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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Genau wie Menschen können auch Vögel an einer Blutvergiftung erkranken. In der medizinischen Fachsprache wird diese Krankheit als Sepsis bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine krankhafte, nur schwer kontrollierbare Reaktion des Körpers auf eine Infektion.

Kleine Wunde am Fuß eines WellensittichsEine Sepsis entsteht meist dann, wenn sich Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten von einer lokal begrenzten Infektion aus - dies ist meist eine (kleine) Wunde - durch den Blutkreislauf auf den gesamten Körper ausbreiten. Diese Ausbreitung auf den gesamten Körper entsteht dann, wenn es dem Wirtsorganismus nicht gelingt, die Entzündung an der ursprünglichen Stelle zu stoppen. Der Körper wird insgesamt geschwächt und es treten teils massive Beeinträchtigungen der Körperfunktionen auf. Typisch sind beispielsweise Kreislaufstörungen, Müdigkeit, Verminderung der Blutgerinnungsfähigkeit oder gar Organversagen. Auch Schockzustände - Tierärzte sprechen vom sogenannten septischen Schock - treten bei erkrankten Vögeln auf.

Abgebissene KralleBei Menschen ist eine Blutvergiftung oft Regel behandelbar, wenn sie rechtzeitig nachgewiesen und der Erregerstamm identifiziert wird. Dennoch sterben in Deutschland jährlich etwa 80.000 Menschen an den Folgen einer Blutvergiftung. Diese Zahl ist alarmierend hoch und sie zeigt, wie gefährlich diese Erkrankung auch für Vögel sein kann. Anders als wir Menschen können Vögel nicht sagen, dass sie sich schlapp fühlen, unter Kreislaufstörungen leiden oder dass sich irgendwo unter dem Federkleid versteckt eventuell eine infizierte Wunde beziehungsweise bereits abgestorbenes Gewebe befindet. Lediglich dann, wenn ein Fuß betroffen ist, kann man direkt auf die Wunde blicken, weil sie dort nicht vom Gefieder verdeckt wird. Meist sind Beißereien oder Quetschungen die Ursache für infizierte Wunden oder das Absterben eines Zehs, siehe Foto in diesem Absatz. Mitunter stirbt auch der gesamte Fuß ab, siehe Foto unten. Doch sogar von Erkrankungen der Verdauungsorgane kann eine Sepsis ausgehen. Ist beispielsweise der Darm schwer entzündet und wird die Darmwand porös, können die Krankheitserreger sie durchdringen und sich unkontrolliert im Körper ausbreiten. Da es keine sichtbare Wunde gibt, ist diese Sepsisursache von außen dann nicht zu sehen - außer anhand von Verhaltensänderungen, die auf eine allgemeine Schwächung hindeuten.

Abgestorbener Fuß eines Wellensittichs

Blutspur an einer SitzstangeEs ist deshalb ungemein wichtig, dass Tierhalter ihre Vögel regelmäßig genau beobachten. Besteht der Verdacht auf eine Infektion der Verdauungsorgane, sollte diese schnellstmöglich behandelt werden, damit sie nicht aus dem Ruder läuft. Finden sich irgendwo Blutspuren, zum Beispiel auf dem Boden des Käfigs oder auf einer der Sitzstangen, dann sollten Tierhalter nach der Wunde suchen und diese unbedingt im Auge behalten, um einen entzündlichen Prozess rasch zu erkennen und umgehend einen vogelkundigen Tierarzt aufzusuchen. Zwar entsteht bei weitem nicht aus jeder Wunde eine Sepsis, doch Vorsicht ist stets sinnvoll.

Therapie
Eine Behandlung einer Sepsis ohne Organbeteiligung in einem frühen Stadium ist bei Vögeln durchaus in einigen Fällen möglich. Die erkrankten Tiere müssen zunächst untersucht werden, damit der Tierarzt mit Hilfe einer Probe (Blut, Gewebe, etc.) den Erregerstamm bestimmen kann. Dann muss eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden. Oft kommen Antibiotika zum Einsatz, weil in den meisten Fällen Bakterien die Verursacher einer Blutvergiftung sind.

Sind bereits die inneren Organe durch eine Blutvergiftung geschädigt, ist eine Behandlung meist kaum noch durchführbar. Zwar kann man versuchen, mittels einer Probenentnahme und einer Bestimmung des Erregerstamms eine medikamentöse Therapie einzuleiten. Aber leider sind Vögel, deren Organe bereits Funktionsstörungen aufweisen, in der Mehrheit der Fälle zu geschwächt, um eine Sepsis zu überleben.

Sind Blutvergiftungen vermeidbar?
Natürlich ist es wichtig, Vögel unter möglichst hygienischen Bedingungen zu halten. Dennoch ist es nahezu unmöglich, sämtliche Krankheitserreger, die unter Umständen zu einer Blutvergiftung führen können, durch Desinfektionsmaßnahmen zu beseitigen. Es ist nicht ratsam, das Umfeld der Vögel ständig mit starken Desinfektionsmitteln zu reinigen, weil diese den Tieren ebenfalls schaden können. Der Nutzen solch drastischer Maßnahmen ist zweifelhaft, weil man sogar durch ständige Desinfektion nicht sämtliche potenziellen Krankheitserreger beseitigen kann.

Viel wichtiger ist es, die Vögel wie weiter oben erwähnt immer genau zu beobachten und jede noch so kleine Wunde oder Infektionskrankheit im Körper zu überwachen. Sollte der Vogel immer schlapper werden oder sind bei einer Wunde sichtbare Zeichen einer Entzündung zu erkennen, muss in jedem Fall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. So lässt sich das Schlimmste oft vermeiden und eine eventuell bereits aufgetretene Blutvergiftung kann im Frühstadium gezielt behandelt werden. Zudem sei erwähnt, dass Vögel, die in einem hygienischen Haushalt leben, nicht besonders häufig an einer durch infizierte Wunden ausgelösten Sepsis erkranken.

Erfahrungsbericht über Wellensittich Janni von Sandra Burmester
Druckstelle und Entzündung an Jannis Fuß"Erstes Anzeichen war eine kleine entzündliche Druckstelle am hinteren Zeh in der Nähe der Kralle am linken Fuß. Diese Entzündung wurde mit einer antibiotischen Salbe behandelt, nach einer Woche war die Entzündung zurückgegangen und der Wellensittich Janni war beschwerdefrei, das heißt, er hatte keine Schmerzen mehr. Allerdings verfärbte sich seine Kralle schwarz. Vier Wochen später entzündete sich derselbe Zeh im Bereich der Kralle erneut. Trotz der Verabreichung eines Antibiotikums und der Anwendung einer entzündungshemmenden Salbe trat leider keine Besserung ein.

Nach einer Woche verschlechterte sich Jannis Allgemeinbefinden. Er hatte keine Kraft mehr zum Fliegen und schlief sehr viel. Weitere vier Tage später erkannte ich an vier Zehen bläuliche Flecken. Janni saß auf dem Käfigboden und ich sah Blut auf dem anderen hinteren Zeh. Außerdem war die Haut an diesem Zeh weißlich und nicht wie die anderen Zehen rosa gefärbt. Am Nachmittag erschien der Zeh, als wäre er verkrustet.

Am morgen darauf war der halbe hintere Zeh schwarz und die anderen drei betroffenen Zehen hatten in der Nacht angefangen zu bluten, siehe Foto unten. Janni konnte morgens noch auf der Stange sitzen, doch zum Mittag hin wurde er immer schwächer, sodass ich ihm ein kleines Brettchen zum Hinlegen in den Käfig hängte. Er aß nur noch sehr wenig und er schlief die meiste Zeit.

Jannis Füße waren von der Sepsis schwer geschädigt

Bevor wir zum Tierarzt fuhren, nahm ich ihn noch einmal in die Hand und legte ihn auf meinem Schoß. Er schaute mich ganz lieb an und ich wusste, dass ich heute von ihm Abschied nehmen müssen würde. Beim Tierarzt wurde uns dann erklärt, dass es sich um eine Blutvergiftung handelt und die "Giftzellen" sich bereits auszubreiten begonnen hatten. Um den Prozess zu stoppen, schlug er eine Amputation der Füße vor. Doch letztendlich entschieden wir uns dagegen, denn Jannis Zustand war zu schlecht, um die Operation zu überstehen. Schweren Herzens ließen wir unseren geliebten drei Monate alten Janni gehen."

JanniAnmerkung zu diesem Erfahrungsbericht: Sandra Burmester lebte zu dem Zeitpunkt, als Janni so schwer erkrankte, aus beruflichen Gründen nicht in Deutschland, sondern im Oman. Sie stand während Jannis gesamter Erkrankung mit deutschen Vogelhaltern und auch mit mir per E-Mail in Kontakt. Aber ohne das Eingreifen eines wirklich vogelkundigen Tierarztes war Janni nicht zu retten. Auf die Behandlung von Vögeln spezialisierte Ärzte sind im Oman bedauerlicherweise noch deutlich schwerer zu finden als in Deutschland. Deshalb hatte Janni keine Chance, die schwere Erkrankung zu überleben.

 

 

 

 
 
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