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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Erfahrungsbericht von Daniela Zmavc, Juli 2008

Kot eines an Wellensittichs mit Giardien-InfektionAm 30.07.2007 bemerkten wir nachmittags, dass es unserem Wellensittich Newton plötzlich ziemlich schlecht ging. Nichts interessierte ihn, er blieb die ganze Zeit allein im Käfig und wollte auch nicht mit den anderen Wellis im Vogelzimmer fliegen. Zudem fiel mir auf, dass sein Kot außergewöhnlich voluminös und giftgrün war, siehe Foto rechts.

Am nächsten Tag fuhr ich mit ihm sofort zu unserem vogelkundigen Tierarzt. Ich zeigte ihm Fotos des Kothaufens, der sich über Nacht angesammelt hatte. Der Tierarzt beschloss, Newton zu röntgen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auf dem Röntgenbild sah man, dass die Leber scheinbar vergrößert war. Dies sah aber lediglich so aus, da der Darm, den man jedoch auf der Röntgenaufnahme nicht sehen konnte, die Leber "nach vorne" gedrückt hatte.

Nach dem Röntgen hat der Tierarzt ein frisches Kotbällchen unter dem Mikroskop untersucht und eine hohe Anzahl an Giardien festgestellt. Dies erklärte auch das Röntgenbild, der Darm war vergrößert, da er von diesen Einzellern bevölkert wurde.

Der Tierarzt erklärte mir, dass Giardien Einzeller sind, die über den Kot übertragen werden. Sie siedeln sich vor allem auf feuchtem Obst und Gemüse an, da sie eine feuchtwarme Umgebung bevorzugen. Man kann die Giardien nur in einer frischen Kotprobe nachweisen, in einer Sammelkotprobe, die über drei Tage gesammelt wird, sind sie meist nicht zu erkennen.

Außerdem teilte er mir mit, dass Giardien-Befall beim Wellensittich vorwiegend in der amerikanischen Literatur beschrieben ist, er habe jedoch lediglich alle fünf Jahre einen Wellensittich in Behandlung, der an Giardien erkrankt ist. Bei Nymphensittichen kämen Giardien schon häufiger vor.

Als Maßnahme zur Bekämpfung der Giardien empfahl er mir, Äste, Sitzstangen, Spielzeug, Futter- und Trinknäpfe, also eigentlich das komplette Vogelzimmer, mit kochendem Wasser zu reinigen, um die Giardien abzutöten, sodass sie sich nicht weiter vermehren können.

Zudem verordnete er das Medikament Ronidazol für unseren gesamten Schwarm. Es ist möglich, dieses Präparat über das Trinkwasser zu verabreichen, ich wählte jedoch die sichere Variante und entschied mich für die "intraschnabulöse", also orale Gabe bei allen zehn Wellensittichen. Zehn Tage lang sollte diese Therapie erfolgen, und eine Woche nach der letzten Gabe sollte ich mit Newton nochmals zur Kontrolle einer Kotprobe vorbeikommen.

Zu Hause angekommen, räumten wir das Vogelzimmer komplett aus, entfernten Naturäste, Korkröhre, Spielplätze, Spielzeug und Vogelbaum und reinigten die Voliere mit der Dampfente. Wir befestigten ausschließlich gedrechselte Buchenholzstangen in der Voliere, da diese besser zu reinigen sind und bastelten zwei karge Spielplätze ebenfalls aus Buchenholz für unsere Wellis, damit sie zumindest einige Landemöglichkeiten beim Freiflug hatten.

Beim Bodenbelag in der Voliere wechselten wir von Buchenholzgranulat zu Zeitungspapier, welches zweimal täglich ausgetauscht wurde. Generell säuberten wir täglich die Sitzstangen bei Verschmutzung und desinfizierten sowohl Futterschalen als auch Trinknäpfe nach jeder Benutzung bei 200 Grad Celsius im Backofen. Mit Näpfen aus Kunststoff ist dies natürlich nicht möglich, hierfür sind Metallnäpfe vonnöten.

Generell ist anzumerken, dass unsere anderen neun Wellensittiche keine Anzeichen einer Erkrankung vor oder während der Behandlung mit dem Ronidazol zeigten. Nur Newton ging es schlecht. Am dritten Tag der Behandlung machte ich mir große Sorgen, weil es Newton immer noch nicht besser ging und ich befürchtete, dass das Medikament nicht anschlagen würde. Ich rief den Tierarzt an, der mich jedoch beruhigte und mir mitteilte, dass es einige Tage dauern kann, bis sich eine Besserung des Zustands einstellt.

Nach fünf Tagen konnte ich beobachten, dass unser kleiner Kämpfer ab und zu auf einem Beinchen saß - was wir als gutes Zeichen deuteten. Erst nach neun Tagen waren seine Lebenskräfte so weit hergestellt, dass er erstmals wieder einen "Pieps" von sich gab. Im Rückblick kann man sagen, dass sich der Gesundheitszustand erst richtig verbesserte, als die Medikamentengabe abgeschlossen und die Giardien erfolgreich bekämpft waren.

Eine Woche nach Abschluss der Behandlung stellte ich Newton abermals beim Tierarzt vor. In der Kotprobe konnten glücklicherweise keine Giardien mehr nachgewiesen werden.

Die Nachwirkungen der Erkrankung zeigten sich noch längere Zeit im Gefieder. Die nachwachsenden Federn waren weiß (siehe Foto unten links). Unser Tierarzt deutete dies als Zeichen dafür, dass der Organismus durch die Erkrankung in hohem Maße beeinträchtigt war. Nach einem halben Jahr hatte sich dies auch normalisiert, sein Gefieder ist wieder leuchtend gelb (siehe Foto unten rechts).

Zweimal der Patient Newton

 
 
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