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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Leider kann es in der Ziervogelhaltung immer dazu kommen, dass ein Vogel sehr plötzlich verstirbt. Oft gibt es im Vorfeld keinerlei Anzeichen einer Krankheit, was in manchen Fällen darauf zurückzuführen ist, dass die Tiere die Erkrankung sehr gut verbergen und die Halter sie deshalb nicht wahrgenommen haben. Oder aber die Tiere haben einige Zeit zuvor vom Halter unbemerkt einen Unfall erlitten, dessen Folgen zunächst nicht ersichtlich waren. Doch es gibt auch Fälle, in denen Vögel tatsächlich von jetzt auf gleich ohne erkennbaren Grund, also ohne vorherigen Unfall und dergleichen (zum Beispiel durch einen Genickbruch), tot umfallen.

Die Einschränkung "ohne Grund" ist dabei relativ, denn es versteht sich von selbst, dass kein Lebewesen ohne jegliche Ursache aus dem Leben scheidet. Bei Wellensittichen und anderen Ziervögeln gibt es eine Reihe möglicher Auslöser für ein solch jähes Ende. Die in diesem Kapitel aufgeführten Gründe treten vergleichsweise häufig auf, aber die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Außer den hier genannten Ursachen können etliche weitere für den plötzlichen Tod eines Vogels verantwortlich sein.

Herzfehler oder Herzerkrankung
Stirbt ein Vogel binnen weniger Minuten oder gar Sekunden, so besteht die Möglichkeit, dass er an einem unerkannten oder angeborenen Herzfehler gelitten hat. Eine kleine Anstrengung genügt, und schon kann es geschehen, dass das Herz versagt. In aller Regel werden Vögel, deren Herz von Geburt an geschwächt ist, nicht alt, da das wichtige Organ nach nur wenigen Lebenswochen oder -monaten zu schlagen aufhört. Es besteht kaum eine Möglichkeit, einem Jungvogel einen Herzfehler bereits beim Kauf mit dem bloßen Auge anzusehen. Um einen Herzfehler nachzuweisen, müsste man das Tier mit einem Stethoskop abhören und zudem seine Herzgeräusche zu deuten wissen.

Bei älteren Vögeln kann es ebenfalls vorkommen, dass das Herz plötzlich versagt. Allerdings geschieht dies bei ihnen für gewöhnlich deshalb, weil eine Erkrankung das Herz einige Zeit zuvor geschwächt hat. Der Tod durch angeborene Herzfehler ist bei ihnen selten, denn wie weiter oben beschrieben, sterben die davon betroffenen Vögel meist schon, wenn sie noch recht jung sind. Doch unabhängig davon, ob die Ursache ein angeborener Herzfehler oder eine erworbene Schädigung des Organs ist, sterben viele der davon betroffenen Vögel ohne jede Vorwarnung. Versagt das Herz, sackt das Tier in sich zusammen und stirbt innerhalb weniger Sekunden. Oft hat es nicht einmal Zeit, aufzuschreien, so plötzlich stellt sich der Tod ein. Auch wenn der Halter gerade zugegen ist, besteht in aller Regel keine Möglichkeit, einen Vogel zu retten, der an plötzlichem Herzversagen leidet.

Weitere Informationen über Herzerkrankungen finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Unterrubrik über sonstige Krankheiten.

Kopfverletzung mit Hirnblutung
Eine weitere Möglichkeit für einen Todesfall ohne Vorwarnung ist eine Kopfverletzung. Vor allem Jungtiere sind verletzungsgefährdet, Altvögel erleiden dieses Schicksal vergleichsweise selten. Erlernen junge Vögel das Fliegen, geschieht es hin und wieder, dass sie in menschlicher Obhut gegen ein Hindernis wie ein Fenster oder eine Wand prallen. Bei einem solchen Aufprall kann es zu winzigen Blutungen im Gehirn kommen, die vorerst unentdeckt und ohne Beschwerden bleiben. Häufig sind keine äußeren Verletzungen vorhanden. Hat der Vogelhalter den Unfall nicht beobachtet, ahnt er möglicherweise nicht einmal, in welcher Gefahr sein Tier schweben könnte.

Nach einer kleinen Hirnblutung kann es geschehen, dass sich ein Gerinnsel spontan löst und zu wandern beginnt. Für den Vogelhalter ist der Grund hierfür nur selten erkennbar, mitunter reicht eine kleine körperliche Anstrengung aus. Bei seiner Wanderung verstopft ein solches Gerinnsel meist rasch eine lebenswichtige Blutbahn im Gehirn. Aufgrund der mangelnden Durchblutung des Gehirns tritt der Tod des Vogels nach wenigen Sekunden ein. Das Tückische ist: Zwischen dem eigentlichen, oft unbemerkten Kollisionsunfall und dem Tod durch das Blutgerinnsel können mehrere Tage oder gar Wochen liegen.

Die Symptome, die sich in einem solchen Fall beobachten lassen, gleichen denen, die bei einem Schlaganfall eines Menschen auftreten. Der betroffene Vogel taumelt kurz, zeigt plötzliche, meist halbseitige Lähmungen, schreit eventuell erschrocken auf, und dann ist es auch schon vorbei. Der Tod tritt schnell und wahrscheinlich überwiegend schmerzlos ein. Für den Halter besteht keine Möglichkeit, einen Vogel nach einem Aufprall untersuchen zu lassen, um eventuell vorhandene Blutgerinnsel im Gehirn des Tieres aufzuspüren. Selbst wenn man diese nachweisen könnte, so gäbe es meines Wissens keine Möglichkeit, sie medikamentös zu behandeln und einen plötzlichen Tod des Vogels ganz sicher zu vermeiden. Glücklicherweise ereignen sich derlei Hirnblutungen eher selten.

Weitere Informationen über Kollisionsunfälle finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Unterrubrik über sonstige Erkrankungen.

Innere Verletzungen
Eine weitere Möglichkeit für einen plötzlichen Tod ohne äußere Blessuren oder vorherige Krankheit steht ebenfalls mit einem Unfall in Zusammenhang, der vom Halter unter Umständen nicht wahrgenommen wurde. Wenn ein junger Vogel beim Ausloten seiner Fähigkeiten im Flug gegen ein Hindernis prallt, kann dies zu inneren Verletzungen führen. Mögliche Verletzungen sind Risse in den Luftsäcken, Quetschungen der inneren Organe oder gar Risse im Körperinnern. Auch Altvögel können solche Verletzungen erleiden, wenn sie einen Unfall beim Fliegen haben.

Normalerweise tritt der Tod sehr schnell nach dem Unfall ein, weil viele verunglückte Vögel an dem Blut ersticken, das in die Lunge läuft. In solchen Fällen sieht man mitunter aufgeschäumtes Blut aus dem Schnabel des frisch verstorbenen Vogels sickern. Eine innere Verletzung kann jedoch auch ohne äußere Spuren vorliegen, dann ergießt sich das Blut nur innerhalb des Körpers aus einer Wunde.

Besonders tückisch sind jene Fälle, in denen die Vögel innerlich zunächst kaum bluten, weil sich das Blut in eine Körperhöhle ergießt und einen Gegendruck zur Wunde ausübt. Die Vögel verbluten also nicht sofort, spüren aber Schmerzen aufgrund ihrer Verletzungen. Nicht alle Tiere zeigen, dass sie an Schmerzen leiden, denn das Verschleiern körperlicher Gebrechen ist ihnen angeboren.

Eine ungünstige Bewegung innerhalb der nächsten Stunden oder Tage kann dann aber dazu führen, dass eine fast verheilte Wunde im Körperinnern erneut aufreißt und stark zu bluten beginnt. Dann reicht oft der Druck des bereits in eine Körperhöhle gelaufenen Blutes nicht mehr aus, um die Blutung zu stoppen. Ist die zweite Verletzung schwerer als die erste, führt sie mit großer Wahrscheinlichkeit binnen weniger Minuten zum Tode. Leider ist diese Todesursache meist mit großen Schmerzen für den betroffenen Vogel verbunden. Als Vogelhalter hat man bedauerlicherweise praktisch keine Möglichkeit, innere Verletzungen zu erkennen und das Tier für eine ausreichend lange Zeit ruhigzustellen, um ungünstige und dadurch tödliche Bewegungen vollständig zu unterbinden.

Doch wenn ein Vogel plötzlich eine Verhaltensänderung zeigt und sich übermäßig schont - vor allem nach einem Kollisionsunfall -, sollte ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, um innere Verletzungen auszuschließen. So kann man sich unter Umständen vor bösen Überraschungen schützen, denn in manchen Fällen kann durch eine Operation das Leben eines innerlich verletzten Vogels doch noch gerettet werden.

Vergiftungen
Manche Gifte sind so stark, dass sie Vögel innerhalb kurzer Zeit töten können. Benagen die Tiere beispielsweise während des Freiflugs eine hochgiftige Pflanze, kann die aufgenommene Giftmenge so groß sein, dass der Tod innerhalb weniger Stunden eintritt. Aber auch langsamere Vergiftungsverläufe können auftreten, wenn die toxische Substanz in den Verdauungstrakt gelangt ist.

Besonders gefährlich sind sogenannte Inhalationsvergiftungen. Hierbei atmen Vögel die toxischen Substanzen ein und sterben meist binnen weniger Minuten. Ein typischer Auslöser für solche Vergiftungen sind die Ausdünstungen stark erhitzter Antihaftbeschichtungen, wie sie beispielsweise auf der Oberfläche von Bratpfannen zu finden sind. So wurde mir mehr als einmal von völlig aufgelösten Vogelhaltern berichtet, dass ganze Vogelschwärme von bis zu zehn Tieren innerhalb weniger Minuten gestorben sind, als die Vogelhalter Freunde zum Raclette-Abend eingeladen hatten und nichts Böses ahnend ihr Essen in den beschichteten Pfännchen zubereiteten.

Weitere Informationen über Vergiftungen finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Unterrubrik über sonstige Krankheiten.

 
 
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