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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Feder mit BlutkielWährend der Mauser, dem natürlichen Vorgang der Erneuerung des Federkleids, fallen die abgenutzten Federn aus. Sie sind wie die menschlichen Haare nicht durchblutet, weshalb es nicht zu Blutungen kommt, wenn alte Federn von allein ausfallen. Bei sich neu bildenden Federn ist die Situation hingegen anders. Ist eine alte Feder ausgefallen, bildet sich an ihrer Stelle eine neue Feder. Sie entwickelt sich aus einer in der Haut liegenden Wachstumszone, die sehr gut durchblutet ist. Das erste, was von der neuen Feder sichtbar ist, ist ein kleines, stiftförmiges Gebilde, das sich durch die Haut schiebt. In diesem Stadium stecken die jungen Federn in kompakten Hüllen und sie schieben sich von unten nach oben heraus, wobei sich mit der Zeit die weichen Bestandteile der Feder entfalten. Damit die Feder wachsen kann, befindet sich an ihrer Basis im Inneren ein System aus Blutgefäßen (je eine Arterie und eine Vene). Mit dem Blut gelangen Nährstoffe und Substanzen in die Federwachstumszone und in in die junge Feder, die bei der Bildung der Hornsubstanz, aus der die Federn bestehen, vom Körper benötigt werden.

Das heißt, diese Blutversorgung ist das A und O für das Federwachstum. Je jünger eine Feder ist, desto stärker ist sie durchblutet, da sie sich noch im Wachstum befindet. Deshalb haben junge Federn in diesem Stadium einen speziellen Namen: Man spricht von einem sogenannten Blutkiel. Ist die Feder schließlich ausgewachsen, ist ihr unterer Schaft hohl und nicht mehr mit Blutgefäßen gefüllt. Werden die Blutgefäße nicht mehr für das Wachstum der Feder benötigt, bilden sie sich vollständig zurück.

Verletzter Blutkiel am Schwanz eines WellensittichsIm Blutkielstadium kann es zu Verletzungen kommen, wenn die jungen Federn starken mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Wird durch äußere Einwirkung ein Blutkiel beschädigt oder ausgerissen, kann es deshalb zu einer Blutung kommen. Die Stärke der Blutung ist dabei abhängig von der Größe des Blutkiels. So bluten beispielsweise Schwungfeder-Blutkiele erheblich stärker als Blutkiele des Kleingefieders am Kopf. Werden gleich mehrere große Blutkiele verletzt, kann ein verwundetes Tier aufgrund des hohen Blutverlustes sogar sterben! Es ist deshalb Vorsicht geboten, wenn ein Vogel mausert. Er sollte niemals gejagt oder grob mit der Hand gefangen werden, damit es nicht zu Blutkielverletzungen kommen kann.

Doch leider kann es trotz aller Vorsicht zu einer Blutkielverletzung kommen, und dann muss der Vogelhalter häufig rasch handeln. Denn knickt ein durchbluteter Federkiel ab und steckt danach ein Teil der verletzten Feder noch in der Haut, muss dieser meist möglichst bald von einer fachkundigen Person, also zum Beispiel von einem Tierarzt, gezogen werden. Denn abgebrochene Blutkiele bluten meist immer wieder, auch wenn sich zwischendurch vorübergehend Krusten bilden. Diese reißen leicht auf und es kommt erneut zu Blutungen. Nur indem ein verletzter Blutkiel gezogen wird, lässt sich dem vorbeugen. Wird ein Blutkielfragment von einem Arzt kontrolliert aus der Haut gezogen, entsteht in der Haut eine kleine Wunde. Die damit verbundene Blutung lässt sich erheblich leichter stoppen als die eines verletzten Blutkiels.

Weil das Ziehen eines Blutkiels für den Vogel schmerzhaft ist, sollte der Eingriff nur von einem erfahrenen Vogelhalter oder von einem erfahrenen Tierarzt durchgeführt werden! Müssen mehrere Blutkiele gleichzeitig gezogen werden, betäuben manche Ärzte die Vögel leicht, um ihnen diese schmerzhafte, aber unbedingt erforderliche Prozedur zu erleichtern.

Zwar wird in vielen Internet-Foren behauptet, ein Blutkiel könne vom Halter selbst gezogen werden. Dies sollten aber nur geübte Halter befolgen, denn es kann zu verschiedenen Komplikationen kommen: Wer beim Ziehen falsch ansetzt, kann ein großes Stück Haut ausreißen, was wiederum zu sehr starken Blutungen und großen Schmerzen führt. Außerdem muss beherzt gezogen werden, um nicht die Federwachstumszone in der Haut für immer zu beschädigen. Geschieht dies, wächst an der entsprechenden Stelle nie mehr eine Feder nach. Blutkiele müssen also mit einem kurzen, kräftigen Ruck möglichst gerade gezogen werden. Die Finger eignen sich nicht zum Ziehen eines Blutkiels. Besser geeignet sind Pinzetten oder kleine Kombizangen.

Ist gerade kein Tierarzt erreichbar, der einen verletzten Blutkiel ziehen könnte, und traut man sich einen solchen Eingriff selbst nicht zu, muss man zumindest schnellstmöglich die Blutung stoppen, um den Vogel vor dem Verbluten zu bewahren. Als Faustregel gilt hierbei, dass man die Blutung etwa zehn Minuten lang mit einer sterilen Wundkompresse mit Druck behandeln muss. Dies hat man sich im übertragenen Sinne wie das Anlegen eines Druckverbandes beim Menschen vorzustellen. Allerdings darf man nicht so stark pressen, dass man dem betroffenen Vogel die angrenzenden Knochen bricht. Fingerspitzengefühl ist gefragt! Gängige Blutstiller sind übrigens in einigen Fällen wenig hilfreich im Einsatz gegen Blutkielverletzungen.

Manche Tierärzte geben zur Behandlung von Blutkielverletzungen folgenden Tipp: Handelsübliches Sprühpflaster soll konzentriert auf ein Wattestäbchen aufgetragen und dann auf den verletzten Blutkiel gestrichen werden. Damit kann man Blutkiel-Verletzungen zumindest bei kleinen Vögeln oft stoppen. Ist die akute Blutung einer Blutkiel-Verletzung gestillt, sollte man jedoch auch nach einer solchen Behandlung sicherheitshalber einen Tierarzt kontaktieren, um jegliches Risiko einer erneuten Blutung zu vermeiden. Außerdem sollte bei der Benutzung von Sprühpflastern darauf geachtet werden, das Gefieder des (jungen) Vogels nicht zu verschmutzen.

Achtung:
In vielen Internet-Foren ist der Ratschlag zu lesen, einen verletzten Blutkiel möglichst kurz zu schneiden, damit sich der Vogel nicht wieder und wieder die Kruste aufreißt und erneut zu bluten beginnt. Diesen Rat sollten Sie nicht befolgen! Einerseits mindert das Abschneiden die Gefahr einer erneuten Blutung nicht, denn auch ein sehr kurzer Blutkiel kann vom Vogel benagt werden oder durch Hängenbleiben zu bluten beginnen. Und auf der anderen Seite ist es für einen Tierarzt ausgesprochen schwierig, einen sehr kurz geschnittenen Blutkiel aus der Haut zu entfernen. Zum Ausreißen fehlt ihm die Angriffsfläche, meist muss dann in einer kleinen Operation der zu weit abgeschnittene Blutkiel entfernt werden.

Was ist zu tun, wenn die Blutung gestoppt ist?
Handelt es sich bei der verletzten jungen Feder um einen kleinen Kiel, blutet er meist nicht mehr nach, wenn die Blutgerinnung die Wunde verschlossen hat. Größere Blutkiele, die verletzt worden sind, bluten leider oft nach. Deshalb ist es ratsam, möglichst bald einen Tierarzt aufzusuchen, um den Blutkiel fachgerecht versorgen zu lassen, auch wenn er gerade nicht blutet.

Spezialfall: Blutkielverletzungen über der Nase
Vergleichsweise häufig kommt es im Bereich des Kopfes, also meist direkt oberhalb der Nase, zu kleineren Blutkielverletzungen, die in aller Regel nicht gravierend sind und die normalerweise rasch von allein zu bluten aufhören. Auch müssen diese Blutkiele für gewöhnlich nicht gezogen werden. Die Abbildung unten links zeigt einige unverletzte Blutkiele direkt oberhalb der Nase (Wachshaut). Man erkennt an der rosaroten Färbung, dass diese jungen Federn sehr gut durchblutet sind. Zum Beispiel durch kleine Rangeleien mit Artgenossen können diese Blutkiele verletzt werden, sie bluten dann meist einige Sekunden lang. Anschließend ist ein verschmierter Blutfleck direkt oberhalb der Nase zu sehen, siehe Foto unten rechts.

Gut durchblutete Federkiele über der Nase Verletzter Federkiel über der Nase

 
 
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