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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Sich kratzender WellensittichWenn ein Tierhalter sagt, seine Vögel haben Milben, dann sind damit meist Blut saugende Parasiten gemeint. Allerdings ist Milbe nicht gleich Milbe - es gibt neben Arten, die sich vom Blut der Vögel ernähren, auch andere Spezies, die den Vögeln ebenfalls übel mitspielen können, darunter die sogenannten Grab- oder Räudemilben. Liegt tatsächlich ein Befall mit Blut saugenden Milben vor, muss jedoch auch hier genauer unterschieden werden. Es kommen mehrere Arten dieser winzigen Spinnentiere vor, die es auf das Blut von Ziervögeln abgesehen haben. Eine Spezies tritt bei Wellensittichen besonders häufig auf, eine weitere ist hingegen nur gelegentlich bei ihnen zu beobachten. Bei anderen Ziervögeln stellt sich die Situation ähnlich dar. In diesem Kapitel erfahren Sie mehr über die kleinen Blutsauger und wie man sie erkennt.

Vorab sei aber noch etwas anderes Wichtiges erwähnt: Sehr oft ist es leider so, dass Laien Milben "diagnostizieren", wo keine sind. Dass sich ein Vogel vermehrt kratzt, rührt nicht zwangsläufig von einem Milbenbefall her. Häufig steckt eine harmlose Mauser dahinter oder aber der Vogel leidet an Juckreiz, der beispielsweise durch eine Hautveränderung hervorgerufen werden kann. Es ist deshalb wichtig, die Tiere im Verdachtsfall genau zu beobachten und einem fachkundigen Tierarzt vorzustellen, damit dieser eine sichere Diagnose stellen kann. Selbst wenn man "nur" wegen einer Mauser vorsorglich zum Tierarzt geht, hat man später Gewissheit und macht sich nicht ständig Sorgen, ob die Vögel nicht eventuell doch unter einem Befall mit Milben leiden. Wer darüber hinaus die Gewohnheiten der Parasiten kennt, kann oft selbst herausfinden, ob die Sorgen tatsächlich berechtigt sind. Mehr über die kleinen Blutsauger erfahren Sie weiter unten.

Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae)
Zwischen 0,7 und 1,1 Millimeter ist die Rote Vogelmilbe groß. Sie ist kein Insekt, sondern ein Spinnentier, was daran zu erkennen ist, dass sie acht Beine hat (Insekten haben sechs Beine). Die Rote Vogelmilbe hat eine besondere Lebensweise: Nachts krabbeln diese Tiere über den Körper der Vögel und ernähren sich von deren Blut. Am Tage verstecken sich die winzigen Parasiten in den Ritzen des Käfigs, der näheren Umgebung der Vögel oder in kleinen Spalten im Holz der Sitzstangen beziehungsweise in Schlaf- und Nistkästen. Das heißt, sie sind am Tage nicht auf den Vögeln zu finden.

Rote Vogelmilben in ihrem Tagesversteck
Rote Vogelmilben in ihrem Tagesversteck

In ihren Tagesverstecken vermehren sich die Roten Milben. Vom Ei bis zur Larve dauert die Entwicklung bei Temperaturen um 20°C nur zwei Tage. Liegen die Temperaturen zwischen neun und 15°C, dauert es fünf Tage, bis sich die Larven der Roten Vogelmilbe aus den Eiern entwickelt haben. Weil die Tiere - zumindest nachts - auf Vögeln leben und nicht in ihnen, werden sie als sogenannte Ektoparasiten, also äußere Parasiten bezeichnet.

Wie gelangen Rote Vogelmilben zu den Vögeln?
Ins Haus gelangen Rote Vogelmilben beispielsweise mit Naturästen oder anderem Holz, zum Beispiel gebraucht gekauften Nistkästen. Nur sehr selten gelingt es Roten Vogelmilben, auf einem Vogel in ein neues Zuhause zu gelangen, was daran liegt, dass sie nachtaktiv sind und die meisten Vögel eher tagsüber in ein neues Zuhause einziehen.

Woran erkennt man einen Befall mit diesen Parasiten?
Ein von den Roten Vogelmilben geplagter Vogel ist nachts extrem unruhig, findet keinen Schlaf und kratzt sich oft. Ob ein Vogel nachts schlecht schläft, erkennt man unter anderem an der Verteilung der Kothäufchen im Käfig. Man kann es aber auch hören, wenn man selbst keinen allzu tiefen Schlaf hat, denn der Vogel klettert oft im Käfig umher, um den Milben auszuweichen. Häufiges Schütteln des Gefieders gegen den Juckreiz ist ebenfalls deutlich zu hören. Tagsüber schläft der Vogel viel, wirkt matt und lustlos; zudem juckt seine Haut aufgrund der Einstiche und er kratzt sich überdurchschnittlich häufig.

Um den Roten Vogelmilben auf die Spur zu kommen, hängt man im Verdachtsfall abends am besten ein weißes Tuch über den Käfig und schaut in der Nacht nach, ob man auf diesem Tuch verräterische kleine, rote Punkte wandern sieht.

Rote Vogelmilben
Rote Vogelmilben

Rote VogelmilbenEine weitere Methode zum Nachweis der Roten Vogelmilbe ist das Auskleiden der Käfig- oder Volierenecken mit selbstklebender Klarsichtfolie, siehe Foto rechts. Die Folie sollte so angebracht werden, dass sich ein Hohlraum bildet, der von der Seite zugänglich ist. Die Milben kehren in den frühen Morgenstunden in ihre Verstecke zurück und kriechen dann meist auch in diesen Hohlraum. An der selbstklebenden Folie bleiben sie haften und sie sind als winzige rote Punkte zu erkennen. Tote Milben verfärben sich allerdings meist relativ schnell und werden dunkelgrau oder schwarz.

Wie wird man Rote Vogelmilben wieder los?
Die Rote Vogelmilbe gehört nicht ohne Grund zu den Parasiten, die am meisten gefürchtet werden. Denn es ist nicht leicht, sie vollständig zu dezimieren. Die Vögel können nicht wie im Fall anderer Parasiten mit Medikamenten behandelt werden, die die Schmarotzer abtöten. Man muss dafür sorgen, die Roten Milben in ihren Tagesverstecken allesamt auszurotten - dabei darf nicht ein einziges Ei und keine einzige Milbe übrig bleiben, weil es sonst später zu einem erneuten massenhaften Auftreten der Parasiten kommen kann. Wichtig ist es somit, den Käfig, das Zubehör und die Umgebung des Käfigs vollständig von Milben zu befreien.

 Es ist ratsam, betroffene Vögel nach dem Entdecken eines Befalls mit Roten Vogelmilben umgehend in einen Ersatzkäfig umziehen zu lassen, in dem neue Näpfe, Stangen, Schaukeln und gegebenenfalls neues Spielzeug angebracht werden sollten. Diesen Käfig sollten Sie nicht an denselben Ort in Ihrer Wohnung stellen, an der zuvor der mit Milben befallene Käfig platziert war. Das Umfeld des alten Käfigs ist sehr wahrscheinlich ebenfalls mit Milben verseucht und Sie müssen diese zunächst ausrotten, bevor die Vögel wieder an ihrem alten Platz wohnen können.

Reinigen und desinfizieren Sie alles, womit Ihre Vögel in Berührung gekommen sind. Vor allem die Näpfe und den Käfig sollten Sie mit heißem Wasser und einer Bürste bearbeiten. Es empfiehlt sich, die Stangen und Schaukeln rigoros wegzuwerfen und nach Möglichkeit den Müllbeutel sofort aus der Wohnung zu bringen. Außerdem müssen Sie ein Kontaktgift anwenden, das Sie beim Tierarzt erhalten; er teilt Ihnen auch mit, wie es zu dosieren ist. Dieses Gift bringt die Milben um, sobald sie damit in Berührung kommen.

Dringender Sicherheitshinweis: Halten Sie sich bitte stets genau an die Dosierungsanleitung, da Sie sonst Gefahr laufen, Ihre Vögel zu vergiften. Die meisten Kontaktgifte gegen Milben sind nicht dafür geeignet, die Vögel damit zu besprühen! Bitte verwenden Sie zudem keine Giftsprays, wie sie im Zoofachhandel frei verkäuflich sind. Diese Präparate mögen zwar laut Verpackungsaufdruck vermeintlich harmlos sein, aber sie können bei empfindlichen Ziervögeln zu schweren Vergiftungen mit Todesfolge führen!

Eine Ausnahme ist ein Produkt namens Exner Petguard. Es ist für Vögel nicht schädlich, da das Wirkprinzip dieses biologischen Präparats nicht auf Gift basiert. Exner Petguard verklebt die Atemöffnungen der Parasiten und lässt sie ersticken. Allerdings ist es bei einem Befall mit der Roten Vogelmilbe nicht das Mittel der Wahl, weil die Parasiten wie bereits weiter oben erwähnt vor allem die Umgebung der Vögel besiedeln und nur nachts auf den Wirtstieren zu finden sind. Folglich ist es wenig sinnvoll, die Vögel mit dem Mittel zu besprühen.

Biologische Waffe gegen Rote Vogelmilben
In der Natur gilt die Regel: Fressen und gefressen werden. Auch Rote Vogelmilben unterliegen diesem elementaren Gesetz. Die Evolution hat Feinde hervorgebracht, die Rote Vogelmilben auch in menschlichen Wohnungen dezimieren können. Es handelt sich hierbei um Raubmilben, die Vögeln und Menschen keinen Schaden zufügen, Blut saugende Milben aber auffressen. Weitere Informationen und eine Bestellmöglichkeit für solche Raubmilben finden sich auf der Internet-Seite des niederländischen Anbieters Refona Externer Link, der sie als "Dutchy's ®" bezeichnet. 

Der Einsatz dieser Fressfeinde der Roten Vogelmilben empfiehlt sich vor allem dann, wenn die Vögel in einer Holzvoliere untergebracht sind oder in einer Wohnung leben, in der viele Holzmöbel zu finden sind. Kaum ein Vogelhalter dürfte begeistert von dem Gedanken sein, sämtliches Holz - zum Beispiel Parkett, Regale oder Schränke - wegzuwerfen und zu ersetzen. Übrigens sterben die Raubmilben nach einer gewissen Zeit, denn wenn sie alle Blut saugenden Milben gefressen haben, finden sie keine Nahrung mehr und verhungern.

Ein weiteres biologisches und für Ziervögel unschädliches Mittel nennt sich Agrinova Milbenfrei Externer Link. Es arbeitet auf an sich perfide Weise - zumindest aus der Sicht der Parasiten. Es besteht aus sehr fein zermahlenen fossilen Kieselalgen. Das Präparat hat eine scheuernde und austrocknende Wirkung. In Pulverform wird es auf die von Milben besiedelten Gegenstände aufgetragen. Das Pulver setzt sich auf die Milben und trocknet ihre Gelenke aus, außerdem scheuern sie auf, sobald die Milben zu laufen beginnen. Die Tiere verlieren durch diese Wunden Flüssigkeit und vertrocknen dadurch rasch. Für Menschen und Vögel sowie andere Haustiere ist AgriNova nicht schädlich. Dass dieses Mittel tatsächlich sehr gut wirkt, ist in einem diesem Kapitel angegliederten Erfahrungsbericht nachzulesen.

Nordische Vogelmilbe (Ornithonyssus sylviarum)
Mit ihrer Körpergröße von nur 0,8 Millimetern ist die Nordische Vogelmilbe mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Sie gehört wie die Rote Vogelmilbe zu den Spinnentieren; sie besitzt vier Beinpaare und hat einen relativ schmalen, oval bis birnenförmigen Körper. Hat sie Blut aufgenommen, verändert sich die Form und die Milbe kann dadurch nahezu rund erscheinen. Nordische Vogelmilben sind gelblich bis bräunlich gefärbt, wenn sie "leer" sind. Haben sie Blut aufgenommen, wirken sie dunkelbraun bis schwarz.

Anders als die Rote Vogelmilbe ist dieser Ektoparasit auch am Tage auf dem Vogel zu finden und man kann die Milben als winzige dunkle Punkte auf dem Wirtstier wandern sehen. Befallene Vögel kratzen sich sehr häufig, wodurch sie sich selbst Federn ausreißen. Deshalb haben sie nach einer gewissen Zeit oft kahle Bereiche am Körper. Außerdem schlafen sie unruhig und wirken insgesamt matt. In besonders schweren Fällen kann es zu einer Blutarmut kommen.

Weil die Nordische Vogelmilbe vor allem Wildvögel befällt, ist sie bei im Haus gehaltenen Ziervögeln nur äußerst selten zu beobachten. Dennoch kann es geschehen, dass man sich diese Parasiten ins Haus holt, wenn beispielsweise Ziervögel aus einer Außenvolierenhaltung neu einziehen oder wenn Äste aus der Natur entnommen werden.

Um die Nordische Vogelmilbe loszuwerden, bedarf es einer anderen Behandlungsstrategie als bei der Roten Vogelmilbe. Entweder werden die Vögel mit Insektiziden behandelt, also beispielsweise mit bestimmten Pulvern, oder mit dem weiter oben erwähnten Exner Petguard besprüht. Alternativ kann man sie mit einem Kontaktgift wie Ivomec, Stronghold oder Frontline behandeln. Auch das weiter oben erwähnte Präparat Agrinova Milbenfrei Externer Link soll helfen können.

Achtung: Die Entscheidung darüber, welches Präparat zum Einsatz kommen sollte, ist am besten durch einen erfahrenen Tierarzt zu treffen. Experimente in Eigenregie können tödlich enden, weil es sich in den meisten Fällen um starke Gifte handelt, die Vögel vergiften können. Sicherheitshalber sollten nicht nur die Vögel behandelt werden, sondern auch der Käfig, das Zubehör und die nähere Umgebung wie bei der Roten Vogelmilbe beschrieben desinfiziert beziehungsweise gereinigt werden. Auch hierzu kann Ihnen Ihr Tierarzt Tipps geben.

Gefahr für Menschen
Die Rote und die Nordische Vogelmilbe kann unter bestimmten Umständen auch den Menschen angreifen. Leiden Ihre Vögel unter einem Befall mit diesen Milben und stellen Sie bei sich juckende Hautausschläge fest, haben die Parasiten sich wahrscheinlich nicht nur in der Nähe des Vogelkäfigs ausgebreitet, sondern auch in der Umgebung Ihres Bettes. Besonders nachhaltig vermeiden Sie eine Invasion der Vogelmilben in Ihrer Wohnung, wenn Sie bei den ersten Anzeichen eines Milbenbefalls umgehend handeln und konsequent gegen die Schmarotzer vorgehen.

 
 
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