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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Ein Wellensittich auf einer digitalen KüchenwaageDas Gewicht eines Vogels sagt viel über seinen Gesundheitszustand aus und eine regelmäßige Kontrolle kann deshalb unter Umständen lebensrettend sein, das sieht auch die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock so, siehe unten. Warum ist es so wichtig, das Gewicht eines Vogels im Blick zu halten? Einerseits kann schleichend Übergewicht entstehen, ohne dass man eine Organverfettung anfangs mit dem bloßen Auge erkennen würde. Andererseits kann auch eine Gewichtsabnahme unentdeckt bleiben, weil das Federkleid keinen freien Blick auf den Körper eines Vogels erlaubt. Allerdings ist der Wert auf der Anzeige der Waage allein noch nicht aussagekräftig, weil es nicht das eine und allgemeingültige Normalgewicht für alle Ziervögel oder gar Wellensittiche gibt, siehe entsprechendes Kapitel. Bei den Wellensittichen hat jedes Individuum einen etwas anderen Körperbau und damit sein persönliches Normalgewicht. Zwar sollte man sich diesbezüglich an den Durchschnittswerten orientieren, aber das individuelle Normalgewicht muss diesen Werten nicht hundertprozentig entsprechen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vögel zu dick oder zu dünn sind, ziehen Sie einen fachkundigen Tierarzt zu Rate.

Wie oft sollte man Vögel wiegen?
Gewichtstabelle eines WellensittichsGesunde Vögel sollte man ein- bis zweimal im Monat wiegen und die Werte notieren, um Abweichungen nach oben oder unten zu erkennen. Excel-Tabellen sind hierfür ideale Hilfsmittel. Man kann für jeden Vogel ein eigenes Gewichtsblatt anlegen und darin regelmäßig die Werte notieren. Wer mag, kann zudem Grafiken erstellen, um den Gewichtsverlauf als Kurve sehen zu können. Auch Notizen kann man in solchen Tabellen speichern. Wird beispielsweise das Futter umgestellt, sollte eine entsprechende Anmerkung notiert werden, um eventuelle damit verbundene Gewichtsveränderungen direkt ablesen zu können. Vor einem Tierarztbesuch lässt sich die Tabelle ausdrucken, falls der Gewichtsverlauf für den Arzt bei der Diagnosestellung von Interesse sein könnte.

Leidet ein Vogel an einer chronischen Erkrankung oder an einer akuten Infektionskrankheit, ist es sinnvoll, ihn häufiger zu wiegen, also mindestens wöchentlich. In manchen Fällen ist es sogar angeraten, den Vogel täglich auf die Waage zu setzen. Wer beispielsweise Megabakterien in seinem Vogelbestand hat, sollte das Gewicht seiner Tiere mindestens zweimal wöchentlich kontrollieren, um einen beginnenden Schub bei den gefiederten Patienten rechtzeitig zu erkennen.

Was sollte man beim Wiegen beachten?
Da Vögel eine rasche Verdauung haben, die zudem normalerweise sehr effizient arbeitet, beträgt der Gewichtsunterschied eines gesunden Vogels beim morgendlichen und abendlichen Wiegen am selben Tag häufig einige Gramm. Abends sind Vögel normalerweise schwerer als morgens, weil sich Nahrung in ihrem Verdauungstrakt befindet (Körner im Kropf und in den Mägen, Kotbrei im Darm). Morgens sind Kropf und Mägen meist recht leer und auch der Darm enthält weniger Kotbrei, wodurch eine Gewichtsreduktion im Vergleich zum Vorabend stattgefunden hat, die je nach Vogel und aufgenommener Nahrungsmenge normalerweise zwischen einem und drei Gramm liegt.

Es handelt sich also um keine echte Abnahme des eigentlichen Körpergewichts, wenn ein Vogel morgens leichter ist als abends. Lediglich das Gewicht der sich im Körper befindenden Nahrung hat abgenommen, weil sie über Nacht verdaut wurde und der Vogel die unverdaulichen Reste ausgeschieden hat. Nur dann, wenn ein Vogel Körpermasse abbaut, handelt es sich um eine echte Gewichtsabnahme. Der Vogelkörper baut zunächst Fett ab und später Muskelgewebe. Letzteres ist gefährlich und die Situation kann rasch zum Tod führen, weil der Körper eines Vogels das Muskelgewebe vor allem dann aufzehrt, wenn ein lebensbedrohlicher Hungerzustand aufgrund einer schweren Erkrankung vorliegt.

Will man verlässliche Werte beim Wiegen eines Vogels erzielen und diese nach Möglichkeit vergleichen können, sollte man das Tier am besten stets zur selben Tageszeit wiegen. Ideal ist es, einen Vogel morgens vor seinem Frühstück zu wiegen, weil sein Verdauungstrakt dann weitestgehend leer ist und man tatsächlich das Eigengewicht des Vogels bestimmt.

Welche Waagen eignen sich?
Ideale Helfer beim Bestimmen des Gewichts kleiner Ziervögel sind digitale Küchenwaagen. Sie messen auf ein Gramm genau und die Werte lassen sich leicht ablesen. Zudem sind sie wenig schmutzempfindlich und können problemlos gereinigt werden, falls ein Vogel beim Wiegevorgang Kot absetzt. Auch Federwaagen, an denen beispielsweise eine Schaukel befestigt wird, eignen sich zum Wiegen von Ziervögeln.

Wie bringt man Vögel auf die Waage?
Im Fall einer Federwaage ist das Wiegen meist leicht, weil die meisten Ziervögel Schaukeln gern aufsuchen. Wer aber keine Federwaage nutzt, sondern eine Küchenwaage, steht unter Umständen vor einem Problem: Denn nicht alle Vögel setzen sich bereitwillig auf eine Küchenwaage, sodass man mitunter ein wenig in die Trickkiste greifen muss. Ein kleines Stück Hirse ist ein perfektes Lockmittel. Man kann es auf die Waage legen, die Waage dann neu justieren und den Vogel dann zum Fressen auf die Waage steigen lassen. Wer handwerklich geschickt ist, kann kleine Stangengestelle basteln, die man auf einer Waage platzieren kann. Setzt sich der Vogel auf ein solches Stangengestell, lässt sich sein Gewicht an der Waage ablesen.

Leider müssen auch äußerst scheue Vögel manchmal unbedingt gewogen werden, weil sie schwer erkrankt sind und man den Gewichtsverlauf kontrollieren muss. Vor allem dann, wenn die Tiere an das Wiegen noch nicht gewöhnt sind, kann es kompliziert werden. Die schonendste Methode besteht dann darin, das Zimmer abzudunkeln, den Vogel möglichst schnell zu greifen, in einen kleinen Pappkarton zu setzen, diesen auf die Waage zu stellen und rasch den Wert abzulesen, um das Tier sofort wieder aus seinem "Gefängnis" befreien zu können. Ein Vergnügen ist dies sicher für alle Beteiligten nicht, aber manche Krankheiten erfordern ein solches Vorgehen, um das Leben eines Vogels zu retten. Vergessen Sie nicht, anschließend den leeren Karton zu wiegen und dessen Eigengewicht vom zuvor ermittelten Wert abzuziehen. So erhalten Sie eine verlässliche Angabe zum Gewicht des Vogels.

Ein tolles und sehr hilfreiches Video zum Thema hat "Wellensittichfreak" bei Youtube veröffentlicht. Der Clip zeigt eine sehr simple und doch effiziente Methode, mit der man Wellensittiche stressfrei wiegen kann. Hier geht es zu dem sehenswerten Film Externer Link!

Das rät die Vogel-Tierärztin Dr. Martina Schmoock

Dr. Martina SchmoockIch sage meinen Patientenbesitzern immer: Was das Fiebermessen beim Hund ist, ist das Wiegen beim Vogel. Jeder verantwortungsbewusste Vogelbesitzer sollte seine Tiere regelmäßig wiegen und Buch über das Gewicht führen.

Nun fragt sich so mancher, wie das funktionieren soll. Grundsätzlich gibt es sehr gute digitale Küchenwaagen, welche auch in 1-Gramm-Schritten wiegen. Diese Geräte kosten nicht die Welt und sind zum Beispeil in vielen Drogeriemärkten erhältlich. Auch bei Online-Anbietern wie Amazon oder Ebay kann man oft ein Schnäppchen machen.

Mit Hirse (Achtung, die Waage vorher austarieren!) kann man die meisten Vögel an die Waage gewöhnen und dank des Lockmittels gehen sie freiwillig hinauf. Sollte dies gar nicht klappen, muss man seinen Vogel beherzt fangen und in einen bereits austarierten Karton verbringen und das Tier hierin wiegen.

Deutliche Gewichtsverluste sind stets ein Zeichen von Krankheit. Aber auch massive Gewichtszunahmen können hinweisend sein, zum Beispiel auf ein Stoffwechselproblem. So können Sie mit Ihrem Vogel zum Tierarzt gehen, bevor er überhaupt Krankheitsanzeichen zeigt. Oft rettet dies Leben.

Dr. Martina Schmoock im Internet: Martinasvogelperspektive.de Externer Link

 
 
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