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  Wer ist der neue Partner? Aus unterschiedlichen Gründen oder aufgrund verschiedener Überlegungen kann ein Vogelhalter plötzlich vor der Situation stehen, seinem einzelnen, einsamen Wellensittich einen Partner ins Haus holen zu wollen. Da vielerorts Wellensittiche zum Verkauf stehen, liegt die Schwierigkeit nicht darin, einen neuen Vogel zu beschaffen. Viel mehr stellen sich dem Vogelhalter die Fragen, ob er sein Tier besser mit einem Männchen oder mit einem Weibchen vergesellschaften soll und wie alt der neue Vogel am besten sein sollte. Eine pauschale Antwort ist auf diese Fragen nicht möglich, da jeder Fall individuell ist. Erfahrungsgemäß treten aber bestimmte Grundvoraussetzungen besonders häufig auf, die im Folgenden beschrieben werden und für die jeweils eine Empfehlung in Sachen Partnerwahl gegeben wird.

Ein Wellensittich, der bisher in Gesellschaft gehalten wurde, ist plötzlich allein und soll einen neuen Partner bekommen
Meist ist es so, dass ein plötzlicher Todesfall des bisherigen Partners den Vogel allein übrig bleiben lässt. Bei der Vergesellschaftung mit einem neuen Vogel sollte man darauf achten, dass der gefiederte Neuzugang in etwa so alt wie der andere Vogel ist. Ältere Vögel finden sich beispielsweise im Tierheim. Aber auch über Tageszeitungs-Annoncen oder Anzeigen im Internet beziehungsweise in Vermittlungsforen werden ältere Vögel angeboten, die meist umständehalber weggegeben werden müssen.

Ein Weibchen ist der neue Partner Ein Männchen neu zu vergesellschaften, gestaltet sich als sehr einfach. Da Männchen sich in aller Regel auch mit gleichgeschlechtlichen Partnern sehr gut vertragen, ist es möglich, ein zweites Männchen dazu zu holen. Besser wäre es aber, dem einsamen Männchen ein Weibchen als neue Partnerin zu gönnen. Wer bisher zwei Männchen gehalten hat und beim Kauf eines Weibchens eine ungewollte Familiengründung fürchtet, der sollte das Kapitel über die Familienplanung bei Wellensittichen lesen. Es ist wirklich einfach, eine Kükenschar gar nicht erst entstehen zu lassen. Ein echtes, gemischtgeschlechtliches Paar ist immer die beste Alternative!

Soll ein einsames Weibchen vergesellschaftet werden, so ist es nicht sinnvoll, ein zweites Weibchen dazu zu holen. In den meisten Fällen vertragen sich zwei Weibchen nicht besonders gut miteinander und gehen allenfalls "Zweckkäfiggemeinschaften" ein. Es existieren zwar Ausnahmen von dieser Regel, aber man sollte es nicht darauf ankommen lassen und dem einsamen Weibchen lieber ein Männchen als Partner an die Seite stellen, da dies der natürlichen Lebensgemeinschaft der Wellensittiche in freier Natur entspricht. Was in Sachen Familienplanung zu beachten ist, können Sie im entsprechenden Birds-Online-Kapitel nachlesen.

Ein Jungtier ist nicht immer die richtige Wahl Achtung: Viele Vogelhalter kaufen nach dem Tod eines ihrer Wellensittiche in einer Zoohandlung oder bei einem Züchter ein Jungtier als neuen Partner für den übrig gebliebenen Wellensittich. In vielen Fällen ergeben sich daraus Probleme. Der neue Vogel ist meist noch so jung, dass er erst Monate später die Geschlechtsreife erlangt. Während seiner Jugend ist er für den anderen Wellensittich gewissermaßen eher uninteressant, weil nicht geschlechtsreife Tiere nicht richtig "eingeschätzt" werden können: Sind sie potentielle Geschlechtspartner für eine neue "Ehe"? Sind sie eher "Kumpel", weil sie demselben Geschlecht angehören wie der andere Vogel? In sehr vielen Fällen interessiert sich der ältere Vogel nicht für das Jungtier und fühlt sich im schlimmsten Fall durch dessen sehr agiles Verhalten gar gestört. Streit ist hier an der Tagesordnung und keiner der beiden Vögel ist glücklich.

Altvogel beäugt Jungvogel Man stelle sich einmal vor, man würde einer 30-jährigen Witwe einen vierjährigen Jungen als neuen Partner an die Seite stellen ... Sicherlich ist dieses Beispiel ein wenig überspitzt formuliert, aber es lässt erahnen, mit welchen Problemen man zu rechnen hat, falls ein älterer Vogel mit einem Jungtier vergesellschaftet wird. Zwar gibt es immer wieder Ausnahmen, aber in aller Regel kommt es bei dieser Art der Vergesellschaftung zunächst monatelang zu Problemen - nämlich genau so lange, bis der Jungvogel im Alter von vier bis acht Monaten die Geschlechtsreife erreicht.

An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, meinem Unmut über die Verkaufspraktiken in vielen deutschen Zoofachgeschäften Luft zu machen. Fragt ein Käufer, ob das Jungtier denn wohl vom älteren Wellensittich akzeptiert würde, so lautet die Antwort in fast allen Fällen: "Aber ja, da gibt es nie Probleme." Das ist aus den oben genannten Gründen schlicht und ergreifend falsch und deshalb verantwortungslos. Entweder wird bewusst vermieden, über die bereits erwähnten Probleme zu sprechen, weil der potentielle Käufer dann vermutlich kein Jungtier mit nach Hause nehmen würde. oder aber das Fachpersonal ist in Sachen Vogelverhalten nicht ausreichend informiert und weiß ganz einfach nicht, wie schwierig sich die Vergesellschaftung eines nestjungen Vogels mit einem älteren Wellensittich in der Mehrzahl der Fälle gestaltet.

Ein Wellensittich, der bisher nicht in Gesellschaft gehalten wurde, soll nun doch einen Partner bekommen
Hierbei hängt die richtige Vorgehensweise sehr stark davon ab, wie lange der einsame Vogel bisher einzeln gehalten wurde. Handelt es sich um ein relativ junges Tier, das maximal ein Jahr alt ist, so ist die Vergesellschaftung vergleichsweise leicht. Männchen lassen sich sowohl mit einem zweiten Männchen, als auch mit einem Weibchen vergesellschaften, wobei letzteres die bessere Alternative ist (siehe weiter oben). Weibchen sollte man nicht mit einem zweiten Weibchen vergesellschaften, besser ist es, ihnen ein Männchen als Partner zur Verfügung zu stellen.

Das Weibchen interessiert sich nicht für das Männchen Ist der zuvor einzeln gehaltene Vogel jedoch extrem stark auf den Menschen fixiert, kann es zu Problemen kommen. Unter Umständen erkennt der Vogel den neu hinzu gekommenen Artgenossen nicht mehr als solchen, weil er zu stark auf den Menschen geprägt ist. Mögliche Reaktionen reichen von Furcht über Aggression gegenüber dem gefiederten Neuzugang bis hin zu völligem Desinteresse. Rechnen Sie also mit allem und seien Sie nicht enttäuscht, wenn sich die Vergesellschaftung als komplizierter erweist, als Sie es zunächst angenommen haben!

Wurde ein Vogel über mehrere Jahre einzeln gehalten und soll er vergesellschaftet werden, so ist die Gefahr relativ groß, dass er einen Artgenossen aus dem im vorangegangenen Absatz genannten Gründen nicht mehr als solchen erkennt. Die Vergesellschaftung über mehrere Jahre einzeln gehaltener Wellensittiche ist in aller Regel schwierig, aber nicht unmöglich. Einen Versuch ist es immer wert, denn Einzelhaltung ist nicht artgerecht (siehe auch die Rubrik "Gegen Einzelhaltung")! Geduld ist bei einer solchen Vergesellschaftung das Wichtigste. Außerdem benötigt man viel Feingefühl und oft ist es hilfreich, sich mit anderen Vogelhaltern auszutauschen, um Anregungen und Ideen zu erhalten. Für solche Fälle haben sich Online-Foren als gute Austauschplattformen erwiesen.

 
 
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