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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Für Vogelhalter ist die Papageienkrankheit eine ernste Angelegenheit. Vor allem bei Jungvögeln bricht diese hochgradig ansteckende Infektionskrankheit sichtbar aus und oft ist dann bereits der gesamte Vogelbestand infiziert. Sehr leicht kann es geschehen, dass sich auch der Tierhalter ansteckt, denn die Papageienkrankheit gehört zu den sogenannten Zoonosen, also zu den Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen können.

In Anlehnung an den lateinischen Namen der Papageienvögel (Psittacidae) heißt die Papageienkrankheit auch Psittakose. Erstmals übertrug ein Papagei die Krankheit auf den Menschen, weshalb sie ihren Namen erhielt. Heute weiß man, dass die Krankheit von sehr vielen Vogelarten auf den Menschen übertragen werden kann. Deshalb wird die Papageienkrankheit inzwischen korrekterweise als Ornithose bezeichnet.

Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr zählt die Psittakose in Deutschland zu den Seuchen und ist deshalb hierzulande meldepflichtig. Tritt sie auf, muss dies dem zuständigen Veterinär- und oft auch dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Selbst beim geringsten Verdacht auf Psittakose ist der Vogelhalter gesetzlich dazu verpflichtet, beim Tierarzt oder beim zuständigen Veterinäramt Meldung zu erstatten, damit die entsprechenden Schritte zur Klärung des Verdachts eingeleitet werden können. Häufig wird im Falle einer Psittakoseinfektion eine Quarantäne auferlegt, um eine weitere Ansteckung zu vermeiden. Pro Jahr werden in Deutschland einige hundert Fälle der Krankheit registriert.

Die Erreger der Psittakose tragen den Namen Chlamydia psittaci und sie rufen sogenannte Chlamydien-Infektionen hervor. Wie die meisten Infektionen dieser Art, überträgt sich die Papageienkrankheit über das Einatmen von verseuchtem Staub. Große Gefahr geht daher vom mit Kot durchsetzten Vogelsand oder anderer verschmutzter Einstreu aus. Von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome der Krankheit können bis zu 100 Tage vergehen.

Eindeutige Symptome, anhand derer man die Papageienkrankheit als Laie sicher an seinen Vögeln erkennen kann, existieren nicht. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe von Symptomen, die ebenso auf andere Erkrankungen hindeuten könnten, was die Psittakose so tückisch macht. Von akuten Atemwegserkrankungen bis hin zu plötzlichen Todesfällen reicht das Spektrum der Erscheinungsbilder dieser Infektionskrankheit. In vergleichsweise vielen Fällen beginnt die Psittakose-Erkrankung bei Ziervögeln mit einer Entzündung der Bindehäute, Schnupfen und Atembeschwerden. Einige Vögel leiden darüber hinaus unter grünlichem Durchfall und manche Tiere zeigen schwere Störungen des zentralen Nervensystems bis hin zu einer Gehirnentzündung. Die Tiere sterben meist zwischen zwei und zehn Wochen nach dem Ausbruch der Krankheit, sofern sie unbehandelt bleibt.

Beim Menschen ähneln die Symptome denen einer Grippe mit Gliederschmerzen, Schmerzen beim Atmen, Kopfschmerzen und starken Fieberschüben. Achtung, eine unbehandelte Psittakose kann beim Menschen tödlich verlaufen! Mittels einer Blutprobe kann man die Papageienkrankheit beim Menschen nachweisen. Bei Vögeln lassen sich die Chlamydien in einer frischen Kotprobe ausfindig machen.

Noch vor einigen Jahren war es üblich, sämtliche Vögel eines Bestandes zu töten, in dem die Papageienkrankheit nachweislich ausgebrochen war. Davor braucht man sich heute als Vogelhalter zum Glück nicht mehr zu fürchten, da inzwischen wirksame Medikamente erhältlich sind, die häufig gute Behandlungserfolge erzielen. Rechtzeitig erkannt, ist die Papageienkrankheit mit antibiotischen Mitteln wie Chlortetracyclinen relativ gut therapierbar. Nur in sehr schweren Fällen werden einzelne Vögel eingeschläfert, was für den Halter ohne Zweifel sehr unangenehm ist. Der Großteil eines betroffenen Vogelbestandes wird die Seuche jedoch im Normalfall überleben.

Doch es gibt einen Wermutstropfen: Vögel, die an der Psittakose erkrankt waren und durch eine Medikamentengabe vom akuten Ausbruch der Krankheit geheilt wurden, bleiben zeitlebens Träger von Chlamydien, die sie durchaus auch weiterhin ausscheiden können. Ob und wann dies geschieht, ist nicht erkennbar, sodass theoretisch die Möglichkeit besteht, dass man sich bei diesen Vögeln irgendwann erneut mit der Krankheit infizieren könnte. Allerdings gilt dies vor allem für Risikogruppen wie Menschen mit schlecht arbeitendem Immunsystem, kleine Kinder und häufig auch für Senioren.

Für neu in einen Vogelschwarm kommende Tiere bedeutet dies, dass sie Chlamydien-Träger sein können, ohne dass man es ihnen ansieht. Es ist deshalb ratsam, jedes neue Tier zunächst für einige Zeit in Quarantäne zu halten und im Rahmen einer Eingangsuntersuchung von einem fachkundigen Tierarzt auf Chlamydien und andere Krankheitserreger testen zu lassen.

 
 
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