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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Legedarmschwellung Vogelweibchen verfügen über einen Darmabschnitt, der bei der Fortpflanzung oder genauer gesagt in Bezug auf die Legetätigkeit eine besondere Rolle spielt. Der sogenannte Legedarm ist normalerweise sehr klein, er wird jedoch aufgrund hormoneller Prozesse erheblich größer, wenn ein Vogelweibchen in Brutstimmung gerät. Dieser Darmabschnitt kann sich zudem unter bestimmten Umständen eitrig entzünden, was in aller Regel zu einer unnatürlich großen Umfangsvermehrung (Schwellung) sowie zu erheblichen gesundheitlichen Komplikationen führt.

Entzündungen entstehen insbesondere dann, wenn sich kleine Fremdkörper in dem Darmabschnitt befinden oder wenn sich in seinem Innern Sekrete und Kalzium zu eischalenähnlichen Klumpen zusammenballen. Diese unregelmäßig geformten Gebilde bleiben im Legedarm stecken und werden mit der Zeit immer größer. Man nennt sie "Schichteier", obwohl sie im eigentlichen Sinne keine Eier sind. Oft gehen Legedarmentzündungen und die Bildung von Schichteiern unmittelbar Hand in Hand, nur selten liegt eine Entzündung des Legedarms ohne eine Klumpenbildung vor. Auch sogenannte Windeier, bei denen sich Eier bilden, die keine Schale aufweisen, können im Legedarm zu Entzündungen führen. Aber auch nicht entzündliche Prozesse können dazu führen, dass der Legedarm enorm anschwillt und operativ entfernt werden muss, siehe unten.

Besteht der Verdacht auf eine Legedarmentzündung, muss ein Tierarzt eine genaue Diagnose stellen und mit Hilfe einer Röntgenaufnahme klären, ob sich Schichteier oder andere Fremdkörper im Legedarm befinden. Ist dies der Fall, hilft normalerweise nur eine Operation, um das Leben des Vogels zu retten. Bei dieser Operation wird der Legedarm häufig vollständig entfernt, man spricht deshalb auch von einer Kastration, weil anschließend keine Bruttätigkeit mehr erfolgen kann.

Erfolgreiche Operation zur Behandlung einer Legedarmentzündung
Die Birds-Online-Leserin Nicole Corica hat einen Erfahrungsbericht über die erfolgreiche Legedarm-Operation verfasst:

LuciusMeine zu jener Zeit vierjährige Wellensittichhenne Lucius, siehe Foto rechts, legte eines Tages ein enorm starkes Brutverhalten an den Tag. Sie scharrte auf dem Boden, hockte sich vermehrt in Ecken und suchte im gesamten Vogelzimmer nach Nistmöglichkeiten.

Da ich keine Zuchtgenehmigung habe und auch nicht züchten möchte, hatte sie jedoch keinerlei Möglichkeit, eine dunkle Höhle zu finden. Sie nahm während dieser Zeit auch vermehrt Grit und Mineralstoffe zu sich.

Lucius mit geschwollenem Legedarm Etwa eine Woche später bemerkte ich bei Lucius eine kleine Verdickung in der Kloakenregion, siehe Foto rechts. Eindeutig bildete sich dort ein Ei, das glaubte ich damals zumindest. Ich sah keine Veranlassung dazu, ihr nun eine Nistmöglichkeit zu bieten, weil es einerseits verboten ist, Wellensittiche ohne Zuchtgenehmigung zu züchten. Außerdem weiß ich aus früherer Erfahrung, dass Hennen ihre Eier auch ohne einen Nistkasten ablegen, wenn sie zu stark in Brutstimmung geraten sind.

Jedoch schwoll diese Verdickung mit der Zeit weiterhin an und Hobbyzüchter aus meinem Bekanntenkreis sagten mir in aller Deutlichkeit, dass das Ei längst hätte abgelegt worden sein müssen. Lucius' Verhalten war aber trotzdem ganz normal, ich konnte keine Veränderung an ihr erkennen, keine Kurzatmigkeit, sie flog herum, machte Unsinn, ließ auch ihren Partner weiterhin aufsteigen. Das Einzige, was anders war, war die Verdickung. Außerdem musste sie beim Koten stärker pressen und sie schied jedes Mal sehr große Kotmengen aus (sogenannter Brutkot). Diese großen Kotballen setzte sie allerdings nicht sehr häufig ab. Weil ich das Risiko einer Legenot nicht eingehen wollte, suchte ich eine vogelkundige Tierärztin auf.

Die vogelkundige Tierärztin tastete die Kloaken- und Unterbauchregion ab. Ein Ei war so nicht zu fühlen, aber eine Masse an weichem Gewebe. Die Vorsicht, mit der die Tierärztin nur ganz leicht über die Verdickung fühlte, war ein großes Glück für Lucius. Sie rettete ihr sehr wahrscheinlich das Leben, wie sich später herausstellen sollte.

Die Ärztin entschied sich dazu, unter Zuhilfenahme eines Kontrastmittels zu röntgen. Sie wollte gerne sehen, wo genau sich der Darmbereich befindet. Nach der direkten Eingabe des Kontrastmittels in den Schnabel dauerte es noch eine gute Stunde, und dann konnte geröntgt werden.

Die Röntgenbilder waren sogar für mich als Laie ziemlich eindeutig. Der Darm war komplett nach hinten und an die Seite gedrängt worden. Ein Ei war aber auf den Röntgenbildern nicht zu sehen. Die vogelkundige Tierärztin stellte die Diagnose, dass der Legedarm angeschwollen ist und eine Entzündung diesen so aufgebläht hatte. Eine Operation war hier von Nöten.

Wunde nach der Operation Zwei Tage später wurde Lucius' Legedarm operativ entfernt (siehe Fotos von der Operation). Dieser war so vereitert, dass er beinahe im Körper geplatzt wäre; dies tat er dann auch, aber erst, als man ihn entfernt hatte. Hätte die Ärztin bei der Tastuntersuchung zu viel Druck ausgeübt oder hätte Lucius ein Flugmanöver gegen einen Gegenstand ausgeführt, wäre dies das sichere Todesurteil für meine Henne gewesen. Die Entzündung resultierte daraus, dass ein nicht intaktes Ei im Legedarm stecken geblieben war. Das Foto rechts zeigt die frische Operationswunde, die mit einem glänzenden Puder geschützt wurde.

Lucius einen Tag nach der Operation Bereits einen Tag nach der Operation konnte ich Lucius abholen, sie hatte den Eingriff super überstanden. Ihr Verhalten nach der Operation war genauso wie vorher auch, ihr Fortpflanzungsverhalten ist weiterhin ausgeprägt, obwohl durch die Entfernung des Legedarms kein Eierlegen mehr möglich ist. Dies wundert mich schon sehr, aber es scheint bei Wellensittichen hier anders zu sein als bei anderen Tierarten, die nach einer Kastration kaum noch ein Fortpflanzungsverhalten zeigen.*

Kurz nach der Operation wachsen neue Federn Eine Legedarmoperation ist mittlerweile nicht mehr so selten, der Eingriff ist für vogelkundliche Tierärzte schon zur Routine geworden. Daher sollte man diesen Schritt als Vogelhalter wirklich wagen, ansonsten könnte ein qualvoller Tod des betroffenen Vogels eintreten.

Nicole Corica

 

 

 

*Anmerkung hierzu: Lucius' Fall scheint eine Ausnahme zu sein, denn die meisten kastrierten Wellensittich-Weibchen legen nicht nur eine Veränderung in ihrem Brutverhalten an den Tag. Viele von ihnen werden aggressiver und bissiger, einstmals dem Menschen gegenüber zutrauliche Vögel können scheu und schreckhaft werden. Da eine Kastration jedoch stets nur in einer Notsituation durchgeführt wird und dazu dient, das Leben des erkrankten Vogels zu retten, sollte man als Tierhalter diese Änderungen im Verhalten akzeptieren, denn immerhin können die Vogelweibchen dank des Eingriffs weiterleben.

Extremes Fallbeispiel einer nicht entzündlichen Legedarmveränderung
Vivian vor ihrer Legedarm-OperationEnde Oktober 2008 hat sich bei einem der Vögel meiner Freundin Petra Schröder eine sehr große Schwellung in der Nähe der Kloake gebildet. Sie brachte das Tier zu einem auf die Behandlung von Vögeln spezialisierten Tierarzt, der das Weibchen Vivian genau untersuchte. Es ging dem Vogel schlecht und rasch stand fest, dass nur eine Operation das Schlimmste abwenden könnte. Während des Eingriffs stellte sich heraus, dass Vivian unter einem Problem litt, dass so extrem ausgeprägt höchst selten auftritt und die betroffenen Tiere normalerweise recht schnell umbringt. Das Foto rechts zeigt den Vogel kurz vor der Operation.

Vivians extrem vergrößerter LegedarmVivian war in Brutstimmung geraten und in ihrem Körper hatten hormonelle Umwälzungen stattgefunden. Deshalb hatte die Eireifung eingesetzt, allerdings ist es dabei zu einer folgenschweren Störung gekommen. Im Legedarm des Weibchens hat sich jede Menge Eiweiß gebildet, sodass die Substanz an Ort und Stelle verharrte und nicht weiter durch den Körper wanderte. Somit konnte sich keine Eischale bilden. Im Legedarm sammelte sich mehr und mehr Eiweiß an. Bei der Operation hat der behandelnde Arzt insgesamt 13 Gramm Eiweiß entfernt, was etwa einem Drittel des normalen Körpergewichts des Vogelweibchens entspricht. Die Eiweißansammlung hatte den Legedarm auf eine Länge von fünf Zentimetern und eine Höhe von einem Zentimeter anschwellen lassen. Glücklicherweise hat Vivian die Operation gut überstanden und hat sich von den Strapazen vollständig erholt.

Krankheiten, die einer Legedarmentzündung ähneln
Wellensittich mit EileiterentzündungInfolge einer Reihe weiterer Erkrankungen kann es zu Schwellungen des Unterbauches kommen. Beispiele hierfür sind Entzündungen des Eileiters (siehe Foto rechts), des Darms inklusive Durchfallerkrankungen, Darmparasitenbefall (Spulwürmer) und daraus resultierende Verstopfung, Tumorbildung im Bauchraum, ein Bauchdeckenbruch (Hernie) oder eine sogenannte Bauchwassersucht (Aszites). Darüber hinaus kommen weitere mögliche Ursachen in Betracht. Sie alle aufzuzählen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Nur ein erfahrener Tierarzt kann eine sichere Diagnose stellen. Im Fall einer Schwellung des Bauches ist immer Eile geboten, weil der betroffene Vogel meist unter starken Schmerzen leidet.

 
 
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