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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Erfahrungsbericht von Sabine Schäfer

Man sah es ihnen nicht an, doch diese Wellensittiche litten unter einem Befall mit SpulwürmernMitte August 2006 erreichte uns die Nachricht, dass in dem Bestand, in dem eine unserer Hennen zuvor längere Zeit gelebt hatte, Spulwürmer festgestellt worden waren. Wir schnappten uns die Henne und fuhren am nächsten Tag sofort zu unserer Tierärztin. Diese untersuchte dann eine Kotprobe der Henne auf Wurmeier. Das Ergebnis war zum Glück "negativ". Aufgrund des sehr guten Zustandes der Henne war ein Spulwurmbefall eher unwahrscheinlich, dennoch hat die Tierärztin empfohlen, eine Sammelkotprobe abzugeben, da das Ergebnis eines einzigen Kotbällchens nicht aussagekräftig ist.

Am folgenden Wochenende sammelten wir dann zu unterschiedlichen Tageszeiten und an verschiedenen Stellen der Voliere etwas Kot, füllten diesen in ein Plastikröhrchen und ließen die Sammelkotprobe dann am Montag untersuchen.

Entgegen aller Erwartungen fand die Tierärztin in der Sammelkotprobe sehr viele Wurmeier und zusätzlich noch Kokzidien. Aufgrund des sehr starken Wurmbefalls lehnte unsere Tierärztin eine Behandlung über das Trinkwasser ab und teilte uns mit, dass eine Medikamentengabe direkt in den Schnabel erforderlich sei.

Um 27 Wellensittiche oral mit einem Mittel gegen Spulwürmer zu behandeln, muss man gut vorbereitet seinAls wir dies hörten, stockte uns der Atem, denn schließen besaßen wir zu diesem Zeitpunkt sage und schreibe 27 Wellensittiche. Die Therapie sah vor, dass das Medikament zwei Mal drei Tage lang gegeben werden musste. Bei 27 Wellis bedeutet dies, 162 Vögel einfangen und einzeln behandeln ... Wir waren sehr schockiert und wussten nicht, wie wir diese Zeit überstehen sollten. Wir machten uns sehr viele Gedanken und fragten uns, ob und wie wir das schaffen könnten. Aber wir hatten ohnehin keine andere Wahl und – ich greife mal vorweg – wir haben es geschafft. Tatsächlich war es sogar einfacher als zunächst befürchtet.

Nach der Behandlung gab es für die Wellensittiche zum Trost etwas KolbenhirseUnsere Wellensittiche leben in einer drei Meter langen Voliere, die in unserem Wohnzimmer steht. Der Esstisch wurde kurzerhand zum Behandlungstisch umfunktioniert, wie das Foto oben zeigt. Mein Partner hatte die Aufgabe, den Wellis das Medikament zu geben, während meine Aufgabe darin bestand, sie nach und nach mit dem Kescher aus der Voliere zu fangen. Wer sein Medikament brav geschluckt hatte, durfte durch das Wohnzimmer flattern und "Trosthirse" essen, siehe Foto rechts. Mit dieser Arbeitsteilung schafften wir die Behandlung aller Wellis bei jeder Behandlungssitzung innerhalb von 45 bis 60 Minuten.

Um die individuelle Medikamentenmenge zu ermitteln, musste jeder Vogel vor der Behandlung gewogen werdenDie Behandlung erfolgte mit dem Mittel "Panacur". Zwecks Ermittlung der genauen Medikamentendosis musste zunächst jeder Vogel gewogen werden. Pro zehn Gramm Vogel wurde auf Anweisung unserer Tierärztin 0,01 Milliliter des Medikaments gegeben. Diese so ermittelte Medikamentenmenge wurde dann an drei aufeinander folgenden Tagen verabreicht. Das Wiegen ist extrem wichtig, weil man nur so verhindern kann, dass die Tiere eine Überdosis des Medikaments erhalten. Eine optische Gewichtskontrolle ist bei Wellensittichen nur schwer möglich, sie ist viel zu ungenau.

Spulwurm im Kot eines WellensittichsBereits am Morgen nach der ersten Medikamentengabe fanden wir einige Würmer auf dem Volierenboden. Dies war kein schöner Anblick. Auch am Abend und an den nächsten Tagen fanden wir mehrere ausgeschiedene Würmer. Insgesamt waren es etwa zehn bis zwölf Würmer in beachtlicher Größe. Für uns ist es unvorstellbar, wie Würmer in dieser Größe in so einem kleinen Vogel wie einem Wellensittich leben können, ohne dass das Tier irgendwelche Anzeichen einer Erkrankung zeigt.

Der Größenvergleich mit einem 1-Euro-Stück zeigt, wie lang ausgewachsene Spulwürmer sindUm die Gefahr einer Wiederansteckung durch die Aufnahme von Wurmeiern so gering wie möglich zu halten, haben wir den Volierenboden mit Küchenpapier ausgelegt und dieses zweimal täglich gewechselt. Ferner haben wir täglich die Voliere gereinigt und die Sitzstangen abgewaschen. Auch die Spiel- und Sitzplätze außerhalb der Voliere wurden gründlich gereinigt. Normalerweise füttern wir unsere Vögel auf dem Boden. Wir sind aber während der Behandlung aus Hygienegründen dazu übergegangen, Futternäpfe am Volierengitter anzubringen.

Eine Woche nach dem Beginn des ersten Teils der Wurmkur haben wir die Behandlung gegen die Kokzidien vorgenommen. Diese Behandlung erfolgte an zwei Tagen über das Trinkwasser mit dem Mittel "Baycox".

Die Anti-Wurmbehandlung ist geschafftNach einer weiteren Woche folgte dann der zweite Teil der Wurmkur. Wieder wurden alle Wellis zunächst gewogen, um die genaue Medikamentenmenge zu ermitteln. Die Behandlung erfolgte dann ebenfalls über drei Tage direkt in den Schnabel. Diesmal fanden wir keine Würmer mehr im Kot. Möglicherweise wurden keine Würmer mehr ausgeschieden oder die Würmer waren noch zu klein, um sie zu erkennen.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Erfahrungsberichts (11. September 2006) steht eine Nachuntersuchung noch aus (diese sollte in aller Regel eine Woche nach der Therapie stattfinden. Wir werden in den nächsten Tagen wieder Kot sammeln und diesen untersuchen lassen. Von dem Ergebnis werde ich berichten und hoffe natürlich, dass keine Wurmeier mehr gefunden werden.

Unser Vogelschwarm ist wieder gesund und munterNachtrag: Die Überprüfung erbrachte, dass der Kot der Vögel frei von Wurmeiern war. Somit war der Alptraum nach dieser Behandlung vorüber und alle Wellensittiche waren gesund und munter.

 

 

 

 
 
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