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Achtung: Das Lesen dieses Birds-Online-Kapitels sollte niemals den Gang zum Tierarzt ersetzen!

Eine kleine Unachtsamkeit des Vogelhalters reicht aus, um Vögel während ihres Freiflugs in der heimischen Stube in tödliche Gefahr zu bringen. Vieles von dem, was wir Menschen in unserer Wohnung aufbewahren, ist für Wellensittiche und andere Vögel hochgradig giftig. Die Palette der möglichen Ursachen für eine Vergiftung ist breit. An anderer Stelle von Birds Online findet sich eine Zusammenfassung gefährlicher Stoffe und Gegenstände, an denen sich ein Vogel vergiften kann. Klicken Sie hier, um zu dieser Auflistung zu gelangen. Eine Liste giftiger Pflanzen ist in der Unterrubrik über allgemeine Gesundheitsthemen zu finden.

Woran erkennt man eine Vergiftung?
Ein sicheres Zeichen dafür, dass es einem Vogel schlecht geht, ist apathisches Verhalten, das vom normalerweise üblichen Verhaltensmuster abweicht. Da bei Ziervögeln eine Reihe unterschiedlicher Vergiftungsarten vorkommt, die verschiedene Therapieformen erfordern, ist es notwendig, den Vogel genau zu beobachten, um auf die Art der Vergiftung schließen zu können, sofern man die Ursache nicht kennt.

Bei akuten Metallvergiftungen, die zum Beispiel durch das Fressen oder Benagen von Blei, Zink oder Kupfer innerhalb kürzester Zeit hervorgerufen werden, zeigen die Vögel relativ plötzlich eine enorme Schwäche, sind schlapp und zittern am gesamten Körper. Die aufgenommene Giftmenge ist so hoch, dass die Symptome unvermittelt auftreten und sich der Gesundheitszustand der Vögel rasch dramatisch verschlechtert. Viele betroffene Tiere können sich bald nicht mehr auf der Stange halten und setzen sich auf den Boden ihres Käfigs oder verkriechen sich in eine ruhige Ecke des Zimmers, in dem sie für gewöhnlich ihren Freiflug genießen. Sie bekommen starken Durchfall, dessen Konsistenz ausgesprochen wässrig ist. Nach kurzer Zeit ist dieser Durchfall mit Blut durchmischt, da die inneren Organe des Vogels durch das Gift zu Schaden gekommen sind.

Manche Metallvergiftungen verlaufen jedoch chronisch, das heißt, die Beschwerden nehmen schleichend zu. Es kann hierbei in unregelmäßigen Abständen zu Erbrechen, zu Durchfall oder verstärktem "Pinkelreiz", einer gravierenden Leberschädigung, zu einem erhöhten Schlafbedürfnis, zu Gefiederausfall oder sogar zur Erblindung des gefiederten Patienten kommen. Häufig leiden die Vögel aufgrund der chronischen Vergiftung unter einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems, sodass sie wieder und wieder an unterschiedlichen Infektionskrankheiten leiden. Chronische Vergiftungen zu erkennen, ist nicht leicht und sie werden deshalb häufig übersehen.

Lesetipp: In der Ausgabe 06/2013 des WP-Magazins Externer Link, einer Zeitschrift über Wellensittiche und Papageien, habe ich gemeinsam mit dem Vogel-Tierarzt Dr. Carlo Manderscheid einen Artikel über Zink und Zinkvergiftungen veröffentlicht, den Sie hier als kostenlose Leseprobe herunterladen können: der Artikel als PDF (944 kB). Außerdem möchte ich Ihnen den Erfahrunsbericht über eine Zinkvergiftung bei ihrem Wellensittich von Isolde Aufschläger empfehlen.

Vor allem Vögel, die bei ihren Haltern am Tisch willkommen sind, erleiden mitunter eine Kochsalzvergiftung. Da die Tiere das zu salzhaltige Futter meist über einen längeren Zeitraum in geringen Dosen zu sich nehmen, ist der Verlauf der Vergiftung schleichend. Die Symptome zeigen sich anfangs nur in milder Form, nehmen jedoch im Laufe der Zeit an Intensität zu. Mit zunehmender Schädigung des Nierengewebes kommt es zu verstärktem Harndrang, das heißt der erkrankte Vogel pinkelt überdurchschnittlich häufig und die Kotbällchen sind deutlich zu nass. Diese Ausscheidungen werden vom Laien oft für Durchfall gehalten. Wer sich nicht sicher ist, ob ein Vogel an einer Durchfallerkrankung oder an einem Nierenproblem leidet, der sollte diesen Text zum Thema lesen.

Die Aufnahme von Sauerstoff ist überlebenswichtig, nicht nur für uns Menschen. Aber die Atemluft ist vor allem in geschlossenen Räumen und im Winter oftmals reich an schädlichen Gasen, wenn auch in geringen Konzentrationen. Auf den Menschen haben diese in niedriger Dosis kaum eine Wirkung. Vögel sind jedoch durch kleine Mengen giftiger Gase stark gefährdet. Zu den Ursachen einer sogenannten Inhalationsvergiftung gehören unter anderem Treibgase aus Sprühdosen, verflüchtigte Lösungsmittel aus Lacken und Farben, verdampfte Antihaftbeschichtungen (zum Beispiel Bratpfannen in der Küche!) und Kohlenmonoxid. Letzte Vergiftungsart tritt vor allem in Räumen auf, die mit einem Ofen beheizt werden.

Ohne Vorwarnung fallen Vögel bei zu hohem Kohlenmonoxidgehalt in der Raumluft um Atem ringend von der Stange und sterben binnen weniger Minuten, wenn man nicht rasch reagiert. Eine Rettung ist bei einer Kohlenmonoxidvergiftung praktisch nicht möglich, da der Tod ausgesprochen schnell einsetzt. Deshalb sollte man unbedingt entsprechend vorsorgen und einen Raum, der mit einem Ofen beheizt wird, regelmäßig lüften.

Vergiftungen durch verdorbene Nahrungsmittel führen zu einem breiten Spektrum an Beschwerden. Vor allem Schimmelpilze sind oft für derlei Vergiftungen verantwortlich. Sie bilden sich auf Nüssen (vor allem in Großpapageienfutter), auf Frischkost (Obst und Gemüse) sowie auf Keimfutter. Gifte, die in den Schimmelpilzen enthalten sind, schädigen vor allem die Leber der betroffenen Vögel. Die Tiere fressen bei einer leichten Vergiftung viel, magern aber dennoch ab. Bei einer schwereren Vergiftung treten neurologische Ausfälle wie Krämpfe, Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen auf; diese können auf eine schwere Schädigung oder Entzündung des Gehirns hindeuten. Aber auch Durchfall kommt in manchen Fällen vor. Eine schleichende Vergiftung, die von verdorbener Nahrung herrührt, kann bei Wellensittichen und anderen Vogelarten zu Unfruchtbarkeit führen. Darüber hinaus können eingeatmete Schimmelsporen zu einer Erkrankung der Atemwege führen (Aspergillose).

Jeder Vogelhalter, der in der Nähe seiner Tiere raucht oder Raucher im Zimmer seiner Vögel duldet, sollte sich vor Augen halten, dass er das Leben seiner Tiere dadurch gefährden könnte. Immer wieder kommt es zu Nikotinvergiftungen, die je nach aufgenommener Menge des Giftes bei den Tieren zum Tode führen können. Knabbert ein Heimvogel Tabak an, sind Störungen seines Zentralen Nervensystems sowie (blutige) Durchfälle die Folge. Auch das permanente Einatmen von Zigarettenrauch ist für Vögel alles andere als gesund, es schädigt ihr empfindliches Atmungssystem.

Was ist bei einer Vergiftung zu tun?
Wenn Sie vermuten, dass sich Ihr Vogel eine Vergiftung zugezogen haben könnte, ist schnelles Handeln gefragt. Geraten Sie nicht in Panik, handeln Sie stattdessen besonnen und gehen Sie vorsichtig mit dem Patienten um. Hausmittel sind meist wirkungslos, weil der Stoffwechsel der Vögel enorm rasch abläuft und sich das Gift im Körper mit hoher Geschwindigkeit ausbreitet. Sie müssen ein betroffenes Tier deshalb so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen und diesem so präzise wie möglich die Ursache der Vergiftung mitteilen oder noch besser eine Probe der in Verdacht stehenden Substanz mit in die Praxis nehmen. Nur dann hat Ihr Vogel eine Überlebenschance!

Halten Sie den Vogel während des Transports zum Tierarzt warm und dunkel, damit er keinem unnötigen Stress ausgesetzt ist oder wichtige Energie zum Warmhalten seines Körpers verliert. Nehmen Sie Erbrochenes oder Kot des Vogels ebenfalls mit zum Arzt, da diese Ausscheidungen bei der Diagnosestellung hilfreich sein könnten.

Wie Sie dem Vogel sonst noch helfen können
Leider kann man einem Vergiftungsopfer nur schwer helfen. Daher sollten Sie all Ihr Augenmerk auf die Unfallverhütung legen, damit es gar nicht erst zu einer Vergiftung kommen kann. Sollte sich Ihr Vogel dennoch vergiftet haben, halten Sie sich bitte genau an die Ratschläge Ihres Tierarztes. Eine Therapie in Eigenregie ohne ärztliche Absprache durchzuführen, wäre grob fahrlässig!

Achtung, die im Zoofachhandel erhältliche Vogelkohle sowie Heilerde helfen bei einer akuten Vergiftung nicht, die Vögel benötigen meist eine speziell auf die Art der Vergiftung abgestimmtes Gegenmittel sowie eine Leberschutztherapie. Jede Therapie hilft meist nur dann, wenn sie rasch begonnen wird. Verlieren Sie im Notfall also keine Zeit, denn die hat Ihr Vogel nicht!

Unterstützend kann man auch homöopathische Mittel zur Entgiftung des Körpers einsetzen. Sie sollten hierzu einen Tierheilpraktiker befragen, nachdem Sie die genaue Diagnose des Tierarztes kennen.

 
 
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