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  Lipom im BrustbereichBei sehr vielen Wellensittichen sowie bei einigen anderen Ziervögeln bildet im Laufe ihres Lebens eine Fettgeschwulst. Der medizinische Fachbegriff für eine solche Wucherung lautet Lipom. In der Mehrheit der Fälle entstehen Lipome bei Wellensittichen am Bauch oder an der Brust. In anderen Bereichen des Körpers können sie jedoch ebenfalls auftreten.

Die Ursache dafür, dass vor allem Wellensittiche zur Entstehung solcher Geschwülste neigen, ist noch nicht restlos wissenschaftlich geklärt. Sehr wahrscheinlich spielt der Lebenswandel der wilden Wellensittiche eine wichtige Rolle, der auch bei den in unserer Obhut gehaltenen Wellensittichen nach wie vor zum Tragen kommt: Von Natur aus ist der Körper der Wellensittiche darauf programmiert, Fettreserven für magere Zeiten anzulegen, weil diese Vogelart in freier Natur nicht überall genügend Futter vorfindet. Wellensittiche versuchen deshalb stets instinktiv, für Zeiten mit Nahrungsmangel vorzusorgen und sich Fettreserven anzufressen.

Für Heimvögel ist das problematisch, weil die meisten von ihnen ständig einen gut gefüllten Futternapf vorfinden. Somit können sie permanent für schlechte Zeiten vorsorgen, ohne dass es tatsächlich irgendwann zu einer Nahrungsknappheit kommt. Deshalb sind etliche der in menschlicher Obhut gehaltenen Wellensittiche übergewichtig. Dieser Zustand rührt daher, dass an vielen Stellen im Körper Fett eingelagert wurde. Es scheint überdies so zu sein, dass Übergewicht bei Wellensittichen ein Risikofaktor für die Entstehung von Lipomen ist.

Unzertrennlicher mit einem Lipom auf der NickhautAllerdings gibt es auch Fälle, in denen sich bei normalgewichtigen oder sogar bei untergewichtigen Vögeln Lipome bilden. Dann liegt wahrscheinlich eine erblich bedingte Veranlagung für die Entstehung dieser räumlich eng begrenzten Fetteinlagerung vor. Es ist ferner davon auszugehen, dass eine erblich bedingte Veranlagung dafür (mit) verantwortlich sein dürfte, wenn Lipome an ungewöhnlichen Stellen in Erscheinung treten. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Unzertrennlichen, in dessen Nickhaut (drittes Augenlid der Vögel) sich ein Lipom gebildet hat. Das transparente Augenlid musste zusammen mit dem fest an ihm angewachsenen Lipom operativ entfernt werden, um eine permanente Augenreizung zu verhindern, siehe auch Beschreibung weiter unten.

Lipome erkennen
Lipom im Kloakenbereich eines WellensittichweibchensEin Lipom an der Brust oder am Bauch eines Vogels erkennt man oft, indem man das Tier im Profil, also von der Seite, betrachtet. Sitzt es auf einer Stange, ist das Lipom als mehr oder minder deutlich hervorstehende Beule zu sehen. Diese optische Methode funktioniert aber nur bei Lipomen ab einer bestimmten Mindestgröße. Sehr kleine Lipome lassen sich nur ertasten, wohingegen mittelgroße bis große Fettgeschwülste häufig mit dem bloßen Auge zu erkennen sind - und das trotz der über ihnen liegenden Federn. In extremen Fällen können Lipome so groß und schwer sein, dass sie bis zu einem Drittel des Körpergewichts des Vogels ausmachen! Für gewöhnlich ist eine Fettgeschwulst rund oder knollig geformt, hat eine weiche und elastische Konsistenz und bildet sich meist eher langsam. Das umliegende Gewebe ist scharf von der Wucherung abgegrenzt, was für den Laien leicht zu ertasten ist. Häufig ist durch die dünne Haut eine gelbliche Färbung zu erkennen, denn das durchscheinende Fettgewebe ist gelb gefärbt. In der Abbildung in diesem Absatz ist ein Wellensittich-Weibchen mit einem recht großen Lipom im Kloakenbereich zu sehen.

Lipom im KloakenbereichAber Achtung, nicht jedes Lipom sieht gleich aus, und noch dazu kann sich das Aussehen mit der Zeit verändern. Manche Fettgeschwülste sind wie bereits weiter oben erwähnt recht klein und die Haut hat eine unauffällige Beschaffenheit. Sie ist darüber hinaus ganz normal befiedert. Große Lipome spannen die Haut und häufig fallen die Federn aus. Außerdem kommt es durch die ständige Überdehnung zu einer strukturellen Veränderung der Haut und sie wird knotig. Ferner tritt in etlichen Fällen Juckreiz auf, weshalb es geschehen kann, dass ein betroffener Vogel sein Lipom blutig beißt. Oft verhornt die sich daraufhin neu bildende Haut und wird schwartig, was zu weiterem Juckreiz führt.

Riesiges Lipom am BauchIst die Geschwulst hingegen sehr hart und verursacht sie dem Vogel gar Schmerzen, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur um ein Lipom, sondern eher um einen Tumor. Wenn man es ganz genau nimmt, sich Lipome eigentlich ebenfalls Tumoren, es sind sozusagen Fetttumoren. Sonstige Wucherungen im Körper der Vögel, die mitunter mit Lipomen verwechselt werden können, bestehen meist nicht aus Fett, sondern aus anderem Gewebe. Obwohl man meinen könnte, eine Fettgeschwulst wäre weniger problematisch als ein anderweitiger Tumor, kann doch das Gegenteil der Fall sein. Große Lipome führen wegen ihres Gewichts oftmals zu Schwierigkeiten beim Fliegen oder gar zur vollständigen Flugunfähigkeit. Außerdem üben sie im Körper Druck auf die Organe aus, was je nach Lage des Lipoms zu Verdauungsbeschwerden oder zu Problemen beim Atmen führen kann. Aus diesen Gründen sollte man bei einem Verdacht auf ein Lipom grundsätzlich sicherheitshalber einen fachkundigen Tierarzt zu Rate ziehen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Behandlungsmöglichkeiten
Lipom im Bereich der BrustLeider ist die Behandlung von Lipomen oft nicht ganz leicht. Den betroffenen Tieren eine Diät zu verordnen und sie abspecken zu lassen, ist bei übergewichtigen Tieren häufig durchaus ratsam, weil das Extragewicht schlecht für den gesamten Organismus ist. Allerdings nehmen sie meist nicht im Bereich der Lipome ab, diese behalten nicht selten ihre Größe bei und sehen am erschlankten Vogel noch bedrohlicher aus als zuvor. Je nachdem, wie gravierend die vom Lipom verursachten Beschwerden sind, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. Vogelkundige Tierärzte haben damit normalerweise viel Erfahrung und führen solche Eingriffe häufig erfolgreich durch. Das Foto rechts zeigt einen Wellensittich, an dessen Brust sich ein Lipom gebildet hatte. Durch eine unsanfte Landung kann ein solches Lipom platzen, was zu schweren Blutungen führt. Besteht diese Gefahr, ist eine Operation meist sinnvoll. Allerdings sollte der zu operierende Vogel vor dem Eingriff körperlich in möglichst guter Verfassung sein. Je fitter der Vogel ist, desto höher sind seine Heilungs- und Überlebenschancen. Ihr Tierarzt wird mit Ihnen entscheiden, was das Beste für Ihren Vogel ist, falls sich in seinem Körper ein Lipom gebildet hat. Einen Erfahrungsbericht über einen erfolgreich operierten Wellensittich können Sie hier nachlesen.

Die Fotos unter diesen Zeilen zeigen ebenfalls einen Wellensittich, der wegen eines Lipoms operiert werden musste. Dabei ist anzumerken, dass die Fotos entstanden sind, während der Vogel bereits beziehungsweise noch narkotisiert war. Links ist er vor dem Eingriff und rechts unmittelbar danach, also kurz vor dem Aufwachen, zu sehen.

Vogel kurz vor der Lipomoperation Vogel unmittelbar nach Lipomoperation

Ist aus bestimmten Gründen keine Operation möglich, weil sich das Lipom beispielsweise an einer ungünstigen Stelle am Körper befindet, kann man dem erkrankten Vogel nicht in jedem Fall helfen. Möglicherweise ist eine Therapie mit Spinnengift (Theranekron bzw. Tarantula) im Einzelfall sinnvoll. Da nicht alle Tierärzte diese Art der Behandlung aus der Naturheilkunde durchführen, sollten Sie sich im Zweifelsfall an einen Tierheilpraktiker wenden. Es ist jedoch zu bedenken, dass diese Therapie keinesfalls immer anschlägt. Eine Garantie auf eine Heilung hat man demnach nicht.

Sonderfall Flügel-Lipome
Nicht immer müssen oder können Flügellipome operativ entfernt werden. Im Fall des unter diesen Zeilen gezeigten Wellensittichs befand sich das Lipom an einer sehr ungünstigen Stelle. Ein operatives Entfernen wäre ohne die Zerstörung des Flügels kaum möglich gewesen. Deshalb wird ein solches Lipom oft genau beobachtet und zunächst so belassen, wie es ist. Erst wenn es extrem stark wächst oder der Vogel die Fettgeschwulst blutig beißt, werden weitere Schritte unternommen. Oft wird dann eine Teilamputation des betroffenen Flügels versucht, mitunter auch eine komplette Amputation, falls sich das Lipom recht weit oben am Flügel befindet.

Inoperables Flügellipom bei einem Wellensittich

Ein Fallbeispiel für eine Operation an einem Flügel-Lipom
Flügel-Lipom vor der OperationWie weiter oben erwähnt, können sich an den Flügeln Lipome bilden. Geschieht dies an der Unterseite eines Flügels, ist der durch die Wucherung entstehende Druck auf die Flanke für den betroffenen Vogel mitunter derart unangenehm, dass er das Lipom aufbeißt. In der nebenstehenden Abbildung ist Wellensittich Maxi zu sehen, nachdem er sich sein Flügel-Lipom aufgebissen hat. Seiner Besitzerin gelang es glücklicherweise, die recht starke Blutung zu stoppen, bevor Maxi verblutete. Dies unterstreicht, dass Halter von Vögeln, die Lipome aufweisen, unbedingt wirksame Blutstiller im Haus haben sollten.

Flügel-Lipom unmittelbar nach der Laser-BehandungUm den hier gezeigten Wellensittich Maxi nicht auch in Zukunft der permanenten Gefahr des Verblutens auszusetzen - es war leider zu befürchten, dass der Vogel sein Lipom weiterhin benagen würde -, entschied sich die Vogelhalterin dazu, ihren Sittich operieren zu lassen. Ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Tierarzt entfernte das Lipom mit Hilfe eines Lasers. Die verkohlte Haut am Flügel ist deutlich zu erkennen, siehe Foto rechts. Aufgrund der starken Hitzeentwicklung verschließt sich das Gewebe beim Lasern umgehend, der Blutverlust ist somit vergleichsweise gering. Zudem sterben die meisten Nerven ab, so dass gelaserte Wunden nur geringe bis gar keine Schmerzen verursachen - zumindest wird dies vermutet.

Flügel-Lipom: Blutung zehn Tage nach der BehandlungNach einer Laserbehandlung sollte die Wunde binnen ungefähr 14 Tagen gänzlich und problemlos verheilen, die Flugfähigkeit bleibt in aller Regel erhalten. In Maxis Fall bildete sich während der Heilungsphase unmittelbar neben der Operationsnarbe ein neues, rasch wachsendes Lipom, das zu Spannungen in der Narbe führte. Zehn Tage nach der Operation begann die gelaserte Stelle wieder stark zu bluten, siehe Foto rechts. Leider verstarb Maxi kurze Zeit später, obwohl seine Besitzerin alles Menschenmögliche versucht hatte, um sein Leben zu retten.

Lipom an der Nickhaut
Zwar kommt es relativ selten vor, doch es können sich auch Lipome am dritten, transparenten Augenlid der Vögel bilden - an der sogenannten Nickhaut. In dieser Körperregion bleiben Lipome meist relativ klein, aber sie scheuern am Auge und an den beiden beweglichen Augenlidern, was zu starken Reizungen führen kann. Außerdem beeinträchtigen die gelblichen Wucherungen unter Umständen das Sehen. Denn ist ein Lipom so groß, dass die Nickhaut nicht mehr vollständig geöffnet werden kann, liegt die Fettgeschwulst für den Vogel in seinem Sichtfeld. Um ein solches Lipom zu entfernen, muss meist die gesamte Nickhaut operativ entnommen werden. Dies war auch bei dem unter diesen Zeilen gezeigten Unzertrennlichen der Fall. Der Vogel kam zum Glück später gut ohne seine Nickhaut zurecht. Die rechte der beiden Abbildungen ist kurz nach der Operation entstanden, die Schwellung der Augenlider ist schon bald zurückgegangen und man hat dem Vogel nicht mehr angesehen, dass er am Auge operiert worden ist.

An der Nickhaut dieses Unzertrennlichen hat sich ein Lipom gebildet, siehe Pfeil  Die Nickhaut dieses Unzertrennlichen wurde wegen eines Lipoms operativ entfernt
                  vor der Operation                            kurz nach der Operation             

 
 
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