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Entzündete Haut am Bein eines WellensittichsDie Haut der Vögel wird fast am gesamten Körper von Federn bedeckt. Somit ist sie vor direkten Blicken verborgen. Es können verschiedene Faktoren dazu führen, dass sich Bakterien auf und in der Haut der Vögel vermehren und zu Entzündungen führen, was besonders tückisch ist, weil man die damit einhergehenden Hautveränderungen häufig nicht sofort wahrnimmt. Wie die Haut des Menschen, ist die Vogelhaut ein empfindliches Organ. Ein für das bloße Auge unsichtbarer Schutzmantel aus körpereigenen Stoffen, darunter Säuren, bewahrt die Haut vor Angriffen von Krankheitserregern. Ist diese Schutzhülle zu schwach oder ist die Haut aufgrund anderer Ursachen verändert - beispielsweise zu trocken -, ist sie Krankheitserregern wie Bakterien und Pilzen oft schutzlos ausgeliefert. Doch auch durch Medikamente kann es zu Hautveränderungen kommen. Tierärzte sprechen in Zusammenhang mit Einer Entzündung der Haut übrigens häufig von einer Dermatitis

Hautinfektion mit Acinetobacter iwoffiDieser Wellensittich leidet an einer Hautinfektion mit Acinetobacter iwoffi

Ursachen
Hautentzündungen sind für Vögel lästig, aber das Problem geht meist noch viel tiefer. Denn ohne eine vorangehende Ursache entstehen Hautentzündungen in aller Regel nicht. Der Halter sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Tierarzt abklären, wie es in individuellen Fall zu der Hautinfektion kommen konnte. Einige typische Auslöser sind:

  • Schwächung des Immunsystems, zum Beispiel durch eine starke Mauser
  • Nährstoffmangel aufgrund von Fehlernährung
  • Erkrankungen der Leber wie beispielsweise Fettleber oder Tumoren
  • Nierenerkrankungen
  • Federrupfen und Selbstverstümmelung (die Vögel beißen sich selbst), also mechanische Reizung
  • Schlecht verheilte Verletzungen wie Bisswunden
  • Hormonell oder durch Medikamente bedingte trockene Haut
  • Mangel an UV-Licht
  • Allergien (kommen bei Vögeln sehr selten vor)

Entzündung der Haut bei einem WellensittichNeben den genannten Ursachen gibt es etliche weitere, die Aufzählung ist demnach nicht vollständig. Vielmehr soll sie Ihnen ein Gespür dafür geben, welche Einflüsse sich negativ auf die Haut der Vögel auswirken können.

Wird die körpereigene Schutzbarriere der Haut durch geschwächt, können sich Krankheitserreger wie Bakterien oder Pilze festsetzen und übermäßig stark vermehren. Dies gilt vor allem dann, wenn sich in der veränderten Haut Mikrorisse befinden. In ihnen finden die Krankheitserreger häufig ideale Bedingungen zum Wachsen, wenn der natürliche Säureschutzmantel der Haut nicht intakt ist. Zu den bei Vögeln auftretenden Krankheitserregern, die Hautinfektionen auslösen, gehören unter anderem Hefepilze wie Candida sp. sowie Bakterien wie Staphylokokken oder Acinetobacter sp.

Symptome
Hautentzündungen äußern sich meist durch Rötungen der betroffenen Hautpartien. Nicht immer ist betroffene Hautregion geschwollen, in manchen Fällen sind jedoch deutliche Schwellungen sichtbar. Häufig schuppt die Haut und ist auffällig trocken. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen sich nässende Stellen bilden. Bei einigen Vögeln sind kleine eitrige Bereiche sichtbar und in besonders schweren Fällen sind Teile des betroffenen Gewebes abgestorben (sogenannte Nekrosen).

Zu Beginn der Erkrankung verursachen Hautentzündungen oft Juckreiz, der dann rasch in Schmerz übergeht. Betroffene Vögel berühren die erkrankte Körperpartie häufig mit dem Schnabel oder beginnen damit, das Gefieder rund um die infizierte Hautstelle auszureißen. In extremen Fällen beißen sie sich selbst blutig, um den Juckreiz oder Schmerz zu lindern. Insgesamt wirken die erkrankten Tiere unruhig, schlafen nachts nicht durch und zeigen deshalb ein schlechtes Allgemeinbefinden.

Diagnose
Bei einem Verdacht auf eine Hautentzündung sollten Vogelhalter möglichst rasch einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann die Haut durch Betrachten - oft mit einer Lupe - in Augenschein nehmen. Meist wird eine Probe entnommen und an ein Labor geschickt, um herauszufinden, welcher Krankheitserreger die Entzündung hervorruft. Diese Untersuchung ist zwar nicht ganz billig, aber in vielen Fällen dringend erforderlich. Denn wenn beispielsweise bei einem Vogel Pilze die Hautentzündung hervorrufen und er wegen einer reinen Verdachtsdiagnose gegen Bakterien behandelt wird, bringt die Therapie keinen Erfolg. Es ist deshalb immer im Sinne der Tiere, eine umfangreiche Untersuchung zur genauen Abklärung des jeweils vorhandenen Krankheitserregers durchführen zu lassen. Durch bloßes "Hinschauen" ist die genaue Bestimmung des im individuellen Fall vorliegenden Erregers meist nicht möglich!

Achtung, falls Hautausschläge oder -entzündungen immer dann auftreten, wenn ein Vogel bestimmte Futtermittel verzehrt hat, sollte eine Allergie in Betracht gezogen werden. Zwar kommen Allergien bei Vögeln selten vor, doch es sind bereits etliche Fälle dokumentiert, in denen beispielsweise Aras oder Amazonen allergisch gegen bestimmte Nahrungsmittel waren und nach dem Verzehr schwere Hautausschläge entwickelten.

Behandlung
Welche Behandlungsschritte eingeleitet werden, hängt von der Schwere der Dermatitis ab. Ist abgestorbenes (nekrotisches) Gewebe vorhanden, muss dieses vom Tierarzt umgehend entfernt werden, um eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten zu verhindern. Dann erst sollte die gesäuberte erkrankte Hautpartie behandelt werden.

Hierbei lautet die wichtigste Regel: Der Tierarzt legt fest, wie die Behandlung abzulaufen hat. Denn anders als die Haut des Menschen, reagiert die Haut der Vögel äußerst empfindlich auf eine Reihe von Salben. Tierhalter sollten niemals in Eigenregie Präparate aus ihrer Medikamentensammlung anwenden. So kann beispielsweise durch das Auftragen einer Kortisonsalbe unter Umständen ein noch viel größerer Hautschaden bei Vögeln verursacht werden. Deshalb ist von Behandlungsversuchen ohne Absprache mit einem fachkundigen Tierarzt dringend abzuraten.

Je nachdem, welche Körperpartie betroffen ist, setzen Tierärzte entweder spezielle Salben oder Tinkturen zur Behandlung ein. Mitunter müssen die erkrankten Vögel zusätzlich oral mit Medikamenten versorgt werden, also beispielsweise über das Trinkwasser oder per Eingabe in den Schnabel. Es kann im Einzelfall zudem sinnvoll sein, Medikamente per Spritze zu injizieren.

Beim Auftragen von Salben oder Tinkturen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Gefieder nicht verklebt. Anderenfalls kann dies für den betroffenen Vogel zum Problem werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Heilungsdauer
Wie schnell eine Dermatitis abheilt, lässt sich pauschal nicht sagen. Manche Hautentzündungen heilen innerhalb weniger Tage ab, andere erst nach Wochen oder gar Monaten. Falls der betroffene Vogel die juckenden und brennenden Körperstellen mit dem Schnabel traktiert, ist es mitunter sinnvoll, ihm einen Kragen (eine Halskrause) anlegen zu lassen. Dieser soll ihn davor bewahren, sich selbst größere Wunden zuzufügen, die schlecht heilen. Allerdings ist ein solcher Halskragen keine Dauerlösung. Ziel sollte es deshalb grundsätzlich sein, die Dermatitis zielgerichtet zu behandeln, damit sie schnellstmöglich abheilt und der Vogel keine Halskrause mehr tragen muss.

Genereller Hinweis zur Hautpflege
Ist die Haut eines Vogels allgemein trocken und schuppig, kann es helfen, ihn mit einem pflegenden Spray zu behandeln. Sehr gut geeignet dafür ist das Produkt "AVIx Soother Spray". Es ist vollständig natürlich und basiert auf Aloe Vera. Gelangt das Spray versehentlich auf das Gefieder der Vögel, schadet es den Tieren nicht, wenn sie es mit dem Schnabel abwischen und verschlucken. Erhältlich ist dieses Hautpflegemittel für Papageien bei Spezialhändlern, zum Beispiel im Shop des Papageienparks Bochum Externer Link, im Shop von Dr. Carlo Manderscheid Externer Link oder direkt im Hersteller-Shop von Avifood Externer Link.

Ratsam ist die Anwendung dieses Hautpflegemittels vor allem bei Vögeln, bei denen große Hautpartien nackt sind, also etwa bei Federrupfern oder bei Tieren, die an PBFD oder der Französischen Mauser leiden. Wird die Haut dieser Tiere regelmäßig gepflegt, lässt sich dadurch oft verhindern, dass sich eine Dermatitis bildet.

Ähnliche Erkrankungen
Infektion der Haut bei einem an PBFD erkrankten WellensittichFür den Laien ist es kaum möglich, im Fall einer Dermatitis eine sichere Diagnose zu stellen, denn es gibt etliche Hauterkrankungen, die einer Hautentzündung ähneln oder die spezielle Formen einer solchen Krankheit darstellen. Chronische Hautekzeme können Hautentzündungen sehr ähnlich sehen. Auch Federbalgzysten, siehe Foto rechts, können anfangs an eitrige Hautentzündungen erinnern. Ferner kann das EMA-Syndrom im Anfangsstadium mit einer Hautentzündung verwechselt werden. Bestimmte Geschwüre oder Abszesse können in der Entstehungsphase ebenfalls Entzündungen der Haut ähneln. Bestimmte Parasiten wie Federmilben führen in einigen Fällen zu Juckreiz. Die betroffenen Vögel kratzen sich und verursachen Hautschädigungen, die auf den ersten Blick leicht für eine Dermatitis gehalten werden könnten. Aufgrund der Verwechslungsmöglichkeiten ist es wichtig, einen erfahrenen Tierarzt zu Rate zu ziehen, um dem erkrankten Tier möglichst schnell zielgerichtet helfen zu können. Adressen vogelkundiger Tierärzte finden Sie hier Externer Link .

 
 
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