eventuell vorhandene innere Parasiten wie Spulwürmer muss der Kot frei von Sand sein. Auch Vögel mit offenen Wunden sollten nicht mit Sand in Berührung kommen. Hat Ihr Vogel hingegen einen Knochenbruch oder eine Kopfverletzung erlitten und leidet er unter Benommenheit oder  Gleichgewichtsstörungen, polstern Sie den Boden des Käfigs am besten mit weichen Tüchern aus. Das Material sollte so beschaffen sein, dass der Vogel nicht mit den Krallen darin hängen bleiben kann.

  • SpritzenSpritzen: Um einem Vogel Wasser oder Medikamente einzugeben, benötigt man oft kleine Spritzen (ohne Nadeln!). Es ist sinnvoll, Spritzen in verschiedenen Größen vorrätig zu haben. Für die Behandlung von Wellensittichen kommen meist Spritzen zum Einsatz, die zwischen einem und fünf Milliliter Flüssigkeit fassen. Für größere Vögel sind entsprechend größere Spritzen vonnöten. Kaufen kann man Spritzen normalerweise in jeder Apotheke. Die sehr kleinen Ein-Milliliter-Spritzen sind allerdings nicht überall leicht erhältlich, Tierärzte können hier meist weiterhelfen und sie gegebenenfalls bestellen.

  • Wattestäbchen: Ein wichtiger Bestandteil der Vogel-Hausapotheke sind handelsübliche Wattestäbchen. Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise Wunden mit Blutstiller betupfen oder reinigen, Salben auftragen und Verschmutzungen aus dem Gefieder entfernen.

  • Wellensittich beißt auf einen ZahnstocherZahnstocher und kleine Holzspatel: Muss ein Vogel behandelt werden, beißt er meist, was je nach Größe des Tieres relativ unangenehm für den Menschen sein kann. Manchmal muss man sogar den Schnabel selbst behandeln, was nicht alle Vögel freiwillig zulassen. Ebenso simpel wie hilfreich ist es, einen Vogel auf einen kleinen Holzspatel oder Zahnstocher beißen zu lassen, während man die Behandlung durchführt. Das Foto in diesem Absatz zeigt ein Beispiel, bei dem die Kruste am Unterschnabel behandelt werden musste. Dies war problemlos möglich, weil der Vogel auf den Zahnstocher biss und sich voll darauf konzentrierte.

  • Mit Blutstiller-Watte lassen sich kleinere Blutungen bei Ziervögeln stoppenBlutstiller: Hat sich ein Vogel verletzt, muss die Blutung unter Umständen gestoppt werden, um zu verhindern, dass das Tier verblutet. Zum Stillen von Blutungen eignen sich Mittel wie Eisen III Chlorid oder Lotagen (beides beim Tierarzt erhältlich) oder Blutstiller-Schwämmchen (Apotheke). Letztere sollten Sie dem Tier nicht in den Schnabel geben, wenn es zum Beispiel an der Zunge blutet, denn der Vogel könnte die Fasern verschlucken. Im Fall einer Zungenverletzung sollten Sie zum Beispiel Lotagen-Lösung oder ein ähnliches Präparat, das auf Schleimhäuten nicht zu Verätzungen führt auf die Spitze eines Wattestäbchens geben und damit vorsichtig auf die Wunde tupfen. Bitte beachten Sie: Die auf dem Foto in diesem Absatz gezeigte Clauden-Watte wurde inzwischen vom Markt genommen, als Alternaive empfiehlt sich beispielsweise das Produkt "Gelaspon Strips".

    Achtung:
    Beim oben genannten Eisen III Chlorid bzw. bei Eisenchloridlösung sollte größte Vorsicht walten und man sollte sich die Anwendung im Vorfeld unbedingt von einem Vogelarzt erklären lassen! Der Grund dafür ist, dass sie auf Haut und Schleimhaut ätzend wirkt. Als Alternative empfiehlt sich Eisenchloridpulver, dessen Anwendung aber ebenfalls vorab von einem fachkundigen Tierarzt erläutert werden sollte.

    Notlösung für Fälle ohne Blutstiller: Falls Sie im Notfall kein blutstillendes Präparat zur Hand haben, kann beispielsweise bei Verletzungen der Krallen oder des Schnabels Seife unter Umständen helfen, siehe auch weiter unten im Tierarzttipp. Feuchten Sie die Oberfläche der nach Möglichkeit unparfümierten Seife leicht an und drücken Sie die blutende Wunde des Vogels dann vorsichtig für einige Minuten auf die Seife. Dieser behelfsmäßige Blutstiller wirkt allerdings nicht immer und schon gar nicht bei stark blutenden Wunden. Sorgen Sie deshalb dafür, stets einen hochwirksamen Blutstiller im Haus zu haben.

  • Desinfektion von Wunden: Falls Sie eine verschmutzte Wunde bei Ihrem Tier entdeckt haben, sollte diese sicherheitshalber desinfiziert werden. Dafür eignet sich unter anderem Betaisodonalösung, die allerdings in der Wunde brennt. Eine schmerzfreie Wunddesinfektion ist unter anderem mit Octeniseptlösung möglich, sie eignet sich auch zur Desinfektion verletzter Schleimhäute. In Ihrer Apotheke berät man Sie sicher gern. Bitte beachten Sie: Es ist grundsätzlich ratsam, bei verschmutzten Wunden einen Tierarzt zu kontaktieren.

  • Kochsalzlösung: Sterile Kochsalzlösung sollte in der Hausapotheke nicht fehlen, um damit beispielsweise Wunden auszuwaschen. Vor allem dann, wenn sich ein Vogel am Auge verletzt hat und an der Wunde Sand klebt, ist es wichtig, das Auge mit Hilfe von Kochsalzlösung vorsichtig auszuspülen. Zwar ist im Notfall auch sauberes Leitungswasser verwendbar (gilt für Länder wie Deutschland, in dem das Leitungswasser sehr sauber ist), aber es verursacht ein unangenehmes Brennen.

  • Schienmaterial: Hat sich Ihr Vogel einen Knochenbruch zugezogen, müssen Sie diesen unter Umständen ruhigstellen, bevor Sie sich mit dem Vogel auf den Weg zum Tierarzt begeben. Zum Schienen eignen sich kleine Holzspatel und dergleichen. Bitte lesen Sie dafür jedoch im Vorfeld unbedingt das entsprechende Kapitel in einem Fachbuch, da ein unsachgemäßes Schienen eines Knochenbruchs zu erheblichen Komplikationen führen kann! Wer mit gebrochenen Knochen hantiert, kann dem betroffenen Tier immens große Schmerzen zufügen oder die Situation bei einer falschen Vorgehensweise sogar noch dramatisch verschlechtern und damit sämtliche Chancen auf eine Heilung zunichte machen. Verfügen Sie nicht über das nötige Detailwissen, sollten Sie einen Knochenbruch lieber nicht schienen oder ruhigstellen, sondern nur den Transportkäfig ausreichend polstern und Ihren verletzten Vogel schnellstmöglich zu einem erfahrenen Tierarzt bringen.

  • VerbandsmaterialVerbandsmaterial und Pflaster: Meiner Erfahrung nach klebt man Wunden bei Vögeln am besten mit Kreppband und Verband ab. Ebenfalls sehr gut geeignet sind selbsthaftende (nicht selbstklebende!), elastische Kreppverbände. Handelsübliche Heftpflaster kleben meist so stark, dass der Klebstoff lange am Tier haften bleibt. So erlebte ich es einmal bei einem Nymphensittich, von dessen Fuß sich ein Heftpflaster nur unter größter Mühe wieder entfernen ließ, wobei der Vogel leider Risswunden an der empfindlichen Haut erlitt. Bitte kleben Sie Vögeln niemals Pflaster ins Gefieder, sofern es nicht unbedingt erforderlich und von einem Tierarzt angeordnet worden ist!

    Müssen Sie im Notfall zum Beispiel ein verletztes Bein eines kleinen Ziervogels bandagieren, sollten Sie schmale Streifen des Verbandsmaterials zur Hand haben. Wenn ein Vogel schreit und blutet, hat man meist nicht die nötige Ruhe, Verbandsmaterial erst noch auf die passende Größe zurecht zu schneiden. Deshalb ist es sinnvoll, in einem ruhigen Moment "Mini-Verbandsrollen" vorzubereiten und deren Handhabung zu üben. Schneiden Sie hierfür einen Verband in Streifen, die zwischen 0,5 und einem Zentimeter breit und etwa zehn Zentimeter lang sind. Rollen Sie diese Streifen auf, damit Sie sie in einer Notsituation sofort verarbeiten können, wenn beispielsweise eine Wunde am Bein eines kleinen Ziervogels versorgt werden muss.

  • Panthenolsalbe: In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, eine pflegende Hautsalbe aufzutragen. Panthenolsalbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol ist in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich. Sie sollte dünn auf aufgeschürfte oder trockene, schuppige Haut aufgetragen werden. Sehr frische, noch blutende oder nicht vollständig verkrustete Wunden sollte man nicht ohne Rücksprache mit einem Tierarzt mit Salbe behandeln. Leidet ein Vogel an trockener, juckender Haut, kann Panthenolsalbe zur ersten Linderung aufgetragen werden. Es ist jedoch wichtig, dass möglichst bald durch einen Tierarzt die Ursache für die Hautveränderung abgeklärt wird, damit nicht nur die Symptome behandelt werden, sondern der eigentlichen Ursache begegnet werden kann.

  • Lebertran-Zink-Salbe: Viele Ziervögel neigen dazu, Druckstellen unter den empfindlichen Füßen zu entwickeln. Meist hilft es, Naturäste im Käfig anzubringen, um punktuelle Belastungen zu vermeiden. Darüber ist es in aller Regel sinnvoll, übergewichtige Vögel abspecken zu lassen, damit durch das eigene Körpergewicht weniger Druck auf ihren Fußsohlen ausgeübt wird. Sollten diese Schritte nicht ausreichen und es kommt doch zur Entstehung von Druckstellen, kann man diese im Anfangsstadium meist sehr rasch mit Lebertran-Zink-Salbe zur Abheilung bringen. In Apotheken sind Lebertran-Zink-Salben von verschiedenen Herstellern erhältlich.
  • Wichtig:
    Sollte ein Vogel nicht bloß eine vergleichsweise harmlose Druckstelle, sondern ein Druckgeschwür unter dem Fuß aufweisen, muss er möglichst bald von einem fachkundigen Tierarzt behandelt werden.

    Anmerkung: Einige Tierärzte raten aus Sicherheitsgründen von der Verwendung einer zinkhaltigen Salbe ab. Zwar ist die chemische Bindung des Zinks in der Salbe so beschaffen, dass sie vom Körper nicht aufgenommen werden kann. Somit besteht an sich keine Vergiftungsgefahr. Allerdings betonen die Ärzte, das Phänomen Zinkvergiftung sei bei Vögeln noch nicht ausreichend erforscht, weshalb größtmögliche Vorsicht geboten sei. Als Alternative empfehlen diese Ärzte die Verwendung einer gewöhnlichen Lebertransalbe, deren positive Wirkung auf die Heilung der Haut ausreichend groß sein soll.

  • TraumeelsalbeTraumeel: Gegen Verletzungen wie Zerrungen, Prellungen und Blutergüsse, aber auch nach Operationen oder bei blutenden, schmerzenden Wunden ist Traumeel ein hilfreiches homöopathisches Heilmittel. Es ist in unterschiedlichen Darreichungsformen in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Die Salbe lässt sich vor allem auf die Beine und Füße auftragen, wenn Zerrungen oder ähnliche Verletzungen vorliegen. Neben der Salbe ist außerdem ein fettfreies Gel erhältlich, das sich ebenfalls sehr gut für die äußere Anwendung bei Vögeln eignet und ihr Gefieder nicht verkleben lässt, falls es doch einmal mit den Federn in Berührung kommt.

    Traumeel-Tabletten und -Tropfen können über das Trinkwasser verabreicht werden. Da die Tropfen Alkohol enthalten, greifen viele Tierhalter lieber auf die Tabletten zurück, die allerdings aufgrund des in ihnen enthaltenen Milchzuckers ebenfalls problematisch sein können. Am besten geeignet sind die ebenfalls verfügbaren alkoholfreien Injektionsampullen. Lassen Sie sich bezüglich der Dosierung und zum Anwendungsgebiet von Ihrem Tierarzt beraten. Wenn keine Rücksprache mit einem Tierarzt möglich ist, weil dieser zum Beispiel am Feiertag nicht erreichbar ist, kann man vorübergehend eine Tablette pro Tag oder zehn Tropfen der Lösung ins Trinkwasser geben.

  • Tees: Bei manchen Erkrankungen können Tees den Heilungsprozess unterstützen. Sie sollten immer ein wenig schwarzen Tee, Fencheltee sowie Kamillentee im Haus haben. Weitere Informationen zu diesem Thema entnehmen Sie bitte der Unterrubrik "Futter bei Krankheit".
  • Achtung:
    Gefiederten Patienten mit schweren Kopfverletzungen sollten Sie keinen Schwarztee reichen, weil eine Anregung des Kreislaufs die Beschwerden verschlimmern könnte!

  • HeilerdeAbsorbierende Mittel: Um Giftstoffe im Körper zu binden oder Durchfall zu lindern, kann man Vögeln sehr fein gemahlene Heilerde verabreichen. Häufig empfohlen wird auch Kohlepulver, das meist Vogelkohle genannt wird. Heilerde ist allerdings besser geeignet, weil sie anders als die Vogelkohle nicht auch die Vitamine aus dem Nahrungsbrei absorbiert.
  • Keinesfalls sollten absorbierende Mittel die einzige Behandlung bei Durchfällen darstellen, denn sie beheben lediglich die Symptome, nicht jedoch die Ursache der Verdauungsstörung. Deshalb ist ein Tierarztbesuch bei Durchfällen unumgänglich!

  • Traubenzucker: In Stresssituationen versagt nicht nur uns Menschen der Kreislauf. Viele Vogelarten, darunter auch Wellensittiche, haben einen schwachen Kreislauf, den Sie im Krankheitsfall mit einer Traubenzuckergabe unterstützen können.
  • Achtung:
    Traubenzucker soll nicht gereicht werden, falls eine Nierenerkrankung oder eine Pilzinfektion beziehungsweise eine Macrorhabdiose (Megabakteriose) vorliegt.

  • Vitaminpräparat: Ein kranker Vogel benötigt häufig dringend Vitamine. Entweder lassen Sie sich ein Präparat von Ihrem Tierarzt mitgeben oder Sie bestellen ein entsprechendes Mittel per Internet bei einem Spezialhändler für Vogelfutter. Lassen Sie sich diesbezüglich vorab von Ihrem Tierarzt beraten, denn nicht alle im Handel erhältlichen Präparate sind gleichermaßen hochwertig.

  • Mineralstoffe: Gerät ein Vogelweibchen infolge der Legetätigkeit in Schwierigkeiten, kann es sinnvoll sein, Kalzium über das Trinkwasser zu verabreichen. Deshalb sollten Vogelhalter hochwertige Kalzium-Brausetabletten im Haus haben. Die Dosierung sollten Sie sich allerdings vorab von einem fachkundigen Tierarzt erläutern lassen.

  • Infrarot-Dunkelstrahler: In vielen Fällen benötigen kranke Vögel Wärme. Besonders gut eignen sich Infrarot-Dunkelstrahler für eine solche Wärmetherapie. Je nach Wattzahl, also Leistung (bitte mit dem Händler genau besprechen!), stellt man einen Infrarot-Dunkelstrahler in einigem Abstand vor den Käfig oder befestigt ihn darüber. Bitte achten Sie darauf, dass es nicht zu heiß für den gefiederten Patienten wird. Er muss sich an eine kühlere Stelle zurückziehen können, sofern er dies wünscht.

    Vögel dürfen für gewöhnlich auf keinen Fall wärmender Infrarotstrahlung ausgesetzt werden, wenn Sie an einer Erkrankung leiden, bei der das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Wärme steigert die Durchblutung im gesamten Körper, was beispielsweise im Falle einer Gehirnerschütterung unter Umständen zu einer drastischen Verschlechterung des Zustandes des Vogels führen könnte, denn auch im Kopf steigert die Wärme den (Blut-)Druck.

Bitte denken Sie stets daran, dass ein sofortiger Arztbesuch Ihrem Vogel im Notfall das Leben retten kann. Ein Blick in ein Erste-Hilfe-Buch und der Einsatz von Hilfsmitteln aus Ihrer Notfall-Apotheke dürfen den Gang zum fachkundigen Tierarzt in keinem Fall ersetzen!

Achten Sie unbedingt stets auf die Mindesthaltbarkeitsdaten der medizinischen Präparate. Abgelaufene Medikamente und Verbandsmaterial sind nicht mehr zu verwenden, sondern zu entsorgen.

Sonstige Vorbereitungen für den Notfall
Schwere Erkrankungen oder Unfälle passen normalerweise nie in den Zeitplan und meist ist es auf die Schnelle nahezu unmöglich, einen fachkundigen Tierarzt zu finden. Deshalb empfiehlt es sich Adresse, Sprechzeiten und Telefonnummer eines solchen Tierarztes zu notieren oder im Handy zu speichern und so für Notfälle stets parat zu haben. Es kann auch nicht schaden, die Kontaktdaten von Tierkliniken mit (nächtlichen) Notdiensten in der Nähe aufzuschreiben, denn mitunter ist eine ärztliche Behandlung spätabends oder am Wochenende erforderlich, wenn niedergelassene Tierärzte nicht unbedingt in ihren Praxen erreichbar sind.

Schauen Sie zudem im Stadtplan nach, wie Sie auf dem schnellsten Wege zum Arzt gelangen, sofern Sie die Praxis nicht ohnehin schon besucht haben. Oder aber geben Sie die Adresse vorab in Ihr Navigationsgerät ein, damit Sie sie im Notfall sofort abrufen können. Sofern Sie so gut vorbereitet sind, müssen Sie im Bedarfsfall keine wichtige Zeit damit vertrödeln, erst die Telefonnummer und dann auch noch den Weg zum nächstgelegenen Notdienst oder Tierarzt zu suchen.

Wer kein Auto hat, sollte mit Freunden und Bekannten sprechen, um Helfer zu finden, die sehr kurzfristig einen Notfalltransport übernehmen könnten. Nicht immer ist dies möglich, sodass man mitunter auf ein Taxi als Transportmittel angewiesen ist. Leider transportieren nicht alle Taxiunternehmen erkrankte Tiere beziehungsweise Vögel. Deshalb ist es sinnvoll, im Vorfeld bei Taxiunternehmen nachzufragen und die Nummern von tierfreundlichen Unternehmen an derselben Stelle zu notieren, an der auch die Tierarztadressen vermerkt wurden.

Ein sauberer Transportkäfig, der sich mit wenigen Handgriffen so herrichten lässt, dass schwache oder schwer verletzte Vögel darin zum Tierarzt gebracht werden können, sollte leicht auffindbar sein und nicht erst aus der hintersten Kellerecke gesucht werden und umständlich entstaubt werden müssen.

Literatur zum Thema
In sehr vielen Fällen ist erste Hilfe dringend erforderlich, damit ein Vogel lebend beim Tierarzt ankommt. Welche Bücher wichtige Informationen bieten, können Sie im Kapitel über die erste Hilfe nachlesen.

Das rät die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock

Dr. Martina SchmoockNicht alles, aber einige Dinge kann man bei kleinen Notfällen sehr gut selbst zu Hause lösen. Hier sind ein paar Tipps für Sie.

Nagelknipser: Besorgen Sie sich einen Nagelknipser, hiermit kann man zu lange oder teilweise abgebrochene Krallen gut abknipsen, bevor der Vogel sie sich ausreißt und unkontrolliert blutet.

Ein Stück Seife: Dies sollte jeder Vogelbesitzer im Haus haben. Blutet der Vogel aus einer Kralle oder aus der Schnabelspitze, die Seife kurz unter fließendem Wasser nass machen und die Kralle oder den Schnabel beherzt über die weiche Seife ziehen, Blutungen stehen sofort.

Paryboy: Das Inhalationsgerät für Kinder ist auch super für Vögel geeignet. Einfach die käuflich zu erwerbende Salzlösung einfüllen, den Käfig, in dem der Vogel sitzt, mit einem Tuch abdecken und mit dem Aufsatz die Salzlösung in den Käfig dampfen lassen - bei kleineren Atembeschwerden als Erste Hilfe unersetzlich.

Dr. Martina Schmoock im Internet: Martinasvogelperspektive.de Externer Link

 
 
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