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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Nach einem Kloakenvorfall Die Fortpflanzung der Vögel läuft normalerweise reibungsfrei ab und die Weibchen legen die Eier, ohne dass sich Komplikationen ergeben. In einigen Fällen kann es jedoch zu Problemen kommen, die für den betroffenen Vogel schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können, wenn der Tierhalter nicht rechtzeitig eingreift. Die beiden am häufigsten in Erscheinung tretenden Fortpflanzungskomplikationen sind die sogenannte Legenot und der Kloaken- oder Legedarmvorfall. Unter einer Legenot versteht man ein Problem bei der Eiablage, wobei das Ei im Körperinnern feststeckt und nicht abgelegt werden kann. Rutscht der Legedarm bei der Eiablage aus dem Körper, spricht man von einem Kloakenvorfall. Beide Krankheitsbilder werden in diesem Kapitel vorgestellt.

Legenot
Seitliches Röntgenbild einer Legenot Die Legenot kann jede Henne treffen, egal ob sie jung oder alt, unerfahren oder routiniert in Bezug auf das Eierlegen ist. Ein Vogel, der unter einer Legenot leidet, sitzt anfangs schnaufend, aufgeplustert und breitbeinig da. Meist verweigert das Tier die Nahrungsaufnahme und lässt sich nicht einmal vom Partner füttern. Innerhalb von Stunden werden die Vögel zusehends matter, weil sie das Ei selbst durch starkes Pressen nicht aus dem Legedarm bringen können. Jedes weitere Pressen lässt ihre Kräfte weiter schwinden und ihre Atmung wird zusehends schwerer. Meist spreizen sie die Flügel seitlich vom Körper ab und atmen hechelnd durch den Schnabel.

Frontale Ansicht, Röntgenbild einer Legenot Unterschiedliche Ursachen können dafür verantwortlich sein, dass die Henne ein Ei nicht ablegen kann. Möglicherweise liegt eine Entzündung des Legedarms vor oder aber die Muskulatur ist aufgrund einer insgesamt schlechten körperlichen Verfassung unterentwickelt. In manchen Fällen wird ein Ei nicht abgelegt, bevor sich das nächste Ei gebildet hat. Das zweite Ei blockiert dann die Ablage des ersten, weil der Vogel nicht mehr ausreichend stark pressen kann, um eine normale Eiablage zu bewirken. Die gezeigten Röntgenbilder demonstrieren diesen Fall, zwei Eier befinden sich im Körper des Weibchens, sie mussten vom Tierarzt entfernt werden, indem er den Bauch des Vogels unter Narkose öffnete. Dieser Eingriff ist heikel und viele Vögel sterben in den ersten 24 Stunden nach der Operation. Aber ohne eine Operation besteht keine Überlebenschance für das betroffene Tier. Das auf den Röntgenbildern gezeigte Wellensittich-Weibchen hatte übrigens Glück und ist nach einer Operation wieder gesund geworden.

R�ntgenbild eines Wellensittichweibchens mit Legenot  R�ntgenbild eines Wellensittichweibchens mit Legenot

Weibchen mit LegenotLiegt eine Legenot vor und kann ein Vogelweibchen ein Ei nicht auf normalem Wege ablegen, beginnen viele der betroffenen Tiere damit, sich in ihrer Verzweiflung die Federn am Bauch und rund um die Kloake auszureißen. Wächst die Erschöpfung noch weiter, legt sich die Henne auf den Bauch und kann den Kopf kaum noch aus eigener Kraft heben, siehe Foto rechts. Die Atmung ist schwer und stoßweise und viele Tiere halten die Augenlider geschlossen. Eine Legenot kann innerhalb von zwölf Stunden zum Tode des Vogels führen, da er sich vollkommen verausgabt und von extrem starken Schmerzen geplagt wird.

Gehen Sie bitte sofort mit einem Vogelweibchen zum Arzt, wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Legenot besteht! Nutzen Sie an Wochenenden, Feiertagen oder am späten Abend das Angebot einer Tierklinik, da der Vogel sehr wahrscheinlich nicht überleben wird, bis die regulären Öffnungszeiten der Tierarztpraxen beginnen! Der Tod durch eine Legenot gehört wohl zum Qualvollsten, was einer Vogeldame zustoßen kann. Die Schmerzen in ihrem Bauch müssen so unvorstellbar groß sein, dass man sie als Mensch mit Herz keinem Lebewesen dieser Welt länger als nötig zumuten würde!

Halten Sie den kranken Vogel während des Transports möglichst warm, da unter Legenot leidende Weibchen stark frieren.

Legenot bei einem Katharinasittich

Weibchen nach einer Legenot Foto oben: Das Katharinasittich-Weibchen Maxi litt an einer schweren Legenot. Ihre Kloake war enorm geschwollen und gerötet. Obwohl ihre Halterin alles versucht hat, um Maxis Leben zu retten, starb das Vogelweibchen. Abbildung rechts: Das Foto zeigt die mit Blut verkrustete Kloake eines Wellensittich-Weibchens, die an Legenot gelitten hat. Das Ei wurde vom Tierarzt entfernt und es ging dem Vogel innerhalb weniger Stunden erheblich besser. Um die Kloake herum hatte er sich zuvor die Federn ausgerissen.

Wird eine Legenot rechtzeitig erkannt, kann der Tierarzt den Vogel in den meisten Fällen retten, indem er das Ei entweder durch eine bestimmte Massagetechnik oder durch einen kleinen operativen Eingriff entfernt. Bitte experimentieren Sie nicht selbst herum, da das Ei sehr leicht im Legedarm zerbrechen und dadurch die Schleimhäute verletzen kann! Dies führt häufig zu einer lebensbedrohlichen Infektion oder gar Blutvergiftung.

Oft produziert ein Vogelweibchen nach der Legenot weitere Eier, die es normalerweise ohne Probleme ablegt. Sollte das Tier auch beim nächsten Ei Schwierigkeiten haben, kann der Tierarzt eine Hormonbehandlung durchführen, um weitere Eiablagen zu unterbinden.

Kloaken- oder Legedarmvorfall
An einem Kloakenvorfall verstorbener WellensittichManchen Vogelweibchen gelingt es nicht, ein von ihnen produziertes Ei auf natürliche Weise abzulegen. Bleibt es im Bauchraum stecken, spricht man von einer Legenot, siehe oben. Bei einem Kloaken- oder Legedarmvorfall - der Tierarzt spricht hierbei von einem sogenannten Prolaps - hängt die nach außen gestülpte, dunkelrot gefärbte und meist geschwollene Legedarmschleimhaut aus der Kloake. Oft befindet sich in diesem Schleimhautsack ein Ei, das die Henne nicht allein loswerden kann, ohne sich lebensgefährlich zu verletzen. Sie erleidet überdies unvorstellbar große Schmerzen.

Kloakenvorfall

Die nach außen gestülpte Schleimhaut trocknet rasch aus und stirbt dann ab. Tierärzte sprechen in solchen Fällen von einer Nekrose (=abgestorbenes Gewebe) oder einer nekrotischen Veränderung der Schleimhaut. Je mehr Schleimhaut abgestorben ist oder je mehr Wunden diese aufweist, desto niedriger sind die Überlebenschancen des Vogels. Ein von einem Kloakenvorfall betroffenes Weibchen kann außerdem nahezu keinen Kot absetzen.

Kloakenvorfall

Therapie
Wellensittich mit KloakenvorfallEin Vogelweibchen, das einen Kloaken- oder Legedarmvorfall erlitten hat, gehört so schnell wie möglich in tierärztliche Behandlung! Als Erste-Hilfe-Maßnahme empfiehlt es sich, die aus dem Körper hängende Schleimhaut mit einem warmen, feuchten und möglichst sauberen Tuch zu befeuchten. Im Idealfall lässt man sterile Kochsalzlösung über die Schleimhaut laufen. So wird ein weiteres Austrocknen der Schleimhaut verhindert.

Das Ei muss vom Tierarzt operativ entfernt und die Schleimhaut zurück in den Körper verlagert werden. Meist geschieht dies aufgrund der gebotenen Eile ohne Narkose. Bedenken Sie, dass in einer dermaßen heiklen Situation, in der das Leben Ihres Vogels in größter Gefahr ist, so schnell wie nur irgend möglich gehandelt werden muss. Eine Narkose zu verabreichen, würde einerseits länger dauern und den Kreislauf des ohnehin bereits schwachen Vogels sehr wahrscheinlich vollends zusammenbrechen lassen. Abgestorbenes Gewebe muss der Tierarzt entfernen, da anderenfalls Komplikationen wie eine Blutvergiftung die Folge sein können.

Damit die vorgefallenen Schleimhautbereiche nicht sofort wieder aus dem Körper des Vogelweibchens treten, verschließt der Tierarzt die Kloake mit einer sogenannten Tabaksbeutelnaht. Diese sollte nicht so eng sein, dass der Vogel keinen Kot mehr absetzen kann, was der Tierarzt jedoch stets kontrolliert. Ferner verabreicht der Tierarzt dem Weibchen häufig ein Antibiotikum. Oft werden zusätzlich Kalzium, Vitaminpräparate und Elektrolyte eingegeben.

Die Tabaksbeutelnaht bleibt normalerweise für zwei Tage geschlossen, dann erst können die Fäden gezogen werden, sofern der Kloakenvorfall ausreichend gut verheilt ist. In dieser Zeit braucht der frisch operierte Vogel viel Ruhe.

 
 
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