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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Entzündete Nase bei einem KatharinasittichWie wir Menschen können auch Vögel an Erkältungskrankheiten leiden. Gemeint sind damit bei ihnen meist Erkrankungen der oberen Atemwege. Sie betreffen somit die Nase und die Nebenhöhlen der Tiere, aber auch die unteren Atemwege können in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann befindet sich der Infektionsherd in der Lunge oder in den Luftsäcken. Zu einer Erkältung kann es bei Vögeln kommen, wenn sie Zugluft oder starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind. Besonders anfällig für Erkältungskrankheiten sind Vögel dann, wenn ihr Immunsystem vorübergehend geschwächt ist - zum Beispiel durch eine starke Mauser oder durch allgemeinen Stress. Letzterer kann beispielsweise durch einen Umgebungswechsel oder durch den Verlust eines Partners hervorgerufen werden. Das Foto in diesem Absatz zeigt einen Katharinasittich mit einem starken bakteriellen Schnupfen.

Wellensittich mit SchnupfenZu erkennen sind Erkältungskrankheiten daran, dass ein davon betroffenes Tier apathisch ist und mit aufgeplustertem Gefieder dasitzt. Aus der Nase tritt in vielen Fällen flüssiges Sekret aus, sofern der Vogel an einem Schnupfen erkrankt ist, siehe unten. Mitunter sind die Federn rund um die Wachshaut oder direkt oberhalb der Nasenlöcher verklebt, siehe Abbildung rechts. Sind auch die unteren Atemwege, also die Lunge und die Luftsäcke, von der Erkrankung betroffen, scheinen die Tiere sogar häufig zu husten. Anatomisch ist es den Vögeln allerdings nicht möglich, tatsächlich zu husten. Trotzdem können sie keuchende Atemgeräusche erzeugen, deren Klang an Husten erinnern (siehe Klangbeispiel). Bisweilen tritt das "Husten" in Anfällen auf, die mehrere Minuten andauern können und nach denen der erkrankte Vogel völlig entkräftet am Boden kauert.

Schwer atmender VogelHäufig fällt erkrankten Vögeln das Atmen schwer, deutlich hörbare Geräusche (siehe Klangbeispiel) gehen demnach oft mit einer Infektion der Atemwege einher. Auffälliges Schwanzwippen bei jedem Atemzug und sichtbares Pumpen mit dem gesamten Brustkorb sind ebenfalls untrügerische Hinweise auf ein gesundheitliches Problem, das die Atemwege betrifft. Das folgende Video verdeutlicht das schwere Atmen und die Atemgeräusche. Es zeigt einen Katharinasittich, der an einer schweren Infektion der oberen Atemwege litt: bitte hier klicken. Zum Glück wurde der im Film gezeigte Vogel wieder gesund.

Um leichter atmen zu können, halten sich die meisten an einer Atemwegserkrankung leidenden Vögel mit den Füßen am Käfiggitter fest und hängen den Schnabel in einen Gitterstab ein, um so ihren Hals gerade zu halten. Dadurch wird die Luftröhre gestreckt und das Atmen fällt den Tieren ein wenig leichter, siehe Abbildung.

Verstopftes Nasenloch eines WellensittichsZeigt Ihr Vogel die oben beschriebenen Symptome einer Atemwegsinfektion inklusive Schleimauswurf, gehen Sie bitte umgehend mit ihm zu einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt. Dieser wird Ihnen wirksame Medikamente aushändigen, die individuell auf die gesundheitlichen Beschwerden Ihres gefiederten Patienten abgestimmt werden. Vogelhalter können darüber hinaus noch mehr für ihre erkrankten Tiere tun. Stellen Sie den Krankenkäfig an einen warmen, ruhigen und vor allem zugfreien Ort und bestrahlen Sie den Vogel mit einem wärmenden Infrarot-Dunkelstrahler. Außerdem ist es in vielen Fällen ratsam, das kranke Tier inhalieren zu lassen. Allerdings sollte dies stets nur in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt geschehen. Wie man einen Vogel inhalieren lässt und wie man einen Inhalationssud herstellt, wird im Kapitel über die Inhalationstherapie ausführlich beschrieben.

Verschiedene Arten von Schnupfen
Die meisten Erkältungen, an denen Menschen erkranken, werden von Viren verursacht. Bei Wellensittichen und anderen Vögeln ist dies in der Mehrheit der Fälle nicht so. Bei ihnen hat man es in aller Regel mit einer bakteriellen Infektion zu tun, wenn sie an einem Schnupfen leiden. Eine solche bakterielle Infektion der oberen Atemwege kann als eigenständige Erkrankung oder als zusätzliche Infektion (sogenannte Sekundärinfektion) in Kombination mit einer anderen Krankheit auftreten.

Bei einem bakteriellen Schnupfen ist das sich bildende Nasensekret nicht immer gleich gefärbt. Es kann zudem in seiner Konsistenz Unterschiede aufweisen. Oft ist es zähflüssig und durchsichtig bzw. klar, aber auch gelbe Nasensekrete kommen vor. Hierbei hat man es meist mit Eiter zu tun, der sich aufgrund der Entzündung der Schleimhäute bildet.

In der Abbildung unten links ist ein Wellensittich zu sehen, dessen Nase extrem geschwollen ist und aus dessen Nasenlöchern Eiter austritt. Unten rechts ist derselbe Vogel einige Tage später zu sehen, nachdem die Therapie eingeleitet worden ist, die ihm Linderung verschafft hat.

Eitriger Schnupfen bei einem Wellensittich  Besserung des eitrigen Schnupfens nach Medikamentengabe

Katharinasittich mit eitriger NaseAchtung: Anders als der durch Viren verursachte Schnupfen beim Menschen, der nach etwa sieben Tagen bis eineinhalb Wochen von selbst abklingt, muss ein bakterieller Schnupfen bei Ziervögeln normalerweise medikamentös behandelt werden. Erfolgt keine antibiotische Therapie, heilt der Schnupfen oft nicht ab. Im schlimmsten Fall wird das Innere der Nase durch die Entzündung zerfressen, es entstehen riesige Nasenlöcher und der betroffene Vogel leidet während der lang andauernden Infektion unter starken Schmerzen. Das Foto rechts und die beiden Abbildungen unter diesem Absatz zeigen einen Katharinasittich, der mit einer schweren, seit Monaten andauernden Nasenentzündung in die Obhut der Autorin gelangt ist. Deutlich sind die enorm vergrößerten Nasenlöcher zu erkennen. Der Schaden, den die Infektion im Inneren der Nase verursacht hatte, war beträchtlich und stellte für den Vogel zeitlebens ein Problem dar.

Katharinasittich mit eitriger Nase    Katharinasittich mit eitriger Nase

Reinigen einer Schnupfennase
Nasenreiniger für VögelMitunter ist die Nase eines Vogels so stark verschleimt, dass das Tier kaum atmen kann. Leider kann es sich selbst nicht die Nase schnäuzen, weshalb der Vogelhalter helfend eingreifen sollte. Bestens bewährt haben sich Papiertaschentücher, die zu Vogel-Nasenreinigern umfunktioniert wurden. Um die Nase eines kleinen Ziervogels wie zum Beispiel eines Wellensittichs zu reinigen, braucht man recht kleine Nasenreiniger. Man schneidet ein Papiertaschentuch hierfür in etwa einen Zentimeter breite Streifen, die zwei bis drei Zentimeter lang sind. Anschließend rollt man ein Ende eines kleinen Streifens zwischen den Fingern, bis sich eine kleine Spitze bildet, siehe Foto rechts. Man kann nun die Spitze eines Nasenreinigers vorsichtig in ein Nasenloch einführen, das Papiertaschentuch saugt dann den Schleim auf. Dabei sollte man stets darauf achten, keinen Schleim nach hinten tiefer in die Nasenhöhle hinein zu drücken. Der Nasenreiniger sollte deshalb nicht zu tief eingeführt werden.

Ist der Schleim besonders zähflüssig, bildet er klebrige Fäden. Diese Fäden reißen nicht immer gleich ab, wenn man den Nasenreiniger aus der Nase zieht. Dreht man ihn vorsichtig um seine eigene Achse, kann man die Schleimfäden regelrecht aufwickeln und so eine große Menge Schleim aus der Nase des erkrankten Vogels entfernen. Das Ganze ist zwar recht unappetitlich, verschafft den erkrankten Tieren aber oft eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden, denn wenn die Nase nicht mehr völlig mit Schleim verstopft ist, können sie meist erheblich besser atmen.

Ähnliche Erkrankungen
Katharinasittich mit SinusitisSollte Ihr Vogel Schwierigkeiten beim Atmen haben, die vor allem beim Fliegen oder nachts auftreten, und außerdem keinen Schleim aus Nase und Rachen absondern, könnte er an einer Infektion mit Luftsackmilben leiden. Meist treten dann auch laute quietschende Atemgeräusche auf. Es sei allerdings angemerkt, dass Luftsackmilben bei in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln nur sehr selten vorkommen.

 Liegt eine starke Schwellung direkt unterhalb oder oberhalb eines Auges vor, könnte es sich bei der Erkrankung um eine Nasennebenhöhlenentzündung handeln, siehe Foto rechts. Außerdem könnte eine Infektion mit sogenannten Mycoplasmen vorliegen, sie äußert sich oftmals ähnlich wie ein Schnupfen.

Falls einer Ihrer Vögel an einer Erkältung erkrankt, der weniger als ein halbes Jahr bei Ihnen lebt, sollten Sie ihn unbedingt auf einen eventuell vorliegenden Fall der Papageienkrankheit untersuchen lassen. Diese schwere Infektionskrankheit kommt leider immer wieder vor, sie ist hochgradig ansteckend. Die Papageienkrankheit ist auch auf den Menschen übertragbar und kann in ungünstigen Fällen tödlich verlaufen. Rechtzeitig erkannt, ist sie jedoch in aller Regel problemlos heilbar. Keine Sorge, Ihr Vogel wird nicht unbedingt gleich eingeschläfert, sollte er an der Papageienkrankheit leiden! Lesen Sie mehr über dieses wichtige Thema im Kapitel über diese Infektionskrankheit.

Wichtiger Hinweis
Wenn Sie selbst erkältet sind, halten Sie bitte stets Abstand von Ihren Tieren und waschen Sie sich gründlich die Hände, bevor Sie Futternäpfe und dergleichen berühren. Unter Umständen kann auch das Tragen eines Mundschutzes sinnvoll sein. Diese Vorsichtsmaßnahmen sind wichtig, denn Sie könnten die Vögel anstecken, sofern es sich um eine bakterielle Infektion handelt.

 
 
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