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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Als Aspergillose bezeichnen Tierärzte bei Vögeln eine Infektion mit Schimmelpilzen. Manche Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer Schimmelpilzmykose. Betroffen sind hiervon in den meisten Fällen zunächst die Atemwege der Vögel. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung können auch andere Organe befallen werden. Ein Schimmelpilz aus der Gattung Aspergillus besiedelt bei den erkrankten Tieren die Schleimhäute, was zu schweren gesundheitlichen Problemen führt. Häufig sind die Pilzarten Aspergillus flavus, Aspergillus fumigatus oder Aspergillus niger für das Auftreten der Krankheit verantwortlich. Aber auch von anderen Pilzarten wie Mucor spp. oder Penicillium spp. kann die Aspergillose verursacht werden.

Übertragungswege (Ansteckung)
Schimmelpilzsporen gehören zu den sogenannten Umgebungskeimen. Das bedeutet, sie sind normalerweise in jedem Haushalt in einer gewissen Menge anzutreffen. Es hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, dass diese Sporen in der Umgebung des Menschen heimisch sind. Befinden sich in einer Wohnung Schimmelnester des Schwarzen Schimmelpilzes (Aspergillus niger), weil etwa die Fassade undicht ist, kann die Belastung der Atemluft mit den Sporen dieses Pilzes sehr hoch sein. Ein Befall der Atemwegsschleimhäute kann dann nicht nur bei Vögeln auftreten, sondern auch bei Menschen.

Vögel sind den Pilzsporen nicht nur durch die Atemluft ausgesetzt, sondern in vielen Fällen zusätzlich über das Futter. Vor allem für größere Papageienvögel, die Saatenmischungen mit Erdnüssen erhalten, besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. Erdnüsse sind häufig mit Pilzsporen belastet, obwohl sie für das bloße Auge normal aussehen. Andere Körner und Saaten können ebenfalls mit Schimmelpilzsporen behaftet sein. Frisst ein Vogel solches Futter, werden die Sporen aufgewirbelt und er atmet sie ein. Außerdem schluckt er einen Teil der Sporen mit den Körnern herunter.

Tiere mit einem intakten Immunsystem und nicht gereizten Schleimhäuten können die Pilze oft abwehren. Allerdings sind die Schleimhäute in menschlicher Obhut gehaltener Vögel nicht immer in bestem Zustand. Die meisten Ziervogelarten stammen ursprünglich aus Lebensräumen, in denen eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. In Gefangenschaft lebende Tiere sind jedoch häufig einer niedrigen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, wodurch ihre Schleimhäute der Atemwege austrocknen. Sie werden rissig und Schimmelpilze können leicht in sie eindringen. Ferner kann ein Vitamin-A-Mangel (Hypovitaminose) zu einer Schädigung der Schleimhäute führen und dem Entstehen einer Aspergillose Vorschub leisten.

Ist ein Tier innerhalb eines Vogelschwarms an einer Aspergillose erkrankt, hat es sich somit meist entweder über die Atemluft oder über das Futter damit infiziert. Es ist dagegen höchst unwahrscheinlich, dass das Tier seine Artgenossen ansteckt. Auch der Mensch kann sich normalerweise nicht bei einem an Aspergillose erkrankten Vogel anstecken.

Mögliche Symptome
Die Palette möglicher Symptome einer Aspergillose ist weit gefächert. Außerdem entfalten die Schimmelpilze im Vogelkörper ihre Wirkung auf unterschiedlichem Wege. Einerseits engen sie den Atmungstrakt ein, denn die befallenen Schleimhäute schwellen an. Auf der anderen Seite sondern sie Gifte, sogenannte Mykotoxine, ab. Diese gelangen in den Körper des Vogels und sorgen dort für verschiedene Gesundheitsstörungen.

Eines der häufigsten Symptome einer Aspergillose sind deutlich hörbare Atemgeräusche, die der betroffene Vogel entweder nur bei Anstrengung - zum Beispiel während des Fluges - oder aber auch in Ruhephasen von sich gibt. Darüber hinaus treten Veränderungen des Klangs der Lautäußerungen oder gar ein vollständiger Verlust der Stimme auf. Manche Vögel leiden unter Atemnot, bei anderen tritt dieses Symptom nicht auf. Weil die Atmung manche Patienten stark anstrengt, zeigen sie ein als "Backenblasen" bezeichnetes Phänomen. Hierbei wölbt sich die Haut zwischen Augen und Schnabel bei jedem Ausatmen deutlich auf.

Allgemein sind viele betroffene Vögel häufig müde, insgesamt geschwächt, sie haben wenig Appetit, möchten nicht mehr fliegen, wirken apathisch oder magern ab. Auch geben sie kaum noch Rufe von sich.

Haben bereits Pilzgifte den Körper überschwemmt, kann es zu Krämpfen kommen, manche Vögel wirken orientierungslos und fallen von der Stange. Dies geschieht dann, wenn das Gehirn durch die Infektion angegriffen wird oder gar entzündet ist. Zudem verursachen die Gifte häufig Übelkeit, sodass die Vögel ihr Futter erbrechen.

Diagnose
Der Tierarzt kann in manchen Fällen in der Nasenöffnung bereits einen Pilzrasen sehen, oft ist aber das Anfertigen eines Röntgenbildes nötig. Dieses zeigt die Folgen einer chronischen Erkrankung, denn wenn eine Aspergillose bereits einige Zeit in einem Organismus vorhanden ist, verändern sich die Organe. In den Atmungsorganen zeigen sich dann auf dem Röntgenbild oft Verdichtungen, die durch den Pilz bedingt sind. Die sogenannten Pilzgranulome (knotenartige Gewebebildung) können auf einer Röntgenaufnahme oft als kleine Schatten wahrgenommen werden. Vor allem bei größeren Papageien greifen erfahrene Tierärzte auf die Endoskopie als Untersuchungsmethode zurück, um sich ein Bild davon zu machen, wie schwer die Aspergillose ist. Mit Hilfe einer kleinen Kamera, die sie in den Körper des Vogels einführen, können sie nicht nur sehen, wo sich die Pilzgranulome befinden, sondern auch wie groß diese sind und wie zahlreich sie sich im Körper befinden.

Indem der Tierarzt zum Beispiel aus der Nase oder dem Rachenraum einen Abstrich entnimmt und diesen auf Schimmelpilze untersucht, kann er die Krankheit in vielen Fällen ebenfalls nachweisen. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass auch bei gesunden Tieren mitunter Schimmelpilze in Abstrichen gefunden werden, die den Vögeln jedoch nichts anhaben können, weil sie sich nicht festsetzen und übermäßig vermehren können.

Behandlung (Therapie)
Um einem an Aspergillose erkrankten Vogel zu helfen, müssen in der Regel verschiedene Behandlungsschritte eingeleitet werden. Welche dies im Einzelfall sind, kann nur ein fachkundiger Tierarzt festlegen. Je nachdem, welche Organe von der Infektion betroffen sind und wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, wird er die Therapie individuell festlegen. Manche Vögel müssen regelmäßig Medikamente oral (in den Schnabel) einnehmen, andere müssen (zusätzlich) inhalieren.

Wichtig ist, dass der Halter für eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 Prozent auch in den Wintermonaten (trockene Heizungsluft!) sorgt. Dadurch können sich die empfindlichen und bereits geschädigten Schleimhäute erholen. Außerdem ist darauf zu achten, den Vögeln kein mit Schimmelpilzen belastetes Futter zu reichen. Erdnüsse sollten deshalb nicht mehr auf dem Speiseplan der Tiere stehen. Eventuell in der Wohnung vorhandene Schimmelnester sollten beseitigt werden. Sind die Wände der Wohnung stark verschimmelt, ist ein Umzug in Erwägung zu ziehen. Denn auch Menschen können an einer Aspergillose oder anderen gravierenden Lungenleiden erkranken, wenn sie ständig Schimmelpilzsporen einatmen.

Eine vollständige Heilung der Aspergillose ist bei Vögeln meist nicht zu erwarten. Die betroffenen Tiere bleiben häufig zeitlebens chronisch krank. Lediglich die Symptome können mehr oder minder gut beseitigt werden, wenn zusätzlich zur medikamentösen Behandlung die Belastung durch Pilzsporen so weit wie möglich reduziert wird. Darüber hinaus ist es sinnvoll, das Immunsystem der gefiederten Patienten zu stärken, indem hochwertige Futtermittel mit hohen Nährstoffgehalt oder gegebenenfalls vom Tierarzt verordnete Nahrungsergänzungsmittel gereicht werden.

Ähnliche Erkrankungen
Bei Vögeln können einige weitere Erkrankungen zu Atembeschwerden führen, darunter Verletzungen oder Entzündungen der Luftsäcke, Erkältungskrankheiten und auch eine Entzündung der Nebenhöhlen (Sinusitis). Ferner kann ein Befall mit Luftsackmilben Schwierigkeiten bei der Atmung zur Folge haben, mitunter sind dadurch Atemgeräusche zu hören. Vergiftungserscheinungen werden nicht nur durch Pilzgifte herbeigeführt, sondern ferner durch andere Gifte wie beispielsweise Schwermetalle (Zink). Außerdem können Vögel durch Kopfverletzungen oder eine Gehirnerschütterung taumeln und desorientiert sein. Erbrechen wird nicht nur infolge einer Vergiftung durch Mykotoxine beobachtet. Es wird häufig durch Bakterien oder Pilze, die sich im Verdauungstrakt angesiedelt haben, ausgelöst.

Literaturtipp:
Der Vogel-Fachtierarzt Dr. Carlo Manderscheid Externer Link aus Luxemburg hat einen sehr informativen, zweiteiligen Artikel über die Aspergillose verfasst. Erschienen sind die Texte im WP-Magazin in den Ausgaben 4/2008 und 5/2008. Zu beziehen sind die Zeitschriften über den Arndt-Verlag Externer Link.

 
 
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