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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Leider ereignen sich beim Freiflug oder sogar im Käfig oder in der Voliere zum Beispiel bei nächtlicher Flatterei gelegentlich Unfälle, bei denen sich Vögel schwere Verletzungen zuziehen können. Erschrickt ein Vogel während seines Freiflugs, kann es geschehen, dass er ungebremst gegen ein ihm ansonsten bestens vertrautes Hindernis fliegt. So mancher Vogel hat besonders großes Pech, bricht sich das Genick und ist auf der Stelle tot. Weitaus häufiger ziehen sich die gefiederten Unfallopfer bei einer heftigen Kollision jedoch eine mehr oder minder schwere Gehirnerschütterung zu.

Symptome
Bleibt ein Vogel unmittelbar nach einer Kollision bewusstlos und bewegungsunfähig am Boden liegen, kann man davon ausgehen, dass er sich mindestens eine schwere Gehirnerschütterung, wenn nicht sogar Gehirnblutungen zugezogen hat. Gegen letztere kann selbst ein Tierarzt nichts unternehmen.

Bei einer mittelschweren Gehirnerschütterung fällt der Vogel nach der Kollision zu Boden, bleibt jedoch bei Bewusstsein. Fliegen kann er meist nicht mehr und er windet sich unter Umständen in Krämpfen oder taumelt. Plötzliche Lähmungen infolge einer Gehirnblutung oder unkontrollierte Zuckungen der Gliedmaßen können ebenfalls auftreten. Oft verdrehen Tiere, die an einer Gehirnerschütterung leiden, den Kopf extrem in eine Richtung oder lassen die Flügel schlaff hängen.

Eine leichte Gehirnerschütterung geht mit Koordinations- und Flugstörungen einher. Ferner hat der Vogel große Schwierigkeiten, sein Gleichgewicht zu halten. Übergibt sich ein Vogel nach einer Kollision, ist dies ebenfalls ein mögliches Anzeichen für eine Gehirnerschütterung.

Vögel, die sich eine Gehirnerschütterung zugezogen haben, sind meist lichtempfindlich, schlafen viel und fallen leicht von der Stange. Sie haben kaum Appetit und wirken stark angeschlagen, plustern ihr Gefieder enorm auf und suchen instinktiv Ruhe.

Weitere Vorgehensweise
Normalerweise rate ich immer dazu, einen kranken Vogel umgehend zum Tierarzt zu bringen. Im Fall einer Kopfverletzung ist jedoch größte Vorsicht geboten, da zum Beispiel eine holprige Fahrt mit dem Auto den Vogel je nach körperlicher Verfassung und Schwere der Verletzung töten könnte. Falls Sie den Verdacht hegen, dass Ihr Vogel an einer starken Gehirnerschütterung leidet, sollten Sie umgehend einen Tierarzt anrufen und mit ihm darüber sprechen. Rufen Sie bitte auch dann einen Tierarzt an, wenn sich der Vogel am späten Abend oder am Wochenende verletzt hat, denn dafür ist der tierärztliche Notdienst schließlich da!

Je nachdem, wie stabil der Zustand Ihres Vogels ist, wird man Ihnen dazu raten, ihn in die Praxis zu bringen oder selbst erste Hilfe zu leisten, um den Gesundheitszustand des Patienten zu stabilisieren. Manche Tierärzte führen bei einem Verdacht auf eine starke Gehirnerschütterung einen Hausbesuch durch.

Sicherer Transport zum Tierarzt
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Tierarzt Sie bittet, den Vogel schnellstmöglich unter Berücksichtigung einiger Aspekte in seine Praxis zu bringen. Bedecken Sie in diesem Fall den Boden des Käfigs mit einem weichen Tuch. Verwenden Sie hierfür bitte kein Handtuch mit feinen Stoffschlingen, denn der Vogel könnte darin mit den Krallen hängen bleiben. Entfernen Sie sämtliche Stangen und Gegenstände aus dem Transportkäfig und setzen Sie den Vogel vorsichtig auf das Tuch, welches ihn gleichermaßen polstern und stabilisieren sollte. Bedecken Sie zudem den Käfig mit einem dunklen Tuch, da der Vogel durch seine Gehirnerschütterung sehr empfindlich auf Licht reagiert. Sollte es draußen kalt sein, muss der Vogel unbedingt warm gehalten werden. Befestigen Sie ein warmes Körnerkissen so am Transportkäfig, dass sich der Vogel an ihm nicht verbrennen kann. Wenn das Kissen nicht zu stark aufgeheizt wurde, können Sie es auch auf den Boden des Käfigs legen, mit einem Tuch bedecken und den Vogel darauf setzen.

Behandlung
Je nach Schwere der Gehirnerschütterung wird Ihr Tierarzt Ihnen Medikamente für den Vogel mitgeben, die Sie so anwenden müssen, wie Ihr Arzt es gesagt hat. Zu Hause angekommen, muss der Vogel in einem sehr ruhigen, abgedunkelten Raum untergebracht werden, in dem die Temperatur mindestens 21 Grad Celsius betragen sollte. Bei einer Gehirnerschütterung darf man auf keinen Fall ohne Absprache mit dem Tierarzt eine Wärmelampe auf den Vogel richten! Zwar ist Wärmestrahlung bei den meisten Erkrankungen hilfreich, aber bei einer Verletzung des Gehirns kann sie die gesundheitlichen Probleme unter Umständen vergrößern!

Zusätzlich zu den vom Arzt verordneten Medikamenten können Sie naturheilkundliche Mittel einsetzen, um Ihrem Vogel zu helfen. Nach einem schweren Unfall kann der Einsatz von Traumeel-Tropfen sinnvoll sein; diese sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Einem zahmen Vogel sollte man alle halbe Stunde einen mit ein wenig Wasser vermischten Tropfen einflößen, sofern sein Gesundheitszustand dies erlaubt. Ist er zu sehr angeschlagen, sollte man ihn keinem unnötigen Stress aussetzen und die Traumeel-Tropfen ins Trinkwasser geben. Achtung, manche Vögel können nach einer Kopfverletzung kaum schlucken. Zwingen Sie Ihren Vogel dann nicht dazu, Tropfen zu schlucken, weil sie in die Luftröhre laufen und so zum Erstickungstod führen könnten!

Auch Bach-Blüten sollen hilfreich sein, betonen Naturheilkundler; Schulmediziner glauben hingegen nicht an eine Wirkung. Bei Gehirnerschütterungen kommen in der Naturheilkunde Rescue-Tropfen zum Einsatz. Einen Tropfen dieses Präparats soll man auf die Kopfmitte des Vogels geben, damit er den Schock besser übersteht.

Besondere Ernährung
Ein Vogel, der an einer Gehirnerschütterung leidet, verspürt vor allem in den ersten Tagen nach dem Unfall starke Übelkeit und neigt dazu, sich zu übergeben. Stellen Sie die tägliche Kost des Vogels daher auf leicht verdauliches Futter um. Frisches Obst und Gemüse sowie andere Frischkost sind in unbegrenzten Mengen erlaubt. Ölhaltige Saaten wie Negersaat oder Sesam sollten Sie Ihrem Vogel vorerst nicht reichen. Besser ist gequollenes oder gekeimtes Futter, da beides leicht verdaulich ist. Ebenso empfehlenswert ist halbreife Hirse, die auch grüne Hirse genannt wird. Sogar kranke Vögel nehmen diesen leicht verdaulichen Leckerbissen normalerweise gern zu sich.

Um den allgemeinen Zustand des Vogels zu stärken, können Sie dem Trinkwasser Traubenzucker oder Honig zusetzen (1 Esslöffel Honig auf 1 Liter Wasser), sofern das Tier nicht an einer Pilzinfektion, am Going-Light-Syndrom oder einer chronischen Nierenerkrankung leidet. Da der Vogel durch das ständige Hochwürgen des Nahrungsbreis viel Flüssigkeit verliert, sollte ihm stets genügend Trinkwasser zur Verfügung stehen.

 

 
 
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