Birds Online
     
  Home > Vogelgesundheit > Erkrankungen der Haut > Federbalgzysten
     
  FederbalgzysteDas Federkleid der Vögel ist meist so dicht, dass man die darunter liegende Haut nicht sieht. Jede einzelne Feder ist in der Haut verankert. Es gibt in dem Gewebe unzählige Bereiche, aus denen die Federn sprießen: In der Haut des Vogels befinden sich röhrenförmige Einsenkungen, die sogenannten Federbälge. Bildet sich eine Feder, wächst an einer solchen Stelle anfangs ein hohler, oben geschlossener Stab aus verhornenden Hautzellen. Diese speziellen Zellen werden in der Fachsprache als Keratozyten bezeichnet. Während dieser frühen Entwicklungsphase liegen die Federäste noch innerhalb des Hohlstabes, sie treten erst später daraus hervor, wenn die Feder weiter gewachsen ist. Sie entfalten sich dann an beiden Seiten und bilden schließlich die ineinander verhakten Federäste, die verschiedene Farben haben können und je nach Art der Feder eher fest (Schwungfeder) oder weich (Körperfeder, Konturfeder, Dunen) sind.

Wellensittich mit FederbalgzysteDiese Federbälge, aus denen die Federn sprießen, können sich aufgrund unterschiedlicher Ursachen entzünden. Im Folgenden finden Sie eine Auflistung möglicher Gründe für solche Veränderungen des Federbalgs:

  • Stoffwechselstörung (oft aufgrund von Fehlernährung, also durch falsches Futter)
  • Nährstoffmangel
  • Verletzung/Trauma des Federfollikels (Stoßverletzungen, offene Wunden, etc.)
  • Virusinfektion (Polyomaviren oder Circoviren, also PBFD)
  • bakterielle Infektion
  • Pilzinfektion der Haut
  • angeborener genetischer Defekt (kommt in aller Regel sehr selten vor)

Durch eine dieser Ursachen - oder in manchen Fällen durch mehrere, die gemeinsam wirken - schiebt sich die Feder während des Wachstums nicht normal aus der Haut, sondern wächst in sich verdreht unter der Haut innerhalb einer Kapsel weiter. Dabei erreicht sie aber meist nicht ihre volle Größe, sondern bleibt recht klein.

Mit der Zeit zersetzt sich die Feder in dieser Kapsel. Gelangen beispielsweise Krankheitserreger in den Hohlraum oder wird die entsprechende Hautpartie stark mechanisch gereizt und verletzt, kann es zu einer Entzündung kommen. Aus der eingewachsenen, sich zersetzenden Feder bildet sich dann eine Federbalgzyste. Bei einer Zyste (alt: Kyste, Cyste) handelt es sich um einen in sich abgeschlossenen Hohlraum im Gewebe, der entweder aus einer Kammer oder gleich aus mehreren einzelnen Teilbereichen bestehen kann. In aller Regel beherbergen Zysten in ihrem Inneren eine Flüssigkeit, die oft Eiter enthält.

Mehrere FederbalgzystenSehr häufig bilden sich Federbalgzysten im Bereich der Schwungfedern (an den Flügeln) und der Schwanzfedern, mitunter aber auch am Körper, wie es auf dem nebenstehenden Foto zu sehen ist. Sie treten als blasenartige Beulen oder Verdickungen der Haut in Erscheinung, die oft gelblich gefärbt sind. Häufig stören Federbalgzysten einen davon betroffenen Vogel zunächst nicht, werden jedoch mit der Zeit zusehends größer und beginnen dann zu jucken oder zu schmerzen. Die Gefahr besteht, dass der Vogel die Zyste aufbeißt oder -kratzt beziehungsweise durch einen Unfall (zum Beispiel durch Anstoßen) zum Platzen bringt. Hierbei kann es zu heftigen Blutungen kommen. Deshalb sollte man eine Federbalgzyste so früh wie möglich vom Tierarzt untersuchen und entfernen lassen.

Behandlung
Inhalt einer FederbalgzysteDer Tierarzt sticht oder schneidet die Federbalgzyste auf, was in der medizinischen Fachsprache als "Eröffnen" bezeichnet wird. Anschließend entleert er sie, indem er sie spült oder seitlich leichten Druck ausübt, um den Inhalt nach draußen zu pressen. Der Inhalt besteht bei einer Federbalgzyste für gewöhnlich aus Blut, Eiter und einer mehr oder minder stark zersetzten Feder, die als solche kaum noch zu erkennen ist, siehe Foto rechts. Damit sich keine neue Federbalgzyste an derselben Stelle bildet, wird häufig die gesamte Kapsel nebst Federfollikel chirurgisch entfernt.

Für den betroffenen Vogel ist dieser Eingriff nicht angenehm, aber er ist erforderlich, weil eine unbehandelte Zyste im ungünstigsten Fall zum Verbluten des Vogels oder zur Entstehung einer Blutvergiftung führen kann. Eine Nachbehandlung der geöffneten und gereinigten Zyste ist meist nicht nötig und die Heilung dauert normalerweise nicht länger als ein bis zwei Wochen, sofern sich die Wunde nicht infiziert.

Bitte versuchen Sie niemals in Eigenregie, eine Federbalgzyste zu entleeren. Es kann zu unkontrollierbaren Blutungen und schweren Infektionen kommen!

Wie häufig treten Federbalgzysten auf?
Federbalgzysten bilden sich für gewöhnlich nur gelegentlich und in Einzelfällen, selten treten sie an einem Vogel an mehreren Stellen gleichzeitig auf. Viele Tiere leiden im Laufe ihres gesamten Lebens nie an Federbalgzysten, andere häufiger. Dies geschieht vor allem bei solchen Vögeln, die an einer Gefiederstörung wie PBFD leiden. Hierbei gehören Federbalgzysten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung zu den typischen Begleit- beziehungsweise Sekundärerkrankungen.

 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.