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  Schwere KopfverletzungLeider kann es im Alltag praktisch jederzeit vorkommen, dass sich ein Ziervogel verletzt. Die möglichen Gründe hierfür sind vielfältig: Er kann beim Spielen oder während des Freiflugs einen Unfall erleiden, von einem Artgenossen gebissen werden oder sogar nachts im Schlaf durch ein Geräusch in Panik versetzt werden und wild im Käfig umher flattern, was nicht selten schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen nach sich zieht. Je nachdem, was einem Vogel zustößt, können demnach unterschiedliche Arten von Verletzungen auftreten, von denen einige zum Glück nicht sehr schwerwiegend sind, andere jedoch potenziell tödlich sein können. Für den Halter ist es wichtig, in Fall einer Verletzung zu wissen, wie erste Hilfe zu leisten ist, denn wenn ein Vogel blutet, ist er häufig in Gefahr. Weil zum Beispiel ein Wellensittich nur über rund vier Milliliter Blut in seinem Körper verfügt, kann eine stark blutende Wunde für ihn zum Verhängnis werden: Wellensittiche geraten in Lebensgefahr, wenn sie etwa 0,4 Milliliter Blut verlieren, das entspricht lediglich rund zehn Tropfen! Insbesondere, wenn es sich um ein altes oder durch eine Krankheit beziehungsweise durch eine schwere Mauser geschwächtes Tier handelt, kann sogar ein geringer Blutverlust gravierende Folgen haben. Umso wichtiger ist es, mit Verletzungen und blutenden Wunden sofort richtig umzugehen und stets zu versuchen, den Blutverlust möglichst gering zu halten.

Die in diesem Kapitel beschriebenen Maßnahmen beziehen sich auf einen leichten (ein bis zwei Tropfen) bis mittelschweren (drei bis vier Tropfen) Blutverlust bei einem starken, gesunden Wellensittich. Verliert ein Vogel eine größere Menge Blut (vier und Tropfen), müssen andere Schritte eingeleitet werden, die im Kapitel über das Stillen von Blutungen beschrieben werden, das Sie ebenfalls aufmerksam lesen sollten, um auf eventuelle Notfälle vorbereitet zu sein. Dagegen erfahren Sie auf dieser Seite, welche typischen Verletzungen es gibt und was Sie unternehmen sollten, falls es zu einer solchen Blessur kommt.

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Schnittwunden
Diese Art von Verletzungen ziehen sich die meisten Vögel an den Füßen zu, da die Haut dort nicht durch ein dichtes Federkleid geschützt ist. Leichte Schnittverletzungen, bei denen unter Umständen ein paar Hautschuppen abgelöst worden sind, bluten meist kaum. Dennoch ist es wichtig, die Blutung zu stillen, damit sie erst gar nicht zur Gefahr für den Vogel werden kann.

Schnittwunde am KopfSchnittwunden unter den Federn kommen vergleichsweise selten vor, sind jedoch besonders tückisch, da man sie oft erst spät bemerkt. Bei einer solchen Verletzung besteht durchaus die Gefahr des Verblutens, weil eine von Federn verdeckte große Wunde erheblich weniger auffällig ist als eine Verletzung an den unbefiederten Füßen. Oft ist eine solche Wunde lediglich anhand einiger Blutstropfen auf dem Boden zu erkennen. Weil die Federn flüssigkeitsabweisend sind, perlt das Blut oft ab und tropft zu Boden, ohne das Federkleid sonderlich stark zu verschmutzen. Es ist also durchaus möglich, dass eine Wunde stark blutet, das Gefieder aber nur minimale Anzeichen dafür aufweist. Erst ein Blick auf den Boden offenbart die volle Tragweite der Situation. Typischerweise zeigt sich bei einer sehr leicht blutenden Schnittwunde, die unter den Federn liegt, ein länglicher, schmaler Bereich im Gefieder, der mit Blut benetzt ist. In der Abbildung in diesem Absatz ist zu sehen, wie sich eine kleine Schnittverletzung oberhalb des Auges des Vogels dargestellt hat.

Verletzungen der Wachshaut (Nase)
Verletzte Wachshaut eines KatharinasittichsDie weiche Haut an der Nase der meisten Ziervogelarten ist empfindlich, deshalb können sich die Tiere dort leicht verletzen. Allerdings sind nicht alle Vogelarten gleichermaßen anfällig für solche Blessuren. Während es bei Wellensittichen relativ selten zu Wachshautverletzungen kommt, ist diese Körperpartie der Katharinasittiche (siehe Foto rechts) extrem sensibel, weshalb es bei diesen Vögeln vergleichsweise oft zu blutenden Wunden an der Nase kommt. Handelt es sich um eine große Verletzung, kann der Blutverlust erheblich sein, wohingegen kleine Platzwunden an der Wachshaut von Katharinasittichen meist innerhalb weniger Sekunden von allein nicht mehr bluten.

Tipp: Wer sich nicht sicher ist, ob der eigene Vogel zu einer Art gehört, deren Nase im Fall einer Verletzung zu stärkeren Blutungen neigt, sollte gemeinsam mit einem Vogel-Facharzt das Thema besprechen und sich von dem Mediziner eine Einschätzung über das mögliche Risiko von Blutungen geben lassen.

Wellensittiche haben wie zuvor erwähnt eine relativ robuste Wachshaut. Dennoch kann sie unter bestimmten Umständen verletzt werden. Je nach Größe der Wunde, ist die Blutung mehr oder minder stark und muss gegebenenfalls von einem Tierarzt behandelt werden. In den meisten Fällen sind Verletzungen der Wachshaut bei Wellensittichen jedoch eher harmlos, weil die Wunden nur oberflächlich sind, siehe Foto unter diesen Zeilen.

Verletzte Wachshaut

Eine typische Situation, in der eine Verletzung an der Nase entsteht, ist zum Beispiel ein harter Aufprall während des Freiflugs, also beispielsweise eine Kollision mit einer Fensterscheibe, einem Spiegel oder einem anderen harten Hindernis. Hierbei entstehen meist Platzwunden an der Nase, die normalerweise schnell von allein aufhören zu bluten. Ein Eingreifen des Halters ist bei kleinen Sickerblutungen, die innerhalb weniger Sekunden oder maximal einiger Minuten von allein stoppen, nur in den seltensten Fällen nötig. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, ob der Vogel eventuell zusätzlich aus der Nase blutet, also nicht nur oberflächlich, sondern aus den Nasenlöchern, siehe unten. Ist dies der Fall, er sich eventuell eine schwere Verletzung zugezogen und sollte rasch zu einem Tierarzt gebracht werden.

Gravierende WachshautverletzungEine weitere Ursache für Wunden an der Nase sind Bissverletzungen. Wenn sich zwei Wellensittiche streiten, zielen sie mit ihren Schnabelhieben häufig auf den Kopf des Gegners. Trifft ein solcher Biss die Wachshaut, kann es zu erheblichen Verletzungen kommen. Das Foto in diesem Absatz zeigt ein Wellensittich-Weibchen, bei dem neben dem rechten Nasenloch während einer Beißerei mit einem Artgenossen ein Stück Wachshaut aufgerissen wurde. Solche Wunden sollten vom Halter versorgt werden, hier muss meist ein Blutstiller zum Einsatz kommen. Ideal ist blutstillende Watte geeignet, flüssige Blutstiller könnten in die Nase laufen und die empfindlichen Schleimhäute reizen. Falls Sie nur flüssigen Blutstiller zur Hand haben, geben Sie diesen am besten auf ein sauberes Wattestäbchen und betupfen damit vorsichtig die Wunde. So kann kein Blutstiller in die Nase laufen.

Sehr schwere WachshautverletzungBedauerlicherweise kommt es gelegentlich vor, dass sich zwei Vögel während einer Streitigkeit regelrecht ineinander verbeißen. Erwischt einer der Kontrahenten die Wachshaut des Gegners, kann diese im ungünstigsten Fall teilweise abgerissen werden. Die Folge sind sehr schwere Verletzungen, die nicht nur oberflächlich sind, sondern die inneren Teile der Nase betreffen und die mit einem erheblichen Blutverlust einhergehen können. Der Halter sollte umgehend eingreifen, weil der verwundete Vogel im ungünstigsten Fall verbluten könnte. Zudem besteht die Gefahr, dass das Blut nach innen läuft und das Tier Probleme beim Atmen bekommt oder sogar an dem Blut erstickt. In diesem Absatz ist ein Wellensittich-Weibchen zu sehen, das von einer Artgenossin schwer verletzt wurde. Teile der Wachshaut wurden im Kampf abgerissen, die Blutung war sehr stark. Nachdem die Wunde verheilt war, bleib die normalerweise unter der Wachshaut verborgen liegende Nase offen. Der Grund dafür ist, dass abgerissene Wachshaut nicht nachwachsen kann. Die Fotos unter diesen Zeilen zeigen die vernarbte Nase des Vogels, nachdem die ursprüngliche Wunde verheilt war.

Zerstörte Wachshaut nach der Heilung   Zerstörte Wachshaut nach der Heilung

Nasenbluten
Nasenbluten bei einem WellensittichNasenbluten, bei dem das Blut aus dem Inneren der Nase nach außen sickert, tritt meist in Verbindung mit einer Verletzung der Wachshaut oder nach einem Kollisionsunfall auf. Es lässt sich meist nicht vom medizinischen Laien behandeln. Dem betroffenen Vogel hilft es nicht, wenn man ihm einen Blutstiller von außen auf die Nase gibt, weil die eigentliche, im Inneren liegende Verletzung damit für gewöhnlich nicht erreicht werden kann. Wichtig ist, dass die Nasenlöcher durch die sich mit der Zeit bildenden Blutkrusten nicht verstopfen, weil der Vogel sonst nicht mehr frei atmen könnte. Mit einem Zahnstocher kann eine Blutkruste, die ein Nasenloch verstopft, vorsichtig entfernt werden. Sickert danach weiterhin Blut aus der Nase, sollte unbedingt sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Wichtig ist, dass Sie beim Hantieren mit einem Zahnstocher äußerste Vorsicht walten lassen, denn rutschen Sie ab, könnten Sie versehentlich die empfindliche Wachshaut des Vogels mit der Holzspitze verletzen oder im schlimmsten Fall gar ein Auge des Tiers treffen. Wer sich nicht zutraut, seinen Vogel sicher mit der Hand zu fixieren, um die Nasenlöcher von einer Blutkruste zu befreien, sollte sicherheitshalber einen Tierarzt aufsuchen.

Wellensittich mit Nasenbluten    Wellensittich mit Nasenbluten

(Offene) Quetschwunden
Zu (offenen) Quetschungen kommt es bei zahmen Heimvögeln häufig dann, wenn sie beispielsweise auf einer Tür sitzen und diese in einem unachtsamen Moment geschlossen wird. Die entstehenden Wunden an den Füßen müssen unbedingt so schnell wie möglich von einem Tierarzt behandelt werden, weil in den meisten Fällen Blutgefäße beschädigt werden und nicht mehr richtig durchblutete Zehen absterben könnten. Außerdem werden oft die Blutgefäße der Krallen verletzt. Bei kleineren Vogelarten ist der dadurch entstehende Blutverlust meist enorm groß. Der betroffene Vogel verblutet unter Umständen, wenn man nicht schnell genug reagiert.

In vielen Fällen tragen Ziervögel durch eine schwere Quetschung nicht nur eine offene Wunde davon. Bei etlichen Vögeln brechen bei einem solchen Unfall die Knochen oder ihre Sehnen werden verletzt beziehungsweise in den schlimmsten Fällen durchtrennt. Knochenbrüche müssen grundsätzlich von einem Tierarzt behandelt werden, und das nach Möglichkeit sofort! Offene Brüche, bei denen Knochenteile aus einer Wunde ragen, führen nicht selten innerhalb kürzester Zeit zu schweren Infektionen, die tödlich verlaufen, wenn sie unbehandelt bleiben.

Bitte beachten Sie: Ein Vogel, der eine Quetschung erlitten hat, gehört sicherheitshalber so schnell wie möglich in die Hände eines Tiermediziners, der idealerweise über chirurgische Erfahrung verfügen sollte, falls eine sofortige Operation erforderlich ist!

Platzwunden
Platzwunde an der StirnLeider kommt es gelegentlich vor, dass ein Wellensittich oder ein anderer Ziervogel in der Wohnung gegen einen Spiegel, eine Wand oder eine Glasscheibe fliegt, sei es aus Panik oder aus Unachtsamkeit. Bei einem solchen Zusammenstoß ziehen sich die Vögel oft Platzwunden an der Wachshaut oder am Kopf zu. Solche Platzwunden können wie beim Menschen sehr stark bluten und sind daher unter Umständen lebensgefährlich. Stoppen Sie die Blutung als Erste-Hilfe-Maßnahme und bringen Sie den Vogel dann sicherheitshalber zu einem Tierarzt. Dieser kann feststellen, ob sich der Vogel eventuell obendrein eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Große Platzwunden müssen mitunter genäht werden. Hierdurch lässt sich verhindern, dass sie wieder und wieder aufreißen und erneut zu bluten beginnen.

Wunden durch ausgerissene Federn
Blutender FlügelIm Streit mit Artgenossen oder bei einem Unfall können Vögeln einige Federn ausgerissen werden. Eine einzelne ausgerissene Feder wird meist kaum eine große Wunde verursachen. Sind es jedoch gleich mehrere Federn, kann der Blutverlust beträchtlich sein. Auch verletzte, abgebrochene oder ausgerissene Blutkiele können zu schweren Blutungen führen. Vor allem am Flügel oder am Schwanz können die Wunden recht groß sein, da die Schwung- und Schwanzfedern einen breiteren Kiel aufweisen als das Körpergefieder. Sie sollten die Verletzung sehr aufmerksam beobachten und den Vogel gegebenenfalls zum Arzt bringen. Mitunter nagen die Tiere an solchen Wunden und picken sie immer wieder auf. Ist dies der Fall, muss ihnen unter Umständen für einige Tage eine Halskrause angelegt werden.

Haut eines Katharinasittichs, dem Federn ausgerissen worden sindWerden die Federn großflächig ausgerissen, kann es vorkommen, dass sich ein Stück Haut mit den Federn vom Körper löst. Hierbei können starke Blutungen auftreten. Außerdem kommt es meist in den Tagen nach dem Ausreißen der Federn zu einer Verfärbung der Haut. Dabei handelt es sich meist um einen "blauen Fleck", also einen Bluterguss (Hämatom). Die Haut ist dann sehr druckempfindlich und bedarf unter Umständen besonderer Pflege, bis die Federn wieder nachgewachsen sind. Am besten ist in einem solchen Fall mit einem fachkundigen Tierarzt zu besprechen, ob und wie die Haut behandelt werden sollte. Das Foto in diesem Absatz zeigt den Rücken eines Katharinasittichs, dem von einem anderen Vogel großflächig Federn ausgerissen wurden.

Bisswunden
Bisswunde am KopfIn einer Gruppe von Vögeln kann es immer wieder spontan zu kleinen oder größeren Meinungsverschiedenheiten kommen. Vor allem wenn Eifersucht im Spiel ist, ein sehr starker Bruttrieb die Tiere aggressiv macht oder wenn Arten miteinander vergesellschaftet werden, die eigentlich nicht gut miteinander harmonieren, kann dies häufiger geschehen und mitunter fatale Folgen haben. Unter Wellensittichen werden bei einem Konflikt nicht immer nur Drohgebärden vorgetragen, oft kommt der spitze Schnabel zum Einsatz. Bisswunden können heftig bluten und erfordern sofortiges Eingreifen des Vogelhalters. Bitte beachten Sie: Besonders aggressiv verhalten sich brutlustige Vogelweibchen. Sie attackieren einander und verbeißen sich in ihre jeweilige Kontrahentin. Deshalb ist von einer Koloniebrut bei Wellensittichen und vielen anderen Vogelarten abzuraten, weil es zu blutigen Kämpfen und schwersten Verletzungen - oft mit Todesfolge - kommen kann.

Bisswunde am BeinDie meisten Bisswunden nach Kämpfen unter Wellensittichen finden sich im Kopfbereich oder an den Beinen, siehe Foto oben und Abbildung rechts. Seltener treten bei Streitigkeiten unter Wellensittichen Wunden am übrigen Körper auf. Ein komplizierter Spezialfall ist eine Bisswunde an der Zunge, siehe weiter unten.

Gehen Sie unbedingt mit einem Vogel, der tiefe Bisswunden aufweist, unbedingt schnellstmöglich zu einem vogelkundigen Tierarzt. Dies gilt insbesondere bei Verletzungen des Kopfes, der Augen sowie der Zunge und des Halses, da starke Schwellungen, wie sie bei Entzündungen oft auftreten, mitunter erhebliche Komplikationen verursachen. Vor allem eine stark geschwollene Zunge kann zum Tod durch Ersticken führen!

Schwere KopfverletzungLeider ist eine rasche und gründliche Wundversorgung jedoch nicht immer ein Garant dafür, dass ein Vogel außer Lebensgefahr ist, wie der Fall des nebenstehend gezeigten Wellensittichs belegt. Bei einem Streit mit einer Artgenossin zog sich dieses Wellensittich-Weibchen eine großflächige und tiefe Kopfwunde zu. Ihr wurde ein Loch in die Kopfhaut gebissen und der Schädel lag an jener Stelle frei, weil Teile der Kopfhaut zur Seite geklappt waren. Das Foto ist etwa zwei Wochen nach dem Auftreten der Wunde entstanden, die umgehend fachkundig versorgt wurde. Anfangs überlebte der Vogel diese Verletzung trotz des hohen Blutverlustes.

Nahezu verheilte KopfverletzungNach drei Wochen waren die Wunden weitestgehend verheilt. Auch die deutlich kleinere Wunde oberhalb der Nase hatte sich fast geschlossen. Noch immer war eine Blutkruste auf der Wachshaut (Nase) zu sehen. Das Kopfgefieder wirkte stellenweise gelb, weil es von den längst abgefallenen Blutkrusten sowie der antibiotischen Salbe verfärbt war.  Einige Wochen später erlag das Weibchen jedoch einer Niereninfektion, an der das Tier höchstwahrscheinlich deshalb litt, weil das Immunsystem infolge des vorangegangenen hohen Blutverlustes geschwächt worden war.

Stichverletzungen
Die Wohnung ist ein Abenteuerspielplatz, der für Vögel während des Freiflugs zuweilen äußerst gefährlich sein kann. Stichverletzungen, die beispielsweise infolge einer Landung auf einem Kaktus entstehen, sind leider keine Seltenheit und gehören in die Hände eines Tiermediziners. Nur er kann feststellen, wie tief die Verletzung im Einzelfall ist und kann entsprechende Behandlungsschritte bis hin zu einer gegebenenfalls erforderlichen Operation einleiten.

Alle blutenden Stichverletzungen sollten vom Besitzer genau beobachtet werden. Hört die Blutung nicht innerhalb etwa einer Minute von allein auf, müssen Sie zum Blutstiller greifen. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier. Wie bereits weiter oben beschrieben, ist es in den meisten Fällen nötig, einen an einer Stichverletzung leidenden Vogel rasch zu einem Tierarzt zu bringen. Auch ist es wichtig, die Wunde später während der Heilungsphase zu kontrollieren, damit sich nicht unbemerkt eine Entzündung im Vogelkörper ausbreiten kann. Achten Sie außerdem dann, wenn die Wunde bereits abgeheilt ist, genau auf das Verhalten Ihres Vogels. Ein hoher Blutverlust bedeutet stets extremen Stress für das Immunsystem der Vögel und kann Wochen später noch zu plötzlich auftretenden Infektionen führen. Man kann dieses Risiko oft minimieren, wenn wenn man einen Vogel nach einer Stichverletzung von einem fachkundigen Tierarzt behandeln lässt.

Achtung: Schwillt nach einer Stichverletzung ein Bereich des Körpers enorm stark an und wirkt er wie ein Ballon, könnte eine Verletzung eines Luftsacks vorliegen. Obwohl in einem solchen Fall meist nur wenig Blut fließt, muss ein Tierarzt aufgesucht werden, um die Luftsackverletzung zu behandeln.

Verletzungen der Krallen
Informationen zu dieser bei Vögeln leider relativ häufig vorkommenden Verletzungsart finden Sie in einem ausführlichen separaten Kapitel.

Verletzungen der Zehen und Füße
Schwere ZehenverletzungVor allem durch Beißereien mit Artgenossen, aber auch durch Hängenbleiben oder Quetschungen kann es bei Ziervögeln zu sehr schweren Verletzungen der Zehen und Füße kommen. Leider geschieht es zum Beispiel unter Wellensittichen relativ häufig, dass die Tiere einander bei Streitigkeiten gezielt in die Füße beißen und dabei im schlimmsten Fall ganze Zehenglieder abtrennen. Das Foto in diesem Absatz zeigt ein Wellensittich-Weibchen, das sehr wahrscheinlich von einem anderen Weibchen schwer verletzt worden ist. Zwei Zehen sind teilweise abgetrennt, bei einem Zeh hängt noch ein Teil des Knochens am Stumpf, das Fleisch wurde vom Knochen gerissen - das Foto ist in der vergrößerten Version also nichts für schwache Nerven.

Blutiger FußSolche Verletzungen bluten meist stark und verursachen den Tieren große Schmerzen. Deshalb müssen diese Blessuren schnellstmöglich medizinisch versorgt werden. Häufig müssen die Gefäße durch Hitzeeinwirkung vom Tierarzt verödet werden, damit der betroffene Vogel nicht allzu viel Blut verliert und dadurch geschwächt wird. Sollten Sie einen Ihrer Vögel mit einer derart gravierenden Verletzung vorfinden, ist Eile geboten. Das Tier sollte auf dem schnellsten Wege zum Arzt gebracht werden, denn abgesehen davon, dass es verbluten könnte, sind offene Stümpfe regelrechte Einfallstore für Krankheitserreger, die im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Blutvergiftung führen. Halten Sie den Vogel deshalb beim Transport unbedingt möglichst sauber. Wie Sie ein blutendes Tier am besten zum Arzt bringen können, erfahren Sie im Kapitel über den Transport zum Tierarzt.

Nachdem der verletzte Vogel durch einen Tierarzt medizinisch versorgt wurde, muss dafür gesorgt werden, dass die Wunden nicht verschmutzen (keinen Vogelsand in den Käfig geben!) und der Vogel sie nicht anknabbert. Gegebenenfalls muss vorübergehend eine Halskrause angelegt werden. Eine Schmerztherapie ist häufig sinnvoll, besprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Tierarzt.

Verletzungen des Schnabels
Schwere SchnabelverletzungDer Schnabel der Vögel besteht nicht nur aus dem Hornmaterial, das von außen sichtbar ist. Im Inneren befindet sich ein knöcherner Bereich, der mit der eigentlichen Wachstumszone bedeckt ist, die sehr gut durchblutet ist. Diese Blutversorgung ist notwendig, weil sie das nachwachsende Schnabelhorn produziert und dafür Nährstoffe und Sauerstoff benötigt - letzterer gelangt mit dem Blut in diese Körperregion. Wird das Schnabelhorn verletzt und erstreckt sich diese Wunde bis in durchblutete Schichten oder wird gar der Knochen selbst in Mitleidenschaft gezogen, kann dies zu schweren Blutungen führen. Solche Wunden sind für Vögel außerdem ausgesprochen schmerzhaft. Je nach Größe, geht von ihnen anfangs einerseits ein permanenter, mehr oder minder starker Wundschmerz aus und die Tiere können meist nicht selbstständig fressen. Schnabelverletzungen sind deshalb für die Vögel sehr gefährlich und sollten unbedingt von einem fachkundigen Tierarzt versorgt werden, denn falls die Wunde sich selbst überlassen bleibt, könnte ein Vogel verbluten. Auch könnte der Schnabel abbrechen, und ein Schnabelbruch ist häufig das Todesurteil für den betroffenen Vogel. Der in diesem Absatz gezeigte Vogel hat eine recht tief reichende Schnabelverletzung erlitten, die vermutlich einige Zeit unbehandelt geblieben ist. Dadurch ist das Schnabelhorn unregelmäßig nachgewachsen. Er gelangte so in die Obhut der Fotografin, die daraufhin gemeinsam mit ihrem Tierarzt eine zielgerichtete Therapie einleitete.

Verletzungen der Zunge
Die Zunge der Vögel ist sehr gut durchblutet und in ihr verlaufen überdies zahlreiche Nerven. Wird sie verletzt, was zum Beispiel bei einem Kampf zwischen zwei Vögeln geschehen kann, ist die entstehende Blutung meist sehr stark. Zudem schwillt die Zunge häufig enorm an, was zu Atemproblemen führen kann. Vögel, deren Zunge verletzt ist, sollten sicherheitshalber immer schnellstmöglich einem fachkundigen Tierarzt vorstellen! Das Stoppen einer schweren Blutung an der Zunge ist für einen Laien kaum möglich. Darüber hinaus ist es in aller Regel sinnvoll, dem verletzten Vogel ein Schmerzmittel vom Tierarzt geben zu lassen. Sie müssen außerdem damit rechnen, dass Ihr Vogel die Nahrungsaufnahme verweigert, weil seine Zunge schmerzt - oft trotz der verabreichten Schmerzmittel. Ist dies der Fall, muss der gefiederte Patient eventuell zwangsernährt werden, was nur erfahrene Tierhalter selbst durchführen können. Es kann deshalb sein, dass ein Vogel, der an einer Zungenverletzung leidet, vom Tierarzt stationär aufgenommen werden muss, damit das Tier in der Praxis oder Klinik einige Tage lang zwangsernährt werden kann. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass der verletzte Vogel verhungert.

Vorsicht beim Eincremen!
Wellensittich nach der GefiederreinigungGegen Hauterkrankungen werden beim Menschen häufig Salben oder Cremes eingesetzt. Dies gilt in vielen Fällen auch bei Hautkrankheiten und Blessuren, die bei Vögeln auftreten. Doch beim Eincremen der Tiere ist allergrößte Vorsicht geboten, damit das Gefieder nicht verschmutzt. Wer seinen Tieren etwas Gutes tun und die Haut im Krankheitsfall pflegen möchte, verursacht oft großen Schaden am Gefieder, wenn die Salbe oder Creme zu dick aufgetragen wird. Es ist meist ausgesprochen schwierig, verschmierte Federn später wieder zu reinigen. Selbst wenn wenn das Gefieder gewaschen werden kann - dies sollte ein Tierarzt übernehmen! -, sind die Federn danach meist stark beschädigt und wärmen den Vogel nicht mehr ausreichend. Auch kann es sein, dass die Flugfähigkeit eingeschränkt wird oder ganz verloren geht, wenn Federn durch Salben oder Cremes zu stark verunreinigt worden sind. So weit sollte man es nicht kommen lassen und diese Präparate nur sehr dünn auftragen. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Wellensittich nach einer Gefiederreinigung. Seine Füße sind zuvor von seinem Halter eingecremt worden. Anschließend war das Gefieder so stark verschmutzt, dass es in der Tierarztpraxis in einer langwierigen und für den Vogel unangenehmen Prozedur gereinigt werden musste. Die Abbildung unten zeigt einen Nymphensittich nach der aufwendigen Gefiederreinigung in einer Tierarztpraxis. Der Vogel ist zuvor von seinem Halter großflächig mit Penatencreme eingerieben worden, was zu schweren Gefiederverunreinigungen geführt hat.

Nymphensittich nach der Gefiederreinigung; sie wurde nötig, weil der Halter den Vogel mit Penatencreme eingerieben hatte
Nymphensittich nach der Gefiederreinigung; sie wurde nötig,
weil der Halter den Vogel mit Penatencreme eingerieben hatte

 
 
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