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  Zwei junge WellensitticheSeit dem Jahr 2004 verzeichne ich einen Anstieg in Bezug auf eine bestimmte Tatsache: Per E-Mail erreichen mich Hilferufe von Vogelhaltern, die einen nestjungen Wellensittich gekauft haben und das Tier frisst im neuen Zuhause nichts. Es wird schwächer und schwächer, und wenn es dann nach ein bis zwei Tagen völlig entkräftet am Boden liegt, beginnen sich die neuen Vogelhalter zu fragen, ob etwas mit dem Wellensittich nicht stimmen könnte. Fast immer stellt sich bei genauerer Betrachtung eines solchen Falls heraus, dass das Jungtier noch nicht futterfest ist, es wurde also zu früh von seinen Eltern getrennt und muss von den neuen Besitzern von Hand weiter aufgezogen werden. Erkennen die oft unerfahrenen Vogelhalter das Problem nicht, verhungert der betroffene Jungvogel unter Qualen, weil ein skrupelloser Züchter ihn zu früh und noch dazu an nicht fachkundige Menschen verkauft hat.

RohannaLanden die jungen Vögel in einer Zoohandlung, in der chronisch viel zu tun ist und in der das Personal sich deshalb nicht ständig um einzelne Tiere kümmern kann, geschieht es leicht, dass die Not eines noch nicht futterfesten Jungvogels übersehen wird. Durch Zufall sah ich selbst am 18. Mai 2006 in einem Zooladen, in dem ich eine Schlafliege für meine Katharinasittiche kaufen wollte, einen entkräfteten jungen Wellensittich auf dem Boden eines Verkaufskäfigs liegen. Das Personal des Geschäftes reagierte vorbildlich, als ich auf den schlechten Zustand des Vogels aufmerksam machte. Es wurde nach einer Lösung gesucht und man erkannte rasch, dass die Handaufzucht eines Vogels im Laden nicht möglich sein würde, weshalb man mir das junge Weibchen überließ. Ferner wurde der Züchter, von dem der Vogel stammte, zur Verantwortung gezogen.

Tagelang kämpfte ich um das Leben des Vogels, den ich anfangs per Kropfsonde ernähren musste, weil er zu schwach war, um Futterbrei zu schlucken. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn dieses Tier, dessen Leben am seidenen Faden hing, in unerfahrene Hände geraten wäre! Rohanna, so nannte ich die oben abgebildete Vogeldame, hatte Glück. Sie überlebte und wuchs zu einem kerngesunden Altvogel heran.

SerenioLeider ist dies jedoch nicht die Regel, denn viele Jungtiere, die derart ausgehungert sind, sterben in den folgenden Tagen oder Wochen, obwohl sie gerettet wurden, so auch der junge Wellensittich Serenio, der am 12. Dezember 2004 in meine Obhut gelangte und der leider am 5. Februar 2005 verstarb. Serenio schied im Alter von nur etwa drei Monaten aus dem Leben, weil er während der langen Hungerperiode, die er in einem Zooladen erlitten hatte, Organschäden davongetragen hatte. Seine Nieren versagten, als der arme kleine Kerl sein ganzes Leben noch vor sich hatte.

Junger Wellensittich mit MutterDas ist jedoch nicht alles, was jungen Vögeln an Unrecht angetan wird. Es häufen sich die Fälle, in denen in Inseraten Wellensittiche angeboten werden, die nestjung sind und von Hand weiter großgezogen werden müssen. Bei genauer Nachfrage stellt sich häufig heraus, dass die Vögel noch nicht einmal voll befiedert sind und im Alter von weniger als vier Wochen verkauft werden. "Die werden besonders zahm und die Aufzucht ist gar nicht schwer, die können Sie später ohne Probleme einzeln halten." - So in etwa lauten die Aussagen mancher Züchter, wenn man sie fragt, ob die Vögel nicht ein wenig zu jung sind, um verkauft zu werden. Dass dann ganz nebenbei obendrein der explizite Hinweis auf die leichte Zähmbarkeit und eine Rechtfertigung für eine absolut nicht artgerechte Einzelhaltung des Vogels hinterher geschoben werden, schlägt dem Fass den Boden aus.

Meiner Meinung nach sollte diesen schwarzen Schafen unter den Züchtern die Zuchtgenehmigung mit sofortiger Wirkung entzogen werden, aber leider existiert keine gesetzliche Grundlage, um diese Strafe durchsetzen zu können.

Zwei junge WellensitticheDamit in Zukunft nicht noch mehr viel zu junge Vögel verkauft werden, muss ein Umdenken beim "Verbraucher", sprich beim Käufer stattfinden. Auch Wellensittiche, die acht Wochen alt sind, lassen sich leicht zähmen, und das sogar dann, wenn man sie mindestens paarweise hält. Der Wahnsinn, dass Jungvögel skrupellos von ihren Eltern getrennt werden, um sie gewinnbringend verkaufen zu können, muss unterbunden werden. Dies ist nur möglich, wenn niemand mehr nicht futterfeste Jungtiere kauft.

 
 
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