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  Junges Mädchen mit Wellis Wellensittiche sind nicht nur hübsch anzusehen, es ist außerdem eine schöne Erfahrung, wenn ein handzahmer Vogel freiwillig auf die Hand seines Besitzers hüpft und sich gegebenenfalls sogar das Köpfchen kraulen lässt. In Sachen Ziervogelhaltung gilt der Wellensittich in Deutschland als echter Einsteigervogel. Viele Menschen gehen davon aus, dass sich Wellensittiche wunderbar als Haustier für kleine Kinder eignen. Leider ist dies ein Irrtum, den in der Vergangenheit viele Vögel bereits mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Wellis und ein junges Mädchen Laut Empfehlungen von Experten und Psychologen sollten Kinder, denen die Aufsicht über Wellensittiche oder Ziervögel von vergleichbarer Größe aufgetragen wird, mindestens zehn Jahre alt sein sollten. Jüngeren Kindern mangelt es in den meisten Fällen an Reife. Viele von ihnen sind nicht dazu in der Lage, die volle Verantwortung für gefiederte Haustiere zu übernehmen, weshalb sie mit der Pflege von Wellensittichen vollkommen überfordert sind. Die tägliche Fütterung und die Käfighygiene sind einfach zu viel für den Großteil der Kinder unter zehn Jahren. Hinzu kommt, dass den allermeisten Vögeln der "Kuschelfaktor" fehlt, was sie mitunter für das Kind rasch langweilig werden lässt. Heranwachsende "begreifen" ihre Umwelt gern im wahrsten Sinne des Wortes, was bei Vögeln nun einmal praktisch nicht möglich ist, da sie nicht gern in die Hand genommen oder gestreichelt werden.

Wellensittich und junges Mädchen Noch schwieriger gestaltet sich der Vogelhalteralltag im Zusammenhang mit Kindern, die jünger als sechs Jahre sind. Bis etwa zu diesem Alter lernen Kinder noch aktiv ihre körperlichen Grenzen kennen. Dazu gehört unter anderem das exakte Dosieren der Muskelkraft. Falls ein kleines Kind bei einem zahmen Vogel zu fest zupackt, kann dies für das Tier tödlich enden. Der Wellensittich einer Freundin verlor bei einer solchen Erkundungsaktion ihres damals eineinhalbjährigen Sohnes sämtliche Schwanzfedern, die der kleine Mann zu packen bekam. Für den Vogel endete dieses Erlebnis vergleichsweise glimpflich, das Sittichweibchen kam mit einer blutenden Wunde davon.

Was im Falle einer versehentlichen Tötung des Vogels in einem Kind vorgeht, möchten sich wohl niemand wirklich vorstellen. Ein Mädchen aus meinem Bekanntenkreis erlebte bedauerlicherweise genau dies, als es knapp sechs Jahre alt war. Es wollte seinem Wellensittich in einer Notsituation helfen, wandte jedoch erheblich zu viel Kraft an und verletzte ihn dadurch tödlich. Innerhalb weniger Minuten verblutete das Tier vor Schmerz laut schreiend in den Händen des Kindes. Im Anschluss an dieses schreckliche Erlebnis war das Mädchen kaum ansprechbar und weinte stundenlang, da es dem Vogel schließlich nur hatte helfen wollen.

Um solchen tragischen Unfällen vorzubeugen, sollten verantwortungsbewusste Eltern ihrem Kind erst dann Wellensittiche oder vergleichbar große Ziervögel schenken, wenn es für dermaßen zerbrechliche Haustiere tatsächlich reif genug ist.

Für größere Ziervögel wie etwa Papageien gilt, dass von ihnen Gefahren für Kinder ausgehen, da sie erheblich wehrhafter sind als Wellensittiche. Fasst ein kleines Kind etwa eine Amazone an, die gerade ihre Ruhe haben möchte, kann sie dem Kind schwere Bisswunden zufügen. Es kam sogar schon vor, dass ein Großpapagei einem Kind einen Finger abgebissen hat.

Wenn man unbedingt Vögel und kleine Kinder unter einen Hut bringen möchte, sollte man die gefiederten Hausgenossen in einer für das Kind unzugänglichen Zimmervoliere unterbringen. So sind die Vögel nicht in Gefahr und das Kind lernt die Verhaltensweisen von im Idealfall mindestens paarweise gehaltenen Ziervögeln zu schätzen. Sollte das Kind in der bloßen Beobachterrolle aufgehen, kann man die Haltungsstrategie jederzeit ändern und ihm unter Aufsicht den Zugang zu den Vögeln gewähren. Ich selbst wurde in ähnlicher Weise mit sechs Jahren an Wellensittiche herangeführt und übernahm schnell die volle Verantwortung für meinen ersten Stubenvogel namens Piep, den ich sehr liebte und dem ich nie auch nur eine Feder gekrümmt habe.

 
 
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