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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Erfahrungsbericht von Silke Ludäscher, September und Oktober 2007

Wer meine Rasselbande (bestehend aus zwei Mädels: Lucy und Mandy, und zwei Jungs: Wicky und Lucky) in ihrem Vogelzimmer toben sieht, kann sich nicht vorstellen, dass wir mit einer sehr seltenen und heimtückischen Krankheit zu kämpfen haben.

Silkes Vogelbande

Angefangen hat alles damit (damals waren und Wicky und Lucky noch ohne weibliche Gefährten), dass Wicky häufig erkältet war. Ich hatte immer den Eindruck, als ob er total verschleimt wäre. Wir waren Dauergast beim Tierarzt, haben alle möglichen Therapien ausprobiert, Luftbefeuchter fürs Vogelzimmer gekauft, etc.

Als meine Tierärztin keinen Rat mehr wusste, hat sie uns an eine spezialisierte, leider ziemlich weit entfernt praktizierende Kollegin verwiesen. Diese hat sich unsere Geschichte angehört und den Verdacht der Mykoplasmeninfektion geäußert. Von einem Test haben wir aufgrund der damit verbundenen Stresseinwirkung auf die Tiere abgesehen.

Ich habe mich später im Internet schlau gemacht, das Ergebnis war weniger erfreulich. Mykoplasmen sind so gut wie nicht mehr loszuwerden und begünstigen alle möglichen anderen schädlichen Bakterien. Es handelt sich um eine Atemwegserkrankung, die bei Nutzgeflügel und Schweinen bekannt ist. Häufig kommt es neben den Atemwegsbeschwerden auch zu entzündeten Augen. Die Krankheitsschübe werden immer häufiger und immer schlimmer. Irgendwann gibt es dann keine Rettung mehr.

Gegen Mykoplasmen gibt es bisher für unsere Zwecke kein Medikament. Man kann nur versuchen, das Immunsystem zu stärken. Meine Tierärztin hat mir einige Tipps und auch mögliche homöopathische Mittel vorgeschlagen, helfen kann sie uns leider nicht. Da es keine Therapie gibt, versuche ich selbst mein Bestes und das ist gar nicht so einfach.

Ein ziemlich untrügliches Zeichen für ein angeschlagenes Immunsystem ist der deutliche Verlust von Federn außerhalb der Mauser. Wenn mal wieder ein Krankheitsschub ansteht, merke ich, dass Wicky unruhig wird. Er schläft schlecht, schüttelt sich häufig, kratzt sich immer wieder den Kopf am Käfig und an den Sitzstangen, kratzt sich an der Nase und hat Beschwerden beim Schlucken.

Es ist ähnlich, wie wenn wir Schnupfen haben, mal läuft die Nase, mal ist sie zu (Atemgeräusche!). Ich kann hören, dass sein Hals verschleimt ist. Es schluckt immer wieder und versucht den Hals zu überstrecken. Tagsüber schläft er viel. Ich muss dazu sagen, dass es schon einiger Übung und genauestes Beobachten der Tiere bedarf, um dies zu erkennen. Wie gesagt, auf den ersten Blick ist auch dann, wenn es ihm schlecht geht, so gut wie nichts zu sehen!

Meistens wird sein Befinden zum Abend hin schlechter. Wicky niest, jammert und "weint" vor sich hin. Die Vögel werden dann nachts ins Wohnzimmer (direkt neben dem Schlafzimmer) gestellt, damit ich immer hören kann, ob irgendetwas ist. Bei ganz schlimmen Attacken schläft Wicky im kleinen separaten Krankenkäfig neben meinem Bett. Wir haben uns schon einige Nächte um die Ohren geschlagen. Er hat mir schon pausenlos die Ohren vollgeheult, ans Schlafen ist da nicht zu denken.

Man ist dann schon ziemlich hilflos. Wir versuchen es dann mit Inhalieren, bis er wieder Luft bekommt oder ich flöße ihm schleimlösenden Tee mit der Spritze ein, in der Hoffnung, der Schleim in seinem Hals möge sich lösen. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team.

Im Dezember 2006 hatten wir uns nach langer Überlegung dazu entschlossen, zu unseren beiden Jungs noch zwei Mädchen zu gesellen. Die beiden stammen von einem Züchter und haben in einer Außenvoliere gelebt. Meiner Meinung nach sind diese Vögel robuster, was das Immunsystem angeht, da sie den natürlichen Schwankungen des Wetters ausgesetzt sind.

Leider scheint das bei Lucy nicht ganz zuzutreffen. Lucy hatte schon nach drei Tagen Probleme mit den Atemwegen. Vermutlich ist die trockene Heizungsluft nichts für sie. Der Luftbefeuchter ist während der Heizperiode immer im Einsatz. Leider hat Lucy aber inzwischen auch schon erste Anzeichen von Verschleimung, sie kommt jedoch bisher besser damit zurecht. Die beiden anderen sind gesund. Vermutlich haben sich bei ihnen schon Antikörper gebildet.

Unsere "Therapie" sieht folgendermaßen aus:
Das Vogelzimmer muss morgens und abends gründlich gelüftet werden. Achtung, dass die Vögel keinen Zug bekommen, also den Käfig abdecken! Im Krankheitsfall wird morgens und abends mit Salzwasser inhaliert. Das machen bei mir alle Vögel mit, ca. fünf bis zehn Minuten. Danach gibt es Rotlichtbestrahlung, so lange die Tiere wollen. Im Allgemeinen sind das 15 bis 30 Minuten, danach werden sie meist unruhig. Den Infrarot-Dunkelstrahler sollte man weit genug vom Käfig entfernt aufstellen, bei uns beträgt die Entfernung circa einen Meter.

Dann gibt es je nach Wickys und Lucys Zustand morgens und abends je einen Tropfen Drosera–Homaccord (ohne Alkohol) direkt in den Schnabel. Das löst den Schleim. Häufig hat man den Eindruck, dass es nach der Eingabe schlimmer wird. Wicky muss niesen und die Verschleimung ist deutlich hörbar. Meistens kommt nach einer Weile der Schleim durchs Niesen raus und die Atmung ist wieder frei.

Zur Stärkung der Abwehr gibt es täglich einen Tropfen Engystol ad us. vet. Hier erfolgt die Eingabe über zehn Tage, dann zehn Tage Eingabepause, dann wieder zehn Tage Eingabe und so weiter. Der Tierarzt kann unterstützend Zyleksis spritzen. Dies ist ebenfalls zur Stärkung der Abwehr, aber relativ teuer und die positive Wirkung hat sich bei Wicky nicht unbedingt gezeigt. Hinzu kam, dass er nach dem Spritzen immer furchtbar geblutet hat, sodass ich ihm das bald erspart habe.

Im akuten Krankheitsfall gibt es einmal pro Tag noch einen Tropfen des Antibiotikums Baytril. Hier bin ich allerdings der Ansicht, je weniger oft man es anwenden muss, desto besser. Denn irgendwann verlieren die Mittelchen ihre Wirkung, weil die Krankheitserreger nicht mehr drauf reagieren. Zum Glück hatten wir mit entzündeten Augen bisher noch nicht so oft zu tun, aber wenn dies der Fall war, habe ich Wickys Auge mit einem in kalten Augentrost-Tee getränkten Wattebausch abgetupft.

Jeder von uns kennt Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Um Wicky hier sein Leid etwas zu erleichtern, weiche ich einen Teil des Körnerfutters abends in Kamillentee ein. Das Futter wird dann morgens abgesiebt und in einem separaten Napf angeboten. Manchmal gibt es noch einen kleinen Klecks Honig drauf. Meine Vögel lieben es (auch wenn sie gesund sind). Wichtig ist, dass das Futter spätestens abends aus dem Käfig genommen wird, da es leicht verdirbt. Also jeden Abend eine neue Portion ansetzen!

Zum Trinken gibt es außer Wasser noch kalten Kamillentee mit Vitacombex Vitamintropfen. Und wenn es ganz schlimm ist, bereite ich Tee aus einer Mischung von Salbei, Thymian, Malve und Anis zu.

WWichtig ist weiches Futter, damit das Schlucken erleichtert wird. Ab und zu gibt es ein kleines Stückchen hart gekochtes Ei, Obst, Gemüse und Vitaminzusätze. Manchmal mische ich das trockene Körnerfutter mit Zucchinistückchen oder Karotten. Auf Petersilie, siehe Kapitel über frische Kräuter, sind sie auch ganz wild.

Unerlässlich ist die Gewichtskontrolle der Vögel. Ich wiege die ganze Bande immer samstags und kontrolliere so ihren Zustand und achte auf mögliche Gewichtsveränderungen. Bisher sind wir mit unserer eigenen Therapie einigermaßen erfolgreich. Die Krankheit besiegen können wir wahrscheinlich nicht, aber vielleicht ein wenig lindern und das Leben für meine Piepmätze wieder angenehmer machen. Wichtig ist dabei ein starkes Immunsystem. Der Körper muss in die Lage versetzt werden, sich selbst zu helfen.

Ergänzung vom 26.10.2007: Vor einiger Zeit habe ich via Internet mit einem Pharmakonzern korrespondiert, der die bisher von mir eingesetzten homöopathischen Mittel herstellt. Ich hatte eine Anfrage bezüglich der Mykoplasmeninfektion eingereicht und einige Tipps bekommen. So wurde mir als Alternative bzw. Ergänzung zum schon im Gebrauch befindlichen Drosera Homaccord und Engystol noch Mucosa, Euphorbium compositum und Echinacea empfohlen.

IIch habe mir alle Mittel besorgt und setze sie seit einiger Zeit ein. Ob es Erfolg oder Zufall ist, kann ich nicht sagen, aber seither kommt Wicky ohne Baytril aus. Die Symptome sind nach wie vor vorhanden, jedoch nicht mehr so stark wie zuvor und wir hatten seither keine schlaflose Nacht mehr. Hoffen wir, dass es so bleibt, denn jetzt kommt wieder die kritische Phase mit der Heizungsluft.

Die Eingabe sieht folgendermaßen aus: Nachdem die Einzelgabe der jeweiligen Mittel zu viel für Wicky und Lucy waren, habe ich Drosera, Mucosa und Euphorbium compositum zu gleichen Teilen in einer Spritze gemischt. Hiervon bekommen beide Vögel jeweils morgens und abends einen Tropfen.

Zur Stärkung des Immunsystems soll anstelle von Engystol für einige Zeit Echinacea verabreicht werden, da dies andere Bereiche des Immunsystems stimuliert. Das haben wir bisher noch nicht ausprobiert, werden aber nach dem Aufbrauchen von Engystol damit anfangen. Hier soll die Eingabe über fünf Tage erfolgen, dann wieder fünf Tage Pause, fünf Tage Eingabe, usw. Rotlicht und Inhalation haben wir natürlich beibehalten. Wenn alles so bleibt, sind wir schon sehr zufrieden.

 
 
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