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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Junger WellensittichBlutkiel-Verletzungen stellen eine Gefahr für Vögel jeden Alters dar (siehe gleichnamiges Kapitel). Für Jungtiere sind sie häufig jedoch besonders risikoreich, da heranwachsende Vögel in einer bestimmten Phase ihres Lebens anfälliger für diese Art der Verletzung sind als ausgewachsene Vögel. Der Grund hierfür ist leicht zu erklären.

Jungtiere wachsen innerhalb weniger Wochen auf die Größe der Altvögel heran, zumindest was ihren Körper angeht, also die Kopf-Rumpf-Länge. Anfangs sind sie nackt und nach einigen Lebenstagen beginnen sämtliche Federn nahezu gleichzeitig zu sprießen. Das heißt, es befinden sich innerhalb dieser Zeitspanne viele Federn im Blutkielstadium. Stürzt ein Jungvogel während dieser Entwicklungsphase oder prallt er gegen einen harten Gegenstand, könnte er sich durch den Aufprall mehrere nebeneinander liegende Blutkiele verletzen. Eine dabei entstehende Blutung kann im ungünstigsten Fall so stark sein, dass der junge Vogel innerhalb weniger Minuten verblutet.

Auch wenn Jungvögel ein wenig älter sind und das Nest verlassen haben, sind einige von ihnen nach wie vor stärker unfall- und verletzungsgefährdet als geschlechtsreife Altvögel. Das Gefieder mancher junger Vögel ist erst nach Monaten vollständig und lückenlos. Das heißt, bei einigen Jungtieren befinden sich innerhalb des Großgefieders (Flügel und Schwanz) noch Lücken. Dies und die mangelnde Übung erschwert es den jungen Vögeln, sicher zu navigieren, sodass sie bei ihren Flugübungen leichter gegen Hindernisse prallen als erfahrene, voll befiederte Altvögel. Durch solche Unfälle können Blutkiele verletzt werden, sofern noch welche vorhanden sind.

Eine weitere "schwierige Zeit" für junge Vögel stellt die Phase der Jugendmauser dar. Wenn die Tiere ihr erstes Gefieder ablegen, geschieht dies normalerweise "im großen Stil". Das heißt, sie mausern oft relativ stark und es wachsen viele Federn gleichzeitig nach. Stoßen die Vögel während dieser Zeit gegen ein Hindernis, kann es zu Blutkielverletzungen und damit zu schweren Blutungen gleich mehrerer Federn kommen.

Ein Fallbeispiel
Eine Birds-Online-Leserin, die selbst Halterin zweier junger Wellensittiche ist, erlebte Anfang 2004 einen Fall, der für Blutkiel-Verletzungen bei Jungtieren exemplarisch ist:

"Ich bemerkte, dass beide Wellis sehr still herumsaßen, dann fielen mir kleine dunkle Flecken im Sand auf. Ich betrachtete die beiden genauer und stellte fest, dass das Schwanzgefieder von Galadriel voller bereits angetrocknetem Blut war. Es sah nicht wie eine Verletzung aus und ich befürchtete schon innere Blutungen. Was auch immer es war, es schien bereits aufgehört zu haben und so unterstützte ich die Vögel nur in ihrer schon selbst vorgenommenen Ruhigstellung und brachte die kleine Patientin am nächsten Tag zum Tierarzt.

Dieser blies das Gefieder zur Seite und es kam eine kreisrunde Wunde zum Vorschein, die man sich etwa wie den Einstich einer sehr breiten Injektionsnadel vorstellen kann. Nachdem ich über die Ursache, also eine nachwachsende Schwanzfeder, die Blutgefäße verletzt hatte, aufgeklärt war, suchte ich zu Hause später gründlich den Käfigboden ab und fand bald eine mehrere Zentimeter lange Schwanzfeder, deren Kiel vollständig mit Blut gefüllt war.

Zu erwähnen sei übrigens noch Folgendes: Da ich es sofort für äußerst unwahrscheinlich gehalten hatte, dass Bilbo seine Freundin verletzt hatte, hatte ich die beiden in einem Käfig belassen. Der Tierarzt bestätigte mir, dass das, soweit die Tiere sich gut vertragen, im Falle einer Blutkiel-Verletzung nicht schädlich ist.

Bis heute ist glücklicherweise nichts weiter passiert und auch die tief im Gefieder sitzenden Blutreste lösen sich durch regelmäßiges Duschen langsam heraus. Hierzu noch ein tierärztlicher Rat: Den Welli allenfalls oberflächlich säubern, nicht das ganze Gefieder durchwaschen."

Erste Hilfe im Notfall
Mitunter wird man direkt Zeuge einer Blutkiel-Verletzung bei einem Jungvogel. Wenn mehrere Federn betroffen sind, kann es zu massiven Blutungen kommen, die für den betroffenen Vogel tödlich enden können, sofern man nicht helfend eingreift. Ist nur eine Feder abgebrochen, stoppt die Blutung manchmal von allein, aber auch in einem solchen Fall sollte man erste Hilfe leisten. Doch Vorsicht: Oft treten die Blutungen später erneut ein, wenn die Blutkruste aufbricht. Es sind somit bestimmte Maßnahmen erforderlich.

Wie ist vorzugehen, wenn man eine Blutung an einem Blutkiel feststellt? Anders als bei Blessuren der Haut hilft gegen stark blutende Blutkiel-Verletzungen meist kein Blutstiller, der beispielsweise mit Hilfe eines Wattestäbchens punktuell aufgetragen wird. Sinnvoller ist es, mit einem sauberen Tuch die Blutung einige Minuten lang durch Druck zu stoppen - allerdings darf man nicht so fest drücken, dass man dem betroffenen Vogel die Knochen bricht. Gegen die zusätzliche Verwendung eines blutstillenden Mittels ist nichts einzuwenden. Wie man Blutungen mit solchen Mitteln stillt, ist im entsprechenden Kapitel ausführlich beschrieben.

Kontaktieren Sie sicherheitshalber einen erfahrenen Tierarzt, denn oft müssen abgebrochene Blutkiele gezogen werden. Verbleiben sie in der Haut, kann es später immer wieder zu erneuten Blutungen kommen, wenn die Blutkrusten aufreißen. Der wiederholte Blutverlust würde dem Vogel stark zusetzen.

Manche Tierärzte geben einen weiteren Tipp: Handelsübliches Sprühpflaster soll konzentriert auf ein Wattestäbchen gebracht und dann auf den verletzten Blutkiel gestrichen werden. Damit kann man Blutkiel-Verletzungen zumindest bei kleinen Vögeln oft dazu bringen, nicht mehr zu bluten. Ist die akute Blutung einer Blutkiel-Verletzung gestillt, sollte man jedoch auch nach einer solchen Behandlung sicherheitshalber einen Tierarzt aufsuchen, um jegliches Risiko einer erneuten Blutung zu vermeiden. Außerdem sollte bei der Benutzung von Sprühpflastern darauf geachtet werden, das Gefieder des (jungen) Vogels nicht zu verschmutzen.

 
 
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