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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Erfahrungsbericht von Anna Kollak, Oktober 2004

Brutus

Im August 2004 mussten wir leider unseren ersten Welli Bibo einschläfern lassen. Er hatte Epilepsie und kam nicht mehr aus einem Anfall heraus. Es war für uns sehr schrecklich, aber ihn leiden zu sehen, tat noch mehr weh.

Seine fünf Welli-Freunde waren etwas verstört, als wir ohne den Boss Bibo wieder vom Tierarzt zurück waren. Seinem Weibchen Pebbles ging es besonders schlecht.

Obwohl es uns nicht leicht gefallen ist, wurde uns schnell klar, dass wir an die anderen Fünf denken mussten: Pebbles war eh sehr dünn, da sie einen verdammt schlechten Start ins Leben hatte (als wir sie gekauft haben, litt sie an einer Multiinfektion mit Trichomonaden, Coli-Bakterien, Staphylokokken, Streptokokken und Federlingen) und sie bereitete uns Sorgen. Wenn sie jetzt aus Trauer nicht fressen würde, könnte es für sie brenzlig werden.

Außerdem war das Verhältnis Hennen zu Hähnen im Schwarm nicht gut. Drei äußerst zickige Weiber kamen auf zwei Männer! Also haben wir uns schweren Herzens kurze Zeit später dazu entschieden, noch ein Männchen zu kaufen. Da in drei Tierheimen in unserer Umgebung keine Wellis zur Abgabe waren und auch in zwei Welli-Foren nichts "Passendes" zu finden war, machten wir uns wieder mal auf den Weg in eine Zoohandlung.

Äußerlich sah dort alles bestens aus, aber das täuschte, wie sich leider später herausstellen sollte. Wir nahmen uns diesmal besonders viel Zeit, um den Neuling auszusuchen. Uns beiden gefiel ein dunkelgrüner Opalin-Vogel am besten. Er war quirlig, neugierig und dauernd in Action. Sven gab ihm den Namen Brutus, denn alle männlichen Kölle-Geier fangen mit B an, also hatte diese süße Zuckerschnute einen so großen Namen bekommen.

Zu Hause angekommen, setzten wir Brutus im Arbeitszimmer in den Quarantänekäfig. Schon am selben Abend fiel mir auf, dass der Kleine Probleme beim Kotabsetzen hatte und leise dabei quiekte. Hinzu kam, dass er kaum fraß. Weil er noch so neu war, fanden wir es erst einmal normal und schoben es auf die Aufregung.

Brutus im Quarantänekäfig Am nächsten Tag hatte er aber nach wie vor kaum Kot abgesetzt und dieser blieb zudem häufig am Po hängen. Außerdem sahen die Ausscheidungen sehr grünlich aus. Fressen wollte Brutus immer noch nicht sehr viel und getrunken hatte er noch gar nicht. Deshalb hatten wir beschlossen, so schnell wie möglich den Check-up bei unserem vogelkundigen Tierarzt durchführen zu lassen, da mir das alles nicht mehr so gesund vorkam.

Einen weiteren Tag später bin ich mit einer lieben Freundin mit dem Auto zu unserem Tierarzt gefahren. Leider haben wir selber kein Auto und unser Tierarzt ist ohne Auto nur mit sehr viel Zeitaufwand und Stress für die Wellis zu erreichen! Als der Doc Brutus in die Hand nahm, fiel ihm direkt auf, dass er sehr dürr war. Er machte einen Kropf- und Kloakenabstrich, außerdem nahm er noch Kotproben (eine frische und eine von mir gesammelte). Als er sich zuerst den Kropfabstrich unter dem Mikroskop ansah, sagte er nur: "Und da haben wir das erste Problem, der ist nicht ganz sauber!"

Super, dachte ich nur, nicht schon wieder Trichomonaden! Bei der mikroskopischen Kotuntersuchung hörte ich dann nur ein: "Oh, oh, oh! Das hatten wir aber lange nicht mehr! Alles voller Spulwurmeier! Ein ganz starker Befall! Das erklärt auch die Kotprobleme und seine schlechte Konstitution!"

Da war ich dann endgültig stinksauer. Denn der Doc sagte, so etwas passiert, wenn die Züchter unsauber arbeiten! Er machte mich auch darauf aufmerksam, dass ich in dem Zooladen Bescheid geben sollte, weil höchstwahrscheinlich alle anderen Vögel auch infiziert seien.

Brutus auf dem Finger Die Therapie sah wie folgt aus: Drei Tage Metronidazol flüssig (3 ml auf 20 ml Wasser) wegen der Infektion des Kropfes; dann ein bis zwei Tage nur Vitamine und Elektrolyte über das Trinkwasser (Vitaminmischung vom Doc und Multielektrolyte von Virbac ins Trinkwasser). Danach drei Mal drei Tage Concurat-L 10% Pulver, 0,06 mg auf 20 ml Wasser (Tipp: am besten in der Apotheke abwiegen lassen, die haben so genaue Waagen), dazwischen jeweils fünf Tage Pause mit Concurat und nur Vitaminen und Elektrolyten über das Wasser. Abschließend sollten wir den Kleinen noch zur Kontrolluntersuchung bringen, bevor er zu den anderen durfte.

Wichtig bei der Behandlung ist, dass die Wellis die Würmer ausscheiden. Diese sind bis zu 3,5 Zentimeter lange helle "Bindfäden", die, wenn sie ausgeschieden und getrocknet sind, leicht rötlich-braun aussehen. Damit man die Würmer auch gut sehen kann, sollte der Käfig in der Zeit der Behandlung mit Küchenpapier ausgelegt werden. Dieses sollte am besten zwei- bis dreimal täglich gewechselt werden, damit der Welli nicht den eigenen Kot und damit eventuell auch Wurmeier aufnimmt.

Schon am ersten Tag der Behandlung mit Concurat-L 10% fing Brutus an, jede Menge Würmer auszuscheiden. Man konnte sie mehr als deutlich erkennen. Leider hatten wir zu der Zeit keine Digitalkamera (war ausgeliehen), sodass wir keine Fotos anfertigen konnten. Aber man kann die Biester nicht übersehen. Scheiden die Wellis keine Würmer aus, ist die Dosierung zu gering. Wenn man das Pulver jedoch genau abwiegen lässt, klappt die Behandlung prima.

Kecker Blick Man konnte deutlich sehen, wie es Brutus von Tag zu Tag besser ging: Er fraß mehr und setzte mehr und mehr Kot ab, ohne zu quieken! Auch wurde er fitter. Um sicher zu gehen, dass er das Medikament bekam, habe ich ihn während der Concurat-Behandlung jeden Tag eingefangen und ihm mit einer Spritze ohne Kanüle die Mischung in den Schnabel geträufelt. Trotz des häufigen Einfangens ist er in dieser Zeit sehr zutraulich geworden und blieb danach immer lange auf meiner Hand sitzen! Aber es wurde zusehends schwieriger, den kleinen Bengel einzufangen, da er immer mehr Kraft und Ausdauer bekam! Außerdem war der kleine Fratz schlau: Er hat sich immer auf meine Hand gesetzt, und dann war es mir sehr schwer, nach ihm zu greifen!

Brutus und die Kölle-Geier Am Ende der Behandlung mussten wir noch warten, bis der Doc aus dem Urlaub kam, und dann ging es ab zur Kontrolluntersuchung. Die ist zum Glück gut verlaufen und Brutus durfte, nachdem das endgültige Ergebnis der Kotuntersuchung vorlag, endlich zu den anderen Wellis! Nach über sechs Wochen krankheitsbedingter Einzelhaltung war es ein Vergnügen, ihn dabei zu beobachten, wie er die Gesellschaft der anderen genoss! Das Pech, das Bibo hatte, war Glück für Brutus, denn wenn Bibo nicht gestorben wäre, hätten wir uns keinen neuen Welli geholt!

Was aus den anderen Vögeln in der Zoohandlung geworden ist, weiß ich nicht. Der Laden wurde von uns informiert, hat nichts unternommen und uns noch beleidigt, als wir kontrollieren wollten, ob etwas getan worden ist. Leider sahen wir bei diesem Besuch, wie eine Henne dreimal ihr ganzes Futter ausgewürgt hat und nichts wurde unternommen, um ihr zu helfen. Die Amtstierärztin hatte sich erst vier Wochen später zu einem Besuch bemüht und konnte zu dieser Zeit nichts mehr feststellen.

Brutus Wenn Brutus zu jemandem gekommen wäre, der sich nicht mit Wellensittichen auskennt, wäre er vermutlich jämmerlich an Darmverschluss, verursacht durch die vielen Würmer, gestorben. Wir haben aus der ganzen Sache einen Schluss gezogen: Nie wieder Vögel in einer Zoohandlung zu kaufen, denn von sieben Wellis die wir haben/hatten, waren vier beim Kauf krank!

Wir vermissen Bibo jeden Tag, doch er hat uns Brutus geschickt, damit wir nicht mehr so traurig sind. Und dieser hat ganz schnell einen anderen Platz in unserem Herzen gewonnen und wir sind unendlich froh, dass wir diese kleine Zaubermaus haben!

 
 
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