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  Bianca und Merlin Seit 25 Jahren bin ich nun stolze Halterin von Wellensittichen. Zwar fand ich schon immer viele andere Vogelarten hübsch, aber ich konnte mich nie dazu durchringen, meine Wellensittiche mit anderen Vögeln zu vergesellschaften. Insbesondere seit ich meinen Interessenschwerpunkt auf die Haltung gehandicapter und verhaltensgestörter Wellensittiche aus zweiter Hand verlagert habe, um den Tieren ein gutes und liebevolles Zuhause zu bieten, kam für mich eine Vergesellschaftung mit anderen Arten nicht in Frage. Mein Vogelzimmer fasst nicht unendlich viele Tiere, und so wollte ich den vorhandenen Platz nur bedürftigen Wellensittichen zur Verfügung stellen.

Glanzsittiche beispielsweise fand ich schon immer umwerfend schön. Wie gern hätte ich mir diese attraktiven Vögel längst ins Haus geholt! Aber es kam für mich aus dem oben genannten Grund einfach nicht in Frage, ein gesundes Paar dieser Vögel zu meinen Wellensittichen zu gesellen.

Am 21. Dezember 2002 zeichnete sich jedoch eine Wendung in meiner "Karriere" als reine Wellensittichhalterin ab. Meine Freundin, die im Essener Tierheim Externer Link als ehrenamtliche Helferin arbeitet, nahm an diesem Tag zwei Katharinasittiche auf, die aufgrund ihrer traurigen Vorgeschichte sofort ihr Mitleid erregten. Sie schüttete mir per E-Mail ihr Herz aus:

"Es wurden zwei Vögelchen, ein grüner und ein gelber abgegeben, weil doch tatsächlich die Kinder des Halters die Tiere nicht in Ruhe lassen und die Vögelchen dadurch Durchfall haben. Ich musste mich schwer zusammenreißen, um nicht unfreundlich zu werden.

Als ich mir die Vögelchen später etwas genauer ansah stellte ich fest, dass das Lutinovögelchen blind ist. Jetzt suche ich natürlich ein Zuhause für die zwei, wo man sich mit behinderten Vögelchen auskennt und es nicht stört, dass eines der beiden blind ist."

Auch was sie sonst noch über die beiden Katharinasittiche schrieb, war Herz zerreißend. Ihr Käfig war nicht optimal eingerichtet und der sehende Vogel war verstört, was angesichts seiner Vorgeschichte nicht verwunderlich ist. All das brachte mich ins Grübeln. Die Haltung blinder Vögel ist mir ebenso geläufig wie die Resozialisierung verstörter Tiere. Im Grunde wären diese beiden bedürftigen Katharinasittiche in meinem Vogelzimmer gut aufgehoben, zumal nicht zu befürchten stand, dass sie sich mit meinen Wellensittichen zanken würden. Tagelang überlegte ich, was ich tun sollte - bis ich eine Entscheidung traf: Die Vögel sollten bei mir einziehen.

In der Zwischenzeit hatte sich die traurige Geschichte der beiden Vögel schon an vielen Stellen herumgesprochen. Sigrid März, die Betreiberin des phantastischen Internet-Projektes "Katharinasittiche.de Externer Link", hatte in Erwägung gezogen, die beiden Sittiche bei sich aufzunehmen. Allerdings wohnt sie ein ganzes Stück von Essen entfernt, sodass der Transport ziemlicher Stress für die Vögel geworden wäre.

Auch Petra Schöning-Schink, die vielen Vogelfreunden ein Begriff sein dürfte, wurde aktiv und versuchte in Vogelforen ein neues Zuhause für die beiden Katharinasittiche zu finden. Wie ich später erfuhr, spielte sogar meine Wildvogelhilfe-Kollegin Externer Link Dagmar Offermann mit dem Gedanken, die Tiere bei sich aufzunehmen. Es hat mich wirklich gerührt, wie gut das Netzwerk der Vogelhelfer funktioniert, sobald solche Notfälle eintreten, wie es bei den beiden Essener Katharinasittichen der Fall ist.

Am 01.01.2003 zogen die beiden Vögel in mein Vogelzimmer ein, was für sie mit wenig Transportstress verbunden war, da ich selbst in Essen wohne und das Tierheim nicht weit entfernt ist. Für die Katharinasittiche begann damit ein neues, hoffentlich schönes Leben. Und für mich ein großes Abenteuer, denn die Pflege körperlich behinderter und verstörter Vögel ist immer wieder schwierig, aber meiner Ansicht nach sehr lohnend, da man Zeuge eines wundervollen Prozesses wird: die Tiere blühen mit der Zeit regelrecht auf und kehren meist zu ihren normalen, arteigenen Verhaltensmustern zurück.

In dieser Birds-Online-Rubrik habe ich einige Wochen lang eine Art "Tagebuch" über die beiden Vögel geführt, um jedem interessierten Besucher die Möglichkeit zu geben, am Prozess der Resozialisierung der Katharinasittiche zumindest auf diese Weise teilhaben zu können. Nach einiger Zeit hatten sich die Kathis, wie ich sie liebevoll nenne, so gut eingelebt, dass in jedem neuen Tagebuch immer dasselbe hätte stehen müssen: den beiden geht es bestens und sie machen viel Unfug. Folglich gibt es bis auf weiteres keine Tagebucheinträge mehr. Zum Glück sind aus Merlin und Nimue ganz normale, zufriedene Vögel geworden, die ihr neues Leben im Vogelzimmer in vollen Zügen genießen.

Essen, April 2003

 
 
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