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  Hauttumor über der WachshautVon Tumoren spricht man bei Wellensittichen und anderen Vögeln, wenn es sich um Wucherungen handelt, die oft relativ schnell zu stattlicher Größe heranwachsen und die normalerweise von sich aus nicht wieder kleiner werden. Vergleichsweise oft bestehen sie aus Fettgewebe und bilden sich im Bauch- und Brustbereich der Vögel. Sie werden dann als Lipome oder Fettgeschwülste bezeichnet. Streng genommen sind Lipome also tatsächlich Tumoren, obwohl sie landläufig anders bezeichnet werden. Gerade deshalb und weil sie von vielen Vogelhaltern nicht als solche aufgefasst werden, gibt es über Lipome ein eigenes Kaiptel. Dagegen geht es in diesem Kapitel um Tumore, die keine Lipome sind. Zudem sei angemerkt, dass nicht alle hier genannten Tumorerkrankungen die Haut der Vögel betreffen, obwohl sich das Kapitel in der Unterrubrik über Hauterkrankungen befindet. Der besseren Übersicht halber finden Sie deshalb auf dieser Seite auch Informationen über Tumoren der inneren Organe und der Knochen.

FlügeltumorDie traurige Wahrheit ist: Nahezu am und im gesamten Körper eines Vogels können sich Tumoren bilden. Bei Wellensittichen treten unter anderem die folgenden Tumortypen mehr oder minder häufig auf:

Die Abbildung oben rechts zeigt das Wellensittich-Weibchen Bella, das an einem Tumor am Flügel litt. Leider wurde die Wucherung so groß, dass sich ein Loch im Flügel bildete. Bedauerlicherweise erlag Bella kurz darauf der schweren Erkrankung.

Nierentumoren
Schwellung am Bauch durch NierentumorWie der Name es bereits vermuten lässt, wachsen diese Tumoren im Innern des Vogelkörpers an den Nieren. Genau genommen entstehen sie aus unkontrolliert wucherndem Nierengewebe. Von außen sieht man diese Geschwülste für gewöhnlich nicht, doch es gibt oft Hinweise auf eine tumoröse Wucherung an den Nieren: In vielen Fällen verändert sich die Konsistenz der Kotballen, da die erkrankten Nieren nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten und der Körper vermehrt Urin ausscheidet. Die Kotbällchen werden somit oftmals extrem flüssig, wie es beispielsweise auch bei einer Niereninfektion der Fall ist. Allein durch das Betrachten des Vogelkots ist es nicht möglich, eine exakte Diagnose zu stellen. Es besteht zudem für den Laien eine hohe Verwechslungsgefahr mit Durchfallerkrankungen. Zu feuchte Kotballen sind somit nicht grundsätzlich gleichbedeutend mit einem Nierentumor, aber sie können ein Hinweis darauf sein.

Aufgrund der Position der Nieren im Körper der Vögel führen Nierentumoren ab einer gewissen Größe meist zu starken Schmerzen, da sie einige Nervenstränge entlang der Wirbelsäule einklemmen. Jene Nervenstränge erstrecken sich bis in die Beine der Vögel. Abhängig davon, wo der jeweilige Nerv durch einen Nierentumor eingeklemmt wird, lahmen die Vögel mit dem rechten oder linken Bein. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, einen Vogel beim Auftreten einer Lähmung eines Beines schnellstmöglich auf das Vorhandensein eines Nierentumors untersuchen zu lassen.

Erfahrene Tierärzte können Nierentumoren oft ertasten oder gegebenenfalls auf einem Röntgenbild erkennen. Bedauerlicherweise kann man diese Art von Tumoren normalerweise nicht mittels eine Operation entfernen. Hat sich ein Nierentumor erst einmal gebildet, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der erkrankte Vogel entweder an akutem Nierenversagen stirbt oder aber bis er so starke Schmerzen und Lähmungen erleidet, dass man ihn lieber einschläfern lassen sollte. Es besteht lediglich die Möglichkeit, eine Behandlung mit Spinnengift zu versuchen, was allerdings nicht in sämtlichen Fällen ratsam ist und auch nicht immer zum Erfolg führt. Manche Mediziner raten deshalb von derlei Versuchen grundsätzlich ab. Weitere Informationen zu dieser Therapieform aus der Naturheilkunde finden Sie weiter unten.

Tumoren an den Geschlechtsorganen
Sehr viele Wellensittich-Männchen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Hodentumor. Die Männchen dieser Vogelart scheinen überaus anfällig für diese sogenannten Gonadentumoren zu sein. Weshalb das so ist, hat die Wissenschaft bislang bedauerlicherweise nicht klären können. Ist ein Vogel-Männchen an einem Hodentumor erkrankt, können Lähmungen sowohl im rechten als auch im linken Bein, in besonders schlimmen Fällen sogar in beiden Beinen gleichzeitig auftreten. Eine vollständige Heilung ist nicht zu erreichen, denn Operationen sind in aller Regel nicht möglich. Im Einzelfall kann eine Behandlung mit Spinnengift in Erwägung gezogen werden, sie ist aber nicht zwingend Erfolg versprechend, siehe weiter unten.

Wellensittich mit HodentumorBevor die erkrankten Tiere zu hinken beginnen, zeigt sich meist ein anderes Symptom: Erkrankt ein Wellensittich-Männchen an einem Hodentumor, wirkt sich dies auf seinen Hormonhaushalt aus und mit der Zeit kann es zu einer Verfärbung der Wachshaut (Nase) kommen. Das "Männchen-Blau" verändert sich zusehends zu einem schmutzigen Braun (siehe Foto rechts), wobei die Nase normalerweise weniger krustig ist als die eines Weibchens. In extremen Fällen können hiervon betroffene Vögel nach einiger Zeit wie Weibchen in Brutstimmung aussehen, siehe Fotos unter diesen Zeilen. Achtung, einige Vogel-Männchen werden durch einen Hodentumor sehr aggressiv, wobei das angriffslustige Verhalten mitunter phasenweise auftritt.

Wellensittich ohne und mit Hodentumor
Zweimal derselbe Vogel: links ohne und rechts mit Hodentumor

Früher versuchte man im Fall eines Hodentumors mitunter eine Hormontherapie, die aber nicht immer zum Verschwinden der Tumoren führte. Den Tieren wurden hierfür in einem bestimmten zeitlichen Abstand männliche Geschlechtshormone per Spritze verabreicht. Inzwischen gibt es einen anderen Behandlungsansatz, der jedoch noch nicht flächendeckend angewandt wird: Befindet sich die Erkrankung in einem frühen Stadium, wird einem betroffenen Vogelmännchen ein Langzeitmedikament implantiert, das über mehrere Wochen bis hin zu mehreren Monaten Hormone freisetzt. Die Hormone können in manchen Fällen das Tumorwachstum stoppen. Jedoch kann es zu Nebenwirkungen kommen, unter anderem besteht die Möglichkeit, dass die Vögel nicht mehr aus der Narkose erwachen, die für das Implantieren des Medikaments erforderlich ist. Zudem sollte man bedenken, dass man diese Tumorerkrankung mit Hormonimplantaten in aller Regel nicht heilen kann, sondern nur ihr Fortschreiten verzögert. Letztlich sind Hodentumore normalerweise über kurz oder lang tödlich für die betroffenen Vögel. 

Wellensittichweibchen mit EierstockstumorNicht nur die männlichen Geschlechtsorgane können von Tumoren betroffen sein. Manche Vogelweibchen erkranken an Eierstocktumoren. Dieser Tumortyp tritt bei ihnen allerdings seltener auf als beispielsweise Nieren- oder Hauttumoren. Dennoch sollte man einen Vogel, dessen Bauchraum stark anschwillt, unbedingt auf das Vorhandensein eines Eierstocktumors untersuchen lassen. Hat eine solche Geschwulst eine bestimmte Größe erreicht, kann er zu Lähmungen im linken Bein des betroffenen Vogels führen, das rechte Bein ist bei dieser Art von Tumoren normalerweise nicht von Lähmungen betroffen. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt ein Wellensittich-Weibchen, in dessen Bauchhöhle sich ein mehr als haselnussgroßer Tumor am Eierstock befand. Für den Vogel gab es keine Rettung, eine Operation war bei diesem Tier unmöglich. Deshalb ist der Sittich kurz nach dem Entstehen des Fotos eingeschläfert worden. Sehr versierte Spezialisten unter den Vogel-Tierärzten können unter Umständen eine Operation versuchen, denn in manchen Fällen kann der gefiederten Patientin dadurch geholfen werden.

Verfärbte Wachshaut durch einen TumorAuch bei Wellensittich-Weibchen kann sich aufgrund der tumorbedingten Störung des Hormonhaushaltes die Wachshaut verfärben. Sie verliert ihre braune Färbung und ist später hellblau, fast weiß gefärbt. Das Foto rechts zeigt ein Weibchen, das an einem Eierstocktumor im Endstadium litt. Die Wachshaut war nicht mehr braun, sondern unscheinbar hellblau gefärbt. Achtung: Auch andere schwere oder langwierige Erkrankungen können dazu führen, dass die Wachshaut eines Wellensittich-Weibchens hellblau wird. Es muss also nicht zwangsläufig ein Eierstocktumor hinter der Farbveränderung stecken. Zudem kann eine solche Verfärbung mitunter auch ohne einen schwerwiegenden Grund auftreten.

Lebertumoren
Wellensittich mit LebertumorAus Leberzellen können bei Vögeln Tumoren entstehen. Sie wachsen meist rasch und schränken die Funktion des Organs relativ bald deutlich ein. An einer Leberstörung erkrankte Wellensittiche fühlen sich matt, haben eine schlechte Verdauung und in vielen Fällen übermäßig starkes Krallen- sowie Schnabelwachstum. Glücklicherweise steckt nicht in jedem Fall ein Lebertumor hinter diesen Beschwerden, sondern mitunter "nur" eine Infektion oder anderweitige Veränderung des Organs. Allerdings sollte im Verdachtsfall möglichst schnell ein fachkundiger Tierarzt aufgesucht werden, um die Erkrankung genau diagnostizieren zu lassen. Viele gefiederte Lebertumorpatienten lassen im Endstadium der Erkrankung die Flügel hängen und zeigen zudem die typischen Schnabelveränderungen, siehe Foto in diesem Absatz. Falls die Diagnose Lebertumor gestellt wird, gibt es für den betroffenen Vogel leider keine Rettung: Wucherungen an diesem lebenswichtigen Organ sind normalerweise inoperabel und somit nicht heilbar.

Knochentumoren
Knochentumor am FlügelWucherungen an den Knochen treten bei einem gesunden Skelett normalerweise nur selten auf. Viel häufiger kommt es an geschädigten Knochen zu tumorösen Veränderungen. Bricht sich ein Vogel beispielsweise einen Flügel oder ein Bein und wird dieser Knochenbruch nicht rasch vom Tierarzt behandelt, können seine Enden schief verwachsen. Ist dies der Fall, kann es später zu einem unkontrollierten Wachstum der Knochensubstanz an einer der Bruchkanten kommen. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen solchen Knochentumor im Frühstadium. Er bildete sich an einem schief verheilten Flügelknochen. Da der Tumor rasch wuchs und sich die Haut darüber zusehends spannte, wurde er operativ entfernt. Bei der Operation musste dem Vogel ein Teil seines Flügels amputiert werden. Glücklicherweise ist nicht grundsätzlich eine Amputation nötig, um Knochentumoren zu entfernen. Eine Operation ist aber in aller Regel dennoch unumgänglich.

Knochentumor im Bein eines WellensittichsMitunter können Knochentumoren sehr aggressiv sein und das Knochenmaterial regelrecht zersetzen. Im betroffenen Körperteil empfinden die Tiere dann sehr starke Schmerzen und schonen sie. Das Foto rechts zeigt das Bein eines Wellensittichs, in dem sich ein Knochentumor befand. Weil sich der Knochen bereits aufzulösen begonnen hat, konnte der Vogel das Bein nicht mehr belasten und zog es hoch zum Körper. Leider war es nicht möglich, das Leben des Vogels zu retten, er musste aufgrund seiner sehr starken Schmerzen und der Tatsache, dass es keine Heilungsmöglichkeiten gab, eingeschläfert werden.

Flügeltumoren
Flügeltumor im SchultergelenkAn den Flügeln kann eine Art von Tumoren in Erscheinung treten, die besonders fatal ist. In der nebenstehenden Abbildung ist ein solcher Tumor zu sehen, der direkt am Flügelansatz, also im Schultergelenk, gewachsen ist. Eine Operation ist normalerweise nicht möglich, sodass man das betroffene Tier nicht wie bei anderen, weiter außen am Flügel wachsenden Knochentumoren beispielsweise durch eine Teilamputation der Schwinge retten könnte. Tumoren, die im Schultergelenk wachsen, verursachen den betroffenen Vögeln in aller Regel sehr starke Schmerzen, weshalb es sinnvoll ist, sie durch einen Tierarzt rasch von ihrem Leiden erlösen zu lassen.

Operabler FlügeltumorBefindet sich ein Flügeltumor hingegen im äußeren Flügelbereich, kann eine Operation durchaus Erfolg bringen. Oft ist allerdings ein Entfernen des Tumors nicht möglich, ohne einen Teil des Flügels ebenfalls abzutrennen. Eine solche Teilamputation verkraften Vögel meist recht gut. Einige Krankheiten wie die Xanthomatose, das EMA-Syndrom oder bestimmte Ekzeme sehen Flügeltumoren recht ähnlich. Nur ein auf die Behandlung von Vögeln spezialisierter Fach-Tierarzt kann eine sichere Diagnose stellen, was sehr wichtig ist, um dem erkrankten Vogel schnellstmöglich helfen zu können. Beachten Sie bitte, dass die Vögel nach der (Teil-)Amputation eines Flügels in aller Regel nicht mehr fliegen können.

Hauttumoren
Tumor im WangenbereichAm gesamten Vogelkörper können Hauttumoren wachsen, die aus verändertem, wild wucherndem Gewebe bestehen. In den meisten Fällen ist es vergleichsweise leicht, solche Tumoren operativ zu entfernen. Fast alle Vögel überleben diese Eingriffe, nur einige wenige Tiere erleiden einen Kreislaufzusammenbruch bis hin zum Herzstillstand oder einen Schockzustand aufgrund der Narkose. Dieses Risiko besteht bei Vögeln leider aber grundsätzlich bei einem operativen Eingriff, der eine Vollnarkose erfordert. Problematisch sind Hauttumoren am Kopf, denn nicht alle Tierärzte sind dazu in der Lage, solche Wucherungen zu entfernen. Der Grund dafür ist einfach: Eine Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt, bei der den Vögeln normalerweise eine Atemmaske über den Kopf gestülpt wird, durch die sie das Narkosegas einatmen. Da aber das Operationsgebiet damit unter der Narkosemaske liegt, ergibt sich ein Problem.

Hauttumor über der WachshautEs gibt jedoch prinzipiell die Möglichkeit, einen solchen Patienten zu narkotisieren, ohne die Maske permanent über den Kopf gestülpt zu lassen. Zunächst werden die Tiere mit der Narkosemaske betäubt. Sobald sie narkotisiert sind, wird ein kleiner Schnitt am Rücken oder seitlich am Körper gesetzt. Durch die Öffnung in der Haut wird dann ein kleines Röhrchen in einen Luftsack, also einen Teil des Atmungssystems der Vögel, eingeführt. Über dieses Röhrchen strömen das Narkosegas und Sauerstoff in den Vogel. Der Kopf des betäubten Tieres ist somit frei zugänglich und der behandelnde Arzt kann dort eine Operation durchführen. Falls einer Ihrer Vögel an einem Hauttumor am Kopf leidet und Ihr Tierarzt Ihnen mitteilt, man könne dort keine Operationen durchführen, wenden Sie sich bitte an einen Vogel-Facharzt und holen seine Meinung dazu ein. Adressen solcher Experten finden Sie hier Externer Link .

Schnabeltumoren
SchnabeltumorAm Schnabel eines Vogels kann ebenfalls ein Tumor entstehen, was allerdings nur selten der Fall ist. Wenn es zur Bildung eines Schnabeltumors kommt, wächst dieser oft zu einem klumpigen, meist dunkelrot gefärbten Gebilde heran. Manche Tumoren bringen das Schnabelhorn dazu, zu zerbrechen und der betroffene Vogel kann keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Andere Schnabeltumoren führen zu verstärktem Schnabelhornwachstum, sodass regelmäßig ein Tierarzt aufgesucht werden sollte, um den Schnabel zu kürzen beziehungsweise in Form zu bringen. Weil das Tumorgewebe stark durchblutet wird, sollte man auf keinen Fall versuchen, den Schnabel selbst zu begradigen oder zu kürzen, denn es könnte zu sehr schweren Blutungen mit Todesfolge kommen.

Für gewöhnlich sind Schnabeltumoren inoperabel, das heißt, sie können vom Tierarzt nicht chirurgisch entfernt werden. Therapieversuche mit Spinnengift (Tarantula bzw. Theranekron, siehe unten) sollen in einigen Fällen zu einer Verkleinerung des Tumors geführt haben, Verlass ist auf eine solche Therapie aber nicht grundsätzlich. Manche Schnabeltumoren trocknen mit der Zeit aus und fallen von allein ab, wobei eine mehr oder minder starke Blutung am Schnabel entsteht. Darauf sollten Vogelhalter vorbereitet sein und vorab mit ihrem Tierarzt klären, wie man erste Hilfe leistet und eine solche Blutung stoppt.

Weshalb sich Schnabeltumoren bilden, ist bisher nicht besonders intensiv erforscht worden. Einige Experten vermuten einen Zusammenhang mit der Viruserkrankung PBFD, der bislang allerdings keineswegs bewiesen ist.

Kloakentumoren
Kloakentumor im EndstadiumTreten Tumoren im Bereich der Kloake, also an der am hinteren Körperende liegenden Ausscheidungsöffnung der Vögel auf, können die entstehenden Schwellungen zu Problemen beim Absetzen des Kots führen. Häufig ragen die Schwellungen nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen, sodass der Darm dadurch eingeengt wird. Außerdem liegen manche Tumoren so ungünstig, dass sie in Richtung des Rückens wachsen und dort in der Nähe der Wirbelsäule Nervenstränge quetschen. Dies führt dazu, dass die betroffenen Vögel ihre Beine nicht mehr richtig bewegen können und unter sehr starken Schmerzen leiden. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt den Wellensittich Doc, der an einem solchen Tumor litt. Sein rechtes Bein steht zur Seite, weil bereits die erwähnten Nervenschädigungen eingetreten sind. Leider konnte der Vogel nicht gerettet werden. Unterhalb dieser Zeilen ist ein Foto zu sehen, das ein Wellensittich-Weibchen zeigt, in dessen Kloakenbereich sich ein Tumor gebildet hat. Auch für diesen Vogel gab es keine Hoffnung.

Kloakentumor bei einem Wellensittichweibchen

Ähnliche Erkrankungen
Verwachsenes Ei im Bauch eines WellensittichweibchensBei geschlechtsreifen Vogelweibchen kann es geschehen, dass sich ein Ei bildet, ohne dass es im Legedarm weit genug wandert, um normal gelegt zu werden. Solche Eier bleiben im Legedarm, verwachsen unter Umständen mit dem umliegenden Gewebe und führen nach einiger Zeit zu einer schweren Entzündung der gesamten Bauchhöhle beziehungsweise zu einer Legedarmentzündung. Verwachsene Eier müssen so rasch wie möglich von einem fachkundigen Tierarzt operativ entfernt werden. Je eher die Operation erfolgt, desto höher sind die Überlebenschancen des Vogels. Ist die Bauchhöhle erst einmal entzündet, besteht für das erkrankte Weibchen meist kaum noch Hoffnung. Es ist daher unbedingt erforderlich, so schnell wie möglich zu handeln, wenn sich bei einem geschlechtsreifen Vogelweibchen binnen weniger Tage eine Beule am Unterbauch zeigt, das Tier jedoch kein Ei legt und ganz offensichtlich nicht unter einer typischen Legenot leidet.

Die Abbildung oben rechts zeigt das Wellensittich-Weibchen Conchita, dessen Bauchhöhle infolge zweier verwachsener Eier stark entzündet war. Der Vogel war aus schlechten Haltungsbedingungen befreit und umgehend zu einem Tierarzt gebracht worden. Bedauerlicherweise lebte Conchita nach ihrer Befreiung nicht einmal mehr lange genug, um mit Hilfe eines Antibiotikums auf die rettende Operation vorbereitet zu werden.

Doch nicht nur Legedarmentzündungen können zu solchen Schwellungen führen. Darüber hinaus könnte ein Bauchdeckenbruch (Hernie) oder aber eine Bauchwassersucht (Aszites) vorliegen. Beides führt zu starken Umfangsvermehrungen des Unterbauchs, die vergleichsweise plötzlich auftreten und sowohl Vogelmännchen als auch Vogelweibchen betreffen können.

Augentumoren
Augentumor im AnfangsstadiumMeist beginnt der Leidensweg eines Vogels, der an einem Augentumor erkrankt, mit anfangs unmerklich geschwollenen Augenpartien und -lidern, siehe Foto rechts. Der Zustand verschlechtert sich schleichend, es kann Tage oder Wochen dauern, bis dem Tierhalter auffällt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ein Tierarzt, der nicht auf die Behandlung von Vögeln oder auf Augenheilkunde spezialisiert ist, diagnostiziert in einem solchen Fall nicht selten zunächst eine Erkrankung, die ähnliche Symptome hervorruft, darunter ein Gerstenkorn, eine Bindehautentzündung oder eine Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis).

Augentumor, in der Entwicklung leicht fortgeschrittenMeist werden dann Augentropfen oder -salben verabreicht, die dem betroffenen Tier nicht helfen. Deshalb ist es wichtig, einen Vogel, der an einer Schwellung im Augenbereich leidet, entweder von einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tiermediziner oder aber von einem Tier-Augenarzt untersuchen zu lassen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen, dass Augentumoren mitunter auf beiden Seiten gleichzeitig entstehen können, sodass man also nicht einfach davon ausgehen kann, dass es sich bei einer beidseitigen Schwellung um eine andere Erkrankung handelt.

Augentumor, in fortgeschrittenem StadiumProblematisch an dieser Art von Wucherungen ist: Augentumoren sind bei Ziervögeln nicht heilbar. Sie erfordern eine aufmerksame Überwachung, denn wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben, verursachen sie dem betroffenen Vogel entsetzliche Schmerzen, weshalb man ihn durch einen Tierarzt von seinen Leiden erlösen lassen sollte. Auch wenn es schwer fallen mag, einen Vogel einschläfern zu lassen, ist dies doch für ein Tier, das unter starken Schmerzen leidet und unheilbar krank ist, der weniger qualvolle Weg. Der behandelnde Tierarzt wird Ihnen dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt für diesen endgültigen Schritt festzulegen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Tumoren
Da Tumoren aufgrund des raschen Stoffwechsels der Vögel meist rasend schnell wachsen, besteht nur wenig Handlungsspielraum. Bemerkt man die ersten Vergrößerungen im Körperumfang oder sieht man Hautveränderungen, sollte man den erkrankten Vogel umgehend einem Tierarzt vorstellen.

Leider existieren wie weiter oben mehrfach erwähnt nur wenige Behandlungsmöglichkeiten bei Tumoren. Häufig bleibt keine andere Möglichkeit, als den erkrankten Vogel zu operieren. Unter Vollnarkose wird das Tumorgewebe entfernt. Mitunter müssen Gliedmaßen, an denen sich das Tumorgewebe befindet, ebenfalls entfernt werden. Solche (Teil-)Amputationen führen zu einer lebenslangen Beeinträchtigung der körperlichen Fähigkeiten, die von den Vögeln jedoch in aller Regel recht gut verkraftet werden. Einige Tumorarten sind aber inoperabel, das heißt, man kann sie nicht chirurgisch entfernen. Hier ist eine "Therapie" durch Wegschneiden nicht möglich.

Vor allem Tierheilpraktiker, aber auch einige Tierärzte wenden zur Behandlung mancher Tumoren ein Präparat namens Theranekron an. Hierbei handelt es sich um ein Spinnengift, weshalb das Präparat aufgrund seines Ursprungs mitunter auch Tarantula genannt wird. Das hochverdünnte Tarantelgift wird dem gefiederten Patienten gespritzt. Schlägt die Therapie an, verkleinert sich der Tumor oder er verkapselt sich, weshalb er im Gewebe verschiebbar ist. In sehr seltenen Fällen sollen Tumoren unter der Gabe von Theranekron sogar ganz verschwinden können. Allerdings ist diese Behandlung nicht in jedem Fall erfolgreich und man sollte einen Vogel, der trotz einer Spinnengift-Therapie nachweislich keinerlei Besserung seines Befindens aufweist sowie weiteres Tumorwachstum zeigt, nicht zu lange seinem Leid überlassen und ihn rechtzeitig von seinen Qualen erlösen lassen.

 
 
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