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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Bei einigen Vögeln liegen Grunderkrankungen vor, die zu neurologischen Ausfällen führen. Hierunter ist zu verstehen, dass das Nervensystem - oft anfallartig und vorübergehend - nicht richtig arbeitet. Die betroffenen Vögel brauchen vor allem während eines Anfalls die richtige Hilfe, denn es besteht in vielen Fällen akute Verletzungsgefahr.

Symptome
Die Palette der Symptome bei neurologischen Ausfällen ist breit gefächert. Es hängt von der Schwere des jeweiligen Ausfalls ab, wie stark die einzelnen Symptome ausgeprägt sind. Mitunter erinnert der Zustand der Tiere an etwas, das einem epileptischen Anfall beim Menschen ähnelt.

Bei leichten Ausfällen kann es zu Orientierungslosigkeit, Zittern, leichten Krämpfen und Bewegungsstörungen kommen. Starre Pupillen, ein fliegender Blick (Nystagmus), zuckende, zwanghafte Bewegungen, das Laufen im Kreis und das Verdrehen des Kopfes können ebenfalls bei leichten Ausfällen beobachtet werden. Manche Vögel schreien, viele sind jedoch während einer Phase mit leichten neurologischen Ausfällen ruhig.

Leidet ein Vogel unter schwereren neurologischen Ausfällen, können dieselben Symptome wie bei der leichteren Variante auftreten - allerdings in stärkerer Ausprägung. Wird ein betroffenes Tier dann von Krämpfen geschüttelt, sind diese so stark, dass sich der Vogel nicht mehr auf den Beinen halten kann. Die Tiere rollen unkoordiniert über den Boden und schlagen wild mit den Flügeln.

Bei neurologischen Ausfällen, die mit starken Krämpfen verbunden sind, kann es leider geschehen, dass plötzlich das Herz des Vogels versagt. Die Krämpfe sind sehr anstrengend für den Körper, weshalb das Organ mitunter nicht mehr kräftig genug ist. Das betroffene Tier stirbt dann sehr plötzlich, während es krampft.

Achtung! Während eines Anfalls, bei dem das Nervensystem der Vögel nicht mehr richtig funktioniert, können sich die Tiere durch ihre unkoordinierten Bewegungen und heftiges Flügelschlagen schwer verletzen. Leiten Sie unbedingt so schnell wie möglich die richtigen Hilfsmaßnahmen ein! Welche dies sind, erfahren Sie weiter unten.

Die folgenden beiden Filme zeigen einen leichten Anfall mit neurologischen Ausfällen. Das gefilmte Tier ist mein Vogel Fralie. Sie leidet an in unregelmäßigen Abständen wiederkehrenden Anfällen, deren Ursache sich bisher bedauerlicherweise nicht klären lassen hat. Ein Vogel-Tierarzt hat sie sehr gründlich untersucht, jedoch gibt es keine Hinweise auf den Auslöser der Anfälle. Fralie erhält eine Behandlung, die auf sie zugeschnitten ist, pauschale Angaben sind diesbezüglich für andere Wellensittiche nicht möglich. Der Vogel ist sehr zutraulich und stressfest, weshalb Fralie Anfälle in aller Regel gut übersteht. Während eines leichten Anfalls, bei dem sie sogar "ansprechbar" gewesen ist, habe ich die Filme angefertigt. Fralie hat dadurch keine Schmerzen oder anderweitige Qualen erlitten und sie hat sich kurze Zeit später wieder von ihrem Anfall erholt. Hier geht es zu den Filmen, die jeweils mit DivX-Kompression Externer Link erstellt worden sind: Film 1 (5,05 MB) und Film 2 (1,46 MB).

Ursachen
Bei Ziervögeln können zahlreiche Ursachen zu neurologischen Ausfällen führen. Von der Ursache hängt die Behandlungsstrategie ab, auch die Heilungschancen sind mit den Auslösern der Ausfälle verknüpft. Nicht in jedem Fall ist eine Heilung möglich.

Sehr häufig treten neurologische Ausfälle infolge schwerer Kollisionsunfälle mit Kopfverletzungen auf. Bei einer starken Gehirnerschütterung ist es ebenfalls möglich, dass es zu neurologischen Problemen kommt. Anderweitig entstandene Kopfverletzungen, also wenn beispielsweise ein Vogel während einer Beißerei von einem Artgenossen verwundet wird, sind mitunter ebenfalls Auslöser neurologischer Ausfälle. Im Fall von Vergiftungen, aber auch bei Vitaminmangel sowie bei Leberschäden ist das Auftreten neurologischer Ausfälle mitunter zu beobachten. Manche Vogelarten können zudem von Diabetes betroffen sein, diese Krankheit verursacht manchmal neurologische Anfälle. Zudem kommen in seltenen Fällen Hirntumoren vor.

Immer wieder wird auch von Vögeln berichtet, die eine Erkrankung erlitten haben, die einem Schlaganfall ähnelt, oder die an Epilepsie erkrankt sind. Sie zeigen teils schwere neurologische Ausfälle. Hierzu ist zu sagen, dass echte Schlaganfälle, wie sie beim Menschen definiert sind, bei Vögeln bislang nicht nachgewiesen worden sind. In Bezug auf die Epilepsie weiß ich, die Autorin von Birds Online, nicht, ob es bereits tatsächlich durch Spezialisten nachgewiesene Fälle dieser Krankheit bei Vögeln gegeben hat. Die Epilepsie ist eine sehr komplexe, das Gehirn betreffende Erkrankung des Menschen. Da das menschliche Gehirn jedoch anders aufgebaut ist als das der Vögel, könnte es sein, dass eine "echte" Epilepsie bei diesen Tieren nicht vorkommt. Jedoch gleichen manche anfallartig auftretenden neurologischen Ausfälle den Symptomen epileptischer Anfälle.

Sofortige Hilfsmaßnahmen
Einen Vogel während eines Anfalls mit neurologischen Ausfällen zu erleben, ist für viele Vogelhalter eine nervliche Zerreißprobe. Der Anblick ist erschreckend und der Impuls zu helfen ist meist übermächtig, aber unbesonnenes Handeln kann für die Tiere zur Gefahr werden. Deshalb heißt es zunächst einmal: tief durchatmen und ruhig werden. Ein panischer Halter ist für die Vögel keine große Hilfe.

Das betroffene Tier sollte sehr vorsichtig eingefangen werden. Bei kleinen Vögeln wie Wellensittichen ist am besten eine Hand so unter den Körper zu schieben, dass der Bauch in der Handfläche liegt. Der Daumen und der kleine Finger liegen jeweils an einer der Flanken des Vogels und befinden sich jeweils unter dem Flügel. Von oben wird mit der zweiten Hand der Vogel fixiert, sodass er nicht mit den Flügeln schlagen kann. Denn dies ist eines der häufigsten Symptome, und das Flügelschlagen ist mit die gefährlichste Verletzungsquelle.

Ist der krampfende Vogel auf diese Weise fixiert, sollte mit heftigen Bissen gerechnet werden. Die Tiere sind nicht sie selbst, selbst zahme Vögel beißen dann mitunter. Dann heißt es für den Halter, die Zähne zusammenzubeißen und den Vogel dennoch nicht loszulassen, bis er an einen sicheren Ort transportiert worden ist. Ein solcher ist ein sehr großes Kissen oder noch besser ein Bett. Darauf wird das krampfende Tier abgelegt. Wenn es sich dort windet und mit den Flügeln schlägt, kann es sich aufgrund der Polsterung in aller Regel nicht verletzen. Achten Sie darauf, dass sich der Vogel mit den Krallen nicht im Stoff von Bett- oder Kissenbezügen verfangen kann. Bleibt er hängen und krampft er weiter, besteht Bruchgefahr für die Fuß- und Beinknochen.

Sorgen Sie für Ruhe und gedämpftes Licht. Das Tier sollte nicht mit Reizen überflutet werden. Der Vogelhalter selbst sollte nicht zu viel mit dem Vogel reden, um ihn nicht zusätzlich zu stressen. Auch das Anfassen des krampfenden Vogels ist nicht empfehlenswert. Urplötzlich könnte sich das Tier bewegen und mit dem Flügel gegen die Hand schlagen - Knochenbrüche können dann die Folge sein.

Geben Sie einem krampfenden Vogel niemals Flüssigkeit in den Schnabel! Es besteht die Gefahr, dass das Tier daran erstickt, weil es während der neurologischen Ausfälle unter Umständen nicht richtig schlucken kann. Wer Rescue-Tropfen, ein Mittel aus der Bachblüten-Therapie, anwenden möchte, sollte diese nur in den Nacken des Tieres träufeln.

Nach dem überstandenen Anfall sind viele Vögel extrem erschöpft. Sie benötigen dann Ruhe und sollten gegebenenfalls vorübergehend vom Partnervogel oder vom Schwarm separiert werden.

Wie lang dauern Anfälle mit neurologischen Ausfällen?
Die Dauer der Anfälle ist höchst unterschiedlich. Manche Vögel leiden permanent unter leichten Ausfallerscheinungen, doch meist treten diese anfallartig auf. Häufig sind diese Anfälle innerhalb weniger Minuten vorüber, sie können aber auch bis zu zwei Stunden dauern. In schwereren Fällen ziehen sie sich über mehrere Stunden hin. Ist ein Anfall nach mehr als drei Stunden nicht vorüber, sollte spätestens dann ein fachkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden.

Tierarztbesuch: Was können die Ärzte tun?
Erleidet ein Vogel einen Anfall, weil er sich zuvor eine Kopfverletzung zugezogen hat, ist auf alle Fälle umgehend ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate zu ziehen. Liegen keine sichtbaren Verletzungen vor und hat der betroffene Vogel keine Kollision erlitten, sollte nach dem Auftreten eines Anfalls ebenfalls ein solcher Arzt kontaktiert werden. Es ist wichtig, die Ursache für die neurologischen Ausfälle zu klären. Oft lässt sich durch eine gezielte Behandlung, zum Beispiel bei einem Leberschaden, das Auftreten weiterer Anfälle verhindern oder deren Intensität abschwächen.

In sehr schweren Fällen, wenn ein Vogel stark krampft, können Tierärzte oft spezielle Medikamente per Spritze verabreichen, um die Krämpfe zu beenden. Mitunter ist dies jedoch trotz der Medikamentengabe nicht möglich. Gelingt es nicht, die neurologischen Ausfälle zu beenden und einen Vogel aus einem länger andauernden Krampfanfall zu holen, ist oft das Einschläfern des Tieres die einzige Option.

Wunder sollten von einem Tierarztbesuch nicht erwartet werden. Neurologische Erkrankungen sind bei Vögeln oft schwer zu behandeln. Die Therapie ist häufig sehr langwierig. Aber es ist wichtig, einen Vogel in dieser schwierigen Situation nicht allein zu lassen und ihn zu unterstützen, indem er von einem vogelkundigen Tierarzt betreut wird.

 
 
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