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Immer wieder hört man davon, dass vor allem ältere Menschen, die aufgrund einer Erkrankung lange Zeit liegen müssen, mit der Zeit unter Druckstellen oder einem sogenannten Liegegeschwür - in der Fachsprache Dekubitus genannt - leiden. Bei Vögeln treten solche Hautveränderungen ebenfalls auf. Doch wie genau entstehen sie? Wird eine bestimmte Stelle des Körpers über einen längeren Zeitraum ständig mit Druck belastet, kann es dort zu einer Schädigung des Gewebes kommen. Bei Vögeln treten diese Liegegeschwüre meist im Bereich des Bauches und der Brust auf. Aber auch an der Rückseite der Beine können sie entstehen, wenn die Tiere permanent ihre Füße entlasten und so stehen, dass die entsprechende Beinpartie ständig auf dem Boden aufliegt und vom Körpergewicht belastet wird. Die Haut der Vögel ist in den genannten Bereichen relativ dünn und von der Natur nicht dafür vorgesehen, ständig hohem Druck standzuhalten. Doch genau das muss sie, wenn sie permanent das Körpergewicht eines liegenden Vogels trägt. Die Folge sind dann die gefürchteten Liegegeschwüre.

Liegegeschwür bei einem Katharinasittich

Doch warum ist der Druck für die Haut so problematisch? Damit die Haut ihre natürliche Spannkraft und Stabilität hat, stehen die Hautzellen von innen unter Druck. Auf diesen Normalzustand ist der Zellstoffwechsel ausgerichtet, also beispielsweise die Sauerstoffaufnahme und der Abtransport von Stoffwechselprodukten aus den Zellen. Wird nun zusätzlich ständig von außen Druck auf die Hautzellen ausgeübt, kommt es häufig zu einer Störung im Austausch der Stoffwechselprodukte sowie zu einer Unterversorgung mit lebenswichtigem Sauerstoff. Dadurch, dass die Sauerstoffzufuhr nicht mehr gewährleistet ist, sterben die betroffenen Gewebebereiche ab, Tiermediziner sprechen hierbei von nekrotischem Gewebe beziehungsweise von einer Nekrose. Außerdem bilden sich in den betroffenen Regionen des Körpers Entzündungen, die nur schlecht heilen und sehr schmerzhaft sind.

Solche Geschwüre werden beim Menschen in vier Klassen eingeteilt. Dabei gilt: Hautgeschwüre des Stadiums 1 sind weniger gravierend als solche des Stadiums 4. Auch bei Vögeln kann man eine Einteilung nach Schweregraden vornehmen. Leichte Liegegeschwüre äußern sich durch eine lokale Hautrötung und Erwärmung mit leichter Knötchenbildung im Gewebe. Die schlimmsten Geschwüre sind offen und eitrig, sie heilen schlecht und in ihnen finden sich größere Bereiche mit abgestorbenem Gewebe.

Kork-RuheplattformWeil sie zu starken Schmerzen führen und wegen der verzögerten Wundheilung sehr belastend für den gesamten Organismus sind, müssen solche Wundliegegeschwüre unbedingt von einem erfahrenen Tierarzt untersucht und behandelt werden! Außerdem sollte schnellstmöglich eine Entlastung des betroffenen Hautbereichs durch eine geänderte Körperhaltung des Vogels herbeigeführt werden. Dem erkrankten Vogel müssen gepolsterte oder weiche Liegeplattformen angeboten werden, die sein Eigengewicht nicht mehr permanent auf die geschädigte Hautregion drücken lassen. Zur Entlastung eignen sich beispielsweise Korkplatten, siehe Foto in diesem Absatz. Auch andere Holzstücke lassen sich zu Ruheplattformen umbauen und zur Polsterung mit einem Mikrofasertuch umwickeln.

In jedem Fall ist die Hygiene von größter Bedeutung. Die Ruheplattformen beziehungsweise das Polstermaterial müssen regelmäßig gründlich gereinigt werden, was insbesondere dann gilt, wenn ein nässendes Geschwür vorliegt. Glücklicherweise lassen sich Mikrofasertücher leicht in der Waschmaschine reinigen, auch Holz und Kork kann man unter heißem Wasser problemlos waschen. Weitere Tipps für das Basteln von Liegebrettchen finden Sie im entsprechenden Kapitel in der Rubrik über gehandicapte Vögel. Die eigentliche medizinische Versorgung des Liegegeschwürs muss im Einzelfall festgelegt werden. Der behandelnde Tierarzt verordnet Medikamente und/oder Salben und teilt dem Vogelhalter außerdem mit, wie häufig sie anzuwenden sind. In manchen Fällen muss unter Vollnarkose in einer Operation das abgestorbene Gewebe aus dem Liegegeschwür entfernt werden.

Achtung:
Werden Liegegeschwüre nicht medizinisch versorgt, können die aus ihnen entstehenden Entzündungen für einen Vogel lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, weil sie sein Immunsystem schwächen. Zudem können sie zu einer tödlichen BBlutvergiftung führen. Deshalb ist ein Liegegeschwür bei einem Ziervogel grundsätzlich als gefährlich einzustufen und sollte schnellstmöglich von einem fachkundigen Tierarzt behandelt werden. Therapieversuche mit Hausmitteln führen meist nicht zum gewünschten Erfolg.

 
 
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