Birds Online
     
  Home > Vogelgesundheit > Allgemeine Themen > Medikamente verabreichen
     
 

Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

MedikamentengabeErkrankt ein Vogel, benötigt er wie ein Mensch meist eine Therapie mit einem wirksamen Medikament, um wieder gesund werden zu können. Der behandelnde Tierarzt legt fest, welche Medikamente zum Einsatz kommen sollten und wie oft sie dem gefiederten Patienten verabreicht werden müssen. Auch bestimmt er darüber, wie die Medikamente einzugeben sind. Es stehen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl, zum Beispiel per Injektion (Verabreichung per Spritze in den Körper durch den Tierarzt) oder oral, also direkt in den Schnabel oder in seltenen Fällen über das Trinkwasser. 

Tierhalter, die voller Sorge mit ihren kranken Vögeln einen Tierarzt aufsuchen, sind oft sehr nervös und stellen erst dann, wenn sie wieder zu Hause sind fest, dass sie nicht genau nachgefragt haben, wie das Medikament zu verabreichen ist. Zahlreiche verunsichere Tierhalter wenden sich in solchen Fällen an die Nutzer eines der vielen Internet-Foren über Vögel. Das ist jedoch nicht empfehlenswert, weil Menschen, die den Tierhaltern helfen möchten, nur raten können, wie das Medikament im jeweiligen Einzelfall verabreicht werden sollte. Schließlich waren sie nicht anwesend, als der Tierarzt die Therapie festgelegt hat. Nur der behandelnde Tierarzt kann eine verlässliche Auskunft darüber geben, wie oft ein Medikament zum Einsatz kommen soll und wie es zu verabreichen ist.

Wenn Sie also vergessen haben, wie das Ihnen vorliegende Medikament verabreicht werden soll, dann rufen Sie schnellstmöglich den Tierarzt an. Auf diesem Wege werden Sie die gewünschte Auskunft sicher rasch erhalten. Dagegen helfen Ihnen die Spekulationen Außenstehender meist nicht weiter, weil sie für gewöhnlich nicht die gesamte Krankengeschichte des Tiers kennen.

In diesem Kapitel erfahren Sie mehr über die gängigen Verabreichungsmethoden für Medikamente, mit denen Vogelhalter vertraut sein sollten. Weiter unten finden Sie außerdem einen Hinweis zum Thema von der Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock.

Verabreichung in den Schnabel (oral)
Zahlreiche Medikamente müssen ein- oder mehrmals täglich direkt in den Schnabel des erkrankten Vogels gegeben werden. Die zu verabreichende Menge legt der Tierarzt fest, es können zum Beispiel zwei Tropfen oder 0,1 Milliliter sein, selbstverständlich kommen auch andere Mengen vor. Um einem Vogel ein Medikament in den Schnabel einzugeben, muss man ihn einfangen und gut festhalten. Wie man einen kleinen Ziervogel wie einen Wellensittich festhält, erklärt das Kapitel über den Fixiergriff.

Hält man den Vogel sicher in der Hand, ist es jedoch trotzdem nicht unbedingt leicht, ihm das Medikament in den Schnabel zu geben. Meist werden Spritzen als Hilfsmittel verwendet, aber wenn die Vögel den Schnabel nicht öffnen wollen, stehen ihre Halter vor einem Problem. Die folgende Foto-Anleitung soll als Leitfaden dienen, wie man einen Vogel auf sanfte Weise dazu bringen kann, ein Medikament zu schlucken.

Seitlich mit der Spritze nähern
Abbildung 1: Nähern Sie sich dem Schnabel seitlich mit der Spritze und versuchen Sie, die Kante der Spritze vorsichtig zwischen die geschlossenen Schnabelhälften zu schieben.

Spritze in den Schnabel einführen
Abbildung 2: Sobald der Vogel den Schnabel unter sanftem Druck einen Spalt breit öffnet, können Sie die Spritze vorsichtig weiter einführen. Befindet sie sich in der gezeigten Position, können Sie das Medikament vorsichtig in den Schnabel träufeln lassen. Achtung, manche Vögel drücken das Medikament mit der Zunge wieder aus dem Schnabel. Deshalb sollten Sie sicherstellen, den Tropfen im hinteren Bereich der Zunge anzubringen und nicht im vorderen. So erschweren Sie es dem Vogel, das Medikament wieder auszuspucken.

Mitunter gelingt es nicht, den Schnabel seitlich mit der Spritze zu öffnen. Dann ist es ratsam, das Medikament sehr langsam von der Seite durch den winzigen Schnabelspalt einzuträufeln, weil die Vögel dann keine andere Wahl haben, als die Flüssigkeit abzuschlucken, siehe Abbildung 3. Bei sehr dickflüssigen Medikamenten ist diese Methode der Verabreichung allerdings nicht zu empfehlen, weil die Arznei dann meist nur außen am Schnabel klebt und nicht vom Vogel geschluckt wird. Es sollte deshalb bei zähflüssigen Medikamenten unbedingt dafür gesorgt werden, dass die in Abbildung 2 gezeigte Verabreichungsmethode funktioniert.

Spritze in den Schnabel einführen
Abbildung 3: Will der Vogel den Schnabel nicht öffnen, kann man das Medikament auch seitlich langsam einträufeln.

Wichtig:
Oft wird der in der Hand liegende Vogel auf den Rücken gedreht. Doch sobald man die Flüssigkeit einträufelt, sollte man den Vogel so drehen, dass sich sein Kopf in aufrechter Position, also oberhalb der Speiseröhre befindet. Der Grund dafür, weshalb dies ratsam ist, ist einfach: Weil ein Vogel die Rückenlage instinktiv als Gefahrensituation ansieht, besteht die Gefahr, dass er sich an der Flüssigkeit verschluckt und letztlich daran erstickt. Halten Sie den Vogel deshalb grundsätzlich aufrecht und gerade, als würde er auf einer Stange sitzen. So ist der Weg durch die Speiseröhre für das Medikament frei und es besteht eine deutlich geringere Gefahr, dass das Tier das Medikament einatmet.

Leider geht von Spritzen, die zur Verabreichung von Medikamenten eingesetzt werden, ein gewisses Risiko für die Vögel aus. Manche Spritzen klemmen oder sind äußerst schwergängig, sodass man zunächst nichts herausdrückt und sich dann urplötzlich der gesamte Inhalt über den Kopf des Vogels ergießt. Das sollte auf keinen Fall geschehen, denn abgesehen davon, dass es für das Tier unangenehm ist, wäre so das Medikament auf einen Schlag aufgebraucht, ohne dass der Vogel davon profitieren würde.

Testen Sie vor der eigentlichen Verabreichung des Medikaments, ob die Spritze klemmt und lockern Sie sie gegebenenfalls, indem Sie ein wenig Luft ansaugen und diese wieder herausdrücken.

Liegt nahezu die komplette Öffnung der Spritze im Schnabel fest auf der Zunge, darf die Flüssigkeit nur sehr langsam eingegeben werden. Das Medikament sollte außerdem nicht als Strahl in den Hals schießen, weil es von der Rachenwand abprallen und vom Vogel eingeatmet werden könnte. Auch ist es möglich, dass die Flüssigkeit in einem solchen Fall in die Nase aufsteigt und dem Vogel Atemprobleme beschert. Sollte es dennoch einmal geschehen, dass der Vogel das Medikament durch den Rachen in die Nase bekommt, tritt die Flüssigkeit beim Atmen aus den Nasenlöchern hervor. Tupfen Sie sie rasch mit einem Tuch ab, damit der Vogel wieder besser atmen kann. Auch seitlich des Schnabels im Gefieder klebende Reste des Medikaments sollten sofort abgetupft werden, am besten mit einem leicht angefeuchteten Tuch. So können die Federn auf die Dauer nicht allzu sehr verkleben. Und bedenken Sie unbedingt, dass die Menge des Medikaments, die in die Nase aufgestiegen oder seitlich am Schnabel heruntergelaufen ist, ihren Weg nicht in den Verdauungstrakt des Tiers gefunden hat und somit keine Wirkung erzielen kann.

Zugegeben, das klingt alles recht kompliziert. Aber mit ein wenig Übung klappt die Verabreichung von Medikamenten per Spritze in den Schnabel ganz bestimmt. Sicherheitshalber sollten Sie sich diese Verabreichungsmethode einmal von Ihrem Tierarzt zeigen lassen, damit Sie die Eingabe von Medikamenten später selbst fachkundig durchführen können.

Linktipp: Zu diesem Thema hat die Tierärztin Dr. Martina Schmoock ein Video Externer Link erstellt, das Ihnen vielleicht zusätzlich weiterhilft.

Verabreichung über das Trinkwasser
Eine Reihe von Medikamenten und Präparaten kann über das Trinkwasser verabreicht werden, was für alle Beteiligten nervenschonender ist als das tägliche (mehrmalige) Einfangen des Vogels und das Eingeben eines Medikaments direkt in den Schnabel. Allerdings ist es vor allem bei Antibiotika wichtig, dass die vom Vogel aufgenommene Menge genau kontrollierbar ist, sodass viele dieser Medikamente nicht über das Trinkwasser verabreicht werden können oder sollten. Denn man kann nie sicher wissen, wie viel ein Vogel tatsächlich trinkt und ob die aufgenommene Menge des Präparats tatsächlich ausreichend groß ist.

Verordnet der Tierarzt eine Medikamentengabe über das Trinkwasser, legt er normalerweise auch die Dosis fest. Oft sagt er, man solle beispielsweise täglich fünf Tropfen ins Trinkwasser geben. Diese Angabe ist recht ungenau, denn entscheidend für den Therapieerfolg ist, wie groß die Trinkwassermenge ist, in die das Medikament gegeben wird. Manche Tierhalter verwenden kleine Trinknäpfe, deren Fassungsvermögen bei etwa 20 Millilitern liegt, andere wiederum nutzen Trinkwasserfontänen, also Spender, die bis zu 100 Milliliter fassen. Es spielt in den meisten Fällen sehr wohl eine Rolle, ob fünf Tropfen eines Medikaments auf 20 oder 100 Milliliter Wasser gegeben werden. Die zuletzt genannte Verdünnung könnt viel zu hoch sein, um einen Therapieerfolg zu gewährleisten. Fragen Sie deshalb den Tierarzt unbedingt danach, welche Menge des Medikaments auf welche Trinkwassermenge gegeben werden soll. Nur so können Sie sicherstellen, dass die Verdünnung des Medikaments nicht zu hoch ist.

Eine sehr einfache Methode zum Abmessen des Trinkwassers sind markierte Fontänen (Spender), die eine Skala enthalten, anhand derer Milliliter-Angaben ablesbar sind, siehe Foto unten.

Skalierter Wasserspender

Im Fachhandel werden diese praktischen Spender oder Fontänen jedoch leider nur selten angeboten. Falls Sie nicht fündig werden, ist es aber zum Glück leicht, für Abhilfe zu sorgen. Denn mit ein paar simplen Handgriffen lassen sich handelsübliche Trinkwasserspender in perfekte "Krankenpflege-Hilfsmittel" umwandeln. Die hier verlinkte bebilderte Anleitung soll Ihnen dabei helfen, einen entsprechenden Trinknapf für die Medikamentenverabreichung selbst herzustellen.

Der fertige Medizinal-Wasserspender

Achtung:
Die meisten Medikamente sollten nicht von gesunden Vögeln aufgenommen werden! Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt darüber, ob der zu behandelnde Vogel vorübergehend einzeln in einem separaten Krankenkäfig untergebracht werden muss, damit seine gesunden gefiederten Gefährten keinen Schaden nehmen, denn von einer Medikamentenverabreichung über das Trinkwasser wären auch sie betroffen.

Verabreichung über das Futter
In der Tiermedizin kommen einige Präparate und Medikamente zum Einsatz, die über das Futter verabreicht werden. So werden beispielsweise Enzyme, die die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse unterstützen sollen, über das Futter gestreut. Klären Sie mit dem behandelnden Tierarzt ab, wie groß die Futtermenge sein sollte, auf die eine bestimmte Menge des Medikaments gegeben werden sollte, zum Beispiel eine Messerspitze Medikament auf einen Teelöffel Körnerfutter. Und auch hier gilt: Es ist zu klären, ob andere, gesunde Vögel das Präparat ebenfalls mit dem Futter aufnehmen dürfen oder ob der Patient während der Therapie separat zu halten ist.

Manche Medikamente werden von den Vögeln leichter angenommen, wenn man sie über Feuchtfutter wie Keimfutter oder Quellfutter beziehungsweise Frischkost (Äpfel, Salatblätter, etc.) streut. Jedoch vertragen nicht alle Medikamente ein Anfeuchten, deshalb muss auch dieser Aspekt mit dem behandelnden Tierarzt abgeklärt werden. Auf gar keinen Fall sollte man Medikamente, die in Pulver- oder Pastenform vorliegen, ohne vorherige Absprache mit dem Tierarzt ins Trinkwasser geben! Als Beispiel soll das Präparat Bird Bene-bac dienen, das zur Wiederherstellung einer gesunden Darmflora eingesetzt wird. Es ist als Paste oder als Pulver erhältlich, beides sollte man nicht ins Trinkwasser geben, weil dies das Wachstum krankmachender Keime im Wasser fördert und zu schwersten Folgeerkrankungen führen kann.

Verabreichung von Salben
Salben und Cremes werden grundsätzlich immer dünn aufgetragen, damit der zu behandelnde Vogel sie nicht in großen Mengen aufnehmen kann, falls er die entsprechende Körperpartie benagt, an der das Präparat aufgetragen wurde. Vor allem bei Entzündungen und Geschwüren unter den Füßen, den sogenannten Sohlen- oder Ballengeschwüren bzw. Druckstellen, hat es sich bewährt, zusätzlich zur Behandlung des Vogels die Sitzstangen dünn mit der Salbe einzureiben. Hierbei muss allerdings täglich eine gründliche Reinigung der Stangen erfolgen! Außerdem ist es oft sinnvoll, den Käfigboden während der Behandlungsdauer nicht mit Sand zu bedecken, weil dieser an der eingecremten Körperpartie haften bleiben würde.

Das rät die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock

Dr. Martina SchmoockGrundsätzlich hofft jeder Besitzer, dass er nie Medikamente verabreichen muss. Dennoch sollte man seelisch darauf vorbereitet sein, dass das eines Tages auf einen zukommen kann.

Üben Sie deshalb, Ihren Vogel in die Hand zu nehmen, am besten im Dunkeln oder Dämmerlicht. Greifen Sie das Tier beherzt, aber mit ruhigen Bewegungen. Ziehen Sie nie erschrocken die Hand zurück. Haben Sie Angst vor Bissen, verwenden Sie ein Handtuch oder Geschirrtuch. Üben Sie so oft es geht, wenn Ihr Vogel gesund ist, bis der Handgriff sitzt.

Alternativ üben Sie mit viel Ruhe und Geduld, den Vogel ohne Zwang zu nehmen, gerne mit ein bisschen Hirse. Viele Vögel lassen sich so gut freiwillig in die Hand nehmen.

Haben Sie den Vogel in der Hand, nehmen Sie mit der anderen Hand das Medikament auf. Bereiten Sie dies vor, bevor Sie den Vogel fangen. Halten Sie den Vogel nun leicht schräg und tropfen das Medikament über den Schnabelrand vorsichtig in den Schnabel des Vogels. Setzen Sie ihn danach umgehend auf dem Käfig ab, damit er das Medikament nicht versehentlich einatmet. Arbeiten Sie ruhig, aber zügig.  

Dr. Martina Schmoock im Internet: Martinasvogelperspektive.de Externer Link

 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.