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  Home > Meine Katharinasittiche > Nimue - die blinde "Höhlenforscherin", † 08.09.03
     
  Verträumte PoseIhre Welt war vermutlich extrem unscharf und relativ dunkel, und es schien so, als wäre dies schon immer so gewesen. Beide Augen wiesen bei der leuchtend gelb gefärbten Katharinasittichdame Nimue starke Trübungen der Linsen auf - der Vogel litt an Grauem Star in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Das Lutinoweibchen war demnach nahezu vollständig blind.

Als sie zusammen mit ihrem Partner Merlin bei ihrem ehemaligen Besitzer lebte, ging man wenig rücksichtsvoll mit der gehandicapten Nimue um. Immerzu bedrängten die Kinder dieses Mannes den Sittich, der ihrer Meinung nach zahm war - schließlich lief er ja nicht davon. Dass Nimue blind war, ist den unsensiblen Leuten nicht einmal aufgefallen, so wenig haben sie sich auf den Vogel eingelassen.

Wie schrecklich es sein muss, wenn man wieder und wieder ohne jegliche Vorwarnung durch einen Schraubstockgriff festgesetzt wird, vermag sich vermutlich niemand wirklich vorzustellen. Nimue hat es so oft erlebt, dass sie ständig in der Angst lebte, wieder in die Hand genommen oder gegen ihren Willen berührt zu werden. Sie litt unter dem psychischen Druck dermaßen, dass sie unter starken, psychosomatisch bedingten Verdauungsstörungen litt. Schwerer Durchfall war die Folgeund hätte sie eine Hose getragen, so hätte sie sich vermutlich oft vor Angst in selbige gemacht ...

Nimue ist neugierig Wenige Wochen nach ihrem Einzug in mein Vogelzimmer gehörte dieser Stressdurchfall glücklicherweise bald der Vergangenheit an. Nimues Gesundheitszustand verbesserte sich und sie wurde zusehends aktiver. Nach einigen Wochen randalierte sie regelrecht in ihrem Käfig und wollte die Welt da draußen erkunden, obwohl sie sie nicht sehen konnte.

Damit Nimue sich in ihrem Käfig nicht ständig langweilte, während sie um sich herum das Getöse der Wellensittiche und ihres Partners hört, entschied ich, für sie einen kleinen "Abenteuerspielplatz" auf der Fensterbank einzurichten. Dies ist der hellste Ort im Vogelzimmer, und es hatte tatsächlich den Anschein, als hätte Nimue im direkten Sonnenlicht zumindest schemenhaft ihre Umgebung erkennen können.

Die Lieblingsplätze der agilen Vogeldame waren die Korkeichenrinden-Röhren, die sie in der Manier einer verwegenen Höhlenforscherin Tag für Tag aufs Neue erkundete. In diesen Korkröhren konnte sie dösen, singen, das angenehm feste und doch weiche Material nach Herzenslust benagen - und natürlich heimlich Hirse knabbern. Denn damit Nimue überhaupt etwas von dieser Leckerei abbekam, legte ich ihr oft Hirsestücke in ihre Lieblings-Korkröhre, in die sich die gefräßigen Wellensittiche nicht hinein wagten. Mehrmals täglich trabte Nimue außerdem zum Trinknapf und zum Frischkost-Futterplatz auf der Fensterbank, wo sie sich am liebsten saftige, süße Weintrauben einverleibte.

Nimue auf meiner HandWie sie morgens in ihre Lieblingshöhle gelangte, ist leicht erklärt. Nimue hat es innerhalb relativ kurzer Zeit begriffen, dass Hände nicht immer etwas Negatives bedeuten. Sobald ich morgens den Käfig der Katharinasittiche öffnete und ihr Mann Merlin nach draußen stürmte, ruderte sie mit einem Fuß in der Luft herum, um nach meinem Finger zu suchen. Diesen schob ich unter ihren Fuß und sie kletterte auf meine Hand. Vollkommen freiwillig blieb sie darauf sitzen und ließ sich von mir zur Korkröhre tragen. Es rührte mich immer wieder, wie schnell sie trotz ihrer negativen Erfahrungen mit den Menschen dazu bereit war, mir zu vertrauen. Ich bin froh, Nimue niemals enttäuscht oder ihr Vertrauen missbraucht zu haben. Mir war es wichtig ihr zu zeigen, dass Menschen auch gut sein können.

Nimue wenige Tage vor ihrem TodeEnde August 2003 erkrankte die zu dieser Zeit etwa acht Jahre alte Nimue infolge der Hitzewelle des Sommers an einer schweren Nierenentzündung. Von dieser erholte sie sich trotz intensiver Pflege nicht mehr. Am 08. September 2003 schlief sie am späten Abend für immer ein, ganz friedlich und in Würde. Ich bin dem Schicksal sehr dankbar, dass es Nimue zu mir geführt hat. Sie gekannt zu haben, ist etwas ganz Besonderes für mich, da sie eine ganz wundervolle Seele war, einerseits sehr sanftmütig, andererseits auch von ihrer Blindheit nicht unterzukriegen und ungemein tapfer. Nimue hat mich zutiefst beeindruckt und ich werde sie niemals vergessen.

Bedeutung des Namens
Ihren Namen erhielt die gelbe Vogeldame von mir. Ich habe ihn nach der Gefährtin - und gemäß mancher Quellen auch Geliebten - des mächtigen Druiden Merlin aus der Artussage benannt.

 
 
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