Birds Online
     
  Home > Vogelkauf & Eingewöhnung > Eigenschaften der Wellensittiche
     
  Wellensittichen haftet der Ruf an, sie seien pflegeleicht und genügsam. Diese Behauptungen erweisen sich als Unwahrheit, wenn man sich die Mühe macht, einmal genauer hinzuschauen. Oft werden die Bedürfnisse der Wellensittiche verkannt oder ihre Eigenschaften von skrupellosen Verkäufern schöngeredet, sodass man sich als frisch gebackener Vogelhalter später zuweilen mit Situationen konfrontiert sieht, die man nicht erwartet hat und auf die man nicht hingewiesen wurde. Um bösen Überraschungen und anderen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, sollte man sich vor dem Kauf von Wellensittichen über die Charakterzüge sowie die Anforderungen der Vögel informieren.

Wellensittiche brauchen ihresgleichen
Ein Partner ist wichtig In ihrer australischen Heimat leben Wellensittiche in riesigen Schwärmen, die mitunter etliche tausend Individuen umfassen. Je mehr Artgenossen ein Wellensittich um sich hat, desto besser geht es ihm. Deshalb ist es in den allermeisten Fällen echte Tierquälerei, einen einzelnen Wellensittich als Haustier zu halten. Oft entwickeln einzeln gehaltene Wellensittiche krankhafte Verhaltensauffälligkeiten, die von sexueller Fehlprägung über notorische Schreierei bis hin zur Selbstverstümmelung in Form von Federrupfen reichen. Weitere Informationen zum Thema "Einzelhaltung" finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Freiflug - je mehr desto besser
Rana überfliegt Nik Vielfach wird das Bedürfnis der Wellensittiche nach Freiflug vollkommen unterschätzt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sogenanntes Fachpersonal in Tiergeschäften angehende Vogelhalter falsch informiert. Auf die Frage, wie viel Freiflug Wellensittiche benötigen, wird den stolzen Besitzern neuer Vögel mitunter geantwortet, eine Stunde am Tag wäre völlig ausreichend. Und wenn man die Vögel nicht jeden Tag aus dem Käfig lassen kann, mache das auch nichts, denn sie können ja zum Beispiel am Wochenende mal ein bisschen mehr fliegen.

Wer diesen Rat befolgt, behandelt seine Ziervögel alles andere als artgerecht. Wellensittiche sind in ihrer australischen Heimat ausdauernde Langstreckenflieger und ihr Organismus ist darauf ausgelegt, täglich mehrere Stunden in Bewegung zu sein. Sperrt man Wellensittiche nahezu den gesamten Tag ein, verurteilt man sie förmlich dazu, durch die Zwangsruhe gesundheitliche Schäden davonzutragen. Über die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Wellensittiche leidet an Übergewicht, was einerseits auf den permanenten Bewegungsmangel und andererseits auf Fehler in der Ernährung zurückzuführen ist. Außerdem leiden laut neuster tiermedizinischer Untersuchungen über drei Viertel aller Wellensittiche an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nicht zuletzt vom Übergewicht und durch mangelnde Bewegung begünstigt werden.

Am besten lässt man Wellensittiche den ganzen Tag frei fliegen, was allerdings nur dann möglich ist, wenn man die räumlichen Gegebenheiten dazu hat. Ein Vogelzimmer werden wohl die wenigsten Tierhalter vor dem Kauf ihrer Sittiche einplanen. Deshalb ist es sinnvoll, das Zimmer, in dem sich die Heimvögel später aufhalten werden, von potentiellen Unfallquellen zu befreien.

Vogel oder Nagetier?!?
Selbst Putz ist vor Wellensittichen nicht sicher In Anbetracht der Zerstörungswut, die so mancher Wellensittich an den Tag legt, kann sich einem Halter die Frage aufdrängen, ob er tatsächlich einen Vogel als Haustier beherbergt oder doch eher ein mit Federn "getarntes" Nagetier. Vor allem Wellensittichweibchen sind sehr nagefreudig, aber auch ihre männlichen Artgenossen knabbern ganz gern harte Gegenstände an. Während des Freiflugs in der guten Stube können den Schnäbeln der Vögel viele Dinge zum Opfer fallen, die uns Menschen lieb und teuer sind: Bücher, Bilderrahmen, Holztüren, Zierpflanzen (das kann für die Vögel tödlich sein!), Gardinen und noch vieles mehr. Extrem nagefreudige Vögel vergehen sich nicht nur an Tapeten, sondern holen in mühevoller Kleinarbeit den Putz von den Wänden, wie die Abbildung in diesem Absatz zeigt. Um dem mehr oder minder stark ausgeprägten Nagetrieb der Wellensittiche Rechnung zu tragen, sollte man immer für die Vögel ungefährliche Äste oder Korkeichenrinde bereithalten, woran sie sich austoben können. Außerdem sollte man im eigenen Interesse die Wohnung vor den nie müden Schnäbeln schützen. Tipps hierzu bietet beispielsweise das Kapitel über den Schutz für Holz und Türen.

Von wegen Körnerfresser ...
Himalia knabbert an einer Karotte Rein anatomisch betrachtet, gehören Wellensittiche unverkennbar zu den Körnerfressern unter den Vögeln, da sie von der Natur mit einem Kropf sowie mit einem zum Knacken von Schalen bestimmten Schnabel ausgestattet wurden.

Mit dem Verfüttern einer der vielen im Handel angebotenen Körnermischungen allein ist es jedoch in Sachen gesunder, artgerechter Ernährung bei weitem nicht getan. Zwar sind diese Futtermischungen in den meisten Fällen als "Alleinfuttermittel" deklariert, was jedoch unter anderem laut einer Studie der Tiermedizinischen Hochschule Hannover und der Zeitschrift Ökotest Externer Link gefährlicher Unsinn ist.

Füttert man Wellensittiche ausschließlich mit einer solchen Körnermischung, bleiben die Tiere zweifelsohne am Leben. Wirklich gesund ist eine derart einseitige Ernährung aber nicht. Frischkost, also Obst, Gemüse und Kräuter, sowie gelegentlich einige weitere Nahrungsmittel wie etwa Ei oder Hüttenkäse sollten auf dem Speiseplan der Wellensittiche stehen. Wer seine Tiere so artgerecht wie möglich ernähren möchte - und das sollte jeder verantwortungsbewusste Vogelhalter wollen -, informiert sich am besten ausführlich darüber, wie eine ausgewogene Wellensittichernährung aussieht.

Melodisches Zwitschern oder nerviges Geschrei?
Rocker, der Sänger Wellensittiche zeichnen sich nicht gerade dadurch aus, dass sie besonders stille Zeitgenossen sind. Bereits am frühen Morgen stimmen sie ihren Gesang an, der in menschlichen Ohren meist wenig melodiös klingt. Und das, obwohl der Wellensittich den lateinischen Namen Melopsittacus undulatus trägt, was so viel heißt wie "melodisch singender, gewellter Sittich".

Ihren mehr oder minder schönen Gesang tragen die Tiere oft und gern vor. Dies liegt darin begründet, dass in einem großen Schwarm wild lebender Wellensittiche immer nur dann absolute Ruhe herrscht, wenn die Tiere von einem Fressfeind bedroht werden. Solange die Vögel das Gezwitscher eines Artgenossen vernehmen, fühlen sie sich in Sicherheit, was sie in einen entspannten Zustand versetzt und weshalb sie selbst zu singen anfangen. Da sich die Tiere vor allem in menschlicher Obhut meist sicher und von keinem Fressfeind bedroht fühlen, trällern und zetern, schnattern und zwitschern sie den ganzen Tag lag, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt.

Dieser Tatsache sollte man sich vor dem Vogelkauf bewusst sein, denn Tiere begreifen nicht, dass ihr Halter beispielsweise in der Nacht zuvor auf einer Party zu tief ins Glas geschaut hat und deshalb an einem Sonntag seinen Brummschädel durch besonders langes Schlafen kurieren möchte. Oder dass der Vogelhalter unbedingt seinen Liebesfilm im TV ganz ungestört genießen will. Wer Wellensittiche hält, muss mit der von den Vögeln verursachten, so gut wie immer vorhandenen Geräuschkulisse leben können. Wichtig ist auch zu bedenken, dass die meisten Wellensittiche mit dem ersten Sonnenlicht aktiv werden und zu zwitschern beginnen. Im Sommer ist das bereits gegen 5 Uhr morgens der Fall! Nur wer über vollkommen lichtundurchlässige Rolläden verfügt, wird im Sommer nicht bereits am frühen Morgen vom teils sehr lauten Gezwitscher seiner Wellensittiche geweckt.

Die Sache mit dem Sprechen
Wellensittiche sind ausgesprochen intelligente und kommunikative Vögel. Viele Individuen verfügen über ein so gutes Nachahmungstalent, dass sie die menschliche Sprache imitieren können. Dabei klingen sie wie kleine Bauchredner, da sie keine Stimmbänder wie wir Menschen haben.

Es ist zugegebenermaßen wirklich putzig, wenn ein Wellensittich "spricht". Bedauerlicherweise können meist aber nur die Vögel sprechen, die von ihren Besitzern einzeln gehalten werden. In Ermangelung eines arteigenen Partners schließen sich solche Einzelvögel eng an den Menschen an und ahmen deshalb die Lautäußerungen ihrer Bezugsperson nach. Daher gilt in nahezu allen Fällen: Ein sprechender Wellensittich ist ein einsamer, nicht artgerecht gehaltener Wellensittich.

Selbstverständlich existieren Ausnahmen von dieser Regel. So kannte ich selbst ein sprechendes Wellensittichmännchen, das in einem mehrköpfigen Vogelschwarm lebt und dennoch schwatzte, wie ihm der Schnabel gewachsen war. In Fällen wie diesem kann man das Gebrabbel der gefiederten Hausgenossen ruhigen Gewissens genießen, denn oft bringen die Vögel uns Menschen mit ihren Monologen zum Lachen.

Handelt es sich bei einem sprechenden Vogel allerdings um einen einzeln gehaltenen Sittich, sorgen seine niedlichen Worte bei echten Tierliebhabern vermutlich eher für Mitleid als für Vergnügen.

 
 
Sämtliche Inhalte und Abbildungen auf dieser Seite sind urheberrechtlich geschützt. Bilder-, Video-, Tondatei- und Textdiebstahl werden rechtlich verfolgt.