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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Urin eines Wellensittichs mit NiereninfektionBei vielen Ziervogelarten kommen vergleichsweise oft Nierenerkrankungen vor, darunter schwere Entzündungen dieser Organe. Bedauerlicherweise werden diese Erkrankungen aber nicht selten übersehen oder erst sehr spät erkannt, weil die Symptome falsch verstanden werden. Vögel, die an einer Nierenentzündung leiden, scheiden häufig große Flüssigkeitsmengen aus, die von zahlreichen Tierhaltern und sogar von einigen unerfahrenen Tierärzten fälschlicherweise als Durchfall interpretiert werden. Die Abbildung in diesem Absatz zeigt eine Urinpfütze eines Wellensittichs, der an einer Nierenentzündung litt. In diesem Kapitel erfahren Sie, wie Sie solche großen Urinkleckse von echtem Durchfall unterscheiden können. Um den Blick hierfür zu schulen, ist es wichtig zu wissen, wie der Urin der Wellensittiche normalerweise aussieht.

Eine Nierenerkrankung erkennen
Kothaufen eines gesunden WellensittichsGemeinsam mit dem Kot setzen Wellensittiche ihren Urin ab, beides ist Bestandteil eines jeden Kothäufchens. Normalerweise ist der Urin von cremiger Konsistenz und weißlich gefärbt, siehe Foto rechts. Nimmt der Vogel regelmäßig ein Vitaminpräparat mit hohem Vitamin-B-Anteil zu sich oder frisst er stark färbende Frischkost, kann der Urin gelblich bis orange gefärbt sein. Der dunkle Kotanteil umgibt diese cremigen, normalerweise recht festen Urinausscheidungen. Bei einem gesunden Wellensittich sollten die Kothäufchen und der Urinanteil normalerweise also fest und geruchsneutral sein und innerhalb recht kurzer Zeit eintrocknen.

Flüssiger KothaufenTrinkt ein Vogel besonders viel oder hat er größere Mengen Frischkost zu sich genommen, ist es wie bei uns Menschen: die vom Körper produzierte Urinmenge steigt vorübergehend. Diese Flüssigkeit wird vom Vogelkörper entweder gemeinsam mit dem Kot ausgeschieden, wodurch die Kotbällchen insgesamt relativ nass wirken. Schaut man jedoch genau hin, erkennt man, dass der Kotanteil relativ fest ist. Bei echtem Durchfall wäre es anders, denn dann wäre der Kotanteil stark verflüssigt.

Nach dem Genuss von sehr großen Mengen flüssigkeitsreicher Frischkost kann es bei Wellensittichen mitunter vorkommen, dass sie sogar einfach nur kleine Urinpfützen ausscheiden, die keinerlei Kotanteil enthalten. Dies ist jedoch bei gesunden Tieren, die zuvor viel Flüssigkeit zu sich genommen haben, meist nur über einen sehr kurzen Zeitraum zu beobachten. Die ausgeschiedene Urinmenge normalisiert sich bei einem gesunden Vogel spätestens einige Stunden nach dem Genuss der Frischkost von selbst wieder. Das gilt auch dann, wenn ein Vogel wegen großer Aufregung vorübergehend große Urinmengen ausgeschieden hat - auch das kann man in Stresssituationen immer wieder bei Wellensittichen beobachten.

Urinpfütze eines kranken VogelsEine echte Störung der Nierenfunktion, zum Beispiel verursacht durch eine Niereninfektion, liegt demnach meist vor, wenn das Tier über längere Zeit, also über einen ganzen Tag oder länger, zu nasse Kotballen absetzt. In extremen Fällen tropft der Urin über einen längeren Zeitraum regelrecht aus einem Vogel heraus und es wird dabei keinerlei Kot ausgeschieden. Das Foto in diesem Absatz zeigt eine Urinpfütze eines Wellensittichs, der an einer starken Niereninfektion litt. Es ist kaum Kot in diesem "Häufchen" enthalten. Man erkennt sogar als Laie, dass der Urin erheblich zu flüssig ist. Allerdings ist dieser "Klecks" an sich kein Krankheitsanzeichen, erst das Auftreten solcher Urinpfützen über einen längeren Zeitraum als ein paar Stunden deutet auf ein Nierenproblem hin.

Verklebtes Gefieder durch NierenentzündungEs gibt ein weiteres Detail, das bei Vögeln, die unter einer Nierenerkrankung leiden, häufig zu beobachten ist: Aufgrund der vermehrten Urinausscheidung verklebt das Gefieder rund um die Kloake und oft spritzt der Urin regelrecht mit hohem Druck aus der hinteren Körperöffnung der Vögel. Das Gefieder ist ständig feucht und verfärbt sich mit der Zeit gelblich bis grünlich (siehe Foto rechts). Bei einer über längere Zeit andauernden Infektion mit starkem Pinkelreiz (der Tierarzt spricht hierbei von Polyurie) kommt es zudem zu einer unangenehmen Geruchsentwicklung. Das feuchte Gefieder riecht ähnlich unangenehm wie so manche öffentliche Toilette. Einige Tiere leiden darüber hinaus unter juckenden Hautekzemen oder Hautveränderungen rund um die Kloake, weil der Urin die Haut angreift.

In sehr schweren Fällen können die Nieren stark geschwollen sein und im Körper des betroffenen Vogels so viel Raum einnehmen, dass sie auf Nervenbahnen drücken. Hierdurch kann es dazu kommen, dass die Vögel Schmerzen in den Beinen erleiden, denn wenn die Nervenbahnen, die diese Körperteile durchziehen, weiter oben im Körper gequetscht werden, zieht der Schmerz oft bis in den Fuß. Deshalb hinken die Vögel beim Gehen und schonen nicht selten das schmerzende Bein, indem sie es nicht belasten und an den Körper ziehen.

Falls Sie die zuvor genannten Symptome bei einem Ihrer Vögel beobachten, ist es ratsam, das Tier umgehend einem fachkundigen Tierarzt vorzustellen, damit dieser eine sichere Diagnose stellen kann.

Ursachen von Nierenentzündungen
Kot bei NierenentzündungEine Nierenentzündung, der medizinische Fachbegriff dafür lautet Nephritis, kann bei Ziervögeln eine Reihe unterschiedlicher Ursachen haben. Relativ häufig sind Fehler in der Ernährung des Vogels eine Ursache für eine schwere Erkrankung der Nieren. Zu viel Fett und Eiweiß, aber auch zu viel Salz (zum Beispiel aus menschlicher Nahrung stammend), führen bei Vögeln nicht selten zu Infektionen der Nieren. Eine weitere mögliche Ursache ist eine Störung der Trinkwasseraufnahme. Trinkt ein Vogel zu wenig, werden die Nieren nicht ausreichend durchgespült und Krankheitserreger können sich in den Organen vermehren. Deshalb sollten Sie regelmäßig kontrollieren, ob Ihre Vögel genügend Trinkwasser aufnehmen. Dies gilt umso mehr, falls Sie dieses mit einem Vitaminzusatz oder einem Medikament vermischt haben, wodurch sich der Geschmack des Wassers ändert.

Auch die Aufnahme mancher Gifte kann zu schweren Schädigungen der Nieren führen, die die Organe wiederum sehr anfällig für bakterielle Infektionen machen. Darüber hinaus kann eine Verabreichung bestimmter Medikamente über einen längeren Zeitraum bei Vögeln zu Nierenschäden führen, die ihrerseits oft wiederum zur Folge haben, dass sich in den vorgeschädigten Organen Bakterien einnisten können. Achtung, manche Aufbaupräparate dürfen Ziervögeln bei einer Niereninfektion nicht gereicht werden, weil sie die Nieren belasten! Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt darüber, welches Präparat Sie verabreichen möchten und klären Sie, ob es bedenkenlos verwendet werden kann.

Verschmiertes GefiederNur ein Tierarzt wird sicher herausfinden können, weshalb ein Vogel über einen längeren Zeitraum vermehrt Urin ausscheidet und ob seine Beschwerden tatsächlich auf eine durch Bakterien verursachte Nierenentzündung zurückzuführen sind oder gegebenenfalls auf einen anderweitigen Nierenschaden hindeuten. Eine Heilung einer Niereninfektion ist bedauerlicherweise nicht in jedem Fall möglich. Oft können Sie zusammen mit Ihrem Tierarzt lediglich für eine Linderung der Beschwerden Ihres Vogels sorgen, wenn die Niereninfektion bereits chronisch geworden ist. Da Vögel, die an einer Niereninfektion leiden, meist sehr durstig sind, sollten Sie diesem gesteigerten Flüssigkeitsbedarf immer Rechnung tragen und den Tieren frisches, sauberes Wasser in ausreichend großen Mengen zur Verfügung stellen.

Meiner Erfahrung nach wirkt sich eine Wärmetherapie positiv auf das Befinden eines kranken Vogels aus. Auch ist es Im Fall einer Nierenentzündung häufig ratsam, ein Elektrolytpräparat oder Tyrodelösung, siehe unten, ins Trinkwasser zu geben. Dadurch wird der Vogel gestärkt, indem er über das Wasser die zuvor vermehrt ausgeschiedenen Mineralstoffe und Spurenelemente in den Körper zurückbringen kann. Befragen Sie hierzu bitte jedoch in jedem Fall Ihren Tierarzt, er kann Ihnen im Einzelfall ein geeignetes Präparat empfehlen.

Unterstützende Maßnahmen bei einer Niereninfektion
Wurde bei einem Vogel durch einen Tierarzt eine (chronische oder akute) Niereninfektion diagnostiziert, erhält das Tier anschließend wahrscheinlich ein Antibiotikum. Als Tierhalter verspürt man in einer solchen Situation oft den Wunsch, dem kranken Vogel darüber hinaus weitere Hilfe anzubieten. Deshalb finden Sie weiter unten einige Tipps, die Ihnen dabei helfen sollen, Ihren kranken Vögeln "unter die Flügel" zu greifen. Aber: Jede ergänzende Therapiemaßnahme sollte mit dem behandelnden Tierarzt (oder Tierheilpraktiker) abgestimmt werden!

Liegt eine Nierenerkrankung vor, so ist es in vielen Fällen ratsam, dem betroffenen Vogel eine Nierenschutzlösung, auch Tyrodelösung genannt, anstelle des Trinkwassers zu verabreichen. Diese Lösung kann man beim Tierarzt oder in der Apotheke herstellen lassen. Tyrodelösung besteht aus:

8,0 Gramm Natriumchlorid (NaCl)
0,13 Gramm Calciumchlorid (CaCl2)
0,2 Gramm Kaliumchlorid (KCl)
0,1 Gramm Magnesiumchlorid (MgC2)
0,05 Gramm Natriumhydrogenphosphat (Na2HPO4)
1,0 Gramm Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3)
1 Gramm Glucose

für die Pulvermenge, die man auf einen Liter destilliertes Wasser gibt.

In eine luftdichte Flasche gefüllt und im Kühlschrank gelagert, ist die Lösung etwa drei Tage haltbar. Es empfiehlt sich daher, immer nur kleine Mengen anzumischen, also beispielsweise ein Viertel der Pulvermenge mit 250 ml Wasser.

Trinkt ein Vogel diese Lösung nicht, sollte man ihm sein gewohntes Trinkwasser reichen und ihm die Lösung mehrmals täglich tröpfchenweise direkt in den Schnabel eingeben.

Tipp:
Der Birds-Online-Leser L. G. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) hat einen Erfahrungsbericht zur Eigenherstellung der Lösung geschrieben, wodurch sich viel Geld sparen lässt. Zu finden ist der Bericht hier..

Auch mit so manchem Kräutertee, der die Nierenfunktion unterstützt, kann man einem erkrankten Vogel helfen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass Kräutertees auch Nebenwirkungen haben können. Wie stark diese ausfallen und wie sie sich bei Vögeln äußern, hängt vom Einzelfall ab, weshalb das Verabreichen von Tees mit dem behandelnden Tierarzt oder Tierheilpraktiker abgestimmt werden sollte.

Eine Birds-Online-Leserin hat mir mitgeteilt, dass sie mit einem homöopathischen Präparat bei ihrem nierenkranken Vogel sehr gute Erfolge erzielt hat. Sie verabreichte ihrem Vogel täglich fünf Globuli (Kügelchen) des Präparates Berberis D4/b>. Dieses Mittel ist dafür bekannt, die Nierenfunktion zu verbessern und die Ausscheidung harnempfindlicher Substanzen anzuregen.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das Mittel nicht bei jedem Vogel erfolgreich zum Einsatz kommen kann, denn in der Naturheilkunde ist es nicht üblich, nach Symptomen zu behandeln, sprich Nierenproblem = Präparat x, sondern die Wirkstoffauswahl individuell auf den jeweiligen Patienten abzustimmen. Deshalb ist es wichtig, vor dem Einsatz eines homöopathischen Mittels Rücksprache mit jemandem vom Fach, also beispielsweise mit einem Tierheilpraktiker, zu halten.

Ähnliche Erkrankungen
WWenn die Nieren eines Vogels nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten, kann dies beispielsweise infolge einer Gichterkrankung/a> vorkommen. Umgekehrt kann auch durch eine lang anhaltende Fehl- oder Unterfunktion der Nieren eine Gelenkgicht entstehen. Einen solchen Fall schildert der Erfahrungsbericht über den Wellensittich Jacky/a>.

 
 
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