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Erfahrungsbericht von Christine Langner, Februar 2015

Bei uns hat sich kürzlich ein furchtbarer Unfall ereignet. Ich habe versehentlich einen meiner Wellis totgetreten, da ich nicht gesehen habe, dass er vor meinen Füßen herumgelaufen ist. Nach diesem schrecklichen Erlebnis habe ich mir Gedanken darüber gemacht, welch große Verantwortung das Halten eines großen Wellischwarms bedeutet und welche Probleme sich dabei ergeben können. Diese Gedanken habe ich für den hier veröffentlichten Erfahrungsbericht zusammengefasst. Den Bericht soll aber bitte niemand falsch verstehen! Ich möchte es keinem madig machen oder ausreden, viele Wellensittiche zu halten, sondern nur auf die etwaigen Gefahren und Probleme hinweisen, die man bei einer kleinen Gruppe von Vögeln nicht oder nicht so extrem hat.

Im Wellensittichschwarm von Christine Langer ist immer etwas losHätte man mir vorher erzählt, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob man sechs bis acht Wellensittiche hält oder 20, dem hätte ich nur müde zugelächelt... Ich möchte jedem, der plant, seinen Bestand zu vergrößern (oder dessen Bestand sich nach und nach "unmerklich" vergrößert ;-) ), die potenziellen Problematiken vor Augen führen. Es wird jedoch auf keinen Fall eine vollständige Liste sein. Bei den weiter unten genannten Aspekten handelt es sich um Dinge, die mir widerfahren sind und anhand derer man sich den Umfang und die Art der Hindernisse, die sich einem in den Weg stellen, mit ein wenig gesundem Menschenverstand weiter ausmalen kann.

Nichtsdestotrotz ist es unbeschreiblich schön, so viele Wellis zu halten. Überall wuselt es herum und es gibt immer etwas zu sehen. Es bilden sich Freundschaften, aber auch Feindschaften, es finden sich Paare und jedes der Tiere ist trotz allem individuell in seinem Verhalten. Wenn dann noch einige Vögel zahm bleiben oder werden, ist dies ein besonderes Geschenk. Ich möchte keinen einzigen meiner Vögel missen. Aber wenn ich vorher gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich doch mehrmals trocken schlucken müssen.

Das Vogelzimmer ist ein Paradies für den Vogelschwarm von Christine LangerMir sagte früher ein Züchter, dass einzeln oder zu zweit gehaltene Vögel oft länger leben, da sie nicht so großem Stress ausgesetzt sind wie in einer Gruppe gehaltene Vögel. Das soll nun keineswegs bedeuten, dass man aus diesem Grund die Tiere (schon gar nicht) einzeln oder zu zweit halten sollte. Man sollte sich nur die Bedeutung dieser Aussage bewusst machen. Mir ist ein passender Vergleich eingefallen: Wenn man seinen Urlaub allein mit einem guten Buch zu Hause im Garten verbringt, mag dies recht langweilig wirken. Es ist jedoch entspannter und erholsamer, als wenn man mit seinem Kegelclub nach Mallorca fliegt, wobei das zweite natürlich abwechslungsreicher ist, allerdings mit Sicherheit auch anstrengender und man danach noch etwas von der Art des zuerst angeführten Urlaubs bräuchte... :-)

Wie bei mir alles anfing

Zunächst hatte ich eine kleine Gruppe von fünf Vögeln, die schnell weiter wuchs, da ich ein paar Abgabetiere dazu nahm und dann das allererste Problem auftauchte: Es waren zu viel Männchen! Obwohl ich nicht züchten wollte, stritten sich die Männchen um die Gunst der wenigen Weibchen, also besorgte ich weitere Weibchen.

Wellensittichdame Wilma hat gerade Rote Bete gefressen und ist deshalb im Gesicht ganz rotNächstes Problem: Meine Voliere wurde zu klein, oder besser gesagt gab es ein Weibchen (Wilma), das das Zusammensein mit einer so großen Gruppe zumindest in einer Voliere überhaupt nicht mochte und um sich biss, was das Zeug hielt... Auf dem Foto rechts ist zu sehen, dass sie auch gern in Gemüse biss. Kurz zuvor hatte sie Rote Bete gefressen.

Lösung: eine zweite größere Voliere! Aber das Problem mit Wilmas Aggressivität blieb bestehen.

Nächstes Problem: Alle Vögel hatten tagsüber Freiflug und sollten abends in die Voliere gehen, was sie auch taten. Aber anstatt sich auf die beiden Volieren aufzuteilen, quetschten sich alle Sittiche in eine Voliere. Das funktionierte auch recht gut und die Vögel vertrugen sich. Einzig Wilma machte weiterhin Ärger... Ein zusätzliches Problem war, dass sie ein Männchen namens Mobi als Partner hatte, der sich im Gegensatz zu ihr gern in der Gruppe aufhielt. Manch einer wird jetzt sagen, ich hätte Wilma weggeben sollen. Doch sie hatte in ihrem Leben schon so viele Umzüge hinter sich und bekam beim Einfangen vor lauter Angst epileptische Anfälle. Für mich war es deshalb keine Alternative, sie wegzugeben. Inzwischen kann man sie zum Glück einfangen, ohne dass diese Anfälle auftreten.

Für den zuvor genannten Punkt, dass sich alle Vögel in nur eine der beiden Volieren setzten, gab es eine witzige Lösung, von der ich nie geglaubt hätte, dass sie tatsächlich funktionieren würde. Abends ließ ich die Vögel alle einen Platz wählen. Dies war wie gesagt die eine (größere) Voliere. Ich beobachtete alle, bis Wilma damit anfing, Stunk zu machen. Dann rief ich nur ganz laut "WILMAAA" (wie bei den Feuersteins ;-) ) und sie ging dann mehr oder weniger freiwillig allein rüber in die andere Voliere. Dort war sie ja auch nur während der Nacht allein untergebracht.

Anfangs lotste ich sie zur Tür der Voliere und sie wechselte dann rasch in die andere Behausung. Später brauchte ich nur noch die Tür aufmachen und zu rufen. Nach einer getrennt verbrachten Nacht öffnete ich am nächsten Morgen die Tür der Gruppenvoliere. Wilmas Männchen Mobi kam (nach einer Zeit schon automatisch) raus und wartete, bis ich die Tür der anderen Voliere öffnete und besuchte sein Weibchen. Anschließend ließ ich alle Vögel erst einmal fressen und dann gab es Freiflug, bis die Sortiererei abends wieder losging.

Irgendwann überlegte ich mir, die kleinere Voliere für Bedarfsfälle, zum Beispiel für Vögel, die krank sind oder Diät machen müssen oder Ähnliches, stehen zu lassen und die andere abzubauen und nur das Gerüst stehen zu lassen. Das bekam Wilma sehr gut. Nachdem sie gemerkt hatte, dass sie sich absondern konnte, wann immer sie mochte (sie wurde beim Vorbesitzer ganz ohne Freiflug in einem kleineren Käfig gehalten), wurde sie ausgeglichener und biss anfangs nur, wenn ihr jemand zu nahe kam.

Erst war die Gardinenstange ein attraktiver Landeplatz, und danach fanden die Vögel auch die Handtücher zum Schutz der Gardinenstange tollNächstes Problem: Die Wellis fanden meine Gardinenstange als Aufenthaltsort ganz klasse, ich weniger, da ich es dort schwer hatte, was die Reinigung anging.

Lösung: Ich stopfte Handtücher hinein, sodass die Vögel nicht mehr auf der Gardinenstange landen würden. Das dachte ich zumindest.

Nächstes Problem: Die Wellis fanden auch die Handtücher toll, da man darauf noch bequemer sitzen konnte und man eventuell ja auch Nistplätze dort einrichten könnte Also: Handtücher so dicht platziert und festgedrückt, dass dies nicht mehr möglich war.

Das Gefieder mag zwar ein wenig struppig wirken, aber dass ein Vogel mit Spulwürmern infiziert ist, sieht man von außen meist nichtNächstes Problem: Ich hatte Vögel, die ich vom bereits weiter oben erwähnten Züchter übernommen hatte, ohne zu wissen, dass sie mit Spulwürmern infiziert waren. Der gesamte Vogelschwarm steckte sich an. Also musste ich mit allen Vögeln zu meinem Tierarzt in die Tierärztlichen Hochschule Hannover fahren, um die Sittiche behandeln zu lassen. Bei ein bis zwei Tieren wäre dies preislich keine Frage gewesen, aber mit mittlerweile 13 Vögeln?! Ich wurde mehrere hundert Euro los.

Das war aber nicht das einzig Problematische. Für eine zielgerichtete Behandlung müssen in einem solchen Fall alle Vögel einzeln mit Medikamenten versorgt werden. Der Tierarzt schlug vor, dass ich für jede erforderliche Behandlung alle Vögel zu ihm bringen sollte, damit jeder einzeln gewogen und die Medikamentenmenge individuell abgestimmt werden konnte.

Zudem musste das komplette Vogelzimmer gesäubert und desinfiziert werden. Das bedeutete, dass alle Spielzeuge weggeworfen, alle Näpfe ausgekocht und die Voliere auseinander gebaut, gesäubert und natürlich wieder zusammen gebaut werden musste/n.

Mir wurde klar: Es wäre schlauer gewesen, die von dem Züchter stammenden Vögel zunächst untersuchen zu lassen und sie erst danach zu den anderen Tieren zu lassen, was ich auch jedem nur raten kann. Man darf aber nicht vergessen, dass es pro Wellensittich etwa 60 Euro oder mehr kostet, wenn man ihn auf die gängigsten Krankheiten testen lässt. Ich will damit keinesfalls sagen, dass man die Eingangsuntersuchung aus diesem Grund bleiben lassen soll. Da ich hier aber die Konsequenzen aufzähle, die das Halten eines großen Schwarms verursacht, sollte man sich über die Kosten für den Eingangscheck im Klaren sein.

Ich hatte die Untersuchung übrigens nicht etwa aus Kostengründen unterlassen (das Behandeln der Vögel aufgrund der Würmer war letztlich teurer und aufwendiger), sondern schier aus dem Grund, dass ich die ganze Angelegenheit einfach nicht ausreichend ernst genommen hatte. Ich hatte gedacht: Was soll denn schon passieren? Tja, zum Beispiel genau das, was ich dann erlebte... Das sollte einem Halter eines großen Vogelschwarms bewusst sein. Und auch wenn man vorbeugt, gibt es dennoch etliche Krankheiten, die solch einen ähnlichen Aufwand verursachen und deren Auftreten man nicht in jedem Fall durch eine Eingangsuntersuchung neuer Vögel verhindern kann. Auch dafür sollte man emotional und finanziell gewappnet sein.

Für meine Vögel und mich war die Sache leider nicht sehr schnell ausgestanden. Nach dem Ende der Behandlungen mussten weiterhin alle paar Wochen, später Monate, Kotproben zum Tierarzt gebracht werden, um zu überprüfen, ob tatsächlich alle Wurmeier verschwunden waren.

Mir wurde dann auch gesagt, was ich alles zufüttern sollte, also generell gerade in so einer großen Gruppe: Aminosäuren, Vitamin K, nach der Behandlung ein Mittel zum Aufbau der Darmflora (zum Beispiel Bird Bene-Bac oder PT12), Kalzium, Alamin, Kalkstein, Jodstein, Sepiaschale. Hinzu kam außerdem Phytorenal für einen Vogel mit einer Nierenschwäche.

Ich war nach der Wurmkur noch zigmal aus anderen Gründen in der Tierärztlichen Hochschule, beispielsweise wegen eines verletzten Flügels, eines verletzten Schnabels, Erbrechen und Durchfall. Einer meiner Wellis hatte einen Hodentumor und es gab noch etliche weitere Krankheitsfälle. Ich hatte früher, als ich jahrelang nur zwei Wellis gehalten hatte, nicht annähernd mit so vielen Krankheits- und Verletzungsfällen zu tun.

Wird ein neuer Vogel in einen kleinen Wellensittichschwarm integriert, kann es zu Krankheitsfällen kommen, weil diese Situation für alle Beteiligten immer auch ein wenig Stress bedeutetWas mir außerdem aufgefallen ist: Jedes Mal, wenn ein neues Tier in die Gruppe kommt, steigt in meinem Vogelschwarm die Anfälligkeit für Infektionen. Der neue Vogel ist anfälliger, da er durch den Umgebungswechsel zunächst großem Stress ausgesetzt ist, aber auch der Rest des Schwarms sortiert sich neu und muss sich auf den Neuankömmling einstellen. Ist es ein Weibchen, verlässt unter Umständen ein Männchen sein vorheriges Weibchen und flirtet mit der Neuen, was Konfliktpotenzial birgt, da das verlassene Weibchen die neue Situation in aller Regel nicht so toll findet und zudem auch andere Männchen Interesse an der Neuen zeigen könnten. Unter den Männchen kann es somit zu Streit kommen, was ebenfalls Stress bedeutet.

Nächstes Problem: Nachdem ich eine große Menge Alunäpfe gekauft hatte, weil diese besonders hygienisch sind und sich optimal reinigen lassen, musste ich feststellen, dass gerade runde spiegelnde Alunäpfe einige Weibchen und speziell Wilma dazu veranlassten, diese regelmäßig auszuräumen und auf den Boden zu werfen. Die Weibchen taten dies ständig, ganz egal, ob gerade frisches Futter oder verbrauchte Schlauben drin waren... Also mussten neue Näpfe her und Kunststoffnäpfe stellten sich bei meinen Vögeln als die geeignete Lösung heraus.

Die Futternäpfe müssen immer mit Wäschenklammern fixiert werden, damit die Weibchen sie nicht auf den Boden werfenIch sichere die Kunststoffnäpfe mit Wäscheklammern, damit die Wellensittichweibchen sie nicht herunterwerfen können. Sobald ich aber mal vergesse, eine Klammer anzubringen, landet der jeweilige Napf unten. Mittlerweile hab ich festgestellt, dass manche Alunäpfe entsprechend platziert in Ruhe gelassen werden und ich nur eine gewisse Anzahl gegen Kunststoffnäpfe austauschen musste. Warum das so ist, weiß ich leider nicht.

In dem Zusammenhang sei noch erwähnt: Man muss preislich gesehen bedenken, dass man bei 20 Vögeln entsprechend viele Näpfe benötigt, da man sie (zwecks Reinigung) abwechselnd nutzt. Das heißt, man benötigt ständig mindestens 40 Näpfe. Wenn man dann noch von einer Sorte Näpfe, die sich als nicht verwendbar erweist, auf andere Näpfe wechselt, sind das leicht mal eben 80 Näpfe. Und noch ein Aspekt kann schwierig sein: Dummerweise nutzte ich anfangs Kunststoffnäpfe, die so klein waren, dass diese für die Standardsittiche viel zu eng waren. Nach einiger Zeit war ich so schlau, im Bedarfsfall nicht gleich eine ganze Batterie neuer Näpfe anzuschaffen, sondern erst einmal ein paar zum Testen zu kaufen.

Ich habe an der Zimmerwand ein Brett installiert, auf dem Grit und Wasser stehen und auf dem ich in zusätzlichen Schalen besondere Leckereien verteile. Ich hatte schon die Idee, dort große Tonschalen mit Futter hinzustellen und mir so das Füttern zu erleichtern. Aber was passiert, wenn mittlerweile über 20 Vögel hin und wieder weg fliegen? Genau, ein Großteil des Futters landet wegen des Windzugs der Flügel auf dem Boden.

Nächstes Problem: Der Kot an den Wänden! Ich weiß nicht, wie sie es schaffen, aber es landet beim Fliegen mehr Kot an den Wänden, als man sich denken würde. Bei zwei bis vier Wellis kommt man da in Sachen Putzen noch hinterher, aber bei 22 Tieren...? Nein, definitiv nicht!

Da das Zimmer, in dem meine Vögel untergebracht sind, anfangs eigentlich ein Wohnzimmer war, war es tapeziert. Wer also plant, sich so viele "fliegende Nagetiere" wie ich anzuschaffen und die Möglichkeit hat, alles vorher zu planen, dem möchte ich das hier empfehlen: Verwendet am besten Fliesen an den Wänden. Ich habe die Wände meines Zimmers nun nach und nach mit Folie beklebt, die man abwaschen kann. Das ist praktisch, aber ein nicht ganz billiger Spaß.

Madame Butterfly hatte Probleme mit ihrem FußNächstes Problem: Madame Butterfly, eine große, plüschige hellblaue Standardwellensittich-Dame, hatte sich den Fuß verknackst. Ich musste also wieder zur Tierärztlichen Hochschule fahren. Dort schlug man mir scherzeshalber vor, am besten gleich einen Dauerparkplatz anzumieten... Mein Vogel wurde geröntgt, aber es war nichts zu finden. Ich sollte zwei Wochen abwarten und gucken, ob sich die Beschwerden legen. Leider war dem nicht so. Hin und wieder konnte Madame Butterfly ihren Fuß zwar wieder bewegen, aber meist hatte sie Probleme und ich brachte sie deshalb noch einmal zum Tierarzt.

Diesmal wurde sie mit Kontrastmitteln geröntgt (beide Röntgenaufnahmen kosteten circa 250 Euro), doch es konnte erneut nichts festgestellt werden. Man sagte mir, ich solle das Vogelzimmer entsprechend einrichten und ihr Fuß wurde getapt (das heißt, er wurde mit Tape fixiert). Mich faszinierte es, wie es den Ärzten gelang, einen so kleinen Fuß zu tapen. Madame Butterfly war allerdings weniger begeistert als ich und nagte den Tapeverband sehr schnell wieder ab. Zum Glück gewöhnte sie sich aber schnell daran, dass ihr Fuß nicht mehr so belastbar war wie früher und passte sich der neuen Situation an.

Viele Wellensittiche mögen Schukelbretter wie dieses, das aus einem Stück Korkrinde hergestellt wurdeIch montierte in den Ecken der Voliere und an der einen Seite des Teils der Volierenwand, die noch steht, Schlafbretter aus Holz. Dort legt sich Madame Butterfly gern hin. Ich wollte es ihr bequemer machen und polsterte diese Liegebrettchen mit Fleece, doch das gefiel ihr gar nicht, weshalb ich die Polsterung wieder entfernte. Ich baute außerdem eine Schaukel mit einem breiten Brett, damit sie bequem liegen kann, ohne einen Ast umgreifen zu müssen. Das nutzen auch einige andere Vögel und es sieht lustig aus, wenn ein liegender Vogel schaukelt. Zusätzlich konstruierte ich eine Wendeltreppe aus stabilen Seilen mit Drahtkern und Leitern und es gibt Äste und Seile, damit Madame Butterfly überall hin gelangen kann.

Damit hatte ich unbeabsichtigt gleich für den nächsten Krankheitsfall die Weichen gestellt: Melody verknackste sich den Flügel so sehr, dass ihr keine "Kaltstarts" mehr gelingen und sie auf den Boden fällt. Für mich hieß es also: Das Zimmer zusätzlich mit dicken Wolldecken ausstatten und darüber Zeitungspapier auslegen. Da Melody von unten nicht nach oben fliegen kann, nutzt sie die Leitern, um wieder nach oben zu gelangen. Ich habe nun alles so mit Seilen verbunden, dass sie jeden Punkt kletternd erreichen kann. Das gelingt ihr in einer Windeseile. Es ist beeindruckend, wie schnell sie klettern kann. Sie zieht mittlerweile das Klettern dem Fliegen deutlich vor.

Balou und Dobby sind eng miteinander befreundetNächstes Problem: Ich hatte zwei Wellensittich-Männchen aufgenommen, die zu zweit in einem sehr kleinen Käfig gehalten worden waren und nie Freiflug erhalten hatten. Sie heißen Balou und Coco. Balou ist blau und Coco ganz weiß. Sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel, bis sie zu mir kamen. Balou war bei der Ankunft sofort unternehmungslustig und traute sich gleich aus der Voliere. Bei Coco dauerte es ewig, bis er sich traute, die Voliere zu verlassen. Balou wurde sofort in die "Blue men group" aufgenommen. Witzigerweise ist das eine Gruppe von mehreren Wellimännchen, die nur neue Gefährten mit haargenau demselben Blau in ihre Runde aufnehmen. In der Gruppe waren zwei eng miteinander befreundete Männchen namens Snoopy und Dobby. Als Dobby länger in der Klinik bleiben musste, schien Snoopy beleidigt zu sein, denn nach Dobbys Rückkehr wollte er nichts mehr von ihm wissen. Danach freundete sich Dobby sehr eng mit Balou an, sie sind auf dem Foto in diesem Absatz zusammen auf einer Schaukel zu sehen.

Weil Wall-E sich von Coco bedrängt fühlte, gesellte er sich lieber wieder zu anderen VögelnJetzt kommt das eigentliche Problem: Coco, der zuvor eng mit Balou befreundet gewesen war, war plötzlich ausgeschlossen. Er wurde nicht in die "Blue men group" aufgenommen, da er weiß ist und Balou wegen seiner neuen Freundschaft nichts mehr von ihm wissen wollte. Coco flog dauernd hinter ihm her, aber er konnte seinen ehemaligen Freund nicht umstimmen. Dann freundete sich der traurige Coco zum Glück mit Wall-E an, einem knallkornblumenblau-weißen Welli. Doch leider dauerte die Freundschaft nur eine begrenzte Zeit, da sich Coco so sehr an ihn heftete, dass es Wall-E irgendwann zu viel wurde und er sich lieber wieder zu anderen Vögeln gesellte.

Coco verliebte sich danach in eine kleine grüne Wellidame, die ihn aber leider nicht sonderlich mochte. Nach einiger Zeit bedrängte Coco sie schließlich so sehr, dass sie völlig erschöpft war und immer dünner wurde. Da ich mir nicht mehr zu helfen wusste, rief ich zwei Züchter an, die ich in der Zwischenzeit kennengelernt hatte, und bat sie um Rat. Wir kamen überein, dass sie Coco nehmen und ich dafür Mr. Bean, einen sehr zahmen weißen Welli mit hellblauem Schimmer, bekommen würde. Normalerweise gebe ich keine Vögel weg, aber in diesem Fall wusste ich nicht mehr weiter. Es wurde einfach nicht besser und mir fiel keine andere Lösung ein. Bei den Züchtern haben die Vögel mehrere Möglichkeiten der Unterbringung, denn dort gibt es nicht nur Jungtiere, sondern auch Altvögel und verschiedene Volieren. Als ich ihn dort freiließ, schloss sich Coco augenblicklich den anderen Vögeln an und fand später eine feste Partnerin.

Diäten sind in Vogelschwärmen mit dicken und dünnen Vögeln oft sehr schwierigNächstes Problem: Das Futter und das Gewicht... Was tut man, wenn man in einer Gruppe zu dicke Vögel hat und gleichzeitig Tiere, die nicht abnehmen dürfen? Die Dünnen separat zu füttern bedeutet, man muss mindestens zweimal am Tag Zeit finden, ihnen ihre Extraportion Nahrung zu reichen. Und wehe, die anderen sehen das! Eine räumliche Trennung ist nicht immer leicht umzusetzen, was das Ganze erheblich erschwert. Man will die Dünneren schließlich nicht jedes Mal einfangen müssen. Ich entschloss mich für folgende Maßnahme: Die dicken Damen wurden in die Voliere eingesperrt, was die Vögel gar nicht lustig fanden, da sie trotz der sehr großen Voliere viel Freiflug gewöhnt sind. Eine der eingesperrten Wellensittichdamen regte sich anfangs sogar so sehr auf, dass sie sich übergeben musste. Zum Glück legte sich diese extreme Aufregung nach einem Tag, aber Stress war es trotzdem für sie (und für mich). Anhand dieser Vorgehensweise nahmen meine übergewichtigen Vögel innerhalb von zwei bis drei Wochen tatsächlich ab, doch kaum gingen wir wieder zum normalen Alltag über, fraßen sie sich ihr ursprüngliches Übergewicht in der Gruppe schnell wieder an.

Futterneid kann in einem Schwarm von Wellensittichen ein Vorteil, aber auch ein Nachteil seinNächstes Problem: Die Vor-und Nachteile des Imitierens von Verhalten in einer großen Vogelgruppe können einem einerseits helfen, andererseits wiederum Schwierigkeiten bereiten. Wenn nur ein einziger Vogel Schabernack im Kopf hat, wie zum Beispiel Tapeten anzuknabbern oder Gegenstände herunterzuwerfen, machen es die anderen oft schnell nach. Von Vorteil ist, dass man selten Probleme mit neuem Futter hat. Reicht man Futter, das noch nicht alle Tiere kennen, frisst garantiert immer der eine oder andere Vogel davon. Die zuvor zurückhaltenden Tiere gucken es sich von den Artgenossen ab und der Futterneid sorgt dafür, dass sie es schließlich auch probieren.

Nächstes Problem: Verletzungen können in einer großen Wellensittichgruppe häufiger auftreten. Wenn man zwei bis vier Tiere hält, die sich gut miteinander verstehen, kommt es selten zu Verletzungen - zumindest habe ich diese Erfahrung damals gemacht. Doch in einer großen Gruppe passiert viel häufiger etwas: verletzte Flügel, verletzte Wachshaut, Wunden an den Füßen... Und das alles oft nur aufgrund von Streitereien. Gründe dafür ergeben sich im großen Schwarm sehr oft. Die Männchen streiten sich um die begehrtesten Weibchen, Weibchen sind eifersüchtig auf ihre Nebenbuhlerinnen, es hängen zig Korkröhren im Zimmer, aber eine ist die Schönste und es wird um diese bis aufs Blut gekämpft - im wahrsten Sinne des Wortes.

Nicht immer geht es so harmonisch wie auf diesem Foto zu, um Korkröhren wird unter Wellensittich häufig heftig gestrittenIch musste zum Beispiel gerade heute eine bestimmte Korkröhre aus dem Freiflugzimmer entfernen, da sich zwei Weibchen derart ineinander verbissen hatten, bis sie bluteten und eine von ihnen sich dann noch mit der weiter oben erwähnten Wilma einen Kampf lieferte und auf dem Boden kugelte. Da ich nicht auf die Idee gekommen bin, sie mit Wasser zu bespritzen, um sie zu trennen, bin ich dazwischen gegangen und habe sie mit den Händen auseinander gepflückt. Das ist schwieriger als man denkt, weil man die kämpfenden Vögel nicht verletzen will und die Tiere einem die Hände blutig hacken. Dabei ging es wie gesagt "nur" um eine simple Korkröhre, aber für die Wellidamen war es bitterer Ernst, sie haben die Korkröhre als potenzielle Nistmöglichkeit angesehen und diese bis aufs Blut verteidigt.

Abschließende Gedanken

Dies war ein Einblick in mein Dasein als glückliche "Fliegende-Nagetier-Besitzerin", die keinen von den Frechdachsen hergeben möchte. Man sollte sich jedoch wirklich sehr gut überlegen, ob man sich so eine große Schar Wellensittiche zulegt. Es stellt einen immensen Zeit- und Kostenaufwand dar.

Es ist immer Highlife im Welli-Zimmer. Solange alles in Ordnung ist, ist es toll. Überall wuselt es, man weiß gar, nicht wo man zuerst hingucken soll, aber wenn sich alle um etwas streiten oder krank werden, wird es brenzlig.

Ich würde jedem raten, die Anzahl der Vögel langsam zu steigern, vielleicht mit sechs bis acht Tieren anzufangen und sich vor allen Dingen schlau zu machen. Im Internet, zum Beispiel auf der Website Birds Online, gibt es fundierte Informationen. Erst wenn man wirklich gut informiert ist, sollte man die Anzahl der Tiere langsam steigern und versuchen, die "Wellisucht" irgendwann zu bremsen, damit einem die Situation nicht über den Kopf wächst. Apropos Lebewesen: Ein letzter nicht ganz wichtiger Punkt sei noch genannt: wenn man liiert ist, sollte der/die Partner/in die Wellisucht tolerieren, sonst bietet sich ein großes Konfliktpotenzial.

 
 
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