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Katharinasittich Tico frisst ApfelFrisches Obst ist bei Wellensittichen und auch bei vielen anderen Vögeln meist heiß begehrt, sofern sie sich erst einmal an die gesunden Köstlichkeiten gewöhnt haben. Bei süßen Äpfeln oder Birnen kommen meist sogar die hartnäckigsten "Frischkost-Verweigerer" schnell auf den Geschmack. Außerdem bietet Obst nicht nur kulinarische Abwechslung, sondern es bringt ferner Spaß in den Vogelalltag, weil man mit den Leckereien hervorragend spielen kann. Aber Vogelhalter sollten Obst stets mit Bedacht reichen, denn aufgrund des darin enthaltenen Fruchtzuckers fördert es die Entstehung von Übergewicht, wenn die Tiere es in zu großen Mengen fressen. Vor allem Wellensittiche, aber auch einige andere Vogelarten sollten deshalb nicht zu viel Obst zu sich nehmen. Täglich ein kleines Stück zu reichen - am besten in Kombination mit viel Gemüse - ist ratsam. Einige Vogelarten wie Katharinasittiche, siehe Foto oben rechts, brauchen dagegen täglich viel Obst, am besten verschiedene Sorten.

Im folgenden finden Sie eine Auflistung der Obstsorten, die Sie an Ihre Vögel verfüttern können. Falls Ihrer Meinung nach eine Obstsorte in der Tabelle fehlt, mailen Sie mir bitte.

Verwendbares Obst

  • Açaí (Acai-Beeren)
  • Ananas
  • Apfel
  • Aprikose
  • Banane (nicht alle Vögel mögen diese klebrige Frucht)
  • Birne
  • Blaubeere
  • Blutorange1
  • Brombeere
  • Cherimoya
  • Clementine1
  • Drachenfrucht (Pitahaya)
  • Erdbeere
  • Feige (frisch oder getrocknet2)
  • Getrocknete Dattel2
  • Granatapfel
  • Guave
  • Heidelbeere
  • Himbeere
  • Holunderbeere (siehe eigenes Kapitel)
  • Holzapfel
  • Honigpomelo1
  • Jambolanapflaume
  • Japanische Mispel (Loquat)
  • Johannisbeere (rot, schwarz und weiß)
  • Jostabeere
  • Kaki3
  • Kaktusfeige
  • Kapstachelbeere (Physalis)
  • Karambole (Sternfrucht)
  • Kirsche
  • Kiwi
  • Litschi
  • Mandarine1
  • Mango
  • Maulbeere4 (siehe eigenes Kapitel)
  • Melone5
  • Mirabelle
  • Nashi
  • Nektarine
  • Orange1
  • Papaya
  • Pitahaya (Drachenfrucht)
  • Pfirsich
  • Pflaume
  • Quitte
  • Rambutan
  • Renecloude
  • Sharon3
  • Stachelbeere
  • Tamarillo (Baumtomate)
  • Weintraube
  • Zimtapfel (Schuppenannone)
  • Zwetschge

1) In Zitrusfrüchten steckt viel Fruchtsäure. Diese kann bei einigen Vögeln zu Reizungen der Schleimhäute des Verdauungstraktes führen. Zeigt ein Ziervogel nach dem Genuss von Zitrusfrüchten Unwohlsein, sollte ihm diese Frischkost zukünftig nicht mehr gereicht werden. Generell sollten Orangen und Co. nur in geringen Mengen verfüttert werden, um keine Verdauungsprobleme zu riskieren.

2) Es gibt ungezuckerte getrocknete Datteln, sogenannte Soft-Datteln; auch entsprechende Feigen sind im Handel erhältlich. Diese Soft-Früchte können Sie Ihren Vögeln gelegentlich als Futter reichen. Geben Sie sie ihnen nicht zu oft, da getrocknete Datteln und Feigen aufgrund ihres hohen natürlichen Zuckergehalts echte Dickmacher sind.

3) Kaki und Sharon sollten nur in reifem Zustand verfüttert werden, wenn die Früchte angenehm süß schmecken. Unreife Kaki/Sharon enthalten zu viele Gerbstoffe und werden von Vögeln deshalb meist nicht gut vertragen.

4) Wellensittiche und viele andere Ziervögel essen nicht nur gern die Beeren selbst, sondern auch die Blätter des Maulbeerbaums. 

5) Jede Art von Melone ist bei Wellensittichen und anderen Vögeln gleichermaßen beliebt. Von der Wassermelone über die Galia bis hin zur Honigmelone sind sämtliche Sorten für die Tiere ein gesunder Leckerbissen.

Schädliche Obstsorten
Bitte verfüttern Sie auf keinen Fall folgendes frisches Obst:

frische Datteln (zu viele Gerbstoffe)
Grapefruit, Pampelmuse (zu säurehaltig und den Vögeln meist zu bitter)
Kumquat (zu säurehaltig)
Passionsfrucht bzw. Maracuja (fast alle Arten enthalten zu viel Säure)
unreife Kaki beziehungsweise Sharon (zu viele Gerbstoffe)
Zitrone und Limette/Limone (viel zu säurehaltig)

Vorbereitende Maßnahmen
Derrick und sein ApfelÄpfel werden von vielen Ziervögeln mit Genuss gefressen. Doch nahezu sämtliche Apfelsorten, die aus dem Ausland stammen, haben eine gewachste Schale. Es empfiehlt sich deshalb, die Schale solcher Äpfel zu entfernen, bevor man Ziervögeln Apfelstücke reicht. Die Schale deutscher Äpfel ist hingegen grundsätzlich nicht gewachst, dieses Obst kann den Vögeln mitsamt der Schale gereicht werden. Außerdem sind in Deutschland geerntete Äpfel in aller Regel mit erheblich weniger Schadstoffen belastet als Obst aus fernen Ländern. Grundsätzlich ist es daher empfehlenswert, Vögel mit einheimischem Obst zu füttern. Für viele weitere Obstsorten, die beispielsweise aus Neuseeland oder Südamerika stammen, gilt in Bezug auf die Schadstoffbelastung und die Behandlung der Schale dasselbe. Man sollte seinen Tieren beispielsweise Orangen, Mandarinen und Clementinen niemals in der Schale anbieten, da diese oftmals mit Chemikalien imprägniert ist.

Es ist viel eher sinnvoll, den Vögeln diese Zitrusfruchtsorten in der von der Natur vorgesehenen Portionierung zu servieren. Die einzelnen Fruchthäppchen sollte man von der dünnen Haut befreien, die das Fruchtfleisch umgibt. Auf diese Weise zubereitet, fressen Wellensittiche und andere Ziervögel das saftige Fruchtfleisch am liebsten. Zitrusfrüchte sollten nicht zu oft gereicht werden, weil sie bei empfindlichen Vögeln zu Verdauungsbeschwerden führen können, siehe unter Punkt 1.

Wer unbehandelte Zitrusfrüchte oder Äpfel im Bioladen einkauft, kann den Tieren das Obst ruhigen Gewissens ungeschält beziehungsweise in der Schale reichen.

Hygiene beim Reichen des Obstes
Beim Verfüttern von Obst ist es notwendig, auf eine größtmögliche Sauberkeit zu achten. Am sinnvollsten ist es, den Vögeln das frische Obst am Morgen zu reichen. Spätestens am Nachmittag sollte man es aus der Reichweite hungriger Schnäbel entfernen, weil vor allem in der warmen Jahreszeit die Gefahr besteht, dass sich Schimmelpilze auf dem Obst ausbreiten. Diese sind ein tödliches Gift für Wellensittiche und andere Ziervögel!

Zum Befestigen von Obststücken am Käfig oder an der Voliere bietet der Fachhandel spezielle Klammern an. Handelsübliche Wäscheklammern aus Kunststoff sind allerdings ebenso gut geeignet und kosten erheblich weniger. Die Klammern müssen täglich gründlich gereinigt werden, damit sich an ihnen keine Obstreste sammeln und nach spätestens ein bis zwei Monaten sollten die Kunststoffklammern gegen neue ausgetauscht werden.

Auf keinen Fall dürfen an den Klammern Obstreste verbleiben, denn sie sind ein perfekter Nährboden für Schimmelpilze und viele Bakterienarten, was der Gesundheit der Vögel schaden würde.

Bei der Befestigung mit Klammern ist außerdem zu beachten, dass sie nicht verrutschen sollten. Sie könnten sich sonst im schlimmsten Fall am Fuß eines Vogels festklammern. Der Autorin ist ein Fall bekannt, in dem ein Wellensittich dadurch einen Zehenbruch erlitten hat.

Weitere Tipps zum Befestigen von Frischkost, um sie Ziervögeln auf möglichst bequeme Weise servieren zu können, finden Sie im separaten Kapitel zu diesem Thema.

"Obstsalat"
ObstsalatManche Vögel bevorzugen es, ihre tägliche Obstration selbst zu zerkleinern, indem sie große Stücke zerbeißen. Aber es gibt auch Vögel, die lieber "Obstsalat" essen, also klein geschnittene Früchte. Solche Obstsalate haben den Vorteil, dass der Halter eine breite Geschmacksvielfalt bieten kann, denn wenn beispielsweise schnabelgerechte Stücke von fünf oder sechs Obstsorten gereicht werden, ist meist für jeden Geschmack etwas dabei. Selbstverständlich können Obstsalate auch mit Gemüsestücken vermischt werden. Frische Kräuter werden von vielen Wellensittichen und anderen Vögeln ebenfalls als Bestandteil eines solchen Frischkostsalates geschätzt. Getrocknete Kräuter können selbstverständlich ebenfalls verwendet werden, sie durchfeuchten meist recht schnell im Obstsalat. Wird sehr flüssigkeitsreiche Frischkost wie etwa Melone im Obstsalat verwendet, geschieht dies besonders schnell.

Trockenfrüchte, Tiefkühl- und Konservenobst
Falls Sie Ihren Ziervögeln Trockenfrüchte anbieten möchten, müssen Sie darauf achten, dass diese nicht geschwefelt sind. Der Organismus der Vögel reagiert extrem empfindlich auf Chemikalien wie Schwefel oder andere Konservierungsstoffe. Was für den Menschen eine harmlose Dosis darstellt und vom Gesetzgeber erlaubt ist, kann für kleine Ziervögel wie zum Beispiel Wellensittiche tödlich sein. Am besten verfüttert man daher ausschließlich ungeschwefeltes Trockenobst, das in manchen Drogeriemärkten, in Reformhäusern oder Bio- beziehungsweise Naturkostläden erhältlich ist. Kandierte Trockenfrüchte sollte man Ziervögeln nicht anbieten, da sie zu viel Zucker enthalten.

Obst aus Konservendosen oder Gläsern sollte ebenfalls nicht auf dem Speiseplan der Ziervögel stehen, weil es für gewöhnlich stark gezuckert ist. Durch das Einkochen sind überdies die meisten Vitamine, die in der frischen Frucht enthalten waren, zerstört worden. Deshalb ist Obst aus der Konserve für Ziervögel lediglich eine süße Kalorienbombe ohne verwertbare Inhaltsstoffe. In etlichen Dosenobstsorten sind außerdem Konservierungsstoffe enthalten, die für Vögel schädlich sein können. Ungezuckertes Tiefkühlobst, zum Beispiel Beeren, können nach dem Auftauen hingegen ohne Bedenken verfüttert werden. Viele Vögel fressen solches Obst aber aufgrund der matschigen Konsistenz nicht gern.

Vorsicht, Schad- und Giftstoffe!
Viele Obstsorten, die in der Großstadt gedeihen, stecken voller Giftstoffe. Insbesondere Beeren wie etwa Brom- oder Himbeeren finden sich im Spätsommer zwar reichlich in der heimischen Natur. Bitte achten Sie aber bei der Ernte unbedingt darauf, dass das von Ihnen gesammelte Beerenobst nicht mit Schadstoffen oder Abgasen belastet sein darf. In der Nähe stark frequentierter Straßen sollte man kein Obst für Vögel ernten. Ebenso problematisch ist das Sammeln von Beerenobst, das in unmittelbarer Nähe von Bahndämmen wächst. Viele dieser Anlagen werden regelmäßig mit Gift gegen Unkraut besprüht, das sich in den Früchten der umliegenden Pflanzen einlagert und für Ziervögel tödlich sein kann.

Frischkost für Jungvögel
Junge Wellensittiche dürfen Frischkost wie Gemüse fressenDas Gerücht, junge Wellensittiche dürften keine Frischkost zu sich nehmen, hält sich leider sehr hartnäckig. Immer wieder kommt mir zu Ohren, dass Züchter oder sogar Tierärzte den Haltern empfehlen, ihren Wellensittichen erst dann Frischkost zu reichen, wenn sie mindestens ein halbes Jahr alt sind, weil der Darm vorher angeblich nicht vollständig ausgebildet sei. Das ist jedoch blanker Unsinn.

Ein Jungvogel, der aus dem Ei schlüpft, hat einen voll ausgereiften (=entwickelten) Darm, sonst könnte er keine Nahrung verdauen. Weil er kurz nach dem Schlupf schon von den Eltern mit Nahrung versorgt wird, muss der Darm funktionieren, anderenfalls könnte der Vogel nicht heranwachsen.

Was ihm zu Beginn fehlt, ist eine natürliche Darmflora. Der anfangs noch "jungfräuliche" Darm wird mit gutartigen Bakterien "geimpft", die das Jungtier über den Nahrungsbrei von seinen Eltern erhält. Diese gutartigen Keime nisten sich sogleich im Darm ein. Normalerweise baut sich auf diesem Wege bei Wellensittichen die natürliche Darmflora innerhalb von vier bis fünf Wochen vollständig auf. Das heißt, sobald ein junger Wellensittich das Nest verlässt, was meist im Alter von ca. fünf Wochen geschieht, ist sein Darm so beschaffen wie der der Altvögel - inklusive der natürlichen Darmflora.

Es handelt sich bei den jungen Tieren somit um körperlich vollständig ausgewachsene, jugendliche Wellensittiche und keine Jungtiere (= Küken) im eigentlichen Sinne. Sobald ein junger Wellensittich den Nistkasten verlassen hat und futterfest ist, kann man ihm deshalb ruhigen Gewissens Frischkost reichen. Die darin enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe wirken sich positiv auf seine Gesundheit aus.

 
 
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