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  Demjenigen, der Wellensittiche kaufen möchte, dem bieten sich mehrere verschiedene Möglichkeiten. Jede dieser Alternativen hat Vor- und Nachteile, die es im Einzelfall abzuwägen gilt. In diesem Kapitel finden Sie eine Auflistung der wichtigsten Argumente für und gegen die einzelnen Möglichkeiten in Sachen Vogelkauf.

Direktverkauf beim Züchter
Voliere mit Wellensittichen Wer Wellensittiche bei einem Züchter kauft, erhält normalerweise wirklich junge Tiere, sofern er dies wünscht. Aber auch Altvögel sind beim Züchter zu haben. Je nachdem, wie groß der Vogelbestand des betreffenden Züchters ist, sind die Tiere aber überhaupt nicht an den Menschen gewöhnt und daher nicht leicht zu zähmen, was viele Vogelhalter als Nachteil empfinden. Pflegt der Züchter hingegen nur wenige Zuchtpaare, sind die Jungtiere eventuell bereits ein wenig zahm, wenn sie verkauft werden. Der Züchter hat sich unter Umständen bereits mit den Jungvögeln beschäftigt, weshalb sie mit Menschen vertraut sind. Das Zähmen solcher Vögel ist denkbar einfach, da sie meist schon zutraulich in ihr neues Heim gelangen.

Altvögel vom Züchter sind oftmals ausgesprochen scheue Tiere, da sie nur wenig Kontakt zum Menschen hatten. Dies kann aber von Vorteil sein, wenn man sich einen Vogelschwarm zusammenstellen möchte, der möglichst naturnah gehalten wird und sich entsprechend arttypisch verhalten soll.

Ein unbestreitbarer Vorteil des Vogelkaufs beim Züchter ist die Auswahl hinsichtlich der Farbschläge. Viele Züchter lassen von ihren Tieren ausschließlich bestimmte Farbschläge erbrüten, die von manchen Vogelhaltern gewünscht werden. Wer zum Beispiel gezielt nach einem Lacewing oder einem Schwarzauge sucht, wird vermutlich am ehesten bei einem auf die Zucht von Wellensittichen mit diesen Farbschlägen spezialisierten Züchter fündig. Ein Großteil der von Züchtern verkauften Vögel sind Standardsittiche, also Ausstellungsvögel, die ein wenig größer sind als die gängigen Stubenwellensittiche.

Verkauf im Zoofachhandel
Die im Zoofachhandel angebotenen Wellensittiche sind in aller Regel rund sechs Wochen alt und damit äußerst jung. Diese Tiere stammen von Züchtern, die für gewöhnlich sehr viele Vögel haben und sich selbst nicht die Mühe machen wollen, die Jungtiere zu verkaufen. Das heißt, die Vögel, die in den Käfigen von Zoofachgeschäften sitzen, haben bereits einen Umgebungswechsel hinter sich. Sehr sensible Gemüter unter den Tieren sind dadurch leicht traumatisiert. Wer solche Tiere mit nach Hause nimmt, wird in der ersten Zeit nur schwer Zugang zu seinen neuen Hausgenossen erlangen können, da solche Vögel extrem verängstigt sind.

Der Großteil aller im Zoofachhandel angebotenen Wellensittiche ist psychisch jedoch einigermaßen robust und reagiert auf einen erneuten Umgebungswechsel nur für kurze Zeit verwirrt oder ängstlich. Fast alle Jungvögel aus dem Zoofachhandel lassen sich relativ leicht zähmen.

Serenio Weil viele Kunden möglichst junge Vögel wünschen, gehen leider einige schwarze Schafe unter den Züchtern über Leichen, um aus der Ware Wellensittich möglichst viel Profit zu schlagen. Sie geben Jungvögel in den Zoofachhandel, die sie zu früh aus dem Nistkasten nehmen und die noch nicht futterfest sind. Das heißt, die Jungvögel sind noch nicht dazu in der Lage, sich selbstständig zu ernähren und verhungern ohne ihre Eltern. Selbst wenn man als Käufer eines solchen Tieres die Notsituation erkennt und es so lange mit Aufzuchtfutterbrei füttert, bis es selbst Körner öffnen und zu sich nehmen kann, so rettet dies nicht unbedingt das Leben des Jungvogels. Durch die Hungerperiode im Zoofachgeschäft, wo das Tier nicht mit Brei gefüttert wurde, können Organschäden entstanden sein, die sich später darin äußern, dass der Vogel urplötzlich schwer erkrankt und nicht mehr zu retten ist. Genau dies habe ich selbst mit meinem Vogel Serenio erlebt. Bitte lesen Sie seine traurige Geschichte und boykottieren Sie im Sinne des Tierschutzes den Verkauf noch nicht futterfester Jung-Wellensittiche.

Im Zoofachhandel kann man ferner Altvögel kaufen, die dann meist zu einem niedrigeren Preis als die Jungtiere angeboten werden. Ich persönlich empfinde dieses Vorgehen als diskriminierend, weil auch Altvögel mit Geduld und liebevoller Zuneigung zahm werden. Noch verabscheuenswürdiger finde ich die Unart, Weibchen zu günstigeren Preisen zu verkaufen als Männchen. Angeblich werden die gefiederten Damen nicht so zutraulich wie ihre männlichen Artgenossen. Das ist ein Irrtum, aus dem leider noch immer viel zu viele Zoofachhändler Profit schlagen. Denn es ist keineswegs so, das Weibchen billiger abgegeben werden. Die Preise für Männchen werden einfach entsprechend erhöht, damit der Unterschied schön deutlich sichtbar ist.

Ein entscheidender Nachteil beim Kauf im Zoofachhandel ist der, dass man unter Umständen an ein schlecht geführtes Geschäft gerät. Leider gibt es unter den Zoofachhändlern einige wenige schwarze Schafe, die ihre Tiere unter hygienisch fragwürdigen Bedingungen halten. Die Tiere werden in zu großer Zahl in sehr kleine Käfige gepfercht, bekommen nicht täglich frisches Wasser, die Käfigeinstreu wird zu selten gewechselt und außer Körnerfutter ist nichts Essbares für die meist jungen Vögel vorhanden. Selbst wenn es noch so schwer fällt und man mit den eventuell bereits erkrankten Vögeln Mitleid empfindet, so sollte man solche Ladenlokale meiden und deren Angebot boykottieren, um die schlechten Haltungsbedingungen nicht auch noch zu unterstützen. Ein Anruf beim zuständigen Amtstierarzt ist übrigens ein probates Mittel, um gegen die hygienisch fragwürdigen Haltungsbedingungen zu vorzugehen, denn normalerweise kontrollieren die Ärzte anschließend die Zoofachhandlung und fordern bessere Haltungsbedingungen ein.

Mir kommt immer wieder zu Ohren, dass im Zoofachhandel gekaufte Vögel krank oder psychisch gestört beim neuen Besitzer ankamen. Fast alle Vogelhalter hatten bereits beim Kauf ein schlechtes Gefühl, weil sie das Ladenlokal als merkwürdig empfanden oder weil ihnen die Vogelkäfige schmutzig erschienen. Es bleibt jedem selbst überlassen, seine Schlüsse aus solchen Beobachtungen zu ziehen. Ich persönlich würde in einem Fachgeschäft, in dem die Tiere schlecht gehalten werden, keinen Vogel kaufen.

Adoption eines Vogels aus dem Tierheim
In den meisten deutschen Tierheimen sind Wellensittiche untergebracht, deren Vorgeschichten herzerweichend traurig sind. Diese Tiere warten auf ein liebevolles Zuhause und auf ein ruhiges Leben in einer schönen Umgebung, denn beides haben viele von ihnen zuvor noch nie erleben dürfen. Immer wieder landen zum Beispiel von der Polizei oder einem Tierschutzverein beschlagnahmte Vögel in Tierheimen, die aus schlechten Haltungsbedingungen gerettet worden sind. Viele dieser Vögel müssen im Tierheim erst einmal tierärztlich versorgt werden, da ihr bisheriges Leben deutliche Spuren an ihnen hinterlassen hat.

Wer sich dazu entschließt, Tierheimvögel zu sich ins Haus zu holen, tut damit den Tieren einen unbeschreiblich großen Gefallen. Diese Variante des Vogelkaufs ist hinsichtlich des Tierschutzgedankens sicherlich mit die beste.

Leider hält sich hartnäckig das Gerücht, Tierheime würden ständig kranke Vögel vermitteln. Das ist so nicht richtig! Sicher erfreuen sich vor allem die Problemvögel, die aus übelsten Haltungsbedingungen befreit worden sind, nicht gerade bester Gesundheit. Nur liegt die Schuld hierfür absolut nicht beim Personal des jeweiligen Tierheims. Hinzu kommt, dass ein plötzlicher Umgebungswechsel für einen Vogel so stressig sein kann, dass sein Immunsystem schlapp macht - das Tier wird krank. Dieser Fall kann jedoch ebenso bei einem vom Züchter oder aus einem Zoofachgeschäft stammenden Sittich eintreten und ist keineswegs nur auf Tierheimvögel beschränkt. Gegen ein angeschlagenes Immunsystem kann man grundsätzlich etwas unternehmen: Gesunde und vitaminreiche Ernährung lautet die Zauberformel.

Außerdem stammen freilich nicht alle Vögel, die in Tierheimen auf ein neues Zuhause warten, aus schlechten Haltungsbedingungen. Manche sind im Tierheim gelandet, weil ihr Besitzer gestorben ist. Andere sind Fundvögel, deren früherer Halter nicht ermittelt werden konnte. Die möglichen Ursachen dafür, dass ein Vogel im Tierheim auf ein neues Zuhause wartet, sind breit gefächert und bedeuten nicht immer, dass das Tier verhaltensauffällig ist.

Secondhand-Vögel von Privat
In vielen Anzeigenblättern oder Tageszeitungen finden sich Annoncen, in denen Wellensittiche angeboten werden. Etliche dieser Vögel sollen gegen einen Schutzvertrag in ein neues Heim überwechseln, weil ihr bisheriger Besitzer sie nicht mehr behalten kann.

Man kann über solche Anzeigen nicht nur Altvögel kaufen. Mitunter finden sich auch Jungtiere in derlei Annoncen, da die Sittiche beispielsweise Fehlkäufe oder nicht erwünschte Geschenke sind. Man hilft solchen Wellensittichen ungemein, wenn man sie bei sich aufnimmt, da sie vom bisherigen Besitzer ansonsten eventuell ins Tierheim abgeschoben werden - und wer weiß, wann sich dort ein Interessent für das Tier finden wird. Wer wirklich an Wellensittichen interessiert ist und wem Alter oder Farbschlag der Vögel egal sind, der kann über Zeitungsannoncen an die gewünschten Tiere gelangen und dabei zusätzlich eine gute Tat vollbringen.

Secondhand-Vögel aus dem Internet
Viele Betreiber von Internetseiten haben in der Vergangenheit damit begonnen, Vermittlungsbörsen für Wellensittiche und andere Vögel anzubieten. Über solche Börsen können Sie an Ihre Wunschvögel gelangen, sofern Sie dazu bereit sind, notfalls ein wenig auf die richtige Gelegenheit zu warten.

Vermittlungsbörsen finden Sie beispielsweise auf den folgenden Websites beziehungsweise in den folgenden Foren:

Vogelkauf auf der Vogelbörse
In vielen Städten werden in regelmäßigen Abständen sogenannte Vogelbörsen abgehalten, die von Züchtervereinen ausgerichtet werden und vom Veterinäramt genehmigt sind. Diese Veranstaltungen werden vor allem von Züchtern besucht, die bei ihresgleichen neue Tiere für ihre eigenen Bestände einkaufen möchten. Als normaler Vogelhalter ohne Zuchtambitionen kann man dort selbstverständlich auch Tiere kaufen. Sie sind meist jung und haben zudem in aller Regel schöne Farben. Auf Vogelbörsen werden überwiegend Standardsittiche angeboten.

Vogelkauf auf dem Flohmarkt
Auf Flohmärkten werden leider in zunehmendem Maße Tiere verkauft, darunter nicht nur Wellensittiche, sondern auch andere exotische Vögel. Diese Tiere sind meist illegal nach Deutschland gelangt und stammen aus gigantischen Zuchtbetrieben, die in Osteuropa liegen. Bitte kaufen Sie niemals Wellensittiche oder andere Tiere auf dem Floh- oder Trödelmarkt! Die Vögel sind nahezu alle nicht beringt und damit illegal gezüchtet. Es besteht ferner die Gefahr, dass Sie einen kranken Vogel erwerben, da die riesigen Zuchtfarmen alles andere als hygienisch betrieben werden. Durch den Kauf eines Vogels auf dem Trödelmarkt unterstützen Sie die finsteren Machenschaften jener Vogelschmuggler und zwielichtigen Züchter im Ausland. Davon ist dringend abzuraten!

 
 
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